Die vorliegende Arbeit stellt eine Kombinationsschrift aus fachwissenschaftlichen Überlegungen und einer Konzeption für den Schulunterricht dar.
In der vorliegenden Niederschrift soll es im ersten Abschnitt darum gehen, darzustellen, dass die Herausbildung einer modernen Vergnügungskultur nicht ohne Urbanisierung möglich war und die Vergnügungskultur ein Teil der Metropolenbildung darstellte. Anschließend soll diese Betrachtung als Vorbereitung einer Unterrichtseinheit der Sekundarstufe I an einer Berliner Schule dienen und grob skizziert werden.
Um dieser These nachzugehen müssen zunächst die Begrifflichkeiten der Metropole und Vergnügungskultur geklärt werden. Aufgrund der Kürze der Arbeit wird darauf hingewiesen, dass nur an ausgewählten Beispielen gearbeitet werden konnte.
Im zweiten Abschnitt erfolgt die Umsetzung der Analyse konzeptionell für den Unterricht an Berliner Schulen der Sekundarstufe I. Hierbei werden didaktische und methodische Überlegungen dargestellt.
Die Grundlagen der Arbeit bilden einschlägige Monographien und Sammelbände aus der Stadtgeographie, aus der Didaktik in den Unterrichtsfächer Geschichte und Geographie und aus derzeitigen Forschungen zu Vergnügungskultur im 19. Jahrhundert sowie die Rahmenlehrpläne des Landes Berlin. Seit 2011 beschäftigen sich eine Vielzahl von Autoren mit der Frage wie, wann und wo Vergnügen im 19. Jahrhundert passierte. Die bisherigen eher stadtgeographischen Untersuchungen wurden in den vergangenen Jahren erweitert. Die Wahrnehmung des Vergnügens sowie die (Aus-) Nutzung, Auslebung und Veränderung im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext rückten in den Vordergrund. Begonnen wurde dieser Aspekt der Geschichtsforschung mit den negativen Auswirkungen von Metropolen wie beispielsweise die Begünstigung der Prostitution. Zunehmend wurden alltägliche Geschehnisse und Räume in der Forschung untersucht. Aus heutiger Sicht, einer medial konstruierten Welt, in der jeder Zugang zu Medien und Vergnügen zu jeder Zeit besitzt, scheint die Frage nach der derzeitigen Forschung zu Vergnügungskultur sinnvoll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Metropole
3. Vergnügen
4. Vergnügungskultur im 19. Jahrhundert
5. Vergnügen im Berlin des 19. Jahrhunderts
6. Schlussbetrachtung
7. Umsetzung im Unterricht – Didaktische Analyse
a. Verortung im Rahmenlehrplan
b. Lernziele der Unterrichtseinheit
c. Methodisches Vorgehen
d. Arbeitsmaterialien
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen der Urbanisierung im 19. Jahrhundert und der Herausbildung einer modernen Vergnügungskultur, wobei Berlin als zentrales Fallbeispiel dient. Ziel ist es, diese fachwissenschaftliche Analyse in ein konzeptionelles Unterrichtsmodell für die Sekundarstufe I zu überführen, um Schülern ein Verständnis für die städtische Lebenswelt und die historische Entwicklung des Massenvergnügens zu vermitteln.
- Die historische Genese der Metropole im 19. Jahrhundert.
- Die Kommerzialisierung von Freizeit und Vergnügen durch Industrialisierung.
- Die räumliche Verortung von Vergnügungsstätten und deren soziale Funktion.
- Die didaktische Umsetzung historischer Prozesse im Berliner Schulunterricht.
Auszug aus dem Buch
Vergnügen im Berlin des 19. Jahrhunderts
„Um 1900 war Berlin Kaiserstadt, Zentrale eines Kolonialreiches und aufstrebendes Verwaltungs- und Handelszentrum. Seit der Reichsgründung 1871 hatte sich seine Bevölkerungszahl verdreifacht und war auf rund 2,5 Millionen Einwohner angewachsen. Berlin war literarischer und künstlerischer Knotenpunkt des deutschen Reiches, Tummelplatz von Bohème und Lebewelt, ausgestattet mit einem Nachtleben, dass sich mit dem von Paris und London messen konnte. Modern waren die neu errichteten Bankpaläste, die Waren- und Geschäftshäuser, Cafés und Tanzhallen. Die Verlagerung des städtischen Zentrums aus dem alten Osten in den neuen Westen, von der Friedrichstraße zum Kurfürstendamm, dem ”Neu-Berlin”, zeigte Berlin auf der Höhe der technischen Möglichkeiten der Zeit. Nachts erleuchtete Straßen, die ersten Automobile, S- und U-Bahnen, die die Stützpunkte von Staatsbürokratie und Großindustrie miteinander verbanden und die Menschenmassen von den Wohnvierteln zu den Arbeits- und Vergnügungsstätten transportierten, waren die sichtbaren Zeichen der Moderne.“23
Die Entwicklungen des 19. Jahrhunderts veränderten nicht nur die Städte der Zeit, sondern wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln angeklungen auch deren Bewohner. Mit der Urbanisierung entstand eine neue Art des Großstadterlebens und somit auch ein neuer Typus Mensch, der Großstadtmensch. Die veränderte Wahrnehmung der Zeit ist besonders durch die in der langen Jahrhundertwende entstandenen literarischen Werke gut dokumentiert und bieten einen Einblick.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Stadt ein und begründet das wissenschaftliche Interesse an der modernen Metropole sowie die didaktische Zielsetzung der Arbeit.
2. Metropole: Dieses Kapitel definiert den Metropolenbegriff anhand quantitativer, funktionaler und qualitativer Kriterien im interdisziplinären Kontext.
3. Vergnügen: Der Text erörtert die Definitionsschwierigkeiten des Begriffs Vergnügen und beleuchtet die zunehmende Kommerzialisierung von Gefühlen im 19. Jahrhundert.
4. Vergnügungskultur im 19. Jahrhundert: Hier wird der Zusammenhang zwischen Industrialisierung, Urbanisierung und der Entstehung einer standardisierten Massenvergnügungsindustrie als Teil der Metropolenbildung dargestellt.
5. Vergnügen im Berlin des 19. Jahrhunderts: Dieser Abschnitt analysiert das spezifische Berliner Beispiel und untersucht die Rolle von Vergnügungsvierteln und Kiezvergnügungen für die soziale Segregation.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die wechselseitige Bedingung von Metropole und Vergnügungskultur zusammen und verweist auf weiteres Forschungspotenzial in Bezug auf stadtplanerische Lenkungsprozesse.
7. Umsetzung im Unterricht – Didaktische Analyse: Dieser Teil präsentiert ein schulpraktisches Konzept, das die erarbeiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse für den Geschichtsunterricht in Berliner Schulen strukturiert.
Schlüsselwörter
Metropole, Berlin, 19. Jahrhundert, Vergnügungskultur, Industrialisierung, Urbanisierung, Stadtgeographie, Massenvergnügen, Geschichtsdidaktik, Rahmenlehrplan, Kiezvergnügen, Stadtentwicklung, Kommerzialisierung, Großstadtmensch, Freizeitverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Vergnügungskultur in Metropolen des 19. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Berlin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Städtewachstum, der Industrialisierung, der Entstehung der Vergnügungsindustrie sowie deren didaktischer Aufbereitung für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwiefern die moderne Vergnügungskultur untrennbar mit der Urbanisierung verknüpft ist und ob sie als Teil der Metropolenbildung betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Kombinationsschrift, die fachwissenschaftliche Analyse mit einer didaktischen Konzeption für den Schulunterricht verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, eine historische Analyse der Vergnügungskultur und deren räumliche Verortung in Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Metropole, Vergnügungskultur, Berlin, Urbanisierung, Industrialisierung und Geschichtsdidaktik.
Welche Bedeutung hat das "Kiezvergnügen" in der Arbeit?
Das Kiezvergnügen wird als nachbarschaftlich geprägter Gegenentwurf zu den großen Vergnügungsvierteln analysiert, der soziale Heterogenität widerspiegelt.
Wie trägt die Arbeit zur aktuellen didaktischen Forschung bei?
Sie liefert ein konkretes Unterrichtsmodell, das moderne Forschungsergebnisse der Stadtgeschichte in den Berliner Rahmenlehrplan integriert.
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- Astrid Berger (Author), 2017, Die Vergnügungskultur im 19. Jahrhundert am Beispiel Berlin. Ein Unterrichtsvorschlag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370622