Die Theorie der kognitiven Dissonanz nach Leon Festinger. Eine sozialpsychologische Einordnung


Seminararbeit, 2015
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN DER THEORIE
2.1 Kurzbiografie Leon Festinger
2.2 Begriffsdefinitionen
2.2.1 Kognition
2.2.2 Konsonanz
2.2.3 Dissonanz

3 THEORIE DER KOGNITIVEN DISSONANZ
3.1 Entstehung von Dissonanzen
3.2 Folgen von Dissonanzen
3.3 Arten zur Dissonanzreduktion
3.3.1 Änderung des Verhaltens
3.3.2 Änderung der eigenen Einstellung
3.3.3 Addition neuer konsonanter Elemente
3.4 Klassische Forschungsparadigmen
3.4.1 Forced-Compliance-Paradigma
3.4.2 Free-Choice-Paradigma
3.4.3 Selective-Exposure-Paradigma

4 PRAXISBEZUG

5 FAZIT

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

„Ein Fuchs, der auf die Beute ging, fand einen Weinstock, der voll schwerer Trauben an einer hohen Mauer hing. Sie schienen ihm ein köstlichs Ding, allein beschwerlich abzuklauben. Er schlich umher, den nächsten Zugang auszuspähn. Umsonst! Kein Sprung war abzusehn. Sich selbst nicht vor dem Trupp der Vögel zu beschämen, der auf den Bäumen saß, kehrt er sich um und spricht und zieht dabei verächtlich das Gesicht: Was soll ich mir viel Mühe nehmen? Sie sind ja herb und taugen nicht“.[1]

Dieses Gedicht von Karl Wilhelm Ramler, ursprünglich auf die des griechischen Dichters Äsops zurückgehende Fabel vom Fuchs und den Trauben, ist eine der ersten dokumentierten Aufzeichnungen, die den Inhalt des Themas dieser Seminararbeit der „Theorie der kognitiven Dissonanz“ noch vor einer wissenschaftlicher Erfassung beschrieben haben. Dabei passt der schlaue Fuchs seine eigene Einstellung einfach dem Umstand an, dass er nicht an die Trauben herankommt und findet für sich eine Ausrede, damit seinem Selbstwert nicht geschadet wird. Dieses Verhalten spielt auch im täglichen Leben eines jeden Menschen eine Rolle, da jedes Individuum jeden einzelnen Tag bis zu 20.000 Entscheidungen treffen und aus verschiedenen Alternativen abwägen muss.[2] Menschen handeln nach ihrem eigenen Empfinden, manchmal auch gegen ihre eigentlichen inneren Einstellungen. Sie erhalten Informationen, die widersprüchlich zu ihren Werten, Gedanken und Gefühlen stehen und müssen mit diesen umgehen und versuchen gute Entscheidungen zu treffen. Die kognitive Dissonanz beschreibt eindrücklich die Systematik, wie dieser innere Konflikt verbunden mit einem „unangenehmen Gefühl“[3] bei Menschen auftritt und die Wege und Lösungen, wie Menschen damit umgehen, um eine Konfliktlösung zu erreichen. Pionier auf diesem Forschungsgebiet war dabei der Sozialpsychologe Leon Festinger, der 1957 die wichtigste wissenschaftliche Publikation mit seinem Werk „Theorie der kognitiven Dissonanz“ veröffentlichte.

Gegliedert ist diese Arbeit in eine Kurzbiografie über den Sozialpsychologen Leon Festinger, einer Erklärung und Definition wichtiger Begriffe und einer Ausführung zu der Theorie der kognitiven Dissonanz in den verschiedenen Ausprägungen. Im Weiteren werden wissenschaftlich belegte Möglichkeiten und Methoden zur Dissonanzauflösung aufgezeigt. Anschließend wird die Hypothese untersucht, dass kognitive Dissonanzen im alltäglichen Bereich immer und überall vorkommen können. Dies soll dabei speziell auf die Entscheidungsfindung im Geldanlagegeschäft im Finanzsektor und der Zeit nach einer getroffenen Anlageentscheidung praxisnah dargestellt werden.

2 Grundlagen der Theorie

2.1 Kurzbiografie Leon Festinger

Leon Festinger wurde als Sohn russischer Einwanderer am 08. Mai 1919 in New York geboren. Er gilt als einer der wichtigsten Forscher und Psychologen des 20. Jahrhunderts und ist mit seiner „Theorie der kognitiven Dissonanz“ der Begründer einer der bekanntesten und einflussreichsten Theorien der Sozialpsychologie. An dieser arbeitete er von 1953 bis 1954 und veröffentlichte sie im Jahre 1957, nachdem er sich vorher in eine apokalyptische UFO-Weltuntergangssekte eingeschleust hatte, um die Vorgehensweise bei der Rechtfertigung ihrer obskuren Theorien zu beobachten.[4] Nach seinem Abschluss am City College von New York 1939 erhielt er seinen Doktorgrad 1942 an der University of Iowa. Von 1939 bis 1947 arbeitete er mit dem bekannten deutschen Gestaltpsychologen Kurt Lewin zusammen. Die maßgeblichen Ansätze zu seinen späteren Theorien u.a. zur kognitiven Dissonanz gingen auf Lewin und einen weiteren bekannten Sozialpsychologen namens Fritz Heider zurück und halfen bei der Überwindung behavioristischen Denkens in der Psychologie. Die weiteren Stationen in seiner Laufbahn waren das neu entstandene Forschungszentrum für Gruppendynamiken am Massachusetts Institute of Technology (MIT) 1945, seine Professur in Michigan 1951, die Stanford University 1955 und zuletzt ab 1968 die New School for Social Research in New York. Im Rahmen seiner Forschungen erhielt er u.a. die Ehrendoktorwürde der Universität Mannheim und zahlreiche weitere Auszeichnungen wie „Mitglied der National Academy of Sciences“ 1972 und der „Society of Experimental Psychology“ 1973.[5]

Durch zahlreiche Experimente und Studien über sozialen Einfluss, Kommunikation, Kognition und menschlichen Verhaltens prägte er gerade auch mit seinem Hauptwerk maßgeblich die Sozialpsychologie. Übertragen auf sein Fachgebiet wurde Festinger mit Koryphäen wie Picasso und Van Gogh verglichen.[6]

Leon Festinger starb am 11. Februar 1989 in New York an Leber- und Lungenkrebs.[7]

2.2 Begriffsdefinitionen

Nun soll zunächst auf die Schlüsselwörter Festingers eingegangen werden. Dies soll die Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit erleichtern, um ein komplexes Thema wie die kognitive Dissonanz durchdringen zu können. Geprägt ist diese von den Grundbegriffen der Kognition, der Konsonanz und der Dissonanz.[8] Ein kurzes Bespiel aus Festingers Originalwerk dient zur weiteren Veranschaulichung. Jenes bildet die Basis für die nachfolgenden Erläuterungen.

2.2.1 Kognition

Mit dem Begriff der Kognition wird in Festingers Theorie die mentale Haltung oder Einstellung eines Menschen bezeichnet. Dies impliziert die Kenntnisse, Meinungen oder Überzeugungen, die ein Mensch entweder seiner Umwelt, sich selbst oder dem eigenen Verhalten gegenüber, bezogen auf die Realität, hat.[9] Kognition ist also ein neutraler Begriff für alle Werte und Gefühle eines Individuums. In der Theorie werden Beziehungen zwischen kognitiven Elementen und dem Verhalten einer Person betrachtet. Hierbei können zwei Kognitionen in einem Zusammenhang stehen, d.h. sie stehen in einer logischen und relevanten Beziehung zueinander oder die Elemente weisen keinerlei Zusammenhang auf. Das bedeutet, dass sie eine irrelevante Beziehung zueinander haben. Ein Beispiel für ein solches zusammenhängendes, kognitives Element ist die Aussage: „Ich weiß, ich rauche.“[10]

2.2.2 Konsonanz

Unter dem Begriff Konsonanz versteht man das Ergebnis zweier sich nicht im Widerspruch stehenden oder in Einklang gebrachten kognitiven Elementen, die sich in einer relevanten Beziehung zueinander befinden. Ein Synonym wäre der Begriff Konsistenz, wobei Festinger Konsonanz aufgrund seiner Neutralität bevorzugt. Damit kann dann auch die psychologische Konsistenz und deren Gegenstück erfasst werden. Geeignete Begriffe wären auch Balance, Kongruenz, Übereinstimmung.[11] Nach der Theorie des Sozialpsychologen streben Menschen stets nach Konsonanz und möchten Einklang und Übereinstimmung erreichen.[12] Zum Beispiel lässt die Aussage: „Ich rauche, weil ich das Rauchen zur Beruhigung gegen den Stress brauche“, Konsonanz erzeugen.

2.2.3 Dissonanz

Der dritte Schlüsselbegriff in Festingers Theorie ist Dissonanz. Diese beschreibt den Widerspruch von zwei kognitiven Elementen, die sich in einer relevanten Beziehung zueinander befinden. Ungleichgewicht, Inkongruenz und Nicht-Übereinstimmung beschreiben den Begriff ebenfalls treffend.[13] Es besteht laut Festinger ein gewisser Druck, Dissonanz zwischen zwei Kognitionen zu vermeiden oder zu reduzieren. Sie kann das Ergebnis einer gegenteiligen Information/Meinung zu bisher gehegten Überzeugungen sein, das bisherige Verhalten einer Person in Frage stellen oder dem widersprechen. Oder sie kann eine Entscheidung im Nachhinein als fragwürdig und eine abgewählte Alternative plötzlich als attraktiver und besser erscheinen lassen. Kulturelle Sitten und Gebräuche können ebenso Ursache sein wie gewonnene Erfahrungen oder falsche logische Schlussfolgerungen.[14] Die Dissonanz wird umso größer, je wichtiger sie für die betreffende Person ist und je höher die Anzahl dissonanter Elemente ist. Auch ist das Bedürfnis nach Reduktion der Dissonanz größer, wenn die Entscheidung schwieriger zu widerrufen, also endgültig ist.[15] Zur Erläuterung dient das Beispiel: „Ich rauche täglich eine Schachtel Zigaretten“. In der Zeitung ist in einem Artikel zu lesen, dass Rauchen Krebs verursachen kann. Daraufhin kann bei der betreffenden Person vorübergehend eine kognitive Dissonanz entstehen.

[...]


[1] Ramler, K. (1783), S.15.

[2] Vgl. Tönnesmann, J. (2008).

[3] Vgl. Festinger, L. (1957), S.16.

[4] Vgl. Festinger, L. (1956).

[5] Vgl. Lück, H. (2014), S.580.

[6] Vgl. Schachter, S. (1994), S. 106.

[7] ebd., S. 107.

[8] Vgl. Festinger, L. (1957), S. 17-23.

[9] ebd., S. 17-22.

[10] ebd., S. 24-25.

[11] Vgl. Festinger, L. (1957), S.16-23.

[12] ebd., S.15.

[13] ebd., S. 16-23.

[14] ebd., S. 26-27.

[15] ebd., S. 28.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Theorie der kognitiven Dissonanz nach Leon Festinger. Eine sozialpsychologische Einordnung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V370275
ISBN (eBook)
9783668479111
ISBN (Buch)
9783668479128
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Leon Festinger, Kognitive Dissonanz, Sozialpsychologie, Wirtschaftspsychologie, Kaufreue
Arbeit zitieren
Christian Luber (Autor), 2015, Die Theorie der kognitiven Dissonanz nach Leon Festinger. Eine sozialpsychologische Einordnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370275

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