Unter Rückgriff auf die Prinzipal-Agent-Theorie wird die wechselseitige Beziehung zwischen Kapitalnehmer und Ratingagentur analysiert.
Die herausgearbeiteten Problemfelder können hinsichtlich ihrer organisationalen Ebene in drei Stufen kategorisiert werden.
Auf der ersten Stufe wird die Beziehung zwischen den Vertragspartnem berücksichtigt. Durch ihre vertraglichen Beziehungen treten bestimmte Probleme auf, die mithilfe der Prinzipal-Agent-Theorie theoretisch aufgearbeitet werden. Dabei wird deutlich, dass Interessen konflikte zwischen den Vertragsparteien bestehen.
Die zweite Problemstufe schaut abstrakter auf den Ratingmarkt. Insofem ist die einzelne Vertragsbeziehung nicht mehr relevant, sondem die Beziehungen einzelner Anbieter und Nachfrager zueinander. Markteintrillsbarrieren verfestigen die Strukturen und lassen den Markt für Ratingagenturen zu einem Oligopol tendieren. Die mit der Oligopolstruktur einhergehende Marktmacht einzelner Ratingagenturen kann zu Fehlverhalten führen.
Untersucht man die rechtlichen Rahmenbedingungen auf der drillen Stufe können ebenfalls Probleme identifiziert werden. Einige Regelungen unterstützen die Oligopolstruktur. Andere Regulierungsmaßnahmen sind für die Ratingagenturen lediglich Empfehlungen im Sinne einer Selbstbindung an einen Verhaltenskodex und damit nicht rechtlich verpflichtend.
Danach werden ausgewählte Lösungsansätze zur Verbesserung der Ratingqualität vorgestellt und kritisiert. Eine Patentlösung ist dabei nicht auszumachen. Vielmehr müssen Verbesserungsansätze parallel auf den unterschiedlichen Ebenen stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das Rating
- 2.1 Arten, Eigenschaften und Funktionen von Ratings
- 2.2 Der Ratingprozess
- 2.3 Ratingqualität und aktuelle Kritik
- 3. Ratingagenturen und die Prinzipal-Agent-Theorie
- 3.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie
- 3.2 Die ökonomische Funktion von Ratingagenturen
- 3.3 Die zweistufige Prinzipal-Agent-Beziehung
- 3.4 Kritische Betrachtung
- 4. Internationaler Ratingmarkt und Regulierung
- 4.1 Internationaler Ratingmarkt
- 4.2 Regulierung
- 5. Zwischenfazit
- 6. Sicherungsstrategien zur Ratingqualität
- 6.1 Der Rating-Fonds
- 6.2 Erhöhung des Wettbewerbs auf dem Ratingmarkt
- 6.3 Das Subscriber-Pay-Modell
- 6.4 Einführung einer europäischen Ratingagentur
- 7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert den Status quo der Ratingagenturen und untersucht Lösungsansätze zur Verbesserung der Ratingqualität. Dabei wird die Beziehung zwischen Kapitalnehmern und Ratingagenturen unter Rückgriff auf die Prinzipal-Agent-Theorie beleuchtet.
- Die Rolle von Ratingagenturen im Finanzmarkt
- Kritikpunkte an der Ratingqualität und ihre Auswirkungen
- Die Prinzipal-Agent-Theorie als theoretisches Framework für die Analyse der Ratingbeziehung
- Der internationale Ratingmarkt und Regulierungsmechanismen
- Lösungsansätze zur Verbesserung der Ratingqualität
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung führt in das Thema Ratingagenturen ein und beschreibt die Relevanz der Arbeit. Sie skizziert die Zielsetzung und den Aufbau der Arbeit.
- Das zweite Kapitel definiert den Begriff "Rating" und erläutert Arten, Eigenschaften und Funktionen von Ratings. Es behandelt zudem den Ratingprozess und die Kritik an der aktuellen Ratingqualität.
- Im dritten Kapitel wird die Prinzipal-Agent-Theorie vorgestellt und auf die Beziehung zwischen Ratingagenturen und Kapitalnehmern angewandt. Es werden die ökonomischen Funktionen von Ratingagenturen analysiert und die zweistufige Prinzipal-Agent-Beziehung untersucht.
- Das vierte Kapitel widmet sich dem internationalen Ratingmarkt und der Regulierung von Ratingagenturen.
- Das fünfte Kapitel fasst die bisher gewonnenen Erkenntnisse zusammen und leitet zum sechsten Kapitel über, welches sich mit Lösungsansätzen zur Verbesserung der Ratingqualität auseinandersetzt.
Schlüsselwörter
Ratingagenturen, Ratingqualität, Prinzipal-Agent-Theorie, Interessenkonflikte, Marktmacht, Regulierung, Lösungsansätze, Finanzmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptproblem bei Ratingagenturen?
Ein zentrales Problem sind Interessenkonflikte, die durch die Prinzipal-Agent-Theorie erklärt werden: Agenturen werden oft von den Unternehmen bezahlt, die sie bewerten sollen.
Warum wird der Ratingmarkt als Oligopol bezeichnet?
Der Markt wird von wenigen großen Anbietern dominiert. Hohe Markteintrittsbarrieren verfestigen diese Struktur und verleihen den Agenturen eine enorme Marktmacht.
Was ist das „Subscriber-Pay-Modell“?
Dies ist ein Lösungsansatz, bei dem die Nutzer der Ratings (Investoren) für die Informationen bezahlen, anstatt der bewerteten Unternehmen, um Interessenkonflikte zu minimieren.
Wie kann die Ratingqualität verbessert werden?
Vorgeschlagen werden unter anderem die Erhöhung des Wettbewerbs, die Einführung einer europäischen Ratingagentur oder die Einrichtung von Rating-Fonds.
Sind Regulierungsmaßnahmen für Ratingagenturen rechtlich bindend?
Nicht alle; viele Maßnahmen basieren auf Empfehlungen oder Selbstverpflichtungen (Verhaltenskodizes), was die Durchsetzung von Qualitätsstandards erschwert.
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- Sebastian Gothe (Author), 2013, Ratingagenturen. Eine theoretische Analyse des Status quo und Lösungsansätze zur Verbesserung der Ratingqualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370340