Exegese der Perikope Lk 12,54-56

"Beurteilung der Zeit"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Exegese der Perikope Lk 12,54-56 „Beurteilung der Zeit“
1.1 Übersetzung
1.2 Übersetzungsvergleich
1.3 Abgrenzung und Kontextanalyse
1.4 Sprachliche Analyse
1.5 Form-bzw.Gattungskritik
1.6 Literarkritikbzw. synoptischer Vergleich
1.7 Traditionsgeschichte
1.8 Redaktionskritik
1.9 Sozialgeschichtlicher und realgeschichtlicher Hintergrund
1.10 Schluss

2 Literaturverzeichnis

1 Exegese der Perikope Lk 12,54-56 „Beurteilung der Zeit“

In der vorliegenden Arbeit wird der Text Lk 12,54-56 exegetisch untersucht. Der Abschnitt befindet sich unter der Überschrift Beurteilung der Zeit, welcher zeitlich in den zweiten Teil des Evangeliums eingeordnet ist, der von Jesu Weg nach Jerusalem berichtet.

Zur weiteren Betrachtung des Textes stütze ich mich vor allem auf den Evangelisch-Katholi­schen Kommentar von Bovon (EKK), das Kompendium der Gleichnisse Jesu von Zimmer­mann und den Kommentarfür die Praxis zum Lukas-Evangeliums von Dillmann und Paz.1

Meine Fragen an den Text, auf die ich mir eine Antwort zu finden erhoffe, sind: Wo befindet sich Jesus gerade? Wer ist die Menge, die Jesus anspricht? Welche Motive werden in dem Text verarbeitet? Was will er mit dem Gleichnis sagen/bezwecken?

1.1. Übersetzung

Für die weitere Arbeit mit der Bibelstelle verwende ich die Übersetzung aus der revidierten Luther Bibel von 19842:

Beurteilung der Zeit

54 Er sprach aber zu der Menge: Wenn ihr eine Wolke aufsteigen seht vom Westen her, so sagt ihr gleich: Es gibt Regen3. Und es geschieht so. 55 Und wenn der Südwind weht, so sagt ihr: Es wird heiß werden. Und es geschieht so.

56 Ihr Heuchler! Über das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr urteilen; warum aber könnt ihr über diese Zeit nicht urteilen?

Die Entscheidung für diese Stelle fiel aufgrund des Übersetzungsvergleichs (s. S.3), da der Luthertext in der Formulierung am ursprünglichsten erschien. Die anderen Übersetzungen sind vom Wortgebrauch teilweise bis stark an die moderne Sprache angepasst, haben redun­dante Wörter für eine bessere Lesbarkeit weggelassen und den Inhalt leicht angepasst (z.B. aus einer Wolke werden viele Wolken).

1.2. Übersetzungsvergleich

Für den Übersetzungsvergleich habe ich die Luther Bibel von 1984 (A), die Elberfelder Bibel (B), die Einheitsübersetzung (C), Hoffnung für alle (D) und die neue Genfer Übersetzung (E) gewählt. Da nicht mit den Originaltexten gearbeitet werden kann, soll der Vergleich dabei hel­fen, eine Übersetzung zu finden, die möglichst dicht an der Urform des Textes ist. Sie dient der Herausarbeitung signifikanter Unterschiede und Gemeinsamkeiten, welche im Folgenden versweise kommentiert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten4 5 6 7 8

54 A,B: Er sprach-, C,E: sagte Jesus', D: Jesus redete-, A und ? verwenden sprachlich die äl­teste und präziseste Form. In Kombination mit Er setzen die Texte voraus, dass der Leser weiß, dass Jesus gemeint ist. C, D und E erwähnen Jesus namentlich, wobei C/E die eher geglättete Form sagte verwenden, D zu dem am wenigstens ausdrucksstarken Wort redete greift.

A: Menge, B,E: Volksmenge; C: Leute; D: alle, Die Adressaten sind in A als unspezifi­sche Menge definiert, ?/E präzisieren diesen Begriff als Volksmenge. C/D benutzen eher moderne, umgangssprachliche Begriffe, die der heutigen Sprache angeglichen zu sein scheinen. D schließt mit alle auch den Leser mit ein.

A,B,C,E: aufsteigen, D: kommen; / A,B,E: eine Wolke, C,D: Wolken; Ein weiterer Unter­schied ergibt sich in der Anzahl und Art des Erscheinens der Wolken. Aufgrund der großen Übereinstimmung des Worts aufsteigen, sehe ich dieses als die ursprünglichere Form an. Die Texte A/B/E reden von einer einzigen Wolke, während C/D von mehreren Wolken sprechen. In der Urquelle wird der Singular verwendet, um die Aussage zu ver­stärken, dass schon eine einzige Wolke ausreicht, damit die Menschen ihre Schlüsse zie­hen.9

A: so [...] gleich; B: so [...] sogleich; E: sofort. Die Inquit-Formel lautet in allen Über­setzungen sagt ihr, istjedoch in A/B/E durch eine adverbiale Zeitangabe, die ein schnelles Handeln betont, ergänzt. Aus dem Kontext lässt sich nicht sagen, welches der Urform am nächsten kommt. Da bisher der Luther Text am nächsten an der Urform dran zu sein scheint, entscheide ich mich hier für die Formulierung A.

A,C,D,E: Es gibt Regen, B: Ein Regenguss kommt; Obwohl die häufigere Verwendung des schwächeren Wortes Regen aus dem Vergleich schließen ließe, dass es sich bei B um eine angepasste Formulierung handelt, betonen verschiedene Kommentare, dass die aus­drucksstärkere Wortwahl dem Urtext näher kommt.10

A,B: Und es geschieht so; C: Und es kommt so; D: und das stimmt auch; E: Und so kommt es dann auch. Bei E fällt sofort die deutlich wortlastigere Umformulierung ins

Auge, die ebenfalls bei D zutrifft. D ist auch inhaltlich abgeändert und ist mehr ein Rechtszuspruch an die Menge, während die anderen Formulierungen den Effekt beschrei­ben. A/B/C nutzen die gleiche Satzstruktur, wobei C auf die etwas geläufigere Wortform kommt abgeändert ist, weshalb ich A/B als Urform ansehe.

55 A,C,E: [...] der Südwind weht, B: [...] ihr den Südwind wehen seht; D: [...] der Wind von Süden weht; Insgesamt ist der Wortlaut Südwind (A,B,C,E) häufiger als Wind von Sü­den, weshalb ich diese Formulierung als die ursprünglichere ansehe. B spricht als einzi­ger Text die Menge direkt an (wenn ihr...); da die anderen Übersetzungen alle nur das Zeichen beschreiben, gehe ich in B von einer nachträglichen Abänderung aus.

A,B: so [...]; C: dann [...]; Alle Texte stimmen hier in der Inquit-Formel sagt ihr überein. Jedoch A/B/C fügen ein so bzw. dann hinzu. Wie die Urform ausgesehen hat, lässt sich auch hier schwer sagen. Ich werde wie bei Lk 12,54 mit der Luther Variante (A) weiter arbeiten.

C,D,E: Es wird heiß (A)werden; B: Es wird Hitze geben; Hier sticht wieder B mit einer anderen Wortwahl hervor, die ich dadurch als Abänderung durch den Verfasser ansehe. A unterscheidet sich von C/D/E nur in dem zusätzlichen Wort werden. Ich vermute, dass dieses Wort bei den anderen Übersetzungen aufgrund von Redundanz zur besseren Les­barkeit weggelassen wurde. Daraus schließe ich, dass auch hier A die Urform darstellt.

B: es geschieht (A) so; C: es trifft ein; D: ihr habt Recht; E: auch das trifft ein; Die For­mulierung in D weißt, wie im vorhergehenden Vers, eher ein Recht zu, als dass es den Ef­fekt beschreibt und hebt sich dadurch von den anderen Übersetzungen ab. C/E benutzen das Wort trifft anstelle von geschieht wie in A/B. Da „trifft“ vom Wortlaut her gebräuchli­cher ist als „geschieht“, gehe ich davon aus, dass A die Urform darstellt. Auch da diese wieder das redundante so am Ende der Formulierung benutzt, welches in B aus Lesbar­keitsgründen weggelassen zu sein scheint.

56 A,C,D,E: Ihr Heuchler!; B: Heuchler!; Abgesehen von B sprechen alle Übersetzungen die Menge direkt mit dem Personalpronomen Ihr an. Daher sehe ich die direkte Adressie­rung als ursprüngliche Form an.

[...]


1 Eine ausführliche Quellenangabe dieser Werke und weiterer verwendeter Literatur befindet sich im Literatur­verzeichnis im 2. Abschnitt dieser Arbeit.

2 Luther, Martin [LUT] (1984): Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984. Durchges. Ausg. inneuerRechtschreibung. Stuttgart: Dt. Bibelgesellschaft.

3 Hier ist im Urtext von einem ausdrucksstärkeren Wort wie „Regenguss“ oder „heftige Gewitterregen“ auszu­gehen. (vgl. Bovon (1996), S.54; Dillmann/Paz (2000), S.254)

4 Luther, Martin [LUT] (1984): Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984. Durchges. Ausg. in neuer Rechtschreibung. Stuttgart: Dt. Bi­belgesellschaft.

5 Elberfelder Bibel [ELB] (2008): Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26). Witten: Brockhaus im SCM-Verlag.

6 Einheitsübersetzung [EU] (1980): Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Stuttgart: Kath. Bibelanstalt.

7 Hoffnung für Alle [HFA] (2003): Die Bibel. Trend Edition. 3. Aufl. in der revidierten Fassung. Basel: Brennen Verlag.

8 Neue Genfer Übersetzung [NGÜ] (2011): Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung - Neues Testament und Psalmen. Genf: Genfer Bibelgesellschaft.

9 Vgl. Bovon (1996), S.357

10 Vgl. Bovon (1996), S.54; Dillmann/Paz (2000), S.254

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Exegese der Perikope Lk 12,54-56
Untertitel
"Beurteilung der Zeit"
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V370029
ISBN (eBook)
9783668474321
ISBN (Buch)
9783668474338
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Lk 12
Arbeit zitieren
Sina Laura Rautmann (Autor), 2014, Exegese der Perikope Lk 12,54-56, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370029

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