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Französische Deutschland- und Europapolitik von der Befreiung bis zu den Pariser Verträgen. Kontinuitäten und Wandel

Titel: Französische Deutschland- und Europapolitik von der Befreiung bis zu den Pariser Verträgen. Kontinuitäten und Wandel

Zwischenprüfungsarbeit , 2005 , 23 Seiten , Note: 2,7

Autor:in: Bernhard Nitschke (Autor:in)

Politik - Geschichte der politischen Systeme
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der frz. Wahrnehmung der 40er und 50er Jahre musste Deutschland zwangsläufig der Orientierungspunkt allen außenpolitischen Handelns sein. Die Erfahrungen dreier Kriege und eine schier unüberbrückbare Rivalität weisen de Gaulles – pathetisch überhöhte - Einschätzung als außenpolitische Konstante zumindest der ersten Nachkriegsjahre aus: „In Wirklichkeit ist das Schicksal Deutschlands das zentrale Problem des Universums. Für Frankreich ist es gleichzeitig eine Frage auf Leben und Tod“. Auch als der Ost-West-Konflikt und die potenzielle Bedrohung durch die SU die germanophobe Deutschlandfixiertheit (auch bei den späteren „Versöhnern“ des MRP), wenn nicht ablöst, dann doch mindestens überlagert, bleibt Deutschland Sinn – und Bezugspunkt frz. Außenpolitik; der kalte Krieg und die ungelöste Deutschlandfrage paralysieren und determinieren gleichzeitig die Akteure des Quai d’Orsay. Die in dieser Arbeit besprochene Europapolitik ist deshalb auch immer wieder gleichzeitig Deutschlandpolitik. Hier wird auch dem Besatzungsregime in der FBZ ein relativ großer Raum gegeben, weil an ihm einerseits die Begrenztheit der Handlungsmöglichkeiten, andererseits die Widersprüchlichkeit in den deutschland-, und letztlich weltpolitischen Zielen Frankreichs deutlich werden. Außerdem kann hierin der Versöhnungstopos deutsch-französischer Nachkriegsgeschichte überprüft werden, ein zumindest für Frankreich, das Deutschland langfristig als Partner gewinnen musste und wollte, wichtiger Aspekt.

Anmerkungen: Die Arbeit setzt Französischkenntnisse voraus, da oft im Original zitiert wird. Schwerpunkte: französische Besatzungspolitik, französisch-sowjetische Beziehungen und die "Deutschlandakteure" der frz. Außenpolitik: de Gaulle, Bidault, Schuman und Pleven.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgehensweise

3. Frankreich und die Sowjetunion: prinzipielle Divergenzen und punktuelle Interessenkoinzidenzen

3.1 Vom 28.9.42 (Anerkennung des CNF durch die SU) bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945

3.2 Deutschlandpolitische Divergenzen hinsichtlich der Grenzen und der staatlichen Struktur eines zukünftigen Deutschland

3.3 Scheinbare Koinzidenz frz. und sowjetischer Deutschlandpolitik - Die Internationalisierung der Ruhr

3.4 Das Ende theoretischer frz.-sowjetischer Gemeinsamkeiten - Die Wende in der frz. Deutschlandpolitik

4. Handlungswille und Handlungsfähigkeit auf dem Prüfstand: Die frz. Besatzungszone(n) in Südwestdeutschland

4.1 Das Zustandekommen

4.2 Widersprüchliche Zielvorgaben

4.3 „Verkorkste Zone“ von Anfang an

4.4 Flexibilität als Ausdruck von Unsicherheit – Frankreichs unklare Vorstellungen über die Zukunft der Einzelteile der FBZ. Das Beispiel Saarland.

4.5 Die Besatzungszeit in frz. und deutscher Perzeption – Verstärkung der gegenseitigen Ressentiments

5. Die deutschland- und europapolitischen Akteure

5.1 De Gaulle

5.2 Georges Bidault

5.3 Robert Schuman

5.4 René Pleven

6. Resumee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die französische Deutschland- und Europapolitik zwischen 1944 und den Pariser Verträgen, um zu klären, ob es konsistente politische Strategien gab oder ob die Politik eine abhängige Variable unter Zwangslagen darstellte, und analysiert dabei den Handlungsspielraum Frankreichs gegenüber den Siegermächten.

  • Frankreichs außenpolitischer Anspruch auf "Grandeur" versus objektive Machtschwäche.
  • Das Spannungsfeld zwischen deutschlandpolitischer Kontinuität und dem Wandel durch den Ost-West-Konflikt.
  • Die Rolle Frankreichs als Besatzungsmacht in Südwestdeutschland und die Widersprüche der Besatzungspolitik.
  • Der Einfluss zentraler Akteure wie de Gaulle, Bidault, Schuman und Pleven auf die strategische Neuausrichtung.

Auszug aus dem Buch

4.2 Widersprüchliche Zielvorgaben

Die Widersprüche in der frz. Besatzungspolitik sind symptomatisch für die „doppelte Deutschlandpolitik“ Frankreichs und bewegen sich auf drei Ebenen: Erstens stand der unumstrittene Konsens für den gesamten hier besprochenen Zeitraum der frz. Deutschlandpolitik, nämlich die Legitimität der wenigstens kurzfristigen Nutzung deutscher Ressourcen für einen wirtschaftlichen und moralischen Wiederaufbau Frankreichs im Widerspruch zu der Überzeugung, dass Frankreichs Sicherheit und Stärke nicht primär auf der Nutzung deutscher Ressourcen beruhen dürfe – die Zeit zwischen den Weltkriegen als warnendes Beispiel vor Augen. Die innenpolitisch opportune Revanchepolitik als folgerichtige und legitime Grundlage des nationalen Wiederaufbaus musste aber zweitens kollidieren mit der Einsicht, dass ein sozioökonomisches Chaos auf deutscher Seite antifranzösische Ressentiments verstärken würde und die langfristigen Ziele frz. Deutschlandpolitik untergraben würde, nämlich ein der sowjetischen Bedrohung sich widersetzendes starkes Deutschland, das eben nur dem frz. Nachbarn relativ unterlegen sei.

Je mehr sich Frankreich der angelsächsischen Position des deutschen Wideraufbaus und einer westdeutschen Integration annähren musste, umso mehr erschien – gerade innenpolitisch – diese politische Doppeltheit sogar als „Doppelzüngigkeit“. Drittens stand Frankreichs Besatzungspolitik, insbesondere hinsichtlich seiner Maximalforderungen bei Reparationen, Dezentralisierung und Abtrennungsplänen im offenen Widerspruch zu seinen handlungspolitischen Möglichkeiten, umso mehr, als dass es oft alle großen Drei gegen sich sah. Immerhin erreichte Frankreich in seiner Rolle als grande gêneuse - z.B. in der Frage der Garantien deutscher Kohlelieferungen an Frankreich – wenn schon keine direkte Zustimmung, so doch indirekt stets Erhöhungen der amerikanischen Finanzhilfe. Auf der anderen Seite dieser Rechnung standen aber weitere Prestige- und Vertrauensverluste bei der deutschen Bevölkerung im alliierten Vergleich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die zentrale Fragestellung nach der Konsistenz französischer Zielvorstellungen gegenüber Deutschland und dem tatsächlichen außenpolitischen Handlungsspielraum nach 1945.

2. Vorgehensweise: Dieses Kapitel definiert Deutschland als notwendigen Orientierungspunkt französischer Außenpolitik und legt den Fokus auf die Besatzungszeit in der französischen Zone.

3. Frankreich und die Sowjetunion: prinzipielle Divergenzen und punktuelle Interessenkoinzidenzen: Das Kapitel analysiert die schwierigen Beziehungen zwischen Paris und Moskau, geprägt von gegenseitigem Misstrauen und dem Scheitern einer gemeinsamen Deutschlandpolitik.

4. Handlungswille und Handlungsfähigkeit auf dem Prüfstand: Die frz. Besatzungszone(n) in Südwestdeutschland: Hier wird die Widersprüchlichkeit der französischen Besatzungspolitik und deren Scheitern an ökonomischen Sachzwängen und der fehlenden Akzeptanz durch die Bevölkerung untersucht.

5. Die deutschland- und europapolitischen Akteure: Dieses Kapitel beleuchtet die Rollen von de Gaulle, Bidault, Schuman und Pleven bei der Gestaltung der französischen Außen- und Sicherheitspolitik.

6. Resumee: Das Fazit stellt fest, dass die französische Außenpolitik stärker durch Kontinuität – Streben nach Unabhängigkeit, Sicherheit und Grandeur – als durch Brüche geprägt war.

Schlüsselwörter

Frankreich, Deutschlandpolitik, Europapolitik, Besatzungszone, Charles de Gaulle, Georges Bidault, Robert Schuman, René Pleven, Souveränität, Grandeur, Kalter Krieg, Reparationen, Westintegration, Sicherheit, Kontinuität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die französische Außenpolitik gegenüber Deutschland und Europa in der Nachkriegszeit zwischen 1944 und 1955 und fragt nach deren strategischer Konsistenz.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die französisch-sowjetischen Beziehungen, die Besatzungspolitik in Südwestdeutschland, der Umgang mit der deutschen Frage und die Handlungsspielräume im internationalen Machtgefüge.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob Frankreich eine langfristig geplante Strategie gegenüber Deutschland verfolgte oder ob seine Politik lediglich eine Reaktion auf äußere Zwänge darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, um anhand von politischen Diskursen, Akteursentscheidungen und diplomatischen Widersprüchen die Kontinuitäten und Brüche der französischen Nachkriegsaußenpolitik aufzuzeigen.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Divergenzen gegenüber der Sowjetunion, die praktischen Schwierigkeiten bei der Verwaltung der französischen Besatzungszone sowie die spezifischen Deutschlandkonzepte führender französischer Politiker.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie "Grandeur", "Sicherheit", "Doppelzüngigkeit" in der Deutschlandpolitik und der Einfluss der verschiedenen Regierungskonstellationen prägen die Analyse.

Was versteht der Autor unter der "doppelten Deutschlandpolitik"?

Damit ist das Spannungsfeld zwischen dem offiziellen Anspruch, deutsche Ressourcen für den eigenen Wiederaufbau zu nutzen, und der Notwendigkeit, Deutschland zur Sicherung gegen die sowjetische Bedrohung in das westliche System zu integrieren, gemeint.

Welche besondere Schlussfolgerung zieht der Autor im Resümee?

Der Autor schließt sich der Einschätzung an, dass die französische Außenpolitik nach 1945 eher durch Kontinuität in ihren Zielen als durch radikale Brüche gekennzeichnet ist, wobei die utopische Rhetorik oft einen "versteckten Realismus" kaschiert.

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Details

Titel
Französische Deutschland- und Europapolitik von der Befreiung bis zu den Pariser Verträgen. Kontinuitäten und Wandel
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Note
2,7
Autor
Bernhard Nitschke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V37050
ISBN (eBook)
9783638365086
ISBN (Buch)
9783638692410
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Französische Deutschland- Europapolitik Befreiung Pariser Verträgen Kontinuitäten Wandel
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Bernhard Nitschke (Autor:in), 2005, Französische Deutschland- und Europapolitik von der Befreiung bis zu den Pariser Verträgen. Kontinuitäten und Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37050
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Leseprobe aus  23  Seiten
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