Wie kommen wir im Alltag zu Entscheidungen, die uns auch überzeugen? Was sorgt dafür, dass wir bestimmte Thesen oder Behauptungen glauben, bzw. uns danach richten, sie also für richtig halten? Durch Argumente stärken und begründen wir unsere Ansichten und Behauptungen, wir widerlegen mit ihnen falsche Aussagen und überzeugen andere mit unseren Ansichten. Aber man kann auch überzeugen ohne gültig zu argumentieren. Was macht also ein gutes bzw. starkes Argument aus? Ein gutes Argument sollte rational überzeugen, es sollte gültig und schlüssig sein. Die Logik hilft uns, dies zu erkennen, sie gibt Prinzipien, wie geprüft werden kann, ob ein gutes Argument vorgetragen wurde. Sie hilft uns, Mehrdeutigkeiten zu beseitigen sowie einer Argumentation zu beweisen, dass sie Widerspruchsfrei ist. Aufgrund der Logik kann auf ein gutes Argument geschlossen werden, sie gibt die Prinzipien für ein gutes Schließen. Es kann rechnerisch ermittelt werden, ob ein Argument gut bzw. stark ist. Solche Argumente nennt man auch deduktive Argumente. Da es in Alltagsdiskussionen aber nicht um rechnerische Vorteile geht, sondern oft um Meinen und Wahrscheinlichkeiten, steht neben den deduktiven eine andere große Gruppe von Argumenten, die induktiven Argumenten. Solche Argumente überzeugen mit Wahrscheinlichkeiten, mit ihrer induktiven Stärke. In dieser Hausarbeit sollen diese beiden Argumentationstypen näher erläutert werden, und die Frage beantwortet werden, ob es neben dieser klassischen Einteilung noch weitere Formen gibt, die unsere Argumentation beeinflussen, bzw. nach welchen unsere Argumentation abläuft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deduktive Argumente
2.1. Syllogismus
2.2 Aussagenlogik
2.3. Prädikatenlogik
3. Induktive Argumente
4. Weitere Klassifikationen
4.1 Case by Case Reasoning
4.2 Conduct Argument
4.3 Kritik
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Strukturen von deduktiven und induktiven Argumenten in der Alltagssprache und analysiert, ob diese klassische Dichotomie ausreicht, um alltägliche Argumentationsprozesse hinreichend zu beschreiben. Ziel ist es, die Grenzen dieser Modelle aufzuzeigen und alternative Argumentationstypen zu beleuchten, die durch soziale und situative Faktoren beeinflusst werden.
- Unterscheidung und Definition deduktiver und induktiver Argumentation.
- Analyse der formalen Logik (Syllogistik, Aussagen- und Prädikatenlogik).
- Kritische Betrachtung der Anwendbarkeit formaler Modelle auf Alltagsdiskussionen.
- Vorstellung alternativer Argumentationsformen wie "Case by Case Reasoning" und "Conductive Argument".
- Diskussion über den Einfluss von Persönlichkeit und Situation auf den Argumentationsverlauf.
Auszug aus dem Buch
4.1 Case by Case Reasoning
Dieser Argumentationstyp zählt Govier zu den Analogieargumenten. Der Unterschied besteht aber darin, dass bei Case by Case Reasoning von Einzelfällen auf andere Einzelfälle geschlossen wird, die sowohl demselben Bereich angehören als auch einem wesentlich verschiedenen Bereich angehören, während bei induktiven Analogieargumenten von Einzelfällen auf eine Generalisierung geschlossen wird. Um diese zwei Fälle zu differenzieren spricht Govier bei Case by Case Reasoning von „a priori analogy“, bei induktiven Analogieargumenten von „inductive analogie“.
Bei diesem Argumentationstyp wird ein strittiger Fall auf Grundlage eines ähnlichen Falles entschieden. Es wird ein konkretes Beispiel genannt, um für bzw. gegen einen Fall oder These zu argumentieren. Diese Argumentation bleibt „lokal begrenzt“, es werden nur besondere, das heißt für diese Argumentation relevanten Einzelfälle herangezogen. „[Es]…werden nur die beiden Einzelfälle argumentativ benützt, keine allgemeinen Regeln werden deduktiv vorausgesetzt oder induktiv etabliert.“
Schematische wird diese Argumentation folgendermaßen dargestellt: P1: Fall A hat die Merkmale 1,2,3; P2: Fall B hat die Merkmale 1,2,3; P3: Fall A ist vom Typ T; K: Fall B ist vom Typ T.
Govier sieht in dieser Form ein Argument, das in den Prämissen eine gültige, nicht deduktiv gültige, Begründung für die Konklusion enthält und weder deduktiv noch induktiv ist. Der Kritik, das Argument währe ein deduktives, sobald man die Prämisse „alle Fälle mit den Merkmalen 1,2,3 sind vom Typ T“ ergänzt, stimmt Govier aus folgenden Gründen nicht zu: Ersten würde diese Generalisierung dem Sprecher eine Prämisse unterstellen, die er gar nicht vertreten wolle bzw. die er normalerweise nicht wisse, also auch nicht meinen könnte. Denn wenn sie bekannt wäre, bräuchte man den Vergleich nicht anzuführen. Zweitens würde diese Prämissenergänzung die Prämissen P1 und P2 überflüssig machen, da ja schon die Prämisse P2 zusammen mit der Ergänzung ein Schluss auf die Konklusion zulässt. Nach Govier würde die ergänzende Prämisse den Charakter dieser Argumentationsform zerstören. Einzelfälle würden ja gerade deswegen verglichen, weil eine entsprechende Generalisierung nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Argumenten im Alltag und Abgrenzung zwischen deduktiven und induktiven Argumentationstypen.
2. Deduktive Argumente: Darstellung der formalen Logik als Mittel zur Prüfung rationaler Schlussfolgerungen sowie Erläuterung von Syllogismus, Aussagen- und Prädikatenlogik.
3. Induktive Argumente: Erläuterung von Argumenten, die auf Wahrscheinlichkeiten und Erkenntniserweiterung statt auf logischer Notwendigkeit basieren.
4. Weitere Klassifikationen: Untersuchung alternativer Ansätze nach Trudy Govier, insbesondere Case by Case Reasoning und Conductive Argument, sowie deren Kritik.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die klassische Dichotomie für die komplexe Alltagsargumentation nicht ausreicht und situative Faktoren stärker berücksichtigt werden müssen.
6. Literatur: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen zur Argumentationstheorie.
Schlüsselwörter
Deduktive Argumente, Induktive Argumente, Formale Logik, Syllogismus, Aussagenlogik, Prädikatenlogik, Case by Case Reasoning, Conductive Argument, Alltagsargumentation, Argumentationstheorie, Wahrheitserhaltung, Erkenntniserweiterung, Intersubjektivität, Trudy Govier, PPC-Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Strukturen von deduktiven und induktiven Argumenten und hinterfragt, ob diese klassischen Logikmodelle ausreichen, um alltägliche Argumentationsprozesse vollständig zu erfassen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die formale Logik, die Grenzen der deduktiven Gültigkeit im Alltag, Wahrscheinlichkeitsschlüsse sowie alternative Klassifikationsmodelle für Argumente.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die kritische Evaluation der klassischen Unterscheidung zwischen deduktiven und induktiven Argumenten und die Erweiterung dieser Sichtweise durch modernere Konzepte der Argumentationsanalyse.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es erfolgt eine theoretische Analyse und Gegenüberstellung fachwissenschaftlicher Literatur sowie die kritische Prüfung logischer Schemata wie der PPC-Struktur anhand von Alltagsbeispielen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Analyse deduktiver und induktiver Systeme sowie die Diskussion erweiterter Argumentationsformen wie das Case by Case Reasoning und Conductive Argument.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wahrheitserhaltung, induktive Stärke, intersubjektive Zustimmung und die formale Struktur von Argumenten geprägt.
Warum hält der Autor die klassische Dichotomie für unzureichend?
Die Alltagssprache ist komplexer als rein logische Strukturen; soziale, psychische und situative Faktoren spielen eine entscheidende Rolle, die deduktive oder induktive Modelle oft nicht abbilden können.
Was unterscheidet "Case by Case Reasoning" von klassischen Analogieargumenten?
Beim Case by Case Reasoning wird der Schluss von Einzelfall zu Einzelfall ohne den Umweg über eine explizite Generalisierung vollzogen, während klassische induktive Analogien auf eine solche Generalisierung abzielen.
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- Markus Korn (Author), 2005, Deduktive und induktive Argumente, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37017