In der Germanistik besitzt die Körpersprache bisweilen noch ein schwaches theoretisches Fundament, aber im Zuge der Zeit gewinnt die körpersprachliche Forschung immer mehr an Interesse und Aufmerksamkeit. Ein wichtiger Aspekt, der hier aufgezeigt werden soll ist, dass der Körpersprache bisher leider oftmals viel zu wenig Bedeutung beigemessen wurde.
Schließlich sind Sprache und Körpersprache eng miteinander verflochten und Studien zufolge wird in einem Gespräch lediglich 35% durch das Verbale vermittelt und 65% über das Nonverbale kommuniziert.
Trotzdem ist Körpersprache fraglos nicht einfach zu definieren, aber es lassen sich Muster erkennen.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es diese Muster zu untersuchen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Körpersprache im Geschlechterdiskurs. Gerade im Gespräch mit dem anderen Geschlecht versuchen wir oftmals, sehr viel in die Körpersprache des anderen hinein zu interpretieren. Dabei fällt auf, dass jedes Geschlecht auf den ersten Blick seine eigene typische Körpersprache besitzt. Der Frage, ob sich jedoch so leicht von einer geschlechtsspezifischen Körpersprache reden lassen kann, widmet sich diese Hausarbeit ebenfalls in den folgenden Kapiteln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Grundlagen
2.1 Grundsätze der Sprache
2.2 Grundsätze der Körpersprache
3. Körpersprache im Geschlechterdiskurs
3.1 Körpersprache des Mannes
3.2 Körpersprache der Frau
3.3 Nonverbale Kommunikation der Geschlechter im Überblick
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und die Muster nonverbaler Kommunikation, insbesondere unter dem Aspekt geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Körpersprache. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, ob tatsächlich von einer eindeutig typisch männlichen oder weiblichen Körpersprache gesprochen werden kann oder ob dieses Verhalten stärker von soziokulturellen Einflüssen und individuellen Faktoren geprägt ist.
- Theoretische Grundlagen von Sprache und Körpersprache
- Differenzierung zwischen Körpersprache und Körperausdruck
- Analyse der Körpersprache bei Männern und Frauen
- Kritische Betrachtung von Geschlechterrollen (Sex vs. Gender)
- Funktionen der Körpersprache in zwischenmenschlichen Interaktionen
Auszug aus dem Buch
2.2 Grundsätze der Körpersprache
Nachdem die Grundsätze der Sprache im Allgemeinen vorgestellt wurden, wird im Anschluss als erstes auf die Rolle des Körpers in der Kommunikation eingegangen. Bevor es jedoch zu Erklärungsversuchen von Körpersprache und Körperausdruck kommt, sei festgehalten, dass sich diese beiden Begriffe nicht anhand eines Lexikons eindeutig definieren lassen, sondern die Menschen sich verhalten und sich auf diese Weise Regelmäßigkeiten beschreiben lassen. Diese werden in dieser Arbeit fokussiert. Dafür wird zuerst unterschieden zwischen der primären Körperlichkeit auf der einen Seite und der sekundären Körperlichkeit auf der anderen Seite. Unter primärer Körperlichkeit wird das „vitale Hervorbringen und das Aufnehmen und Verarbeiten körperlicher Signale“ verstanden. Somit dienen die Körperbewegungen primär der Unterstützung der gesprochenen Sprache. Deswegen gestikulieren beispielsweise viele Menschen am Telefon, obwohl sie sich bewusst sind, dass der Gesprächspartner sie nicht sieht. Das kann sowohl intentional sein, als auch nicht-intentional. Die erweiterte Funktion unserer Bewegungen, also die sekundäre Körperlichkeit, stellt die Grundlage für Deutungen dar. Das bedeutet, dass andere Menschen unsere Bewegungen beim Sprechen interpretieren. Verschränkte Arme werden zum Beispiel häufig als Ablehnung interpretiert. Abhängig von der Situation können sie aber auch für Kälte oder andere Gemütszustände stehen. Wie wir die Bewegungen eines Menschen interpretieren, hängt neben dem situativen Kontext auch von unseren Erfahrungen ab. Unsere Interpretationen stellen jedoch immer nur eine Vermutung dar. Es sei denn, es handelt sich um konventionalisierte Ausdrucksbewegungen, „dann werden sie – wie Wörter – allgemein verstanden, oder sie treten sprechbegleitend auf und müssen interpretiert, kommunikativ aufgeladen werden“. Das wäre zum Beispiel bei dem in unserer Kultur allgemein bekannten Kopfschütteln der Fall.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit und die Interpretationsschwierigkeiten von Körpersprache im Alltag sowie die wissenschaftliche Relevanz der Thematik.
2. Allgemeine Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die drei Kommunikationsebenen – verbal, paraverbal und extraverbal – und grenzt die Begriffe Körpersprache und Körperausdruck voneinander ab.
3. Körpersprache im Geschlechterdiskurs: Die Arbeit analysiert spezifische Merkmale männlicher und weiblicher Körpersprache und ordnet diese kritisch in den Kontext von Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Erwartungen ein.
4. Schluss: Der Schluss fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Komplexität der Thematik und hinterfragt die zeitgemäße Gültigkeit einer starren geschlechtsspezifischen Unterscheidung der Körpersprache.
Schlüsselwörter
Nonverbale Kommunikation, Körpersprache, Körperausdruck, Geschlechterdiskurs, Mimik, Gestik, Kinesik, Proxemik, Geschlechterrollen, Gender, Sex, Kommunikationsebenen, Körperhaltung, Interaktion, Sozialgefüge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen nonverbal kommunizieren und welche Rolle der Körper dabei spielt, mit einem besonderen Fokus auf potenzielle Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Körpersprache, die Unterscheidung zwischen Körperausdruck und Körpersprache, die Analyse von Geschlechterrollen (Sex/Gender) sowie die Kategorisierung nach Mimik, Gestik, Kinesik und Proxemik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob es tatsächlich eine typisch männliche oder weibliche Körpersprache gibt oder ob diese Zuschreibungen eher als soziale Konstrukte zu betrachten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene wissenschaftliche Modelle zur Körpersprache und Kommunikation integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die allgemeinen theoretischen Grundlagen dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der männlichen und weiblichen Körpersprache und einer abschließenden Übersicht über die geschlechterspezifische Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Nonverbale Kommunikation, Geschlechterdiskurs, Körperausdruck, Genderrollen und die vier Kategorien der Körpersprache charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen Sex und Gender?
Die Unterscheidung ist zentral, um zu verdeutlichen, dass vieles, was wir als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ wahrnehmen, nicht biologisch determiniert ist, sondern durch soziale Erwartungen und Erziehung (Gender) erlernt wird.
Wie bewertet die Autorin die geschlechtsspezifische Körpersprache?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine strikte geschlechtliche Unterscheidung der Körpersprache heutzutage nicht mehr zeitgemäß ist und eher als flexibles Muster denn als feste Regel zu verstehen ist.
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- Sarah Höchst (Autor), 2014, Nonverbale Kommunikation. Körpersprache im Geschlechterdiskurs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370092