Die Heilige Hedwig. Herzogin der Armen. Der Prototyp einer heiligen Frau im Mittelalter


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben Hedwigs - Herzogin von Schlesien
2.1 Hedwig als Herzogin
2.2 Stiftungen Hedwigs und Heinrichs

3. Der Prototyp einer heiligen Frau im Mittelalter - Hedwig als Heilige

4. Heiligsprechung
4.1 Bedingungen für eine Heiligsprechung im Mittelalter
4.2 Die Heiligsprechung Hedwigs

5. Schluss

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Jene Frau ist die heilige Hedwig seligen Andenkens. Sie stammte ab von hohen Ahnen, von solchen, die Länder regiert haben und berühmt waren durch ihre große Macht. Aus ihnen ging sie hervor wie ein Edelreis. Den Glanz ihrer vornehmen Herkunft aber überstrahlte sie noch weit durch ihre Seelengröße.“[1]

Hedwig von Schlesien gilt als eine der einflussreichsten deutschsprachigen Heiligen.[2] Bekanntheit erlangte sie nicht nur durch ihre Vermählung mit dem schlesischen Fürsten Heinrich I., der einem der ältesten und wesentlichsten Adelsgeschlechter Europas angehörte, sondern auch durch ihre besonders gottesfürchtige Lebensführung und durch ihre Wundertaten, die bereits zu ihren irdischen Lebzeiten stattfanden.[3] Nur wenige Jahre nach ihrem Tod im Kloster Trebnitz wurde Hedwig in den Kreis der Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen. In der heutigen mittelalterlichen Geschichtswissenschaft nimmt die Forschung im Hinblick auf heilige Herrscher beziehungsweise weibliche Heilige eine bedeutende Rolle ein. Viele Forschungsarbeiten wurden zu diesem Themenschwerpunkt verfasst wie beispielsweise Eckhard Grunewalds[4] „Das Bild der heiligen Hedwig in Mittelalter und Neuzeit“, Ortrud Rebers[5] „Die Gestaltung des Kultes weiblicher Heiliger im Spätmittelalter“ sowie Doreen Heisigs[6] „Die Heilige Hedwig - Die Herzogin von Schlesien und ihre Zeit“. Diese werden auch die Grundlage für die folgende Ausarbeitung bilden. Im Hinblick auf die Quellenlage wird besonders die von Metzger[7] übersetzte Vita „Das Leben der heiligen Hedwig“ herangezogen, sowie die Kanonisationsbulle und Predigt von Papst Klemens IV., die zu den Feierlichkeiten der Heiligsprechung der Protagonistin erstellt wurden. Auf das Jahr 1300 werden die erhaltenen Quellen Leganda maior, Leganda minor sowie das Speculum genealogiae datiert. Der Verfasser ist jedoch unbekannt, er gibt lediglich seine Quellen an, die aus den Kanonisationsakten, mündlichen Überlieferungen sowie einer Vita eines Mönches Engelbert, die aber bis heute als verschollen gilt, bestehen. Ein Streitpunkt unter Mittelalterhistorikern ist jedoch, ob alle drei Quellen von einem Verfasser stammen, sie sind sich aber in folgenden Punkten einig: Bei dem Verfasser handelte es sich vermutlich um einen Geistlichen und alle Werke bilden eine Einheit bezüglich der Forschung über Hedwig[8]. In der nachfolgenden Ausführung soll ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, warum Hedwig heiliggesprochen wurde. Zudem soll thematisiert werden, welche Wesenszüge sie besaß, sodass die Menschen es für nötig befanden, sie in den Stand einer Heiligen zu erheben. Ebenso soll das Bild einer prototypischen heiligen Frau im Mittelalter analysiert und die Ergebnisse auf Hedwig projiziert werden.

2. Das Leben Hedwigs - Herzogin von Schlesien

2.1 Hedwig als Herzogin

Nur an vereinzelten Stellen greift die Legenda maior auch die Tatsache auf, dass die Heilige auch Landesherrin und Fürstin war. Neben ihrem tiefgründigen Glauben erfüllte sie aber auch ihre Pflichten als Herzogin. So wird berichtet, dass Hedwig bereits nach einem Jahr ihrer Eheschließung mit Fürst Heinrich I., ihm das erste Kind gebar. Es folgten noch sechs weitere Kinder. Sie schenkte ihrem Mann sowie ihrem Land einen Thronfolger und erfüllte somit bereits eine der wichtigsten Aufgaben einer mittelalterlichen Herzogin.[9] Zudem tauchen in der Leganda maior immer wieder Informationen auf, dass Hedwig einen großen Hofstaat besaß, der aus Dienerinnen, Kämmerern und Rittern bestand. Aus einer Vielzahl an Urkunden wird überliefert, dass sie als Herzogin auch beträchtliche Eigentümer besaß, über die sie frei verfügen konnte.[10] Weiterhin wird berichtet, dass Hedwig auch „zahlreiche Kleider, [...] in reicher Fülle besaß [sowie] kostbare Pelze.“[11] Doch Frömmigkeit und Nächstenliebe waren für Hedwig wichtiger als ihr weltlicher Besitz sowie ihr Auftreten als Herrscherin. Sie veräußerte alle ihre kostbaren Wertgegenstände und lediglich ein einfacher Mantel beschützte den durch extremes Fasten und Selbstgeißelungsspuren übersäten Körper vor der Kälte.[12] Ihre Dienerinnen flehten sie stets an sich zu erholen und sich aufzuwärmen, doch geleitet von der „innerlichen Liebesglut“ zu Gott antwortete sie lediglich: „Ich werde es tun, wenn es nötig ist.“[13] Des Weiteren besaß sie einen wesentlichen Einfluss auf ihren Mann, den Herzog von

Schlesien. Sie versuchte auf seine Regierung dahingehend einzuwirken, indem sie als „Mutter der Armen und [...] Trösterin der Witwen und Waisen“[14] ihre Anliegen dem Herzog persönlich vortrug. Somit kann in Bezug auf die Heilige Hedwig der Terminus „milde Fürstin“[15] mit Recht verwendet werden, da die Heiligkeit stets ihr irdisches Amt als Landesherzogin überstrahlte.

2.2 Stiftungen Hedwigs und Heinrichs

Im Mittelalter bestand die Tradition, dass christliche Herrscher zum Zeichen ihrer Demut vor Gott und ihrer Loyalität gegenüber der heiligen Mutter Kirche, sich der Kurie entgegen freigiebig zu zeigen. Durch Stiftungen, die durchaus eine finanzielle Belastung für den Landesherren darstellten, sollten die Chancen des Fürsten nach dem Ende seines irdischen Lebens im Jenseits, durch seine großzügigen Gaben gegenüber der Kirche, verbessert werden. Einen weiteren positiven Nebenaspekt für die Regierung des Fürsten brachten die Stiftungen aus dem Grund mit sich, da er durch seine edelmütigen Taten die volle Anerkennung sowie Unterstützung der Kirche auf seiner Seite hatte, die dafür sorgte, dass das durchwegs katholische Volk, ihn nun noch mehr als Herrscherfigur akzeptierte.[16] Aus diesem Grund ist es daher nicht verwunderlich, dass zahlreiche Stiftungen des Fürstenpaares Heinrich und Hedwig urkundlich festgehalten sind. Die bedeutendste Stiftung des Herrscherpaares war ohne Zweifel das Zisterzienserkloster Trebnitz. Die Wichtigkeit dieses Klosters leitet sich daher ab, dass es das erste Frauenkloster Schlesiens war und zugleich auch als älteste Wallfahrtsstätte des Landes fungierte.[17] Für Hedwig war es eine besondere Aufgabe der Frömmigkeit, das Heil der Seelen zu fördern. Aus diesem Grund veranlasste sie ihren Mann mit Rat und Ermahnung, aus eigenen finanziellen Mitteln das Kloster zu erbauen. Somit hatte sie nachdrücklichen Einfluss auf ihren Mann, was das Bild einer mildherzigen Fürstin, die für ihr Volk nach dem Heil Gottes trachtet, weiterhin bestätigt. Zwei Jahrzehnte nach der Einweihung 1219 erfolgte eine Schenkung ihres Guts Schawoine, das nach Angaben ihrer Lebensbeschreibung einen Besitz von 400 Hufen Ackerland umfasste.[18] Hedwig hielt sich bereits zu Lebzeiten ihres Mannes des Öfteren im Kloster auf und nach seinem Ableben setzte sie sich dort zur Ruhe, aber lediglich als Witwe und nicht als Nonne.[19] In verschiedenen Urkunden werden über weitere Stiftungen Hedwigs und Heinrichs berichtet wie beispielsweise das Aussätzigen-Hospital bei Neumarkt sowie das Hospital in Breslau.[20]

3. Der Prototyp einer heiligen Frau im Mittelalter - Hedwig als Heilige

„Der heilige Mensch gehört als Erscheinung der Religion mit den übrigen grundlegenden Ausdrucksformen der Religion zu den Anfängen der Kultur.“[21] Seit dem Anbeginn des menschlichen Wirkens hat es immer wieder Persönlichkeiten gegeben, die aufgrund besonderer Qualitäten aus der Masse herausragten. Ausgestattet mit Fähigkeiten, Kräften und Begabungen wurde zu ihnen aufgesehen und nach ihrem Tod wurden sie aufgrund ihrer Dienste in den Kreis der Heiligen aufgenommen und rückten in das Zentrum der Religion. Der Heilige ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Menschen und des Weiteren gilt er als Auserwählter Gottes. Sein Wirken ist oft schon von seiner Geburt an bestimmt, er ist Vollbringer christlich-ethischer Taten und fungiert als Instrument übermenschlicher Mächte und ist im Besitz des göttlichen Charisma. Des Weiteren sind seine Wundertaten auch nach seinem Tode wahrzunehmen.[22] Bei einer heiligen Frau beziehungsweise einer Famula Dei im Mittelalter stellt sich grundsätzlich die Frage, welche Wesenszüge diese Person hatte, um als Heilige verehrt zu werden. In Bezug auf Hedwig berichten die Legenda maior sowie die Kanonisationsbulle von Papst Klemens IV. über ihre heiligen Taten. Im Mittelalter galt die Armenfürsorge als eine der wichtigsten Pflichten eines Heiligen.[23] So kam ihr auch Hedwig nach, sie schenkte den Bedürftigen Kleidung, Nahrungsmittel und öffnete auch die Vorratskammern des Schlosses um den mittellosen Armen zu helfen.[24] „[...] [sie] teilte mit den Armen. Sie fühlte eine solche Zuneigung zu den Armen, daß (sic!) sie am liebsten mit jedem von ihnen von einem Teller gegessen hätte [.].“[25] Aufopferungsvoll kümmerte sie sich auch um Kranke. Stets sorgte sie sich um die Armen, Kranken, Gefangenen und Waisen.

[...]


[1] Papst Klemens IV., Bulle der Heiligsprechung der Herzogin Hedwig, übersetzt von Konrad und Franz Metzger, in: Nigg, Walter (Hrsg.), Das Leben der heiligen Hedwig, Düsseldorf 1967, S. 206.

[2] Vgl. Gottschalk, Joseph, Hedwig von Andechs - Herzogin von Schlesien. Eine Botin des Friedens, Freiburg 1982., S. 7.

[3] Vgl. Nigg, Walter, Hedwig von Schlesien, Würzburg 1991, S. 6.

[4] Grundewald, Eckhard: Das Bild der heiligen Hedwig im Mittelalter und Neuzeit, München 1995.

[5] Reber, Ortrud, Die Gestaltung des Kultes von weiblichen Heiligen im Spätmittelalter, Berlin 2001.

[6] Heisig, Doreen, Die Heilige Hedwig. Die Herzogin von Schlesien und ihre Zeit, Lüdenscheid 2003.

[7] Das Leben der heiligen Hedwig, übersetzt von Konrad und Franz Metzger, in: Walter Nigg/Wilhelm Schamoni (Hrsg.), Heilige der ungeteilten Christenheit. Dargestellt von den Zeugen ihres Lebens, Düsseldorf 1967.

[8] Vgl. Reber, Ortrud, Die Gestaltung des Kultes weiblicher Heiliger im Spätmittelalter. Die Verehrung der Heiligen Elisabeth, Klara, Hedwig und Brigitta, Hersbruck 1963, S. 53-54.

[9] Vgl. o. V., Legenda maior de beata Hedwigi, S.22-23.

[10] Vgl. Hettwer, Norbert, St. Hedwig. Mittlerin zwischen West und Ost. Herkunft, Leben, Werk, Augsburg 1967., S. 53.

[11] o.V., Legenda maior de beata Hedwigi, S. 70.

[12] Vgl. Ebd., S. 71.

[13] Ebd., S. 71.

[14] o.V., Legenda maior de beata Hedwigi, S.98.

[15] Ebd., S. 98.

[16] Vgl. Heisig, Die heilige Hedwig, S. 53.

[17] Vgl. Gottschalk, Joseph, Hedwig von Andechs - Herzogin von Schlesien. Eine Botin des Friedens, Freiburg 1982, S. 119.

[18] o. V., Legenda maior de beata Hedwigi, S. 93-94.

[19] Vgl. Heisig, Die heilige Hedwig, S. 40.

[20] Vgl. Gottschalk, St. Hedwig. Herzogin von Schlesien, Köln 1964, S. 130.

[21] Speyer, Wolfgang, Die Verehrung des Heroen, des göttlichen Menschen und des christlichen Heiligen. Analogien und Kontinuitäten, in: Dinzelbacher, Peter/Bauer, D. R.(Hrsg.), Heiligenverehrung in Geschichte und Gegenwart, Paris 1990, S. 48.

[22] Vgl. Hasenfratz, Hans-Peter, Erscheinungsformen und Gestalten des Heiligen, in: Walter Kerber (Hrsg.): Personenkult und Heiligenverehrung, München 1977, S. 11-15.

[23] Vgl. Angenendt, Arnold, Die Gegenwart von Heiligen und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, München 1994, S. 49.

[24] Vgl. o. V., Legenda maoir de beata Hedwigi, S. 110 f.

[25] o. V., Legenda maoir de beata Hedwigi, S. 102.

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Details

Titel
Die Heilige Hedwig. Herzogin der Armen. Der Prototyp einer heiligen Frau im Mittelalter
Veranstaltung
Tod und Sterben im Mittelalter
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V369871
ISBN (eBook)
9783668475687
ISBN (Buch)
9783668475694
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hedwig von Andechs, Heilige Hedwig, Heiligsprechung, Mittelalter, Hedwig von Schlesien
Arbeit zitieren
Benedikt Eibl (Autor), 2015, Die Heilige Hedwig. Herzogin der Armen. Der Prototyp einer heiligen Frau im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369871

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