Schriftträger im Wandel der Zeit

Wie haben sich Schriftträger entwickelt und bedeutet das Zeitalter der neuen Medien ein "Aus" für die Papierindustrie?


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung - Die Geschichte der Schriftträger

Erste Formen von Schriftträgern
1. Felsbilder und Knochenschnitzereien
2. Tontafel der Sumerer
3. Papyrus und Wachstafeln in Ägypten
4. Pergament

Der Siegeszug des Papiers
1. Papier im alten China und Arabien
2. Papier in Altamerika
3. Papier in Europa
4. Wege zur Industrialisierung der Papierwirtschaft

Papier heute

Fazit

Anhang
1. Literatur- und Quellenverzeichnis
2. Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung l: Entwicklung der Schriftträger

Einleitung - Die Geschichte der Schriftträger

Papier, als modeme Form der Schriftträger, hat eine lange und interessante Entwick- lungsgeschichte und vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Sowohl zur Verbreitung tages- aktuellen Wissens mithilfe von Zeitungen, als auch zur Konservierung und Überlieferung von Wissen und Lebensweisen vergangener Zeiten lassen sich Schrift- träger verwenden. Im Zeitalter der neuen Medien stellt sichjedoch die Frage, ob die Herrschaft der Papierindustrie sich dem Ende zuneigt.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich im ersten Abschnitt mit der Entwicklung von Schriftträgern in ihrer Urform bis zum Papier. Dabei werden auf Höhlenmalereien, die Tontafel der Sumerer, Papyrus und Wachstafeln der Ägypter sowie das Perga- ment eingegangen.

Der zweiter Abschnitt beschäftigt sich mit der Entwicklung des Papiers von seiner ersten Herstellungsform in China bis hin zur Industrialisierung im 20. Jahrhundert.

Abschluss bildet eine Betrachtung der Papiernutzung in der heutigen Zeit der Tech- nologisierung. Hier soll ein Ausblick auf die Zukunft gegeben werden mit einer Ab- schätzung, ob die Entwicklung neuer Medien das Papier verdrängt oder eine gleich berechtigte Koexistenz einnimmt.

Erste Formen von Schriftträgern

Die Urform der Schriftträger sind Felswände und Knochen, in welche die Menschen der da­maligen Zeit Zeichen und Ge­mälde eingeritzt haben. Sie sind etwa 12.000 Jahre alt und beste­hen noch heute. Die ältesten be­deutsamen Schriftträger sind Tontafel mit Keilschrift und Pa­pyrus mit Hieroglyphen, welche sich circa 3300 v.Chr. entwickelt haben. Das Pergament und kurze Zeit später das Papier wurde erst rund 2.500 Jahre später entdeckt (s. Abb. 1).

1. Felsbilder und Knochenschnitzereien

Felsbilder stellen die ältesten Fundstücke dar, mit denen Menschen ihren Lebensall- tag dokumentiert und so für die Nachwelt (unbewusst) erhalten haben. Die zuerst entdeckten Kunstwerke wurden in den Höhlen von Altamira (Spanien) und Lascaux (Frankreich) gefunden und lange Zeit als Fälschungen deklariert. Man nahm zur Zeit der Entdeckung an, dass Menschen der Urzeit nicht in der Lage gewesen seien, der- artige Zeichnungen anzufertigen. Mithilfe der „Radiocarbon-Methode an einem Holzkohlestück“[1] aus der Höhle, konnte erst Jahre nach dem Fund das Alter auf 15.516 Jahren datiert und somit der Beweis für die Echtheit der Malereien erbracht werden.

Anhand der Funde von handtellergroßen Steinen mit eingravierten Skizzen der Höh- lenmalerien, lässt sich vermuten, dass es schon eine Art Malerschule gab und die Malereien mit einer gewissen Professionalität angefertigt wurden. Die Wandmalerei- en[2] wurden mit Pinseln oder hohlen Knochen als Sprühwerkzeug an die Felsen ge- bracht. Als Farbe dienten mit Tierfett angerührte Mineralien, die für rote, braune und schwarze Farben sorgten.[3]

2. Tontafel der Sumerer

Die erste Tontafel lässt sich auf3.300 v.Chr. zurückdatieren und stammt aus der Hochkultur der Sumerer. Dieses Volk hat als erste bekannte Hochkultur eine Bilder- schrift entwickelt, die sie als „Merkzeichen für Forderungen der Tempel, Verträge und Grundbuchrechte mit einem Griffel“[4] in den noch weichen Ton gedrückt haben.

Da die Anzahl der Symbole auf den Tafeln irgendwann ins unermessliche stieg, fingen die Menschen an, von reinen Bildzeichen auf die Bilder als Silbenkombinati- on umzusteigen.[5]

Tontafeln wurden aus Lehm hergestellt, welcher aus Bewässerungskanälen gewon- nen, getrocknet und geformt wurde. Durch diese einfache Gewinnungs- und Herstel- lungsmethode stellte er einen billigen Schriftträger dar. Die Tafelgröße entsprach einem 5:3 Format für kurze Texte oder 11:10,5 für längere Texte. „Mittelassyrische Tafeln für Gesetzestexte hatten mit 32x21x3 cm annähernd ein DIN A4-Format.“[6] Das Material Ton ist außerdem sehr haltbar und nahezu unvergänglich. Zwar konnte man ungebrannten Ton mit Wasser wieder erweichen und dadurch Änderungen an den Texten vornehmen; einmal gebrannter Ton hingegen ist nahezu unvergänglich, da weder Feuchtigkeit, noch Feuer, Licht oder andere Umweltbedingungen die Texte zerstören kann.

3. Papyrus und Wachstafeln in Ägypten

Papyrus, der Schriftträger der Ägypter, ist fast genauso alt wie die Tontafeln der Su- merer. Für dieses Material wurde aus den Stängeln der Papyrusstaude Pflanzenmark gewonnen und in schmalen Streifen kreuzweise übereinander gelegt. Durch gleich- mäßiges Klopfen und Pressen werden die Streifen miteinander verbunden, wobei der frische Pflanzensaft als Bindemittel wirkt. Um eine glatte Oberfläche zu erhalten, wirde das Material nach dem trocken mit Glättsteinen oder Muscheln geschliffen. Danach klebte man mehrere Papyrus Blätter aneinander und rollte sie auf, um die fertigen Schriftträger in Wunschlänge zu erhalten.[7]

Das Längenmaß der Papyrusrollen umfasste in der Regel 20 Blätter bei einer Breite von 36 und 18 cm (18./19. Dynastie) und später 42 und 21 cm (20. Dynastie).[8] Die längste gefundene Papyrusbahn war 40,5 cm lang.

Papyrus ist ein sehr festes Material, welches neben Schriftträgern auch für andere Zwecke verwandt wurde wie z.B. „Kleidern, Matten, Kästen, Sandalen, Mumienhül­len und für Boote.“[9] Die Papyrusstaude wächst in flachen Gewässern des Nildeltas und war somit für die Ägypter ein leicht zu gewinnendes Material. Papyrusherstel­lung wurde nach dem Prinzip der Arbeitsteilung mit Spezialisten für Teilschritte durchgeführt. „Schon 253 v.Chr. war eine Industrienorm eingeführt worden, durch die die Größe der Papyrusrollen vereinheitlicht wurden.“[10] Außerdem wurden Nor­men für unterschiedliche Qualitäten von Papyrus geschaffen, von denen der teuerste und feinste fast durchsichtig war.

Der steigende Bedarf an Schreibunterlagen im gesamten Mittelmehrraum führte nach geraumer Zeitjedoch zu Materialknappheit, weshalb die Preise für Papyrus ins uner- messliche stiegen und der Export streng reglementiert wurde. Für viele Schreibzwe- cke wie einfache Notizen wurde der Papyrus zu teuer, so dass die Menschen alternativ aufTonscherben umstiegen.

Eine andere kostengünstigere Alternativen waren wiederverwendbare Wachstafeln aus schwarzgefärbtem Bienenwachs. Mithilfe des Stilus, einer Art Griffel, mit abge- flachter Rückseite zum Ausradieren bereits beschriebener Fläche, wurden die Wachstafeln beschrieben. Manchmal wurden zwei oder drei Tafeln mit Ringen mit- einander verbunden. Diese Art des Schriftträgers nannte man Diptychon bzw. Tripti- chon. [11]

4. Pergament

Pergament ist ein aus Tierhaut bestehender Schriftträger, benannt nach der Stadt Per- gamon[12]. Das Beschreiben von Leder war bereits in der Bronzezeit bekannt; die Ver- wendung von Pergament bestand laut Berichten schon um 1500 v.Chr., wurde aber erst um 200 v.Chr. wirklich bedeutsam, als die Pergament Produktion in Pergamon zu florieren begann.[13]

Für die Herstellung von Pergament werden Tierhäute (Rind, Schaf, Lamm und Zie- ge) mehrere Tage in Kalkbrühe eingeweicht, bevor die Haare abgeschabt und die Haut auf einen Rahmen gespannt wird. Um sie beschreibbar zu machen, erfolgt eine Behandlung mit Bimsstein und Kreide. Die Vorteile von Pergament im Vergleich zu Papyrus ist die beidseitige Beschreibbarkeit und lange Lebensdauer. „Ein weiterer Vorteil war, daß [!sic] man die Schrift durch Schaben und Radieren mit Bimsstein entfernen und so das Pergament für eine weitere Beschriftung verwenden konnte”[14].

[...]


[1] Sandermann (1988), S. 3

[2] Die Zeichnungen wurden immer weiterentwickelt und enthielten ab einem Punkt auch Symbol­zeichnungen, die immer wieder kehrten und bestimmte Bedeutungen hatten (z.B. ein vertikaler Strich mit abgehenden senkrechten Strichen als Symbol für Regen(wolken). Der Forscher Hans Biedermann nimmt an, dass diese Symbole der Beginn der Schrift war, sozusagen die Urschrift. (Vgl. Sandermann (1988), S. 5)

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. ebd. S. 6

[5] Nach der ersten Reform von Bilder- zu Silbenschrift, folgte eine Reform der Schreibrichtung von senkrechter zu waagerechter Schrift. Mit der Verwendung von dreieckig zugespitzten Rohr zum eindrücken der Zeichen (Griffel) wurde die Keilschrift erfunden. Hierbei wurden Kreise und Kur­ven durch gerade Striche ersetzt.

[6] Sandermann (1988), S. 9

[7] Vgl. Moog (2003), S.3 und Sandermann (1988). S. 17

[8] Vgl. Sandermann(1988), S. 17

[9] Vgl. ebd. S. 17f

[10] Vgl. ebd. S. 19

[11] Vgl. ebd. S. 19

[12] Vgl. Moog (2003), S. 3

[13] Vgl. Sandermann (1988). S. 71

[14] Vgl. ebd. S. 73

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Schriftträger im Wandel der Zeit
Untertitel
Wie haben sich Schriftträger entwickelt und bedeutet das Zeitalter der neuen Medien ein "Aus" für die Papierindustrie?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Schreibgeräte, Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Technik
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V370022
ISBN (eBook)
9783668476042
ISBN (Buch)
9783668476059
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schreibgeräte, Papier, Schriftträger, Technik, Geschichte von Papier
Arbeit zitieren
Sina Laura Rautmann (Autor), 2014, Schriftträger im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370022

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