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Wolfgang Mattheuer. Menschenbilder zwischen sozialistischer Utopie und politischer Realität

Titel: Wolfgang Mattheuer. Menschenbilder zwischen sozialistischer Utopie und politischer Realität

Masterarbeit , 2013 , 102 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: M.A. Katrin Moscariello (Autor:in)

Kunst - Malerei
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Kunst hat sich in der DDR unter ziemlich einmaligen Bedingungen entwickelt. Ab der Stunde ihrer Gründung wurde der DDR von außen ein Kunstmodell übergestülpt, wodurch die Künstler äußerst einschränkenden Forderungen gegenüber standen. In der DDR gab es entgegen vieler Vorurteile jedoch nicht nur Auftragskunst. Der in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehende Künstler Wolfgang Mattheuer hat sich prinzipiell gegen Aufträge gewehrt. Mattheuer war ein in der DDR anerkannter Künstler, dessen künstlerischen Positionen dennoch etwas offenbaren, was seine teils oppositionelle Haltung zu staatlichen Forderungen auszudrücken vermag. Mattheuers Bilder implizieren generell zwei wesentliche Bildmotive: Er malt Landschaften und Menschen. In dieser Arbeit soll die Darstellung des Menschen in seinem künstlerischen Werk im Mittelpunkt des Interesses stehen. Hierbei werden insbesondere seine Menschenbilder der 70er und 80er Jahre näher untersucht, wobei der Fokus angesichts der Fülle seines Schaffens auf seiner Malerei lliegt. Der Arbeitstitel „Menschenbilder“ wurde bewusst gewählt, da es bei Mattheuer nicht nur das eine gültige Menschenbild gibt, sondern verschiedene Facetten des Menschen präsentiert werden.

Ausgehend vom Sozialistischen Realismus soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Mattheuer die Vorstellungen der offiziellen Kulturpolitik darüber, wie die im Sozialismus existierende Kunst auszusehen hat, unterwandert hat. An welchen Stellen offenbart sich in Mattheuers Menschenbildern jene in der Literatur häufig artikulierte, subtile Kritik am sozialistischen System? In diesem Rahmen wird die Verwendung von Mythen, Gefühlsregungen, Irritationen und Störungen in den Bilderwelten des Künstlers näher untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spaltung der Ost- und Westkunst nach dem 2. Weltkrieg

2.1 Entwicklung in Westdeutschland

2.2 Hinwendung zum Sozialistischen Menschenbild in Ostdeutschland

2.2.1 Formalismus-Debatte

2.2.2 Über das marxistisch geprägte Menschenbild

2.2.3 Sozialistischer Realismus

3. Leipziger Schule als künstlerischer Kontext

3.1 Funktion der Leipziger Schule

3.2 Mattheuers Anspruch an die Kunstproduktion

4. Mattheuers Menschenbilder

4.1 Arbeiterbilder

4.1.1 Die Ausgezeichnete

4.1.2 Alter Genosse am Zaun

4.1.3 Freundlicher Besuch im Braunkohlerevier

4.1.4 Sisyphos

4.2 Ausbruchs- und Panikbilder

4.2.1 Ikarus

4.2.2 Geh aus deinem Kasten

4.2.3 Eingeschneite Aktion

4.3 Resignation

4.3.1 Das tragische Ende eines Unerkannten

4.3.2 Was nun? / Schwebendes Liebespaar

4.4 Verbindung zum Expressionismus und Neuer Sachlichkeit

5. Zwischen Anpassung und Zerrissenheit

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Menschen im Werk von Wolfgang Mattheuer während der 70er und 80er Jahre in der DDR. Ziel ist es zu analysieren, wie der Künstler die offizielle staatliche Ideologie des Sozialistischen Realismus in seinen Bildwelten kritisch reflektiert, unterwandert und dabei individuelle Facetten sowie gesellschaftliche Widersprüche sichtbar macht.

  • Politische und ästhetische Rahmenbedingungen der Kunst in der DDR
  • Die Leipziger Schule als künstlerischer Kontext und Mattheuers Rolle
  • Analyse zentraler Motivgruppen: Arbeiterbilder, Ausbruchs- und Panikbilder sowie Resignation
  • Einflüsse von Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Surrealismus auf das Werk
  • Der Mensch zwischen staatlicher Anpassung und innerer Zerrissenheit

Auszug aus dem Buch

4.1.2 Alter Genosse am Zaun

In dem Gemälde „Alter Genosse am Zaun“ (Abb. 4) von 1971 lehnt ein älterer Mann im Bildvordergrund auf der Tür seines Gartenzauns. In seiner Hand hält er eine Zeitung, die er aus dem Briefkasten geholt hat. Er schaut den Betrachter direkt an. Im Bildmittelgrund sieht man sein Haus, eine ältere Dame schaut aus dem Fenster und beobachtet das Geschehen. Dahinter erkennt man eine von Autos befahrene Autobahn. Der Himmel ist in braun-gräulicher Farbe gehalten, eine Farbgebung, die sich durch den gesamten Bildraum zieht und die dem Bild eine unheimliche Stimmung verleiht.

Gezeichnet vom Leben und von der Arbeit, schaut der Genosse den Betrachter starr an: Völlig unbeteiligt der Blick, müde, abgeklärt und gleichermaßen geheimnisvoll. Trostlos wirkt die in braun und grau gehaltene Landschaft, isoliert steht das Haus, isoliert und verloren auch der Mann hinterm Zaun.

Es zeigt sich in diesem Bild das Gegenteil des aktiven, optimistischen Menschen und Arbeiters, wie es die führenden Vertreter des Sozialistischen Realismus von den Künstlern gefordert haben: Dieser alte Genosse wirkt ernüchtert und passiv, wie ein Mann, der sich mit seinem Schicksal arrangiert hat, der es gelernt hat auszuhalten und sich den Umständen anzupassen, unabhängig davon, ob ihn diese glücklich machen oder nicht.

Auffällig ist der Zaun, der den gesamten Bildvordergrund ausfüllt und durch seine Höhe den Eindruck des Eingesperrtseins erweckt. Eine scheinbar nicht zu überwindende, den Betrachter von der dargestellten Person trennende Barrikade konnte man schon bei „Die Ausgezeichnete“ ausmachen. Die Brücke im Hintergrund verstärkt beim „Genossen“ das evozierte Gefühl zusätzlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Bedingungen der Kunstproduktion in der DDR und Vorstellung der Forschungsabsicht, Mattheuers Menschenbilder der 70er und 80er Jahre als kritische Auseinandersetzung mit staatlichen Vorgaben zu untersuchen.

2. Spaltung der Ost- und Westkunst nach dem 2. Weltkrieg: Untersuchung der unterschiedlichen kulturpolitischen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland nach 1945, mit Fokus auf die Etablierung des Sozialistischen Realismus und der damit verbundenen Formalismus-Debatte in der DDR.

3. Leipziger Schule als künstlerischer Kontext: Erörterung der Funktion der Leipziger Schule als Zentrum der DDR-Kunst sowie der spezifischen künstlerischen Haltung von Wolfgang Mattheuer innerhalb dieses Kontextes.

4. Mattheuers Menschenbilder: Detaillierte Analyse ausgewählter Werkgruppen von Mattheuer, darunter Arbeiter-, Ausbruchs- und Panikbilder sowie Darstellungen von Resignation, unter Einbeziehung mythologischer Motive und stilistischer Anleihen.

5. Zwischen Anpassung und Zerrissenheit: Untersuchung des Spannungsfeldes, in dem sich Mattheuer als anerkannter, aber kritischer Künstler bewegte, sowie der persönlichen Existenzkrise, die sich in seinen späten Arbeiten widerspiegelt.

6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, wonach Mattheuer durch sein Werk das offiziell geforderte Menschenbild unterwandert und als kritischer Realist die gesellschaftlichen Widersprüche der DDR thematisiert.

Schlüsselwörter

Wolfgang Mattheuer, DDR-Kunst, Sozialistischer Realismus, Leipziger Schule, Menschenbild, Kritischer Realismus, Entfremdung, Mythologie, Sisyphos, Ikarus, Masken, Anpassung, Zerrissenheit, Malerei, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit untersucht die künstlerische Auseinandersetzung von Wolfgang Mattheuer mit dem Menschenbild in der DDR. Sie analysiert, wie Mattheuer trotz staatlicher Anforderungen an den Sozialistischen Realismus eine kritische und eigenständige künstlerische Position entwickelte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst und Politik, die Bedeutung der Leipziger Schule, die Rolle von Mythen und Symbolen wie Sisyphos oder Ikarus sowie die Darstellung von Arbeitern und gesellschaftlicher Vereinsamung im real existierenden Sozialismus.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Mattheuer als zeitkritischer Realist durch Metaphern und die Gestaltung menschlicher Ambivalenz die offizielle ideologische Sichtweise auf den Menschen in der DDR unterwandert und deren Widersprüche offenlegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert kunsthistorische Bildanalyse ausgewählter Werke von Mattheuer mit einer historisch-kontextuellen Einordnung, basierend auf Quellen zur Kulturpolitik, zeitgenössischen Debatten und theoretischen Schriften zum Marxismus-Leninismus.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von Mattheuers Bildmotiven, insbesondere Arbeiterbilder, Masken und mythische Gestalten, sowie deren stilistische Verbindung zur Neuen Sachlichkeit und zum Expressionismus, um Mattheuers individuelle Formsprache zu deuten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Wolfgang Mattheuer, Sozialistischer Realismus, Leipziger Schule, Menschenbild, Entfremdung, kritischer Realist, Ikarus, Sisyphos, Anpassung und Zerrissenheit.

Warum verwendet Mattheuer häufig Masken in seinen Bildern?

Masken dienen bei Mattheuer als Ausdruck der Identitätslosigkeit und Passivität. Sie symbolisieren den Zwang, sich den gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen, und verdeutlichen die Bedrohung des Individuums durch Konformität.

Was bedeutet der "Jahrhundertschritt" im Werk Mattheuers?

Der "Jahrhundertschritt" ist eine symbolhafte Plastik, die die Zerrissenheit der Menschheit zwischen Gewalt und Hilflosigkeit darstellt. Sie thematisiert die Ideologien des 20. Jahrhunderts und Mattheuers eigenes Ringen mit politischer Anpassung.

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wolfgang Mattheuer. Menschenbilder zwischen sozialistischer Utopie und politischer Realität
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Kunst)
Note
1,3
Autor
M.A. Katrin Moscariello (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
102
Katalognummer
V369865
ISBN (eBook)
9783668480346
ISBN (Buch)
9783668480353
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR Malerei Mattheuer Sozialismus Systemkritik DDR Malerei Mattheuer Wolfgang Mattheuer Sozialismus Systemkritik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Katrin Moscariello (Autor:in), 2013, Wolfgang Mattheuer. Menschenbilder zwischen sozialistischer Utopie und politischer Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369865
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  102  Seiten
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