Die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien. Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen der Abolition


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Sklaverei

3. Sklaverei in Brasilien
3.1. Indianische Sklaven
3.2. Schwarze Sklaven

4. Abschaffung der Sklaverei in Brasilien

5. Folgen der Abschaffung der Sklaverei
5.1. Politische Folgen
5.2. Gesellschaftliche Folgen
5.3. Wirtschaftliche Folgen

6. Fazit

7. Literatur-/ Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Als am 22.April 1500 Pedro Alvares Cabral mit seiner Flotte auf der Suche nach einem westlichen Seeweg nach Indien südlich von Bahia landete, konnte noch niemand ahnen, dass Cabral so eben die später größte Kolonie Portugals, Brasilien, die sich im weiteren Verlauf der Geschichte noch zum Kaiserreich entwickeln sollte, offiziell für die portu- giesische Krone in Anspruch genommen hatte.1 Da der Fokus der Portugiesen im frühen 16. Jahrhundert dem indischen und südostasiatischen Raum und dem dortigen Handel galt, fand Brasilien zunächst wenig Beachtung. Brasilien, das seinen Namen dem rei- chen Vorkommen an Brasilholz, einem Färbholz, das zur Herstellung von Purpur- und Scharlachstoffen diente und in Europa sehr gefragt war, verdankt, wurde zunächst in kolonialer Tradition nur als Seestützpunkt nach Ostindien gesehen und stellte anfangs den unbedeutendsten Teil des weltumspannenden Handelsimperiums dar.2 Erst mit der Zurückdrängung Portugals aus dem Pazifik verschob sich die Interessenlage auf den südamerikanischen Kontinent und Brasilien wurde zu einer königlichen Kolonie.3 Hatte die Monopolisierung des Farbholzhandels noch keine ernsthafte wirtschaftliche Er- schließung zur Folge, begann diese mit dem großflächigen Anbau von Zuckerrohr. Mit der Geschichte der Wirtschaft beginnt auch das Kapitel der Sklaverei in Brasilien. Wur- den zunächst noch Eingeborene für das Schlagen und den Transport von Brasilholz ein- gesetzt, waren diese für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen ungeeignet. Um den Arbeitskräftemangel zu begegnen, begann eine massive Einfuhr von afrikanischen Sklaven. Sklaven wurden zum Grundpfeiler der brasilianischen Wirtschaft und blieben diese über nahezu vier Jahrhunderte hinweg. Die Einfuhr und Ausbeutung von Sklaven hinterließ so jahrhundertelang nicht nur tiefe Spuren in der brasilianischen Wirtschaft, sondern auch in der Gesellschaft und Politik. Sklaverei war ein fester Bestandteil des brasilianischen Lebens und im Alltag tief verwurzelt. Die Abolitionsbewegung und die Abschaffung der Sklaverei lassen daher eine scharfe Zäsur in der brasilianischen Ge- schichte vermuten. Doch was waren die unmittelbaren Auswirkungen der Befreiung aller Sklaven? Um eine umfassende Beantwortung zu ermöglichen soll diese Frage in drei Teilaspekte untergliedert werden - einer politischen, einer gesellschaftlichen und einer wirtschaftlichen Dimension der Folgen.

Die Arbeit ist dabei wie folgt gegliedert. In einem ersten Schritt wird zunächst auf die Geschichte der Sklaverei allgemein eingegangen werden, bevor dann brasilianische Be- sonderheiten- und Eigenarten weiter aufgezeigt werden sollen. In einem zweiten Schritt soll dann die Vorgänge und Prozesse näher erläutert werden, die zum endgültigen Skla- venverbot geführt haben. Der anschließende Abschnitt wird dann die Folgen in ihrer dreifachen Ausprägung zum Thema haben. Abschließend wird der Versuch unternom- men werden ein Fazit zu ziehen.

2. Die Geschichte der Sklaverei

Von der Antike über das Mittelalter, die frühe Neuzeit, ja bis in die Gegenwart existierte und existiert die Sklaverei. Heute geächtet, war sie nicht nur in der Antike, sondern auch in der Frühen Neuzeit in verschiedenen Ausprägungen immer Teil der wechseln- den Gesellschaftsformen. Die Geschichte der Sklaverei ist eine lange, hoch komplexe und ebenso spannende. Jedoch kann und soll sie in ihrer Gesamtheit im Rahmen dieser Arbeit nicht dargestellt werden.4 Im folgenden Abschnitt sollen vielmehr exemplarisch herausgearbeitet werden, welche Einstellung und welches Grundverständnis im Europa der frühen Neuzeit gegenüber der Sklaverei herrschte. Dieses Bild soll dann als Erklä- rungsansatz für die Geschichte der Sklaverei in Brasilien dienen, die ebenfalls auszugs- weise im Nachfolgenden dargestellt werden soll.

Die Sklaverei hat in Europa eine lange Tradition. Sowohl die Griechen, als auch die Römer hatten ihre Reiche nicht unwesentlich auf der Arbeitskraft der Versklavten er- richtet. Sklaven waren schon früh zu einer lukrativen Handelsware geworden. Mit dem Untergang der antiken Welt verschwand aber nicht die Sklaverei. Je nach Definition und Blickwinkel überdauerte sie in verschiedensten Formen das Mittelalter.5 Spätestens nachdem im Jahre 1441 die ersten afrikanischen Sklaven nach Portugal gebracht wor- den waren, kehrte die Sklaverei in ihrem alten Gewand in die Gesellschaft zurück. In der Bucht von Arguin, südlich des Kap Blanco gelegen, wurde ein erstes Sklavenhan- delszentrum errichtet. Um die europäischen Kontrahenten aus dem Sklavenhandel her- auszuhalten, wurde sieben Jahre später das Fort Arguin errichtet, welches die erste dau- erhafte Niederlassung an der afrikanischen Küste darstellte.6 Die „Renaissance“ der Sklaverei zeigt sich eindrucksvoll in den Bevölkerungszahlen Lissabons Mitte des 16. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit war die schwarze Bevölkerung schon auf 10% angewach- sen. Nicht einmal ein Jahrhundert später waren von 100.000 Einwohnern 15.000 Skla- ven und 2000 Freigelassene.7 Im Stadtbild waren also schwarze Sklaven keine Aus- nahme, sondern alltäglich. Der Besitz von Sklaven galt als vollkommen legitim und die Berechtigungsexistenz der Sklaverei als solche wurde nicht angezweifelt.

3. Sklaverei in Brasilien

Die Geschichte der Sklaverei in Brasilien ist hochkomplex und nicht leicht in Gänze zu erfassen, deshalb soll im folgendem nur eine Übersicht gegeben werden, um Folgewirkungen ihrer Abschaffung nachvollziehen zu können.

3.1. Indianische Sklaven

Die indianisch-portugiesisch Wirtschaftsbeziehungen waren am Beginn des 16. Jahr- hunderts noch vom Tauschhandel geprägt. Sein wichtigster Gegenstand war das Brasil- holz. Die Indianer erhielten für das Schlagen und Verladen des Farbholzes Werkzeug in Form von Messern oder Äxten, Kleidung oder sonstigen Tand.8 Erst mit dem Übergang von der Brasilholzverarbeitung zum Zuckerrohranbau entstand ein massiver Arbeits- kräftemangel. Der im Verständnis der Siedler nur mit Hilfe der Sklaverei gedeckt wer- den konnte. Neben dem wirtschaftlichen Zwang sind noch drei andere Gründe für die schnelle Verbreitung der Sklaverei zu nennen. Erstens war den Indianern die Sklaverei nicht unbekannt, zweitens war die Sklaverei, wie bereits ausgeführt, in Europa Gang und Gebe und drittens „[…] förderte die Mentalität der Kolonialgesellschaft die Ver- sklavung der Eingeborenen in besonderem Maße.“9 Die zunächst willkürliche Verskla- vung der Eingeborenen durch die Siedler führte schnell zu offener Feindschaft mit den Indianern. Um dem zu begegnen ordneten die Behörden bald an, dass die Siedler nur noch die, als gerecht empfundenen Formen der Versklavung, zu betreiben hätten. Eine Variante waren die so genannten gerechten Kriege. Dabei waren aufsässige Stämme zu unterwerfen und zu versklaven und gehorsame Stämme zu schonen. Eine andere Form des Sklavenerwerbs war der Freikauf eines Gefangenen der Indianer, der anderweitig getötet werden sollte.10 Die Anordnungen blieben jedoch mangels Kontrollmöglichkei- ten und vor allem aufgrund einer allzu großzügigen Auslegung weitgehend ineffektiv.11

Erst nach dem in Spanisch-Amerika die Versklavung der Indianer per päpstlichem Dek- ret verboten wurde, begann in Brasilien das Bestreben auch hier die Freiheit der India- ner zu schützen. Die Versuche die Indianersklaverei zu unterbinden scheiterten jedoch wiederholt am Widerstand der Siedler.

[...]


1 Vgl. Thomas, Georg (a): Die portugiesische Expansion, in: Pietschmann, Horst (Hg.): Mittel-, Südame- rika und die Karibik bis 1760 (Handbuch der Geschichte Lateinamerikas, Bd. 1), Stuttgart 1994, S. 298.

2 Vgl. Mieck, Ilja: Europäische Geschichte der Frühen Zeit. Eine Einführung, Stuttgart 1998, S. 66.

3 Vgl. Thomas 1994(a), S. 297.

4 Zur Einführung und weitergehenden Vertiefung siehe: Flaig, Egon: Weltgeschichte der Sklaverei, Mün- chen 2009.

5 Vgl. Haverkamp, Alfred: Die Erneuerung der Sklaverei im Mittelmeerraum während des hohen Mittelalters, in: Herrmann-Otto, Elisabeth (Hg.): Unfreie Arbeits- und Lebensverhältnisse von der Antike bis in die Gegenwart. Eine Einführung, Hildesheim2005, S. 140-142.

6 Vgl. Mieck 1998, S. 55.

7 Zeuske, Michael: Sklaven und Sklaverei in den Welten des Atlantiks 1400-1940. Umrisse, Anfänge, Akteure, Vergleichsfelder und Bibliographien, Berlin 2006, S. 145.

8 Vgl. Thomas 1994(a), S. 308-309.

9 ebenda, S. 310.

10 Vgl. ebenda, S. 310-311.

11 Vgl. Schmieder, Ulrike: Die Sklaverei von Afrikanern in Brasilien, in: Zeuske, Michael (Hg.): Sklaverei zwischen Afrika und Amerika (Comparativ 2003, Heft 2), Leipzig, S. 27-28.

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Details

Titel
Die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien. Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen der Abolition
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historische Institut)
Veranstaltung
Geschichte Brasiliens
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V370018
ISBN (eBook)
9783668487383
ISBN (Buch)
9783668487390
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brasilien, Sklaverei, Abolitionismus
Arbeit zitieren
Lukas Richter (Autor), 2012, Die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien. Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen der Abolition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370018

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