Hochbegabung in inklusiven Settings. Differenzierung hinsichtlich der Begabtenförderung


Hausarbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Definition von Hochbegabung.

2. Die Förderung von Hochbegabten
2.1. Akzelerationsmaßnahmen
2.2. Enrichment

3. Hochbegabung in inklusivem Unterricht
3.1. Äußere Differenzierung
3.2. Innere Differenzierung
3.3. Integrative Begabtenförderung

4. Ein Methodenbeispiel

5. Fazit

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Einleitung:

In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Hochbegabung in inklusiven Set- tings: Differenzierung hinsichtlich der Begabtenförderung“ auseinandersetzen. Mein Interesse gilt dieser Fragestellung in besonderer Weise, da ich persönlich oft- mals die Erfahrung gemacht habe, dass mit dem Begriff der Inklusion lediglich die Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf an Regelschulen in Zu- sammenhang gebracht wird. Meiner Meinung nach ist es jedoch auch von besonde- rer Bedeutung, auf diejenigen Schülerinnen und Schüler Acht zu geben, die in einem inklusiven Schulsystem keine Förderung in der Hinsicht benötigen, dass sie dem re- gulären Unterrichtsstoff nicht ohne Hilfe beziehungsweise helfenden Methoden folgen könnten.

Letztendlich brachte mich diese Überlegung zu der Frage, ob somit Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen mehr gefordert werden sollten, sowie für Schü- lerinnen und Schüler mit Förderbedarf die besondere Förderung beansprucht wird, in Bezug auf die scheinbar objektiven Kriterien der Schulleistungen1. In Anbetracht der am 13. Dezember 2006 von der UN-Vollversammlung verabschiederungen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen“2, womit auch eine Teilhabe am Unterricht in Regelschulen einhergeht, der wiederum eine inklusive Beschulung darstellt. Nach Wernstedt und John-Ohnesorg gäbe es keinen Grund, sofern man der Menschheit die Heterogenität unterstelle, weiterhin Sonderun- gen durch Schulformen vorzunehmen, da mit der Konvention von 2006 der Begriff der Förderung diejenige meint, welche an der Bedürftigkeit der Schülerinnen und Schüler statt an den oben erwähnten Kriterien der Schulleistungen gemessen sei.3

Dies gilt jedoch explizit für alle Kinder und Jugendlichen, was auch Hochbegabte einschließt in eine tolerante Gesellschaft, ein inklusives Schulsystem sowie eine heterogene Klassengemeinschaft. Für diese herrscht die Forderung, auf die Bedürfnisse des Einzelnen zu achten und auf sie einzugehen, weshalb ich mich im Laufe dieser Arbeit damit befassen möchte, wie in einer derartigen Gruppe mit den besonders begabten Schülerinnen und Schülern umgegangen werden soll, um das Ziel, jegliche ihrer Potenziale bestmöglich auszuschöpfen, zu erreichen.

Zunächst werde ich dazu eine Definition von Hochbegabung darstellen, um mich anschließend mit der Frage auseinanderzusetzen, wie hochbegabte Kinder und Ju-gendliche gefördert werden können, um ihre Potentiale in bestmöglichem Ausmaß zu entfalten. Des Weiteren möchte ich daraufhin feststellen, wie sich diese möglichen Me- thoden für die Differenzierung in inklusiven Settings wie dem Schulunterricht nutzen lassen, was ich anhand eines von mir erdachten Beispieles erläutern möchte. Letzt- endlich werde ich meine Ergebnisse abschließend in einem Fazit zusammenfassen.

Zunächst einmal sind alle Kinder kompetent, da sie von Geburt an aktiv lernende Lebe- wesen verkörpern4 weshalb eine genaue Definition von Hochbegabung sehr schwie-rig zu sein scheint. Der Begriff an sich ist bereits wenig präzise, dafür sehr vielfältig und vielschichtig, da er sich mit dem Laufe der Zeit durch neue Forschungsstände stets verändert.5

Der Begriff der Hochbegabung besitzt dementsprechend auch in der Wissenschaft und der Praxis keine eindeutige Festlegung, jedoch gibt es in den verschiedenen Begabungskonzepten Annahmen, die sich überschneiden.6

Vordergründig werden diejenigen Menschen als hochbegabt bezeichnet, die über eine hohe allgemeine Intelligenz verfügen. Hochbegabung trifft allerdings auch dann zu, wenn eine hoch ausgeprägte spezifische Fähigkeit vorhanden ist, beispielsweise in dem Bereich der Musik, des Sportes, der Sprache, in Hinblick auf soziale Kompeten- zen oder ähnliches. Desweiteren bezieht sich diese Bezeichnung auf Personen, die sowohl gute intellektuelle Fähigkeiten als auch gute Lern- und Leistungsmotivation so- wie Kreativität besitzen. Letztendlich wird mit dem Begriff der Hochbegabung jemand bezeichnet, der in allen beziehungsweise vielen Bereichen sehr gut ist.7

Wie bereits kurz erwähnt, sind all diese Bezeichnung in einem hohen Maße subjektiv, woraus sich die Frage ableitet, wie hoch eine bestimmte Fähigkeit dementsprechend ausgeprägt sein sollte, damit von einer Hochbegabung gesprochen werden kann. Auch hier erlaube nach Anderski der gegenwärtige Forschungsstand keine einfache Festlegung, jedoch sei die Tatsache nennenswert, dass es sich eingebürgert habe, die Ausprägung der Begabung eines Einzelnen in Relation zum Bevölkerungsdurchschnitt zu ermitteln.8

Dazu eignet sich eine Anlehnung an die Normalverteilung nach Carl Friedrich Gauß, der numerischen Daten, wie in diesem Fall den Intelligenzquotienten (kurz: IQ), eine symmetrische Verteilung unterstellt. Die Normalverteilung wird auch als „gaußsche Glockenkurve“ betitelt, da circa zwei Drittel der Messwerte nah an dem Mittelwert liegen.9

Auf diese Weise kommt es zunächst zu einer Definition von Minderbegabung, die auf eine Person zutrifft, sofern dessen Leistungen in einem Intelligenztest von 98% der Bevölkerung überboten werden. Der Durchschnitt dieser (68,2%) liegt in einem Intelli- genzbereich von 85 bis 115, woraufhin schließlich diejenigen, deren Leistungen ledig- lich von zwei bis drei Prozent der Bevölkerung erreicht werden, zu den Hochbegabten zu rechnen seien.10

Die folgende Abbildung soll diese Festlegung verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Normalverteilung des Intelligenzquotienten.

Wie in der Abbildung in dunklem orange dargestellt, gelten Menschen ab einem gemessenen IQ von 130 als hochbegabt.

2. Die Förderung von Hochbegabten:

Neben einer außerschulischen Förderung stellt vor allem die schulische Förderung, mit der sich der folgende Teil in besonderem Maße auseinandersetzen wird, eine sehr wichtige Förderungsform dar, denn diese sollte für alle Schichten gleichermaßen so- wohl zugänglich als auch verpflichtend seien.11

Zwar sei es allerdings ein beobachtbarer Befund, dass hochbegabte Schülerinnen und Schüler auch ohne eine spezielle Förderung in der Schule besonders gut zurecht kommen, da sie oftmals die Fähigkeit besitzen, sich selbst Wissen aktiv anzueignen und auch weniger optimal verlaufende Situation möglichst gewinnbringend zu nutzen, jedoch sei es nach Rohrmann und Rohrmann ebenso unstrittig, dass hochbegabte Schülerinnen und Schüler in der Schule auch unterfordert seien.12

Für diese genannten sowie auch alle anderen Schülerinnen und Schüler in einer Klasse gilt der Grundsatz, dass jeder von ihnen durch eine Lernumgebung profitieren könne, die mehr Anregungen und Herausforderungen für sie bereithält. Es gibt jedoch auch Fälle hochbegabter Kinder, bei denen besondere Maßnahmen ergriffen werden müs- sen, um problematischen Entwicklungen entgegenzuwirken beziehungsweise diese vorzubeugen, welche vielmals aus der oben genannten Unterforderung resultieren.13

Häufig treten sie in Form von Schulunlust auf, welche aus vorheriger Langeweile im Unterricht hervorgeht oder es resultieren problematische Einstellungen seitens der betroffenen Schülerinnen und Schülern in Bezug auf das Lernen, Arbeiten und auf die von ihnen erwarteten Leistungen.14

Es gilt bei der Begabtenförderung dementsprechend um die Sicherstellung eines Interessensausbaus, damit sich hochbegabte Schülerinnen und Schüler im Kontext der Schule durch Unterforderung nicht langweilen. Des Weiteren sollten deren Potenziale erkannt und genutzt werden, damit ihre Begabungen zu Erfolgen führen, was einen Nutzen für die gesamte Gesellschaft darstellt. Alle Kinder und Jugendlichen sollten von seiten der Schule stets diejenigen Möglichkeiten dargelegt bekommen, die eine individuelle, aber auch vielseitige Entwicklung sicherstellen.15

Damit setzt auch die Begabtenförderung eine individuelle Förderung jedes einzelnen betroffenen Kindes voraus, bei der in besonderem Maße darauf abgezielt werden soll- te, dass auf die Entwicklungsbedürfnisse hochbegabter Schülerinnen und Schüler ein- gegangen wird.16

Um diese Begabtenförderung auch realistisch umsetzen zu können, wurden verschie- dene Maßnahmen erstellt, welche im Folgenden erläutert werden. Hierbei gilt es jedoch stets zu beachten, dass nicht jede Methode für jedes Kind gleichermaßen geeignet ist, weshalb es die jeweilige Sinnhaftigkeit stets zu überprüfen gilt.17 Bei den schulischen Förderungsmaßnahmen für Hochbegabte unterscheidet man in erster Linie zwischen „Akzeleration“ und „Enrichment“, was in den folgenden Unterkapiteln entsprechend ausgeführt wird.

2.1. Akzelerationsmaßnahmen:

Nach Annette Heinbokel bezeichnet der Begriff der Akzeleration

„jede Maßnahme, die es einer Schülerin oder einem Schüler ermöglicht, den vorgesehenen Lehrplan oder Teile davon früher zu beginnen, zu beenden oder schneller zu passieren, als es teils üblich, teils gesetzlich vorgesehen ist.“18

Dabei ist es wichtig anzumerken, dass es sich hierbei nicht um eine künstliche Beschleunigung der natürlichen Entwicklung handelt, sondern vielmehr um eine flexible Gestaltung des Lehrplanes, welche es möglich macht, dass sich dieser an den Fähigkeiten statt an dem Alter der Schülerinnen und Schüler orientiert. Durch die Maßnahme der Akzeleration kann für hochbegabte Kinder dementsprechend ein angemessenes Maß an Herausforderung erreicht werden.19

Somit kann als Ziel der Akzeleration definiert werden, die Schülerin beziehungsweise den Schüler auf derjenigen Ebene zu unterrichten, die der jeweiligen Begabung sowie der Motivation des betroffenen Kindes entspricht.20

Als Beispiele derartiger Maßnahmen seien die vorzeitige Einschulung und das Über- springen von Schulklassen zu nennen, wobei letzteres in allen Altersstufen ange- setzt werden kann. Neben diesen klassenstufenbezogenen Formen der Akzeleration, in denen der Hochbegabte in eine fortgeschrittene Lerngruppe oder auf eine höhe- re Lernstufe wechselt, stehen diejenigen Maßnahmen, die Southern und Jones als „individuelle Akzeleration“21 bezeichnen. Dieser wiederum gehört beispielsweise die fachspezifische Akzeleration an, die sich dadurch auszeichnet, dass der Hochbegabte in einem Fach oder sogar mehreren Fächern am Unterricht einer höheren Klassenstu- fe teilnimmt, formal allerdings in seiner altersentsprechenden Klassenstufe verbleibt. Eine weitere Möglichkeit der individuellen Akzeleration, welche allerdings überwiegend in den USA praktiziert wird, ist die Teilnahme von hochbegabten Schülerinnen und Schülern an Universitätskursen, welche sie sich zukünftig gegebenenfalls anrechnen

[...]


1 Wernstedt, Rolf / John-Ohnesorg, Marei (Hrsg.): Inklusive Bildung. Die UN-Konvention und ihre Folgen. S. 5.

2 Praetor Intermedia UG: UN-Behindertenrechtskonvention. Artikel 24.

3 Wernstedt, Rolf / John-Ohnesorg, Marei (Hrsg.): Inklusive Bildung. Die UN-Konvention und ihre Folgen. S. 5.

4 Rohrmann, Sabine / Rohrmann, Tim: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. S. 12.

5 Anderski, Christa: Begabte Kinder hoch begaben. S. 27.

6 Ebd. S. 30.

7 Ebd.

8 Ebd. S. 34.

9 Statista: Definition Normalverteilung.

10 Anderski, Christa: Begabte Kinder hoch begaben. S. 35.

11 Bachmann, Iris / Diehl, Walter et al.: Hochbegabung und Schule. S. 71.

12 Rohrmann, Sabine / Rohrmann, Tim: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. S. 147.

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Oschmann, Birgit: Individuelle Hochbegabtenförderung.

17 Oschmann, Birgit: Individuelle Hochbegabtenförderung.

18 Heinbokel, Annette: Überspringen von Klassen. S. 1.

19 Vock, Miriam / Preckel, Franzis / Holling, Heinz: Förderung Hochbegabter in der Schule. S. 51.

20 Ebd.

21 Southern, W. Thomas / Jones, Eric D.: The academic acceleration of gifted children.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Hochbegabung in inklusiven Settings. Differenzierung hinsichtlich der Begabtenförderung
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Unterrichten in inklusiven, heterogenen Lerngruppen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V370659
ISBN (eBook)
9783668481749
ISBN (Buch)
9783668481756
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochbegabung, Inklusion, Förderung, Differenzierung
Arbeit zitieren
Ina Knop (Autor), 2015, Hochbegabung in inklusiven Settings. Differenzierung hinsichtlich der Begabtenförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370659

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