Die Auswirkungen von Quantitative Easing auf den US-amerikanischen Aktienmarkt


Bachelorarbeit, 2017

49 Seiten, Note: 2,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Geldpolitik der FED
2.1. Geldpolitische Ziele und Ansätze
2.2. Geldpolitische Instrumente
2.3. Geldbasis und Geldmenge

3. Das LSAP-Programm der FED
3.1. Notwendigkeit der QE-Programme
3.2. Phasen einzelner QE-Programme
3.3. QE 1
3.4. QE 2
3.5. Operation Twist
3.6. QE 3

4. Transmission monetärer Impulse
4.1. Sterilisationswirkung
4.2. Klassischer Transmissionsansatz
4.3. Keynesianischer Transmissionsansatz
4.4. Monetaristischer Transmissionsansatz
4.5. Portfolio-Balance-Ansatz
4.6. Risikokanal monetärer Impulse
4.7. Signalisierungs- und Koordinationskanal
4.8. Transmissionsmechanismus des LSAP-Programms
4.9. Wirkungsverzögerungen monetärer Impulse

5. Auswirkungen des LSAP auf den US-amerikanischen Aktienmarkt
5.1. Börse als volkswirtschaftlicher Indikator
5.2. Entwicklung der Aktienindizes
5.3. Ausblick für den US-amerikanischen Aktienmarkt

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bilanz der Zentralbank

Quelle: Prof. Dr. Paul G. Schmidt, Skript der Vorlesungsreihe zu Monetary Theory and Policy an der Frankfurt School of Finance and Management

(online unter: https://www.vwa-wiesbaden.de/wps/vwa/dl/det/vwa-wi/10489/)

Abbildung 2: Geldbasis der FED

eigene Darstellung, Datenbasis: Thomson Reuters

Abbildung 3: Transmission monetärer Impulse (1)

eigene Darstellung

Abbildung 4: Transmission monetärer Impulse (2)

eigene Darstellung

Abbildung 5: Entwicklung des S&P500-Index

eigene Darstellung, Datenbasis: Thomson Reuters

Abbildung 6: Performance weltweiter Aktienindizes

eigene Darstellung, Datenbasis: Thomson Reuters

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Meine Auffassung ist, dass die Geldpolitik auf steigende Preise für Häuser oder andere Vermögenswerte nur insofern reagieren sollte, als sie die Zielvariablen der Notenbank beeinflussen - Produktion, Beschäftigung und Inflation.“[1]

Mit dieser Aussage zur Geldpolitik der US-amerikanischen Zentralbank FED beendete die damalige Vorsitzende der Federal Reserve Bank of San Francisco Janet Yellen ihre Rede über die Herausforderungen der FED im Jahr 2005 auf einer Konferenz zur geldpolitischen Lage der USA.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Entwicklung der größten Finanzkrise in vollem Gange, doch nur wenige Daten ließen darauf schließen, dass den weltweiten Finanzmärkten ein solches Ausmaß droht. Schon zwei Jahre später schossen die Zinsen und Spreads an den Interbankenmärkten nach oben, welches als Beginn der globalen Finanzkrise eine Reihe weiterer Ereignisse nach sich zog. Spätestens durch die Insolvenz der traditionsreichen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 wurde eine Wende an den internationalen Kapitalmärkten eingeläutet.

Die Auswirkungen dieser besonderen Situation sind heute noch spürbar. Die Politik musste durch eine stärkere Regulierung in die Finanzmärkte eingreifen und die Zentralbanken mussten intervenieren, um einen größeren Kollaps des Bankensystems zu verhindern. Vorrangig den Zentralbanken kommt bei der Bewältigung der Finanzkrise eine besondere Rolle zu. Schnell gerieten sie an die Grenzen ihrer konventionellen Maßnahmen zur Stabilisierung der Kapitalmärkte und mussten durch unkonventionelle Interaktionen das Vertrauen in die Märkte wieder herstellen.

Die Zinsen wurden global auf das historisch niedrigste Niveau gesenkt. Jedoch war die Anpassung des wichtigsten geldpolitischen Steuerungsinstruments nicht ausreichend, um die negativen Folgen zu kompensieren. Bereits kurz nach der Lehman-Pleite hat die FED die Finanzmärkte mit ihrem ersten Quantitative-Easing-Programm stimuliert. Im weiteren Verlauf der Finanzkrise folgten weitere QE-Programme, um das Zinsniveau im Sinne der US-amerikanischen Notenbank anzupassen und toxische Papiere vom Markt zu nehmen. Durch die weiterhin hohe Staatsverschuldung und den massiven Aufkäufen von US-Staatsanleihen verliefen die Grenzen zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit der Zentralbank fließend.

Im Rahmen dieser Arbeit beleuchte ich die erwähnten Anleihekaufprogramme der FED und ordne diese in den geldpolitischen Rahmen der Zentralbank ein. Die QE-Programme stießen häufig in der Politik und Gesellschaft auf Widerstand, da sie das Zinsniveau weiter drückten und das Ersparte vieler Anleger entwerteten.

Die beabsichtigte Funktionsweise der QE-Programme kann durch den Transmissionsmechanismus geldpolitischer Impulse beschrieben werden. Impulse, welche die Zentralbank durch ihre Interventionen vorgibt, haben verschiedene Auswirkungen auf einzelne Teilbereiche der Finanzwirtschaft. Oft wird unterstellt, dass die geldpolitischen Maßnahmen nur geringe Auswirkungen auf die Kreditvergabe sowie auf die Stimulierung der Wirtschaftslage haben und die Liquidität im Finanzsektor verbleibt. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt darin, die Auswirkungen der QE-Programme der FED auf den nationalen und internationalen Aktienmarkt zu analysieren.

Es bestehen verschiedene Phasen eines einzelnen QE-Programms. Von der Spekulation über die Implementierung bis zum Tapering haben die verschiedenen Phasen eine unterschiedliche Wirkung auf die Aktienindizes. Die Auswirkungen der QE-Programme auf den US-amerikanischen Aktienmarkt - den weltweit größten -, werden durch eine Gegenüberstellung mit anderen führenden Indizes aus Europa und Asien verglichen.

Meine Motivation ist es, theoretische Studieninhalte mit meiner beruflichen Praxis zu verknüpfen. In meiner Tätigkeit als Aktienhändler an der Frankfurter Wertpapierbörse beobachte und analysiere ich täglich die amerikanischen und weltweiten Kapitalmärkte und stelle eine zunehmende Sensitivität gegenüber Zins- und Zentralbankentscheidungen an den Märkten fest. Die steigende Bedeutung von volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen mündet in einer stärkeren Reaktion der Aktienmärkte und dadurch in einem zunehmend herausfordernden beruflichen Umfeld.

2.Geldpolitik der FED

2.1. Geldpolitische Ziele und Ansätze

Die FED verfolgt mehrere gleichberechtigte Ziele, wobei diese erst im Jahr 1977 in den Federal Reserve Act aufgenommen wurden. In diesem heißt es: „The Board of Governors of the Federal Reserve System and the Federal Open Market Committee shall maintain long run growth of the monetary and credit aggregates commensurate with the country’s long run potential to increase production, so as to promote effectively the goals of maximum employment, stable prices and moderate long-term interest rates.” [2]

Innerhalb dieser multiplen Zielsetzung herrscht Gleichberechtigung. Dies bedeutet per Statut der US-amerikanischen Notenbank, dass die FED keines der genannten Ziele als vorrangig gegenüber den anderen Zielen ansieht und ihre Geldpolitik an alle Zielvariablen gleichermaßen anpasst. In Folge dessen ist eine implizite Gewichtung seitens des Entscheidungsgremiums erforderlich.[3]

Die FED hat keines der Ziele -Preisstabilität, Vollbeschäftigung und moderate langfristige Zinsen am Kapitalmarkt- näher definiert. Somit schafft die FED den nötigen Freiraum in ihren geldpolitischen Entscheidungen. Dieser Freiraum schafft ebenfalls die Grundlage für die Nutzung von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen. Dies erhöht zudem die Flexibilität der FED, auf geänderte volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen reagieren zu können. Langfristig lassen sich alle drei Ziele miteinander vereinbaren, jedoch können in der kurzen bis mittleren Frist geldpolitische und volkswirtschaftliche Unstimmigkeiten auftreten.[4]

Die seit den neunziger Jahren verfolgte Geldpolitik lässt sich unter dem Begriff eines Multi-Indikatoren-Ansatzes ohne explizites Zwischenziel zusammenfassen. Die FED verzichtet im Rahmen dieser Vorgehensweise auf ein definiertes Zwischenziel, wie bspw. eine festgelegte Inflationsrate oder Arbeitslosenquote. Respektive schenkt die Zentralbank einer Vielzahl von volkswirtschaftlichen Indikatoren Aufmerksamkeit, welche als geldpolitische Entscheidungsgrundlage dienen. Zu diesen Variablen gehören unter anderem verschiedene Zinsspreads, realwirtschaftliche Indikatoren, Daten zur Beschäftigungslage sowie Geldmengengrößen der FED („looking at everything“).[5]

Ein solches Konzept birgt jedoch handfeste Nachteile und Risiken für den Kapitalmarkt in sich. Dem Konzept fehlt somit ein wichtiger nominaler und messbarer Anker. Damit mangelt es an einer quantitativen Größe für die Erwartung der Marktteilnehmer und für den Entscheidungsprozess der Notenbank. Die nur implizit bestehende Rückschlussmöglichkeit bei diesem Strategieansatz ist nicht eindeutig, da die FED im Unterschied zur EZB neben der Preisniveaustabilität weitere gleichberechtigte Ziele verfolgt. Hierdurch entsteht gegenüber den Beteiligten eine Form der Intransparenz und lässt Raum für Spekulationen.[6]

Der von der US-amerikanischen Notenbank gewählte Ansatz des Gradualismus impliziert, dass bei einer solchen Vorgehensweise beispielsweise der Leitzins in einer Reihe kleiner Schritte in dieselbe Richtung angepasst wird, wobei in Phasen der Zinserhöhungs- und Zinssenkungsphasen unterschieden wird.[7] Es lassen sich drei Argumente für die vorsichtige und schrittweise Zinsanpassung formulieren.

Zum einen besteht ein gewisser Grad an Ungewissheit über die wirtschaftliche Situation der USA zum Zeitpunkt der geldpolitischen Entscheidungen. Die vielzähligen Indikatoren, welche die FED heranzieht, um ihre Zentralbankpolitik zu definieren, können uneinheitliche Ergebnisse liefern und somit ein differenziertes Bild über die konjunkturelle Phase übermitteln. Zum anderen versucht die Zentralbank mit diesem Ansatz eine stärkere Einflussnahme auf die Entwicklung der langfristigen Ziele zu generieren. Des Weiteren schafft es die FED die Risiken sowohl für die konjunkturelle Entwicklung als auch für die Entwicklung an den Kapitalmärkten zu verringern.[8]

2.2. Geldpolitische Instrumente

Zur Durchführung der Geldpolitik und zum Erreichen der genannten geldpolitischen Ziele stehen der FED drei Arten von Instrumenten zur Verfügung: Offenmarktoperationen, Diskontpolitik und Mindestreserve.

Die FED definiert bei ihren regelmäßigen Sitzungen jeweils ein Ziel für die Federal Funds Rate. Sie beeinflusst diesen Zinskorridor nicht direkt, sondern interveniert am Kapitalmarkt mit Hilfe von Offenmarktoperationen, um ihr geldpolitisches Ziel zu erreichen.[9] Diese Offenmarktoperationen beinhalten den An- und Verkauf von staatlich emittierten Schuldverschreibungen. Diese täglichen Repo-Geschäfte ermöglichen es, den gewünschten Zinskorridor herbeizuführen. Bei der Umsetzung der US-amerikanischen Geldpolitik spielen die Prime Dealer eine wichtige Rolle. Hierbei handelt es sich um Banken, die als Kontrahenten bei diesen Repo-Geschäften mit der Zentralbank agieren. Sie dienen als Liquiditätsförderer und -verteiler im Bankensystem.

In der Vergangenheit war die FED mit ihren Operationen im Hinblick auf das Erreichen des geforderten Zinsniveaus erfolgreich und konnte die Zinsstrukturkurve in ihrem Interesse beeinflussen.[10]

Des Weiteren verfügt das FED-System über die Diskontpolitik im Rahmen von Übernachtkrediten, die den Finanzinstitutionen angeboten werden. Der Diskontsatz liegt üblicherweise unter der Federal Funds Rate. Jedoch findet nur wenig Kreditvergabe über diesen geldpolitischen Kanal statt, da die FED das Ausnutzen des Diskontfensters nicht in geeignetem Maße fördert.[11]

Zuletzt hat die FED, wie andere Zentralbanken auch, das Instrument der Mindestreserve eingeführt. Da die Mindestreservesätze allerdings selten angepasst werden, wird dieses Instrument nicht als aktives Werkzeug der Geldpolitik angesehen.

Den größten Stellenwert haben die Offenmarktoperationen, mit welchen die FED ihre Geldpolitik durchsetzt. Im Zuge der Finanzkrise wurde ein weiteres Instrument implementiert, welches zunächst einen temporären Charakter aufwies. Das von der FED als „Kriseninstrument“ bezeichnete Hilfsprogramm wurde eingeführt, um die Auswirkungen der Finanzkrise einzudämmen und das Bankensystem zu stützen. Es vereinbart Liquiditätshilfen, Krisen- und Schockmaßnahmen sowie die Quantitative-Easing-Programme.[12]

2.3. Geldbasis und Geldmenge

Die Geldbasis spiegelt das Geldangebot der Zentralbank wider und wird auch „Geld höchster Ordnung“ oder „monetäre Basis“ genannt. Diese monetäre Basis ist der Ausgangspunkt für die Geldschöpfung der Banken.[13]

Geldbestände, die von der Zentralbank geschaffen werden, lassen sich steuern. Die Entwicklung der Geldmenge jedoch unterliegt dem Geldschöpfungsprozess und ist nur bedingt durch die Zentralbank steuerbar. Variablen bei diesem Prozess sind der Mindestreserve- und Barhaltungskoeffizient sowie die Kreditvergabe der Geschäftsbanken. Die Geldmengenausweitung kann nur durch eine erhöhte Mindestreserve oder einer erhöhten Regulatorik beim Kreditvergabeprozess beeinträchtigt werden. Grundsätzlich obliegt aber die aktive Geldschöpfung den Geschäftsbanken.

Die Basis für die Giralgeld-Schöpfung und die Geldmengenentwicklung ist das Zentralbankgeld. Anhand der Zentralbankbilanz lässt sich erkennen, wie die Geldbasis entsteht. Zudem lässt sich verdeutlichen, ob und in welchem Umfang die Zentralbank Geld schafft und die Geldbasis kontrolliert.[14]

Sterilisierte Interventionen der Zentralbank bewirken keine Änderung der Geldbasis, da geeignete Gegenmaßnahmen die Ausweitung einer Bilanzposition eindämmen. Beispielsweise kann eine Zentralbank fremde Währungen aufkaufen, um somit die eigene Währung abzuwerten. Grundsätzlich weitet sich durch diese Maßnahme das Zentralbankgeld aus. Die Währungsabwertung kann durch Reduktion von Krediten an den Staat oder die Geschäftsbanken sterilisiert werden. Die Zentralbank steuert die Geldbasis über das Volumen ihrer Maßnahmen und mögliche Sterilisationswirkungen. Je nach inländischer Wirtschaftslage und geldpolitischen Zielen, können unterschiedliche Interventionen seitens der Zentralbank vorgenommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bilanz der Zentralbank

Durch die QE-Programme der FED erwarb sie unterschiedliche Anleihen aus dem Anlage- und Handelsbestand der US-amerikanischen Banken. Dadurch wird die Bilanzposition „Wertpapiere“ entsprechend dem Volumen der Transaktionen erhöht. Zunächst unterlagen die Anleihekäufe der FED der Sterilisation, sodass keine Bilanzverlängerung und Ausweitung der Geldbasis erfolgte. Später wurden die Transaktionen nicht mehr sterilisiert und die FED weitete das Zentralbankgeld durch Monetisierung massiv aus.[15]

Die Steuerung der Geldbasis ist für die FED von entscheidender Bedeutung bei der Verwirklichung ihrer geldpolitischen Ziele. Die Auswirkungen der Finanzkrise haben das LSAP-Programm notwendig gemacht. Die unkonventionellen Maßnahmen hatten eine enorme Ausweitung der Geldbasis sowie der Geldmenge zur Folge.

3.Das LSAP-Programm der FED

3.1. Notwendigkeit der QE-Programme

Das LSAP wurde am 25. November 2008 durch die FED als Reaktion auf die Finanzmarktkrise eingeführt. Unter diesem Begriff vereinen sich die unterschiedlichen QE-Programme sowie die Operation Twist der FED bis Oktober 2014.[16]

Die US-amerikanische Zentralbank hat jederzeit die Möglichkeit, Schuldverschreibungen und andere Vermögenswerte in unbegrenztem Maße zu kaufen. Zur Förderung ihrer Geldpolitik und zur Aufrechterhaltung der Liquidität setzte die FED die QE-Programme im Rahmen der Large Scale Asset Purchases ein. Auch über die Zinspolitik entscheidet die FED eigenständig. Es liegen keine grundsätzlichen Restriktionen bzgl. der Anleihekäufe und der Zinspolitik vor.[17]

Bereits einen Monat nach der Ankündigung der LSAP setzte die FED ihre Target-Rate auf ein Niveau von 0 bis 0,25 % und läutete damit ihre Nullzinspolitik ein, die bis Dezember 2016 andauerte. Das LSAP war in diesem Zeitraum somit das wichtigste geldpolitische Steuerelement der FED zur Bewältigung der Krise. Daraufhin haben die Aktienmärkte die QE-Programme und die Geldpolitik der FED viel stärker gewichtet und in die Bewertung von Unternehmen einbezogen. Die Sensibilität von Unternehmensanteilen gegenüber der Entscheidungen der FED nahm im Zuge der Zero Interest Rate Policy zu und verschob sich in Richtung der QE-Programme.[18]

Offenmarktoperationen sind das Schlüsselelement der FED bei der Umsetzung ihrer geldpolitischen Ziele. Über die Kanäle ihrer Prime Dealer stellt die US-amerikanische Zentralbank Liquidität bereit und steuert so die wichtige Geldbasis. Dabei nutzt die FED unterschiedliche Transmissionsmechanismen zur direkten und indirekten Intervention am Bankenmarkt. Die Maßnahmen im Vorfeld der Bankenkrise und zu Beginn der QE-Programme waren durch Sterilisation gekennzeichnet. Die Geldbasis der FED hatte sich bis zum Herbst 2008 in geordnetem Maße in Anlehnung an ein langfristiges Wirtschaftswachstum und ihrem Inflationsziel gesteigert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Geldbasis der FED

Das LSAP unterschied sich jedoch von den üblichen Transaktionen der FED. Bisher wurde durch Sterilisation im Rahmen von Repo-Geschäften eine massive Ausweitung der Geldbasis verhindert. Die QE-Programme überstiegen allerdings in erheblichem Maße die konventionellen Offenmarktoperationen. Im Gegensatz zu den gängigen Repo-Geschäften wurden die Anleihen nicht mit einer Rückkaufsvereinbarung versehen und von der FED erworben. Anfangs sind die Anleihekäufe der QE-Programme noch sterilisiert worden. Mit Aufgabe der Sterilisation weiteten sich die Bilanzpositionen der FED entsprechend der QE-Programme aus. Diese Ausweitung der Wertpapierbestände und die folgende Monetisierung implizierten einen massiven Anstieg der Zentralbankbilanz und der Geldmenge.[19]

Die zusätzliche Liquidität sollte die Kreditvergabe in den USA anregen und die Investitionstätigkeit erhöhen sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen verbessern. Die Ausweitungen der QE-Programme sowie die Zero-Interest-Rate-Policy konnten durchaus das Kreditvolumen in den USA teilweise stimulieren, allerdings musste die FED dadurch entsprechende Risiken eingehen. Des Weiteren ist ein Teil der Liquidität der unkonventionellen Maßnahmen im Bankensektor verblieben.[20]

Im Nachfolgenden werden die einzelnen QE-Programme sowie die Operation Twist veranschaulicht und eingeordnet.

3.2. Phasen einzelner QE-Programme

Die Quantitative-Easing-Programme sind eine unkonventionelle Form der Geldpolitik. Sie zeichnen sich durch eine Ausweitung der Geldbasis im Rahmen expansiver Geldpolitik aus. Hierbei kauf die Zentralbank zumeist staatliche oder private Schuldverschreibungen. Im Gegensatz zu Offenmarktgeschäften sind QE-Programme nicht sterilisiert und stellen eine Maßnahme der quantitativen Lockerung bei einem bereits niedrigen Zinsniveau dar.

Die einzelnen QE-Programme lassen sich in verschiedene Phasen differenzieren. Die jeweiligen Phasen haben im Hinblick auf die Bewertung von Aktienkursen unterschiedliche Wirkungen:

- Erwartung: In dieser Phase erwarten die Marktteilnehmer, dass die Zentralbank ihre expansive Geldpolitik fortführt und ein Anleihekaufprogramm zur Unterstützung einsetzt. Diese Erwartungen werden durch die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Indikatoren geschaffen. Die Indikatoren, die eine Zentralbank dabei einsetzt, werden vom Kapitalmarkt genau beobachtet, um die zukünftige Geldpolitik abzuleiten.
- Ankündigung: Im Rahmen der regelmäßigen geldpolitischen Sitzungen der Zentralbank entscheidet das Exekutivkomitee über die Ausrichtung der Geldpolitik, das Ziel für das kurzfristige Zinsniveau und über weitere Maßnahmen, wie bspw. QE-Programme. Mit der Ankündigung der Durchführung eines QE-Programms reagieren die Aktienmärkte, Devisenkurse und Bondmärkte. Je nach Erwartung der Marktteilnehmer, fallen die Reaktionen stärker oder schwächer aus.
- Durchführung: Die Zentralbank kauft in dieser Phase Anleihen am Bankenmarkt im angekündigten Volumen. Die zusätzliche Liquidität wird von den Banken unterschiedlich genutzt. Da die Zentralbank als Nachfrager der Anleihen auftritt, senkt sie die Renditen am Kapitalmarkt und impliziert Kapitalströme in andere Assetklassen. Durch diese Maßnahme profitiert der Aktienmarkt, da die relative Attraktivität gegenüber festverzinslichen Wertpapieren zunimmt.
- Tapering: In dieser Phase kündigt die Zentralbank an, mit einem QE-Programm nicht fortzufahren und das Volumen der Transaktionen langsam und in einem bestimmten Rhythmus zu reduzieren. Diese schrittweise Reduzierung der Maßnahme dient dazu, die Anpassungen am Kapitalmarkt langsam zu vollziehen und größere Schocks zu vermeiden. Das Tapering hat die Wirkung einer zunehmenden relativen Attraktivität von Anleihen gegenüber Aktien.

3.3. QE 1

Das erste QE-Programm der FED war unmittelbar nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman-Brothers notwendig geworden. Am 25. November 2008 erklärte der damalige Chef der FED Ben Bernanke die Offenmarktgeschäfte auszuweiten und ein Anleihekaufprogramm ab Dezember 2008 zu starten. Die Transaktionen wurden vom New Yorker Trading Desk der FED ausgeführt.[21]

Anfangs kündigte die FED an, bis März 2010 für USD 600 Mrd. MBS-Anleihen und USD 100 Mrd. andere öffentliche Schuldverschreibungen zu kaufen. Die Transaktionen wurden durch Hypotheken der teilstaatlichen Banken Fannie Mae und Freddie Mac garantiert, was den privaten Häusermarkt in den USA unterstützte.[22]

Um die Folgen auf den Finanzmarkt weiter abzumildern und die sich ausbreitende Rezession einzudämmen, erhöhte die FED das Volumen des ersten QE-Programms während der Laufzeit im März 2009 um weitere USD 750 Mrd. hypothekengesicherte MBS-Anleihen und USD 300 Mrd. US-Treasuries. Damit weitete die Zentralbank ihre Bilanz weiter massiv aus.[23]

Durch das erste QE-Programm war noch nicht die erhoffte Stimulierung des ökonomischen Kreditprozesses eingetreten. Die US-amerikanischen Geschäftsbanken haben das Kreditvolumen aufgrund eines anhaltenden Vertrauensverlusts in den Bankenmarkt noch nicht ausgeweitet. Sie waren durch ein risiko-averses Verhalten geprägt. Die zusätzliche Liquidität durch das erste QE-Programm wurde von den Banken dazu genutzt, ihre Liquiditätssituation zu verbessern und die überschüssigen Gelder in sichere Assetklassen anzulegen. Die neuen Kapitalströme verschafften auch dem Aktienmarkt zusätzliche Mittel.[24]

3.4. QE 2

Am 3. November 2010 leitete die FED ein zweites QE-Programm mit einem Volumen von USD 600 Mrd. ein. Die FED kündigte an, monatlich bis Ende Juni 2011 langfristige US-Staatsanleihen mit einem Volumen von USD 75 Mrd. zu kaufen.[25]

Das Ziel der FED war es, die langfristigen Zinsen in der US-amerikanischen Zinsstruktur zu senken. Die kurzfristigen Zinsen hat die FED bereits durch das Absenken der Target Rate auf ein historisches Zinstief gedrückt. Die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt kann die Zentralbank nur indirekt durch den Kauf langfristiger Zinspapiere erreichen.

Die langfristigen Zinsen sind für Unternehmen und den privaten Sektor beim Investitionsprozess entscheidend. Investitionen können durch ein niedriges Zinsumfeld gefördert werden. Die FED versuchte, durch das zweite Programm die Zinsstruktur abzuflachen und die ökonomische Aktivität zu stimulieren.[26] Langfristig sollte dadurch Wirtschaftswachstum entstehen und das Vertrauen in die Finanzmärkte gesteigert werden.

[...]


[1] Zitat von Janet Yellen, damals in der Funktion als Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco auf der Conference on U.S. Monetary Policy in London, 27.05.2005

[2] Federal Reserve Act, Abschnitt 2A. 1

[3] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 201ff.

[4] ebd.

[5] Vgl. Ruckriegel, K./Seitz, F. (2002), S. 3

[6] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 201ff.

[7] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 204f.

[8] ebd.

[9] Vgl. Ruckriegel, K./Seitz, F. (2002), S. 4

[10] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 201ff.

[11] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 203ff.

[12] Vgl. Carpenter, S./Demiralp, S./Eisenschmidt, J. (2013), S. 4

[13] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 15ff.

[14] Vgl. Ruckriegel, K./Seitz, F. (2002), S. 5

[15] Vgl. Lo Duca, M./Nicoletti, G./Vidal Martinez, A. (2014), S. 3

[16] Vgl. Fawley, B./Neely, C. (2013), S. 6

[17] Vgl. Gerdesmeier, D. (2011), S. 206f.

[18] Vgl. Fawley, B./Neely, C. (2013), S. 5f.

[19] Vgl. Alessi, L./Ghysels, E./Onorante, L./Peach, R./Potter, S. (2014), S. 8

[20] Vgl. Amico, S./King, T. (2010), S. 7

[21] Internet: The Balance, URL: https://www.thebalance.com/what-is-qe1-3305530

[22] Vgl. Foerster, A./Cao, G. (2013), S. 3

[23] ebd.

[24] Vgl. Amico, S./King, T. (2010), S. 7ff.

[25] Internet: The Balance, URL: https://www.thebalance.com/what-is-qe1-3305530

[26] Vgl. Boel, P./Waller, C. (2015), S. 15

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen von Quantitative Easing auf den US-amerikanischen Aktienmarkt
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
2,9
Autor
Jahr
2017
Seiten
49
Katalognummer
V369986
ISBN (eBook)
9783668492493
ISBN (Buch)
9783668492509
Dateigröße
1221 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, quantitative, easing, us-amerikanischen, aktienmarkt
Arbeit zitieren
Marc Richter (Autor), 2017, Die Auswirkungen von Quantitative Easing auf den US-amerikanischen Aktienmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369986

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