Berufliche Bildung von Menschen mit Behinderung und ihre Integration in die Gesellschaft


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 BEHINDERUNG - EINE BEGRIFFLICHE ERKLÄRUNG

3 INTEGRATION UND INKLUSION - BEGRIFFSERKLÄRUNG

4 SCHULISCHE INTEGRATION
4.1 Geschichte der schulischen Integration
4.2 Vor- und Nachteile der integrativen Beschulung

5 INTEGRATION DURCH BERUFLICHE BILDUNG
5.1 Vorteile, Nachteile und die Probleme der beruflichen Integration
5.2 Werkstätten für behinderte Menschen

6 MAßNAHMEN ZUR VERBESSERTEN INTEGRATION

7 FAZIT

8 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Spätestens seit dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, welches 2008 in Kraft getreten ist und 2009 in Deutschland unterzeichnet wurde, ist das Thema der Integration von Menschen mit Behinderung im ganzen Land präsent (vgl. DGB Bundesvorstand 2012, S. 3).

Kindergärten und Schulen werden integrativ, auch Unternehmen stellen zunehmend Menschen mit Behinderung ein, denn die UN-Behindertenrechtskonvention zielt auf Chancengleichheit für alle.

Trotz der gesetzlichen Festlegung, dass Menschen mit Behinderung als gleichberechtigte Menschen angesehen werden sollen, gibt es genügend Gegner gegen diese Art von Integration. Meist zweifeln die Nicht-Betroffenen an den Vorteilen für sich selbst und den Chancen für Menschen mit Behinderung, da durch das separierte System eine spezifischere Förderung für Menschen mit Behinderung als gewinnbringender angesehen wurde. Durch diese allgemeinen Unstimmigkeiten kommen Fragen auf, wie genau die schulische und berufliche Integration überhaupt abläuft, worauf die Integration abzielt, wie sich die Theorie in die Praxis umsetzt und welche Maßnahmen den Ausbau der Integration fördern und dadurch diese verbessern? Und darüber hinaus: wie es gelingt von einer schulischen bzw. beruflichen Integration zu einer gesellschaftlichen Inklusion zu wechseln? Im Verlauf dieser Arbeit sollen diese Fragen beantwortet werden. Zu Beginn werden der Behindertenbegriff und Begriffe, wie Integration und Inklusion, geklärt. Des Weiteren wird auf die Integration in der Schule, deren Geschichte und die Vor- und Nachteile, Probleme und Chancen dieser erläutert. Im Anschluss wird auf die berufliche Bildung eingegangen und auch hier die Vor- und Nachteile, Herausforderungen und die entstehenden Möglichkeiten gegenübergestellt. Anschließend wird eine Sonderform der beruflichen Bildung, nämlich die Werkstätten für behinderte Menschen, genauer begutachtet und ebenfalls die Vor- und Nachteile genannt. Am Ende werden auf die Maßnahmen eingegangen, durch welche eine bessere berufliche Integration folgen wird und dadurch eine erfolgreiche gesellschaftliche Inklusion resultieren kann.

Demnach lautet die Hauptfrage dieser Arbeit "Inwiefern trägt die berufliche Bildung von Menschen mit Behinderung zur Integration dieser in die Gesellschaft bei?".

2 Behinderung - eine begriffliche Erklärung

Um die Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft beschreiben zu können, muss zunächst der Begriff der Behinderung genauer definiert werden. Zu Beginn lässt sich erkennen, dass es viele verschiedene Definitionsansätze gibt und der Begriff "Behinderung" als sehr komplex angesehen werden kann, welcher meist aber nur zur Vereinfachung als Überbegriff für eine bestimmten Gruppe genutzt wird. Im Folgenden werden zwei Begriffserklärungen genauer erläutert.

Zum einen gibt es die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO von 1980, die zwischen einer Schädigung (impairment), Beeinträchtigung (disability) und einer Benachteiligung (handicap) unterscheidet. Eine Schädigung ist eine Abnormität der psychischen und physiologischen Strukturen und Eigenschaften des Körpers, im Zentrum steht der Verlust der körperlichen und geistigen Funktionen. Eine Beeinträchtigung beschreibt die Folgen der Schädigung, die die Alltagsbewältigung einschränken. Unter einer Benachteiligung versteht man den gesellschaftlichen Aspekt, also dem nicht entsprechen einer sozialen Rolle. Sie resultiert aus einer Schädigung und einer Beeinträchtigung (vgl. Kniel/ Windisch 1993, S. 20f). Jedoch wird seit 2005 der Begriff "handicap" nicht mehr verwendet, da dies als Eigenschaft einer Person ausgelegt wurde. Heute spricht man nicht mehr davon, dass eine Person behindert "ist" oder eine Behinderung "hat", sondern, dass sie in einer "Behinderungssituation" ist. An die Stelle des "handicap"-Begriffs tritt die Formulierung "Beeinträchtigung der Teilhabe an der Gesellschaft" (vgl. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit 2005, S. 22-25).

Diese Definition wurde auch in veränderter Form in das Sozialgesetzbuch übernommen, hier heißt es, dass ein Mensch als behindert gilt, wenn seine "körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung zu erwarten ist" (§ 2 SGB IX).

3 Integration und Inklusion - Begriffserklärung

Seit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 werden rechtlich Menschen mit Behinderung als normaler Bestandteil menschlichen Lebens angesehen. Ihnen wird ein gleiches Recht auf Arbeit und gleiche Chancen auf sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zugesprochen (vgl. DGB Bundesvorstand 2012, S. 3). Um die von der UN-Behindertenrechtskonvention geforderte Integration bzw. Inklusion von Menschen mit Behinderung verstehen zu können, müssen diese beiden Begriffe zunächst näher erläutert werden.

Von Integration spricht man, wenn bestimmte Schritte eingeleitet werden, damit eine Person oder eine Personengruppe zum Teil einer anderen Gruppe werden kann (vgl. Kniel/ Windisch 1993, S. 97), also dem Prinzip der Erhaltung von gemeinsamen Lebens- und Lernfeldern für Menschen mit und ohne Behinderung (vgl. Schnell 2003, S. 143). Es verlangt eine gegenseitige Anerkennung und muss auf gemeinsamen Grundwerten und Rechten beruhen (vgl. Nirje 1993, S. 200). Inklusion kann man als Weiterführung der Integration verstehen. Bei der Integration wird jemand in ein bestehendes System eingegliedert, z. B. die Schule oder den allgemeinen Arbeitsmarkt, und der Integrierte muss sich diesem anpassen (vgl. Doose 1997, S. 217). Bei der Inklusion soll es ein gemeinsames System geben, indem der Mensch als Ganzes akzeptiert wird (vgl. Schnell 2003, S. 49) und so die Diskriminierung minimiert und die Teilhabe maximiert wird (vgl. Kiel 2015, S. 56). Grundziel der Integration und besonders der Inklusion ist es, dass die Gesellschaft Menschen mit Behinderung akzeptiert und diese in der Gemeinschaft teilhaben lässt und sie diese darin tolerieren. Die bestehenden Unterschiede sollen als Normalität und besonders als Bereicherung angesehen werden, und darüber hinaus keinen Einfluss auf die Teilhabe in der Gesellschaft haben (vgl. Theunissen 2003, S. 59).

4 Schulische Integration

Die Schule ist der Lebens- und Lernort für Kinder, in der diese mittlerweile die meiste Zeit des Tages verbringen (vgl. Schnell 2003, S. 142). Im Schuljahr 2013/ 14 besuchten 7, 4 Millionen SchülerInnen die 1. -10. Klasse. Bei 500.500 dieser Kinder wurde ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt oder wiesen eine Behinderung auf, demnach lag die Förderquote bei 6,8% in dieser Altersspanne (vgl. Döttinger/ Hollenbach-Biele 2015, S. 29).

Meist wurden Schülern mit Behinderung wenige Chancen bezüglich ihrer Bildungslaufbahn eingeräumt und ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten unterschätzt, aus welchem Grund diese den Unterricht von Sonderschulen besuchten. Wodurch Schülern ohne Behinderung der Umgang mit Menschen mit Behinderung und der allgemeinen Andersartigkeit verwehrt wurde (vgl. Schnell 2003; S. 14). Jedoch wurde mit der Unterzeichnung der UN- Behindertenrechtskonvention 2009 Deutschland dazu verpflichtet jedem Menschen mit Behinderung die Teilhabe am allgemeinen Schulsystem zu ermöglichen und somit auch zur Teilhabe an der Gesellschaft (vgl. Döttinger/ Hollenbach-Biele 2015, S. 27).

Der Fokus der inklusiven Bildung liegt auf dem gemeinsamen Lernen. Durch die Differenzen wird voneinander gelernt, sodass dies eine Bereicherung für jeden darstellt und somit ein Gemeinschaftsgefühl im System entsteht. Zudem zielt die UN-Behindertenrechtskonvention auf den Lernenden und dessen Verwirklichung einer bestmöglichen (vgl. ebd., S. 17-31), wohnortnahen und qualitativen Förderung für alle (vgl. Kiel 2015, S. 39).

4.1 Geschichte der schulischen Integration

Das Schulsystem in Deutschland ist von Selektion geprägt, jedoch kann keine Integration durch Separierung gelingen (vgl. Schnell 2003, S. 15). Daher wurde 1960 erstmals durch die Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistige Behinderte e. V. eine Denkschrift verfasst, in der es heißt, dass alle Kinder, auch mit geistigen Behinderungen, einen Anspruch auf Bildung haben; dies war der erste Schritt zur gesetzlichen Verankerung. Schulen sollten ausgebaut und verbessert werden, damit Menschen mit Behinderung eine verbesserte Möglichkeit zur Bildung und damit zur Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht wird (vgl. Schnell 2003, S. 48- 51).

Integrative Beschulung fand seit 1970 zunächst in Grundschulen statt, hier ging man mit drohenden Behinderungen präventiv und prophylaktisch um, jedoch wurden Kindern mit schon bestehenden Behinderungen unter bestimmten Umständen der Besuch einer Grundschule gewährt (vgl. Schnell 2003, S. 89f). 1985 entstand die erste Integrationsklasse in der Sekundarstufe I in Bonn-Beuel, seit fort an wurde das gemeinsame Lernen als Bereicherung angesehen (vgl. ebd., S. 212f). Allerdings bestand trotzdem weiterhin Skepsis in den Köpfen der Deutschen, da schließlich die Sonderschule die gesellschaftliche Integration vorbereiten sollte (vgl. ebd., S. 150). Deshalb kam es vermehrt in den 1970ern und 1980ern zu Studien über die positive Wirkung der gesonderten Schulklassen, in dessen festgestellt wurde, inwiefern der Besuch einer Sonderschule positive Einflüsse auf die emotionale und kognitive Persönlichkeitsentwicklung habe (vgl. ebd. S. 100). Es wurde belegt, dass der Unterricht in einer Sonderschule im Vergleich zu einer Regelschule nicht positiver ausfallen würde bezüglich der Entwicklung der Kinder, sie ergab sich sogar als weniger erfolgreich (vgl. Merz 1982, S. 340). Trotz der Studien und Belege für Integration scheiterte diese an festgefahrenen Vorstellungen, an der Organisation und den fehlendem Fachpersonal (vgl. Schnell 2003, S. 33). Der kaum veränderten Blickwinkel der Parteien blieb bis in die 1990er bestehen (vgl. ebd., S. 239). Eltern versuchten sich für Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kinder mit und ohne Behinderung als Basis für eine integrative Erziehung und Bildung einzusetzen (vgl. ebd., S. 34). Durch die Initiative der Eltern besuchten Kinder mit einer Behinderung längst die Regelschulen, während die Verbände noch damit beschäftigt waren herauszufinden, inwiefern ein integrativer Unterricht überhaupt möglich bzw. sinnvoll sei (vgl. ebd., S. 193). Durch die Unsicherheit bezüglich der Integration in die allgemeinen Schulen, welche seit mehr als zwei Jahrzehnten bestand, bewegte sich Ende der 1990er der integrative Gedanke immer weiter in den Hintergrund. Zur Befriedigung der Eltern und der aktiven Akteure wurden größere Schulversuche genehmigt, die eine Verzögerung oder gar eine Verhinderung der entscheidenden Annäherung an den gemeinsamen Unterricht bewirken sollten (vgl. ebd., S. 151ff). Trotzdem kämpften die Eltern weiter und leisteten enorme Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit, um auch die Eltern mit Kindern ohne Behinderung von ihren Vorstellungen zu überzeugen (vgl. ebd., S. 47). Sie wollten eine Normalisierung der Lebenssituationen ihrer Kinder erreichen. Sie forderten, dass das Verschiedensein akzeptiert wird und dass ihre Kinder am "normalen" Leben mit anderen Kindern teilhaben dürfen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Berufliche Bildung von Menschen mit Behinderung und ihre Integration in die Gesellschaft
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V369890
ISBN (eBook)
9783668488816
ISBN (Buch)
9783668488823
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adressaten, integration, Behinderung, Gesellschaft, sozialpädagogik, beruf
Arbeit zitieren
Lena Kordel (Autor), 2016, Berufliche Bildung von Menschen mit Behinderung und ihre Integration in die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369890

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