Nonverbale Kommunikation. Körpersprache im Geschlechterdiskurs


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Grundlagen
2.1 Grundsätze der Sprache
2.2 Grundsätze der Körpersprache

3. Körpersprache im Geschlechterdiskurs
3.1 Körpersprache des Mannes
3.2 Körpersprache der Frau
3.3 Nonverbale Kommunikation der Geschlechter im Überblick

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Täglich begegnen wir Menschen, sei es nun in der Bahn oder auf dem Gehweg in der Stadt. Dabei kommt es nicht selten vor, dass wir uns fragen was dieser Gesichtsausdruck oder diese Gestik wohl gerade zu bedeuten hat. Ist die Person fröhlich, unsicher oder sogar aggressiv? Wie wirke ich wohl gerade auf diese Person? Bei dem Versuch, die Körpersprache unserer Mitmenschen zu interpretieren, kommen uns meistens viele Ideen, aber ob diese Deutungen auch wirklich richtig sind, ist fraglich.

In der Germanistik besitzt die Körpersprache bisweilen noch ein schwaches theoretisches Fundament, aber im Zuge der Zeit gewinnt die körpersprachliche Forschung immer mehr an Interesse und Aufmerksamkeit. Ein wichtiger Aspekt, der hier aufgezeigt werden soll, ist dass der Körpersprache bisher leider oftmals viel zu wenig Bedeutung beigemessen wurde. Schließlich sind Sprache und Körpersprache eng miteinander verflochten und Studien zufolge wird in einem Gespräch lediglich 35% durch das Verbale vermittelt und 65% über das Nonverbale kommuniziert.1 Trotzdem ist Körpersprache fraglos nicht einfach zu definieren, aber es lassen sich Muster erkennen. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es diese Muster zu untersuchen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Körpersprache im Geschlechterdiskurs. Gerade im Gespräch mit dem anderen Geschlecht versuchen wir oftmals, sehr viel in die Körpersprache des anderen hinein zu interpretieren. Dabei fällt auf, dass jedes Geschlecht auf den ersten Blick seine eigene typische Körpersprache besitzt. Der Frage, ob sich jedoch so leicht von einer geschlechtsspezifischen Körpersprache reden lassen kann, widmet sich diese Hausarbeit ebenfalls in den folgenden Kapiteln.

Dafür sollen zunächst allgemeine Grundlagen der Sprache und der Körpersprache dargelegt werden, die schließlich stark voneinander abhängig sind und die Basis für die folgenden Untersuchungen bilden. Im Anschluss wird zunächst die Körpersprache des Mannes und dann die der Frau untersucht, um am Ende die nonverbale Kommunikation der Geschlechter im Überblick darzustellen. Dabei wird sich der Problemstellung gewidmet, ob es wirklich eine sowohl typisch männliche, als auch typisch weibliche Körpersprache gibt.

2. Allgemeine Grundlagen

Da Sprache, Stimme und Körpersprache untrennbar miteinander verbunden sind, sollen erst allgemeine Grundlagen der Sprache dargelegt werden, um im Anschluss auf die Grundsätze der Körpersprache im Detail eingehen zu können.

2.1 Grundsätze der Sprache

In mündlichen Prozessen kommunizieren die Menschen auf drei Ebenen zur gleichen Zeit. Die als Sprache verstandene Ebene ist die verbale Ebene 2. Sie begegnet uns täglich, wenn wir zum Beispiel andere Menschen begrüßen. Aber die verbale Ebene stellt nicht nur das gesprochene Wort dar, sondern steht auch für geschriebene Texte. Das Geschriebene unterscheidet sich von dem direkten Gespräch, auch Face-to-face-Kommunikation genannt, durch Stimme und Sprechweise, die unmittelbar mit dem Textlichen verbunden sind. Das Stimmlich-Klangliche, also auch Tempo und Lautstärke, wird als die paraverbale Ebene bezeichnet . Die dritte Ebene stellt den Fokus dieser Arbeit dar, es ist die extraverbale Ebene. Damit sind sowohl Körpersprache als auch Körperausdruck gemeint. Beides ist unabhängig von dem sprachlichen Handeln, kann es aber „begleiten, intensivieren und ergänzen“3. Dies geschieht durch Bewegungen der Gesichtsmuskulatur (Mimik), Handbewegungen (Gestik), - Körperhaltung (Kinesik) und Raumverhalten (Proxemik), worauf im nächsten Kapitel ausführlicher eingegangen wird. In vielen Büchern wie dem von Michael Argyle steht außerdem zur Debatte, ob das Aussehen einschließlich Kleidung und Make-Up ebenfalls als Teil der extraverbalen

Ebene verstanden werden kann.4 Demnach gäbe es darüber hinaus noch viele weitere Aspekte, die dieser Ebene zugeordnet werden könnten wie beispielsweise der Geruch. Auf die einzelnen Bestandteile der extraverbalen Ebene wird im folgenden Kapitel detailliert eingegangen.5

An dieser Stelle ist außerdem darauf hinzuweisen, dass die Verbindung von paraverbaler und extraverbaler Ebene allgemein das Nicht- Verbale darstellt. Deswegen wird es von den Wissenschaftlern Klaus R. Scherer und Harald G. Wallbott als nonverbale Kommunikation bezeichnet.6

Es scheint außerdem zunächst plausibel, den jeweiligen Ebenen einen bestimmten Prozentanteil innerhalb eines Gesprächs zuzuordnen, jedoch „variiert [die Bedeutung von Inhalt, Sprechausdruck und Körperausdruck] ganz stark nach der jeweiligen Sprechsituation“7. Körpersprache und Körperausdruck werden im Folgenden Schwerpunkt der weiteren Untersuchungen sein.

2.2 Grundsätze der Körpersprache

Nachdem die Grundsätze der Sprache im Allgemeinen vorgestellt wurden, wird im Anschluss als erstes auf die Rolle des Körpers in der Kommunikation eingegangen. Bevor es jedoch zu Erklärungsversuchen von Körpersprache und Körperausdruck kommt, sei festgehalten, dass sich diese beiden Begriffe nicht anhand eines Lexikons eindeutig definieren lassen, sondern die Menschen sich verhalten und sich auf diese Weise Regelmäßigkeiten beschreiben lassen. Diese werden in dieser Arbeit fokussiert. Dafür wird zuerst unterschieden zwischen der primären Körperlichkeit auf der einen Seite und der sekundären Körperlichkeit auf der anderen Seite. Unter primärer Körperlichkeit wird das „vitale Hervorbringen und das Aufnehmen und Verarbeiten körperlicher Signale“8 verstanden. Somit dienen die Körperbewegungen primär der Unterstützung der gesprochenen Sprache. Deswegen gestikulieren beispielsweise viele Menschen am Telefon, obwohl sie sich bewusst sind, dass der Gesprächspartner sie nicht sieht. Das kann sowohl intentional sein, als auch nicht-intentional. Die erweiterte Funktion unserer Bewegungen, also die sekundäre Körperlichkeit, stellt die Grundlage für Deutungen dar. Das bedeutet, dass andere Menschen unsere Bewegungen beim Sprechen interpretieren. Verschränkte Arme werden zum Beispiel häufig als Ablehnung interpretiert. Abhängig von der Situation können sie aber auch für Kälte oder andere Gemütszustände stehen. Wie wir die Bewegungen eines Menschen interpretieren, hängt neben dem situativen Kontext auch von unseren Erfahrungen ab. Unsere Interpretationen stellen jedoch immer nur eine Vermutung dar. Es sei denn, es handelt sich um konventionalisierte Ausdrucksbewegungen, „dann werden sie – wie Wörter – allgemein verstanden, oder sie treten sprechbegleitend auf und müssen interpretiert, kommunikativ aufgeladen werden“9. Das wäre zum Beispiel bei dem in unserer Kultur allgemein bekannten Kopfschütteln der Fall.10

Eine weitere wichtige Unterscheidung innerhalb der nonverbalen Kommunikation ist die zwischen der Körpersprache und dem Körperausdruck. Körpersprache trägt Zeichencharakter, das heißt sie „steht stellvertretend für etwas anderes und wird vom Empfänger als solches aufgefasst, […] wenn die Bedeutung konventionalisiert ist“11. Körperliche Bewegungen können nach Klaus R. Scherer vier verschiedene Aufgaben erfüllen. Die syntaktische Funktion von Bewegungen ist, das Gesagte zu strukturieren und zu gliedern. Die pragmatische Funktion ist, den inneren Zustand nach außen zu kehren und auf diese Weise die Möglichkeit zur Interpretation zu bieten. Bei der semantischen Funktion beziehen sich die Bewegungen unmittelbar auf den sprachlichen Inhalt, das kann unterstützend sein, gegenteilig oder auch die Sprache ersetzen. Ein Beispiel für gegenteilige Bewegungen zum sprachlichen Inhalt wäre die Formulierung eines Kompliments in Verbindung mit einem bösen Gesichtsausdruck, - dies dient häufig der Darstellung von Ironie. Außerdem können Bewegungen die Sprache ersetzen, indem zum Beispiel durch Zeigen auf ein Objekt gedeutet wird oder indem wie bereits erwähnt eine Konventionalisierung vorliegt. Zuletzt verweist Klaus R. Scherer noch auf die dialogische Funktion, hier kann durch Bewegungen das Rederecht weitergegeben werden, also das sogenannte Turn-Taking organisiert werden. Das heißt, dass die Bewegungen das Gesprochene in diesem Fall nicht unterstützen, sondern eine Regulierungsfunktion zwischen den Gesprächsbeteiligten besitzen. Durch Kopfnicken zum Beispiel kann das gegenüber auf diese Weise aufgefordert werden weiterzureden.12 In diesem Zusammenhang betont Christa M. Heilmann, dass man bei der Körpersprache ähnlich wie bei der Sprache selbst „eigentlich […] nur dann von Körpersprache sprechen [dürfe], wenn bestimmte Bewegungen konkrete sprachliche Ausdrücke konventionalisiert ersetzen können“13. Trotzdem besitzt die Körpersprache mehr Bedeutungsunklarheiten als die Sprache selbst. In diesem Kontext sind besonders die kulturellen Unterschiede interessant, da ein Kopfschütteln in Deutschland eine ähnliche Bedeutung hat wie ein Schnalzlaut mit einer Rückwärtsbewegung des Kopfes in Griechenland. Beide Bewegungen sind konventionalisiert und müssen wie die Wort-Sprache erlernt werden.14

Nachdem also die Körpersprache näher dargestellt wurde - als eine „Auskunftsstelle, die […] bei Unsicherheiten Hilfeleistung und klare Informationen bietet“15, soll nun der Körperausdruck näher untersucht werden. Nach Christa M. Heilmann werden durch ihn Gefühle und Befindlichkeiten der Gesprächspartner offenbart. Dabei ist die Wahrnehmung dieser Gefühle durch persönliche Erfahrungen selektiv und kann somit nicht als Gewissheit verstanden werden.16 Bezüglich des Körperausdrucks spielt der Ausdruckswert eine sehr große Rolle. In vielen vergangenen Veröffentlichungen wurde angenommen, dass Körperbewegungen nach dem Senden-Empfangen-Prinzip funktionieren. Das heißt, dass ein Gesprächsteilnehmer dem anderen Gesprächsteilnehmer durch Bewegungen ein Signal sendet und dieser das Signal empfängt und decodiert. Jedoch bedeuten Körperbewegungen nicht immer gleich Kommunikation, aber Körperbewegungen finden fast immer statt. Michael Argyle hat diesbezüglich folgende Differenzierungen getroffen: Wenn sich jemand bewegt, kann es dazu kommen, dass …

1) …er das absichtlich tut und der andere daraus die richtigen oder falschen Schlüsse zieht.
2) …er etwas absichtlich irreführendes tut und der andere getäuscht wird oder nicht getäuscht wird.
3) …er etwas unabsichtlich tut, also sich lediglich verhält, und der andere daraus Schlüsse zieht, die wiederum falsch oder richtig sein können.

Wie bereits erwähnt, kann der andere dieses Verhalten durch Aufmerksamkeit und Weltwissen richtig interpretieren, jedoch ist das nicht zwanghaft so.17 Offensichtlich ist, dass Christa M. Heilmann zufolge der Ausdruckswert durch Veränderung entsteht, das heißt durch den Vergleich mit anderen Ausdrucksweisen weisen wir zum Beispiel einer speziellen Position einen bestimmten Ausdruckswert zu. Außerdem berücksichtigt die Autorin hinsichtlich des Ausdruckswertes noch die Stufe der Potenzialität, der Konkretheit und der Konventionalisierung. Die Stufe der Potenzialität zeigt, in welchem Ausprägungsgrad etwas ausgedrückt wird und „entsteht über das Wissen der Potenzialität der Bewegungsmöglichkeiten der jeweiligen Körperteile“18 wie zum Beispiel der Bewegungsmöglichkeiten des Kopfes. Die Stufe der Konkretheit entsteht aus der Komplexität eines Ausdrucksrepertoires, das heißt der Körperausdruck entsteht aus der Komplexität kleiner Signale, die sich zeitgleich verstärken können oder in einem zeitlichen Ablauf an Intensität zunehmen können. Bei der Stufe der Konventionalisierung handelt es sich im Gegensatz zu den vorherigen Stufen nicht um den Körperausdruck, sondern um die Körpersprache, da feste Bedeutungszuschreibungen bestehen wie zum Beispiel die positive Bedeutung des erhobenen Daumens.19 Abgesehen von dem Ausdruckswert sind außerdem die Emotionen von großer Wichtigkeit für den Körperausdruck. Christa M. Heilmann nennt vier Grundtypen von Emotionen: Wut, Freude, Angst und Trauer. Diese Basisemotionen verlaufen nach Mustern, die bereits bei den Primaten festgestellt wurden und genetisch veranlagt sind. Freude äußert sich beispielsweise durch eine „laute, kräftige Stimme, große Körperspannung, schnelle, ausladende Gestik, Blickkontakt, gehobene Mundwinkel, feste Lippenspannung, geöffnete Augen [und] Augenfalten“20. Anhand dieser Merkmale zeigt sich bereits, dass die Mimik und vor allem die Augen den Ausdruck von Emotionen prägen. Trotzdem ist meistens der ganze Körper involviert. Weil Emotionen nicht konventionalisiert sind, sondern der Ausdruck selbst sind, werden sie nicht der Körpersprache zugeordnet. In der Wahrnehmung von Emotionen gibt es drei verschiedene Ausprägungsdimensionen, die zu beachten sind: Valenz, Aktivierung und Dominanz. Die Dimension der Valenz zeigt, ob es bezüglich der Emotion in eine positive oder negative Richtung geht. Die Dimension der Aktivierung weist auf, ob die Emotion erregt oder ruhig entsteht, und die Dimension der Dominanz zeigt, ob es sich um eine schwache oder starke Emotion handelt. Innerhalb dieser drei Dimensionen lassen sich viele unterschiedliche Kombinationen realisieren.21

[...]


1 Vgl. Hübler, Axel: Das Konzept >Körper< in den Sprach- und Kommunikationswissenschaften. Tübingen: A. Francke Verlag Tübingen und Basel 2001. S. 11.

2 Sofern nicht anders markiert, Kursivierung hier und im Folgenden zur Kennzeichnung von Begriffen gesetzt.

3 Heilmann, Christa M.: Körpersprache richtig verstehen und einsetzen. 2. Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag 2011. S. 12.

4 Vgl. Argyle, Michael: Körpersprache & Kommunikation. Nonverbaler Ausdruck und Soziale Interaktion. 10. überarbeitete Neuauflage. Paderborn: Junfermann Verlag 2013. S. 292.

5 Vgl. ebd. S. 9-13.

6 Vgl. Scherer, Klaus R. / Wallbott, Harald G. (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1979. S. 5. 7 Heilmann, Christa M. 2011: Körpersprache richtig verstehen und einsetzen. S. 13.

8 Ebd. S. 14.

9 Ebd. S. 18.

10 Vgl. Ebd. S. 14-18.

11 Ebd. S. 20.

12 Vgl. Scherer, Klaus R. / Wallbott, Harald G. (Hrsg.) 1979: Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten. S. 25-32.

13 Heilmann, Christa M. 2011: Körpersprache richtig verstehen und einsetzen. S. 23.

14 Vgl. ebd. S. 19-26.

15 Ebd. S. 27.

16 Vgl. ebd. S. 27-29.

17 Vgl. Argyle, Michael 2013: Körpersprache & Kommunikation. Nonverbaler Ausdruck und Soziale Interaktion. S. 12-13.

18 Heilmann, Christa M. 2011: Körpersprache richtig verstehen und einsetzen. S. 32.

19 Vgl. ebd. S. 31-36.

20 Ebd. S. 41.

21 Vgl. ebd. S. 37-42.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Nonverbale Kommunikation. Körpersprache im Geschlechterdiskurs
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V370092
ISBN (eBook)
9783668475502
ISBN (Buch)
9783668475519
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nonverbale Kommunikation, Kommunikation, Körpersprache, Geschlecht, Geschlechterdiskurs, Mann, Frau
Arbeit zitieren
Sarah Höchst (Autor), 2014, Nonverbale Kommunikation. Körpersprache im Geschlechterdiskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370092

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