´La famille Adam´ aus der Erzählsammlung ´Le coq de bruyère´ von Michel Tournier


Hausarbeit, 2001
16 Seiten, Note: 2,5
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

I. Biographie

II. Tourniers Erzählkonzeption
II.1. Zur Opposition Philosophie - Literatur
II.2. Zu Tourniers Konzeption von Erzählformen

III. Der Mythos bei Tournier
III.1. Der Mythos als Bindeglied zwischen Literatur und Philosophie
III.2. mythische Stoffe in „Le coq de bruyère“

IV. „La famille Adam“
IV.1. Inhaltsangabe
IV.2. Strukturelemente
IV.2.1. Der Schöpfer als Hermaphrodit
VI.2.2. Der Hermaphrodit und seine Aufspaltung in Mann und Frau
IV.2.3. Die Symbolik der Elemente
IV.2.4. „Sédentaire“ vs. „Nomade“
IV.2.5. Der Außenseiter

V. Zusammenfassung

Bibliographie

0. Einleitung

Seinen eigenen Worten zufolge steht Tourniers Werk in einem Spannungsfeld zwischen Philosophie und Literatur. In Verbindung mit seiner Auffassung von Ästhetik hat dies in der Vergangenheit zu Kontroversen geführt[1], auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Ich möchte im Folgenden zunächst einen kleinen Überblick über die Biographie Tourniers geben. Danach möchte ich kurz auf Tourniers Verhältnis zu Philosophie und Literatur eingehen. Die möglichen philosophischen Vorbilder Tourniers sollen jedoch ausgespart werden: einerseits aus Platzgründen, andererseits jedoch, weil es Tournier in den meisten Fällen nicht (mehr) um die Umsetzung des Gedankenguts eines bestimmten Philosophen geht und die philosophischen Vorbilder in seinen Werken manchmal auch gar nicht klar zu identifizieren sind. Anschließend soll aufgezeigt werden, welche Auswirkungen die Opposition Philosophie-Literatur auf Tourniers Werk hat. Diesem folgt die Analyse von „La famille Adam“, der ersten Erzählung aus dem Band „Le Coq de bruyère“.

I. Biographie

Michel Tournier wurde am 19.12.1924 als Sohn von Alphonse und Madeleine Tournier (geb. Fournier) in Paris geboren. Seine Eltern hatten sich beim Deutschstudium an der Sorbonne kennengelernt. Ihnen – und vor allem seiner Mutter, die im Sommer regelmäßig für kürzere Aufenthalte mit nach Deutschland nimmt – verdankt er seinen besonderen Bezug zu diesem Land. Durch den Einfluss seines kirchlich engagierten Großonkels auf die Familie und durch seinen Bildungsweg, der ihn durch mehrere, teils kirchlich geführte Schulen führt, erlangt Tournier das, was er seinen „ ‚ fonds’ chrétien très important[2] nennt. Allerdings distanziert er sich in der Folgezeit von der Kirche und gesteht nur der Bibel Glaubwürdigkeit zu[3].

Nachdem er etwa siebzehnjährig am „Lycée Pasteur“ in Neuilly eine Einführung in die Philosophie erhält, entwickelt er eine Vorliebe für dieses Fach, die sein ganzes Leben und sein Schaffen nachhaltig prägen wird[4] und die zu Lasten seiner früheren Neigung zur Literatur geht: „...dès que j’ai découvert la philosophie, la littérature n’a plus existé à mes yeux[5] “. 1942 beginnt er sein Studium an der Sorbonne bis zur „licence“ in Philosophie und Recht. Von 1946 bis 1950 studiert er in Tübingen, wo er seine Kenntnisse der deutschen Philosophen vertieft.

Seiner Rückkehr nach Paris folgt eine schockierende Ernüchterung: er fällt durch seine „agrégation de philosophie“. Er verzichtet darauf, Lehrer zu werden, und lebt in den folgenden Jahren von verschiedenen Tätigkeiten, z.B. als Übersetzer, Verfasser von Zeitungsartikeln und Beiträgen für das Radio und als Lektor beim Verlagshaus Plon. 1967 erscheint sein erster Roman „Vendredi ou les limbes du Pacifique“, der im selben Jahr den „Grand Prix du Roman de l’Académie Francaise“ erhält. Sein zweiter, 1970 erschienener Roman „Le Roi des Aulnes“ wird mit dem „Prix Goncourt“ ausgezeichnet.

1972 wird er zum Mitglied der „Académie Goncourt“ gewählt. Seinem dritten Roman „Les météores“ (1975) folgen zahlreiche weitere Werke, z.B. „Le vent Paraclet“ (1977), ein autobiographischer Essay, „Le Coq de Bruyére“ (1978), eine Erzählsammlung, „Pierrot ou les secrets de la nuit“ (1979), ein „Kinderbuch auch für Erwachsene[6] “, sowie weitere Romane und Erzählungen, die hier nicht alle aufgezählt werden können.

II. Tourniers Erzählkonzeption

II.1. Zur Opposition Philosophie - Literatur

Wie schon angedeutet, galt das Interesse Michel Tourniers lange Zeit eher der Philosophie als der Literatur. In seinen Augen war die Philosophie als logisches, klar gegliedertes System der Literatur bei weitem überlegen:

„ Tout ce qui n’était pas système – ou études consacrées à un système – était ‘bande dessinée’, et dans cette catégorie méprisable nous jetions pêle-mêle Shakespeare et Ponson du Terrail, Balzac et Saint-John Perse. Nos étions ivres d’absolu et de puissance cérébrale[7] “.

Erst das Scheitern an der „agrégation de philosophie“ brachte ihn dazu, sich wieder der Literatur zuzuwenden[8]. Tournier sieht sich nun vor die Aufgabe gestellt, sein philosophisches Wissen literarisch umzusetzen:

„ A partir de ce moment-là, j’ai gagné ma vie de bric et de broc en cherchant à convertir mon arsenal philosophique en atelier littéraire[9] “.

So entstehen literarische Werke mit philosophischen Inhalten:

„j’ai choisi la littérature comme un autre moyen de faire la philosophie[10] “.

Dies gilt im Besonderen für „ Pierrot ou les secrets de la nuit “ oder für „Vendredi ou la vie sauvage“, die die philosophischen Vorbilder deutlich erkennen lassen[11]. Tournier betont jedoch, dass er niemals beabsichtige, ganze philosophische Systeme in seine Werke einzuarbeiten. Er gehe nie von einer philosophischen Theorie aus, die er dann literarisch umsetze, was seiner Ansicht nach viel zu umständlich sei. Der Einfluss der Philosophie sei vielmehr unbewusster Natur: beim Schreiben drängen Elemente in sein Werk ein, die er häufig erst im Nachhinein als philosophische Gedanken, als „Echos“ der von ihm rezipierten Philosophen, erkenne[12]. Tournier sieht in dem Versuch, Literatur und Philosophie zu vereinen, eine gewisse Schwierigkeit, die in ihren jeweiligen spezifischen Eigenschaften gründet. In der Lyrik hat das Wort, also die Form, mehr Gewicht, in der Philosophie hingegen die Idee, also der Inhalt. Der Roman stellt ein Mittelding dar: in ihm treten die Ideen nicht mehr so klar zutage wie in der Philosophie, sein Inhalt erscheint jedoch auch nicht so verschlüsselt wie in der Lyrik. Daher kann er philosophische Ideen auf künstlerische Weise ausdrücken, ohne ihren Sinn zu verdunkeln:

[...]


[1] vgl. Winisch, Eva: „Michel Tournier: Untersuchungen zum Gesamtwerk“, Romanistischer Verlag, Bonn, 1997, S. 3; 10

[2] Koster, Serge: „Michel Tournier“, Henri Veyrier, Paris, 1986, S. 153

[3] ebd., S. 153

[4] Davis, Colin: „Michel Tournier: Philosophy and Fiction“, Clarendon Press, Oxford, 1988, S.1

[5] Koster, S. 149

[6] Winisch, S. 9

[7] Tournier, Michel: „ Le Vent Paraclèt “, S. 155 ; zit. in : Davis, Colin : „ Michel Tournier “, S. 2

[8] ebd. S. 3

[9] Koster, Serge: „Michel Tournier“, S. 150

[10] Davis, Colin: „Michel Tournier“, S. 5

[11] Koster, Serge: „Michel Tournier S. 150

[12] ebd. S. 150

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
´La famille Adam´ aus der Erzählsammlung ´Le coq de bruyère´ von Michel Tournier
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Romanistik)
Note
2,5
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V3697
ISBN (eBook)
9783638122825
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzählsammlung, Michel, Tournier, La famille Adam, Le coq de bruyère, Mythos, Strukturelemente, Ästhetik, Erzählformen, Philosophie, Literatur, Analyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2001, ´La famille Adam´ aus der Erzählsammlung ´Le coq de bruyère´ von Michel Tournier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3697

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