Mittelalterliches Eheideal. Abweichende Vorstellungen bei Abaelard und Heloise


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mittelalterliches Eheideal – Abweichende Vorstellungen bei Abaelard und Heloise
2.1 Das Mittelalterliches Eheideal
2.2 Über Abaelard
2.3 Über Heloise
2.4 Abweichende Vorstellungen bei Abaelard und Heloise
2.5 Wie authentisch ist der Briefwechsel zwischen Abaelard und Heloise?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufregende und ebenso verbotene Liebesgeschichten haben die Menschen schon immer fasziniert. Die Romanze zwischen Abaelard und Heloise ist ein Musterbeispiel für eine leidenschaftliche, wie tragische Liebe und die einzige mittelalterliche Quelle die uns einen Einblick in eine Liebesbeziehung zu dieser Zeit gibt. Hauptthema bleibt jedoch die Ehe im Mittelalter und im engeren Sinn und im Vergleich dazu die abweichenden Vorstellungen bei unserem Liebespaar Abaelard und Heloise. In der allgemeinen mittelalterlichen Vorstellung von Ehe geht es um eine vertraglich arrangierte Absicherung zwischen Mann und Frau, welche von beiden Familien initiiert wurde. Die Vorstellung einer Ehe als romantische Verbindung zweier sich liebender Menschen war im Mittelalter nur den Literaren und Minnesängern bekannt und entsprach nicht der gängigen Praxis. Die Ehe war also ein Gerüst zur gegenseitigen Absicherung des Nachwuchses, welches nicht auf Monogamie beruhen musste. Dem Mann war es gestattet weitere Frauen zu haben, obwohl die Ehefrau trotzdem die meisten Rechte behielt. Wie schon dem Titel dieser Hausarbeit zu entnehmen ist, fällt die Liebesgeschichte zwischen Abaelard und Heloise aus dem mittelalterlichen Rahmen. Ihre eheliche Beziehung beruhte auf Liebe und Zuneigung füreinander, sollte sie aber letztendlich ins Verderben stürzen. Die Ehe verband diese beiden Menschen, aber sollte nicht das Fundament ihrer Beziehung darstellen. Liebe und Ehe sind zwei Dinge, die nicht im Einklang miteinander stehen müssen, sowohl in der gängigen mittelalterlichen Vorstellung als auch in der Beziehung zwischen Abaelard und Heloise. Um in dieser Arbeit an Aussagekräftigkeit zu gewinnen, werde ich auch die Authentizität des Briefwechsels untersuchen. Speziell dazu gibt es eine Fülle an Quellen, sowohl zur einen als auch zur anderen Meinung. Dies bezeugt die Aktualität der Thematik, erschwert aber auch gleichzeitig die Urteilsbildung. Zudem werden die beiden Hauptpersonen durchleuchtet, besonders bezogen auf ihre gegenseitige Charakterisierung in dem Briefwechsel. Dies soll ihre Beziehung zueinander verdeutlichen. Besonders die Person Heloise ist hier spannend. Abschließend wird das Fazit genaue Antwort auf die Fragestellung der Hausarbeit liefern, mithilfe der Wiederholung der wichtigsten vorher genannten Textstellen.

2. Mittelalterliches Eheideal – Abweichende Vorstellungen bei Abaelard und Heloise

2.1 Das Mittelalterliches Eheideal

Religionswissenschaftlich gesehen ist die Ehe eine Beziehung zwischen zwei oder mehr Personen unterschiedlichen Geschlechts, die durch einen Ritus geschlossen wird. Die Ehe ist etwas Dauerhaftes und soll von der Gesellschaft akzeptiert werden.[1] Die theologische Ehevorstellung bezeichnet die Ehe als ein Gut, da Gott ein Fürsprecher der Ehe ist und dies auch so in der Bibel festgehalten wurde. Die Ehe ist eine heilige Ordnung zwischen Mann und Frau, die für beide lebenslang besteht, auch wenn der Zweck der Kinderzeugung nicht mehr erfüllt wird, ob durch das fortgeschrittene Alter und den Verlust der Leidenschaft. Die Kirche verbindet also nicht primär die Ehe mit Keuschlosigkeit, sondern befürwortet sie lediglich und begründet ihre Haltung mit der im Laufe der Ehe eintretenden Keuschheit, durch das nun beginnende sittsame Verhalten der Eheleute, die sich auf die Kindererziehung fokussieren und nicht mehr der Wollust frönen.[2] Die Ehe im Alten Testament dient der Erhaltung der eigenen Familie, christlich gesprochen des Geschlechts. Diese Bestimmung beinhaltet, dass es das Recht des Mannes ist von seiner Frau legitime Nachkommen zu bekommen und verbietet damit zugleich den Ehebruch einer Frau, da sie damit ihrer wichtigsten Pflicht nicht nachkommen könnte. Im Neuen Testament wird nicht explizit auf die Ehe eingegangen, die Regeln und Hochzeitsbräuche setzt das Neue Testament voraus. Bereist hier wird die Heirat zwischen zwei Verwandten verboten.[3] Eine Ehe sollte rechtlich gesehen eine monogame Beziehung sein. Speziell die frühmittelalterliche Ehe versteht es als erstrebenswerter ehelos zu bleiben, da man so Gott näher sei. Durch das Verbot der Heirat zwischen zwei zu nah verwandten Menschen entstand in der Kirche die Inzestproblematik. Es wurde also deutlich, dass es gewisse Vorschriften geben muss, um die Ehe schließen zu können. Ein weiteres Streitthema war die Ehe als Sakrament.. Gegner der Ehe als Sakrament forderten die Vorschriften, wie beispielsweise Luther, der die Ehe als etwas Weltliches bezeichnet. Befürworter wollten keinen Eingriff in etwas sakramental Beschlossenes. Im 16. Und 17. Jahrhundert wurde beschlossen, dass es möglich sei richterlich eine Ehe scheiden zu lassen, dies aber nicht der Regelfall werden sollte. Es gab jedoch auch die Möglichkeit sich eine Konkubine zu nehmen und diese neben seiner Ehefrau zu haben, solange man sie nicht beide gleichzeitig in Anspruch nimmt. Dies war zwar kein Eheverhältnis im engeren Sinn, aber es galt nicht als unzüchtiges Verhalten. Diese Möglichkeit blieb jedoch rein ein Privileg des Mannes. Erst 1563 wurde das Konkubinat den Laien und Klerikern verboten.[4]

Grundsätzlich war die Eheschließung eine berechnete Sache der Familie, die bestimmte wer wen heiraten sollte. Diese Form der Ehe nennt sich Muntehe. Erst im Laufe der Zeit forderten kirchenrechtliche Bestimmungen eine Einwilligung der Braut. Eine weitere Form der Ehe war die Friedelehe, eine gewissermaßen als Liebesehe zu bezeichnende Eheform. Hatte der Mann viel Geld konnte er sich sogar mehrere Friedelfrauen nehmen, da er ihrer Familie die Aussteuer zahlen musste. Seit dem 12. Jahrhundert ist die Ehe ein Sakrament. Zunächst war die Keuschheit vor der Ehe eine selbstverständliche Forderung und der Jungfrauenstatus das Allerheiligste. Nun griff nicht nur mehr die Sippe in die Eheschließung ein, sondern die Kirche bestimmte ebenfalls wen man heiraten durfte. Ein zu enges Verwandtschaftsverhältnis war hier das kirchliche Hauptargument gegen eine Eheschließung.[5]

Die frühmittelalterliche Eheschließung war ein vielschichtiger Prozess der beim Bräutigam begann. Dieser ging auf den Vater oder den jeweiligen Vormund seiner Auserkorenen zu und bat um die Hand der Frau. Dies war im Vorfelde schon mit der Familie des Bräutigams besprochen worden. Nun zieht der Vater der potentiellen Braut seine Familie zurate und fragt auch seine Tochter oder Anvertraute, ob sie mit einer Heirat einverstanden wäre. Kam es zu einer Übereinstimmung, nannte man dies ,consensus´[6] und die Ehe wurde geschlossen.[7] Festzuhalten ist, dass die Ehe eine Einigung zwischen zwei sozialen Gruppen war und nicht nur zwischen den beiden Ehepartnern. Dabei achteten die Familie nicht nur auf die Sympathie der potentiellen Eheleute, sondern auch auf ihre finanziellen Mittel, denn war hier die Waage unausgeglichen würde es zu Konfliktpotential kommen und dies wollten die Familien schon im Voraus verhindern. Eine Ehe sollte friedlich und auf Augenhöhe der beiden Partner stattfinden. Dieses familiäre Verhältnis wurde religiös eingebunden.[8] Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Kirche erst als übergeordnete Kraft in der Einflussnahme auf die Ehe. Der Konzil von Trient schloss 1563 Ehescheidungen kategorisch aus und auch die voreheliche Unzucht die zuvor legitimiert war wurde nun verboten.[9]

Im 12. und 13. Jahrhundert existierte eine eher emotional distanzierte Form der Ehe, die primär den aus der Ehe entstandenen Kindern Sicherheit geben sollte. Dies geschah durch die Weitergabe des Familienvermögens und den Titel. Der Mann hatte das Recht Konkubinen zu haben, die Frau war dafür direkt nach ihrem Mann der Hausvorstand und die Kinder, die aus Beziehungen mit Konkubinen stammten waren weniger abgesichert, als die ehelichen Kinder. Hier ist festzuhalten, dass es eine genaue Trennung zwischen Ehe und Konkubinat erst im 14. Jahrhundert vorgenommen wurde, deswegen ist in zeitgenössischen Quellentexten immer auf den genauen Wortlaut zu achten, da es dem Autor auch nicht immer ersichtlich war in welchen Verhältnissen die Liebenden zueinander standen.[10] Zu der Zeit von Abaelard und Heloise waren rein arrangierte Ehen durch die Familie üblich, bei denen das Brautpaar nur geringfügiges Mitspracherecht hatte. Normalerweise war es ein familiäres Arrangement zwischen den beiden Vätern, die den Ablauf der Eheschließung besprachen. Die literarische Eheauffassung hingegen forderte in der Ehe mehr als eine vertragliche Bestimmung zweier Familien und setzte die Liebe in den Mittelpunkt. Die Rolle beider Liebender wurde in der Literatur bestärk, so musste der Mann meist seine Herzensdame vor einer Gefahr beschützen oder die Frau gab ihrem Geliebten mit der Kraft ihrer Liebe die Möglichkeit eine schier unüberwindbare Aufgabe zu lösen. Hier lässt sich also eine Wandel in dem Ehebild feststellen, weg von der vertraglich-religiösen Seite hin zur literarisch-emotionalen.[11]

[...]


[1] Vgl. Browning, Don S., Art. ,,Ehe“, in: RGG4, Tübingen 1999, Sp. 1069.

[2] Vgl. Augustinus, Aurelius: Das Gut der Ehe. Würzburg 1949, S. 3-5.

[3] Vgl. Lexikon für Theologie und Kirche. Dritter Band. Dämon bis Fragmentisiert. Freiburg/Basel/Rom/Wien 1995. Sp. 468-470.

[4] Vgl. Buchholz, Stephan, Art. ,,Ehe“, in: HRG, S. 1-5.

[5] Vgl. Goetz, Hans-Werner: Leben im Mittelalter vom 7. bis zum 13. Jahrhundert. München 20027, S. 41-45.

[6] Weber, Ines: ,,Wachset und mehret euch“. Die Eheschließung im frühen Mittelalter als soziale Fürsorge, in: Holzem, Andreas/Weber, Ines: Ehe-Familie-Verwandtschaft. Vergesellschaftung in Religion und sozialer Lebenswelt, Paderborn 2008, S. 150.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. ebd., S. 156f.

[9] Vgl. Greyerz v., Kaspar: Passagen und Stationen: Lebensstufen zwischen Mittelalter und Moderne, Göttingen 2010, S. 24.

[10] Vgl. Schönhoff, Judith: Von "werden degen" und "edelen vrouwen" zu "tugentlichen helden" und "eelichen hausfrawen" : zum Wandel der Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit in den Prosaauflösungen mittelhochdeutscher Epe, Frankfurt a.M. 2008, S. 50.

[11] Vgl. ebd., S. 51f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mittelalterliches Eheideal. Abweichende Vorstellungen bei Abaelard und Heloise
Hochschule
Universität zu Köln  (Mittelalter)
Veranstaltung
Liebe, Ehe und Familie im Mittelalter
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V370372
ISBN (eBook)
9783668477537
ISBN (Buch)
9783668477544
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mittelalterliches, eheideal, abweichende, vorstellungen, abaelard, heloise
Arbeit zitieren
Alina Willkomm (Autor), 2017, Mittelalterliches Eheideal. Abweichende Vorstellungen bei Abaelard und Heloise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370372

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