Abtreibung und Euthanasie sind zwei Themen, die zum Einem kontrovers diskutiert werden, da es die unterschiedlichsten Meinungen dazu gibt, zum Anderen werden sie aber auch all zu gern tot geschwiegen. Zwar hat das Thema Abtreibung in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen Sprung in die gesellschaftliche Diskussion geschafft, aber Euthanasie will nicht so recht in unser Bild der hoch entwickelten Gesellschaft hineinpassen, behandelt es doch Bereiche, die mit Krankheit, Leid und Schmerzen zu tun haben.
Es ist absolut notwendig, dass darüber geredet wird, wie man Menschen (welchen Alters auch immer) helfen kann, die keine Aussicht auf Heilung haben können und unter schmerzhaftesten Bedingungen leben müssen. Praktiken, die heutzutage durchgeführt werden um einen zumindest schnelleren Tod herbeizuführen, wie die passive Sterbehilfe, befinden sich nach wie vor im Graubereich der Illegalität, sodass Jeder, der sich an ihnen beteiligt, Gefahr läuft dafür belang zu werden. Auch das so viel beschworene Patiententestament bringt zum heutigen Zeitpunkt keine Sicherheit auf humanes Sterben, da auch die Ärzte nicht zu hundert Prozent darauf bauen können straffrei auszugehen, wenn ein solches Schreiben vorliegt.
In seinem Buch „Praktische Ethik“ geht Peter Singer auf diese Themen ein, indem er auf rationale Weise zu beschreiben versucht, warum und in welchen Fällen Euthanasie gerechtfertigt ist bzw. gerechtfertigt sein muss. Dabei entwickelt er neue Ansätze auf der Basis des Präferenzutilitarismus, um alten, konservativen Argumenten entgegensteuern zu können bzw. die bisherigen liberalen Ansätze zu korrigieren. In dieser Arbeit soll es hauptsächlich um das Thema Euthanasie und Singers spezielle Sichtweise auf die Tötung behinderter Säuglinge gehen, da dies diejenigen Punkte sind, die den moralischen Auffassungen unserer Gesellschaft am meisten widerstreben dürften. Es soll geprüft werden, wie er (auf rationalen Weg) zu seinen Anschauungen kommt und ob das, was er als Ergebnisse vorzulegen hat tatsächlich brauchbar ist, um die Diskussion um Euthanasie zu bereichern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ethik allgemein
2.1 Utilitarismus
2.2 Ethik bei Peter Singer
3. Praktische Ethik
3.1 Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung
3.2 Unterschied „Person“ und Mitglied der Spezies homo sapiens
3.3 Das Töten von Personen
3.4 Der Embryo und der Fötus – Abtreibung
3.5 Infantizid
3.6 Euthanasie
4. Problematiken
4.1 Tötung von gesunden Säuglingen?
4.2 Euthanasie für die Eltern?
4.3 Das Problem der Potentialität
4.4 Kritikzusammenfassung
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Argumentation des Philosophen Peter Singer zur Rechtfertigung von Euthanasie und Abtreibung. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, ob Singers präferenzutilitaristischer Ansatz, der menschliches Leben anhand von „Person“-Qualitäten kategorisiert, ethisch tragfähige Ergebnisse für die medizinethische Praxis liefert.
- Grundlagen des Präferenzutilitarismus nach Peter Singer.
- Die Differenzierung zwischen „Personen“ und „Mitgliedern der Spezies homo sapiens“.
- Ethische Bewertung von Abtreibung und Infantizid aus Singers Sicht.
- Kritische Analyse der Gefahren einer Kategorisierung menschlichen Lebens.
- Gegenüberstellung von rationaler Ethik und gesellschaftlichen Moralvorstellungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung
Für Singer ist die Grundlage allen moralischen Handelns die Beachtung der Interessen Aller, von einer Handlung betroffenen. Mit Hilfe dieser „Interessenabwägung“ (Präferenzutilitarismus) schafft er ein Prinzip, welches über Grenzen wie Rassen oder Geschlechter hinweg, Gleichheit für alle garantiert.24
Dabei sagt das Wort „Interessenabwägung“ schon, dass es sich nicht um eine eindeutig egalitäre Denkweise handelt. Nicht Jeder wird tatsächlich gleich behandelt, sondern es werden Interessen gegeneinander verglichen, sodass am Ende ein Ergebnis zu erwarten ist, welches den Interessen Aller von einer Handlung betroffenen soweit als möglich entspricht. Auf stärkere Interessen muss eher eingegangen werden als auf schwächere, sodass also das Ergebnis erst egalitär ist.25
Mit diesem Prinzip versucht Singer zu verdeutlichen, warum es egal ist, welche biologischen Unterschiede zwischen Rassen und Geschlechter existieren. Nicht dass, was man von Geburt aus kann oder auch nicht ist entscheidend, sondern einzig und allein die Interessen, welche Jeder, egal welche biologischen Voraussetzungen er oder sie mitbringt, besitzt.26
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Kontroverse um Abtreibung und Euthanasie ein und umreißt Singers Zielsetzung, diese Themen rational auf Basis des Präferenzutilitarismus neu zu bewerten.
2. Ethik allgemein: Dieses Kapitel erläutert die begrifflichen Unterschiede zwischen Moral und Ethik und stellt die Grundlagen des Utilitarismus sowie Singers spezifische Sichtweise auf Ethik als rationale Praxis vor.
3. Praktische Ethik: Hier werden Singers zentrale Konzepte wie die Interessenabwägung und die Definition von „Person“ expliziert und auf die Themen Abtreibung, Infantizid und Euthanasie angewendet.
4. Problematiken: Das Kapitel bietet eine kritische Auseinandersetzung mit Singers Thesen, insbesondere im Hinblick auf die moralische Bewertung von Neugeborenen und das Potenzial für gefährliche Konsequenzen.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Argumentation zusammen und stellt die These auf, dass der Ansatz der „Rechte auf Leben“-Frage bei Singer problematisch ist und besser durch eine Diskussion über ein „Recht auf ein würdevolles Sterben“ ersetzt werden sollte.
Schlüsselwörter
Peter Singer, Praktische Ethik, Utilitarismus, Präferenzutilitarismus, Euthanasie, Abtreibung, Infantizid, Personendefinition, Interessenabwägung, Bioethik, Medizinethik, Lebensrecht, Potentialität, Moral, Sterbehilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit den Thesen Peter Singers zur Rechtfertigung von Euthanasie und Abtreibung in seinem Werk „Praktische Ethik“ auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Präferenzutilitarismus, die moralische Unterscheidung zwischen „Personen“ und biologischen Menschen sowie die ethische Bewertung von Lebensende-Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu prüfen, ob Singers rationale Ergebnisse brauchbar sind, um die gesellschaftliche Diskussion um Euthanasie sinnvoll zu bereichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und eine philosophische Argumentationskritik, um Singers Thesen zu analysieren und deren Implikationen zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit Singers Definitionen, der Anwendung des Sozialprinzips, seiner Sicht auf Schwangerschaftsabbrüche und Infantizid sowie der Kategorisierung der Euthanasie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Utilitarismus, Euthanasie, Personendefinition, Interessenabwägung und Medizinethik.
Wie definiert Peter Singer eine „Person“ im Gegensatz zum biologischen Menschen?
Singer definiert eine Person als denkendes, intelligentes Wesen, das Vernunft und Reflexion besitzt und sich als in der Zeit existierend wahrnehmen kann.
Warum hält der Autor den Ansatz von Singer für teilweise gefährlich?
Der Autor warnt davor, dass Singers Kategorisierung menschlichen Lebens das Risiko birgt, Säuglingen oder Behinderten jedes Recht auf Leben abzusprechen.
- Quote paper
- Marko Tomasini (Author), 2005, Wer hat ein Recht auf Leben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37011