Infantilisierung von Armut. Wie der soziale Status den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen beeinflusst


Hausarbeit, 2016
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFSERKLÄRUNG ARMUT
2.1 ABSOLUTES ARMUTSKONZEPT
2.2 RELATIVES ARMUTSKONZEPT
2.2.1 RESSOURCENANSATZ
2.2.2 LEBENSLAGENANSATZ
2.2.3 KINDGERECHTER ARMUTSBEGRIFF

3. KINDERARMUT IN DEUTSCHLAND
3.1 STRUKTUR UND URSACHEN VON KINDERARMUT
3.1.1 VERTEILUNG VON ARMUTSRISIKEN NACH KINDESALTER
3.1.2 VERTEILUNG VON ARMUTSRISIKEN NACH FAMILIENTYP
3.1.3 VERTEILUNG VON ARMUTSRISIKEN NACH MIGRATIONSHINTERGRUND
3.1.4 VERTEILUNG VON ARMUTSRISIKEN NACH ERWERBSSTATUS DER ELTERN

4. GESUNDHEITLICHE FOLGEN VON ARMUT FÜR KINDER
4.1 ALLGEMEINER GESUNDHEITSZUSTAND
4.2 PSYCHE UND VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN
4.3 ÜBERGEWICHT
4.4 INTERPRETATION DER ERGEBNISSE

5. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNG 1: ANZAHL UND ARMUTSRISIKOQUOTE VON KINDERN UND JUGENDLICHEN IN DEUTSCHLAND NACH DEN ALTERSKLASSEN >6, 6->15 UND 15->18, DEUTSCHLAND, 2006

ABBILDUNG 2: ANZAHL UND ARMUTSRISIKOQUOTE VON KINDERN UND JUGENDLICHEN NACH FAMILIENTYP, DEUTSCHLAND, 2006

ABBILDUNG 3: ABSOLUTE ANZAHL UND ARMUTSRISIKOQUOTE VON KINDERN NACH MIGRATIONSHINTERGRUND, DEUTSCHLAND, 2006

ABBILDUNG 4: ABSOLUTE ANZAHL UND ARMUTSQUOTEN VON NACH ERWERBSSTATUS DER ELTERN, DEUTSCHLAND, 2006

ABBILDUNG 5: ANTEIL DER KINDER MIT SEHR GUTEM ALLGEMEINEM GESUNDHEITSZUSTAND NACH SOZIALSTATUS, DEUTSCHLAND, 2003 - 2006

ABBILDUNG 6: ANTEIL DER KINDER UND JUGENDLICHEN MIT PSYCHISCHEN VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN NACH SOZIALSTATUS, DEUTSCHLAND, 2003 - 2006

ABBILDUNG 7: ÜBERGEWICHT BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN NACH SOZIALSTATUS, DEUTSCHLAND, 2003 - 2006

1. Einleitung

Seit jeher streben Menschen nach Wohlstand und Glück. Das diese beiden Qualitäten unmittelbar mit der Gesundheit zusammenhängen wird vielen in der Regel erst deutlich, wenn jene verloren gegangen ist (vgl. Unger 2007: 28). Einen besonders großen und nachhaltigen Einschnitt erleben Kinder und Jugendliche, die in Armut aufwachsen. Kinder aus sozial benachteiligten Familien entwickeln häufig Entwicklungs- und Gesundheitsdefizite, die oftmals einen langfristigen Behandlungsbedarf nach sich ziehen (vgl. Deutsches Ärzteblatt 2007: 1). Die vorliegende Hausarbeit untersucht und erläutert das Phänomen der Kinderarmut in der Bundesrepublik Deutschland. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf dem Einfluss, den Armut auf die Entwicklung eines Kindes nimmt. Armut ist ein Begriff, der bisweilen keiner genauen und operationalisierten Definition unterliegt (vgl. Groh- Samberg 2009: 83). Aus diesem Grund soll der Armutsbegriff zuerst einmal durch verschiedene Armutskonzepte näher gebracht werden. Die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Armut ist insofern notwendig, da Armut sich immer über den gesellschaftlichen Wohlstand messen lässt. Im Zuge dessen erscheint außerdem notwendig, dass der Armutsbegriff einen perspektivischen Wechsel vollziehen muss, um nachvollziehen zu können, wie Kinder Armut begreifen. In nächster Instanz werden Ursachen und Dimensionen von Kinderarmut in Deutschland verdeutlicht. Kinder werden nicht von selbst arm, Kinder werden in Armutsverhältnisse hineingeboren. Das Aufwachsen in beengtem Wohnraum, Arbeitslosigkeit der Eltern und fehlendes Geld für kulturelle, bildende oder sportliche außerfamiliäre Aktivitäten fehlt (vgl. Altgeld 2015: 2). Die daraus resultierenden Konsequenzen für die gesundheitliche Entwicklungsdimension von Kindern werden im Anschluss erläutert und dargestellt. Verschiedene Wohlstandsorganisationen untersuchen seit einiger Zeit den Einfluss der sozialen Lage auf die kindliche Entwicklung. Durch empirische Fakten und Zahlen wird dargestellt, welches Ausmaß die Kinderarmut in Deutschland hat und inwiefern dieses Ausmaß zur Beeinträchtigung der Gesundheitsqualität von Kindern beiträgt. Betrachtet werden hier die Haushaltsstrukturen in denen Familien mit Kindern leben. Im letzten Schritt der Arbeit wird der gesundheitliche Zustand von Kindern im Zusammenhang mit ihrem sozialen Status untersucht. Dabei soll beleuchtet werden welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen Kinder aus sozial schwächeren Familien erleben und wie die Verteilung der Faktoren allgemeiner Gesundheitszustand, Psyche und Verhaltensauffälligkeiten, sowie Übergewicht dargestellt ist.

2. Begriffserklärung Armut

Grundsätzlich ist Armut ein mehrdimensionaler Begriff, der sowohl materielle und immaterielle, als auch objektive und subjektive Dimensionen enthalten kann (vgl. Neumann 1999: 24f; Krämer 2000: 25f). Armut wird als Mangel an Mitteln zur Sicherung des Lebensbedarfs verstanden, wobei dieser Mangel immer im Kontext zu den jeweils historisch geltenden sozialen und kulturellen Standards einer Gesellschaft steht. Der norminativ zu bestimmende Grad des Unterschreitens eines solchen Standards bezeichnet die Armutsforschung als Armutsgrenze (Neumann 1999: 23f). Die absolute und relative Armut können als Basiskonzepte der Armut bezeichnet werden.

2.1 Absolutes Armutskonzept

Bei der absoluten Armut handelt es sich um ein Verständnis von Armut, bei der das Individuum unter einem Mangel von materiellen Lebensgrundlagen leidet. Absolute Armut orientiert sich „im Gegensatz zur relativen Armut am physischen Existenzminimum“ (Neumann 1999: 28). Die Armutsgrenze ist identisch mit der Summe der zur Erhaltung der physischen Existenz notwendigen Güter und Dienstleistungen. Absolute Armut beschreibt lebensbedrohliche Zustände, vorrangig bezogen auf Mängel in den Bereichen Kleidung, Nahrung, Trinkwasser, Unterkunft und Gesundheit. Die Bedrohung dieser Form von Armut hat in den westlichen Industrienationen weitgehend an Bedeutung verloren, da der Wohlstandsgrad soweit reicht, dass absolute Armut annähernd ausgestorben ist (vgl. Neumann 1999: 24f; Meier, Preuße, Sunnus 2003: 23; Krämer 2000: 22ff). Absolute Armut lässt sich darüber hinaus schwer auf moderne Zivilisationen beziehen, da kein eindeutig zu ermittelndes Subsistenzminimum unter Bezug verschiedener Lebensstile vorhanden ist. Außerdem bleiben spezifische Wohlstandsverhältnisse der jeweiligen Gesellschaften unberücksichtigt, sodass dieser Ansatz meist starken Bezug zur Frage nach dem physischen Überleben eines Individuums hat.

2.2 Relatives Armutskonzept

Die Armutsforschung der Bundesrepublik Deutschland konzentriert sich in erster Linie innerhalb der Forschung mit diesem grundlegenden Armutskonzept. Relative Armut definiert sich im Gegensatz zur absoluten Armut nicht über lebensbedrohliche Mängel, sondern über solche, denen materielle Güter und die soziale Lage zu Grunde liegen. (vgl. Meier et al. 2000: 22ff). Wer den in der Gesellschaft allgemein anerkannten Konsumstandard unterschreitet gilt als arm. Armut ist hier also eine Unterausstattung eines Individuums mit ökonomischen Gütern wie Einkommen, Immobilien, Kapital - aber auch Bildung und steht in Relation zum bestehenden Wohlstandsniveau der Gesellschaft. Trotz der Mehrdimensionalität der relativen Armut ist der bisweilen kontroverseste Indikator das Einkommen. Der Einkommensarmut wird sich in Europa für gewöhnlich durch das arithmetische Mittel genähert. Als arm wird laut Bundesarbeitsgemeinschaft eingestuft, wem der Zugriff auf materielle Ressourcen versperrt wird. Diese Sperre wird in folgenden Stufen definiert: 60% des Durchschnittseinkommens kennzeichnen eine armutsnahe Einkommenssituation, 50% des Durchschnittseinkommens ein mittleres Armutspotential und 40% gelten als strenge Einkommensarmut (vgl. Knapp 2004: 66ff; Gillich 2010: 1). Die Kontroverse beruht dabei darauf, dass das einerseits die Einkommensverteilung unter Bezug des Durchschnittseinkommens verschleiert wird, andererseits nur eine Umverteilung des Einkommens Veränderungen an der Armutssituation herbeiführen kann - nicht die allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen (ebenda).

Die verschiedenen Definitionsansätze der relativen Armut basieren in der Regel auf zwei Ansätzen: dem Lebenslagenansatz und dem Ressourcenansatz.

2.2.1 Ressourcenansatz

Der Ressourcenansatz innerhalb der relativen Armut ist ein grundsätzlich inputorienterter, eindimensionaler Ansatz, dem in der empirischen Armutsforschung einerseits die relative Einkommensarmut, andererseits die Sozialhilfeschwelle zugrunde liegen kann. Wie bereits erläutert bezieht sich die relative Einkommensarmut auf einen bestimmten Grad des Unterschreitens eines gewichteten Durchschnittseinkommens innerhalb einer Gesellschaft. Hierbei wird von einem Haushalt als Bezugseinheit ausgegangen (Neumann 1999: 28f). In der deutschen Armutsforschung wird das Nettoäquivalenzeinkommen einzelner Personen beziehungsweise Haushalte in Relation zu dem durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommen aller Personen beziehungsweise Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland gesetzt. Die Grenze zwischen Armut und nicht-Armut ist bei diesem Ansatz norminativ, wie bereits erläutert befindet sich die Wissenschaft bei der Armutsbestimmung zumeist im Rahmen von 40 - 60% (vgl. Neumann 1999: 30f; Neumann, Schaper 2008: 78).Die Sozialhilfeschwelle ist keine vom Gesetzgeber festgelegte Armutsgrenze (Neumann 1999: 31). Eine Person oder ein Haushalt gilt dann als arm, wenn eine Sozialhilfebedürftigkeit besteht. Diese Bedürftigkeit ist vorhanden, wenn eine Person oder ein Haushalt weniger Einkommen generiert, als das im Bundessozialhilfegesetz festgelegte Existenzminimum. Das sozio-kulturelle Existenzminimum wird dementsprechend politisch festgelegt und in Gesetzen zur Sozialhilfe verankert. Über die finanzielle Sozialhilfe hinaus können bedürftige Menschen die Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten. Diese Hilfe dient zur Überbrückung besonders schwerer Lebenslagen wie beispielsweise drohende Gesundheitsschäden (vgl. Neumann 1999: 32f; Krämer 2000: 23ff; Meier et all2003: 22ff).

2.2.2 Lebenslagenansatz

Im Gegensatz zum eher input-orientierten Ressourcenansatz richtet sich der Lebenslagenansatz weniger auf die Analyse verfügbarer Ressourcen die ein gewisses Versorgungsniveau bestimmen (vgl. Meier et al. 2003: ebenda) sondern eher auf mehrdimensionale Kriterien, die jenseits der Materialität liegen. Verschiedene Lebenslagen werden in diesem nsatz auch als „Spielräume“ bezeichnet (Neumann 1999: 26f). Hierzu zählen Versorgungs- und Einkommensspielräume die die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen bezeichnet, sowie Kontakt- und Kooperationsspielräume, die auf die bestehenden sozialen Kontakte verweist. Neben den wirtschaftlichen Faktoren besitzen auch sozio-kulturelle Spielräume eine Wichtigkeit. Der Lern- und Erfahrungsspielraum bezieht sich auf Bildungsprozesse, Qualifikationen und Sozialisationsprozesse, während der Dispositionsspielraum Möglichkeiten zu Entscheidungen der Lebensverwirklichung beinhaltet und durch den Muße- und Regenerationsspielraum sind Ausgleiche von physischen- und psychischen Belastungen gekennzeichnet (ebenda). Die Definition von Armut findet in diesem Ansatz seine Legitimation, da Unterversorgungen in den verschiedenen Spielräumen einen mehrdimensionalen Einschnitt der Lebensverwirklichung darstellen können.

2.2.3 Kindgerechter Armutsbegriff

Armut ist ein komplexes Phänomen dem man sich auf verschiedene Art und Weise nähern kann, Kinderarmut ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht absolut im Sinne von fehlenden materiellen Gütern, welche die Existenz sichern, zu verstehen. Um einen kindgerechten Armutsbegriff zu entwickeln reichen eindimensionale Konzepte wie der Ressourcenansatz nicht aus (vgl. Butterwege 2000: 21ff; Hock et al.2000: 4f). Eine Möglichkeit einen kindgerechten Armutsbegriff zu skizzieren ist die Übertragung der Lebenslage auf die kindliche Ebene. Hierbei ist zu beachten, dass die Dimensionen von Lebenslagen, die für Erwachsene wichtig sind für Kinder eine andere, eigenständige Bedeutung haben. Die Dimensionen der Lebenslagen erfahren in der kindgerechten Armutsforschung einen perspektivischen Wechsel, wodurch andere Gewichtungen und Ausprägungen zustande kommen können (vgl. Voges et al. 2003: 21ff). Zwei Ansätze die den perspektivischen Wechsel der Lebenslagen vollführen sind das erweiterte Lebenslagenmodell nach Chassé/Zander/Rasch und Das Zusammenwirken der vier Lebenslagen nach Hock/Holz. Hock/Holz nutzten in Ihrer Ausarbeitung die Konzepte des erweiterten Lebenslagenmodells von Chassé, Zander und Rasch. Die Lebenswelt von Kindern wird im erweiterten Lebenslagenmodell ebenfalls durch bereits bekannte „Spielräume“ beschrieben (vgl. Chassé et al. 2005: 62).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Infantilisierung von Armut. Wie der soziale Status den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen beeinflusst
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Armut in der Wohlstandsgesellschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V370674
ISBN (eBook)
9783668481954
ISBN (Buch)
9783668481961
Dateigröße
825 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Infantilisierung, Armut, Krankheitserreger, Unterschicht, Krankheitserreger Unterschicht, Sozial, sozialer Status, Gesundheitszustand, Kinder, Kind, Jugendliche, Jugendlicher, Beeinflussung, beeinflusst, Gesundheitszustand von Kindern, Gesundheitszustand von Jugendlichen, Wohlstand, Wohlstandsgesellschaft, Armut in der Wohlstandsgesellschaft, Absolute Armut, Relative Armut, Armutskonzept, Ressourcenasnatz, Lebenslagenansatz, kindgerecht, kindgerechter Armutsbegriff, Kinderarmut in Deutschland, Deutschland, Wohlfahrtsstaat, Kindesalter, Armutsrisiko, Armutsrisiken, Migrationshintergrund, Familientyp, Alleinerziehend, Erwerbsstatus, Eltern, Erziehung, Gesundheit, Übergewicht, Zahn, Zahnarzt, Psyche, Verhaltensauffälligkeiten, ADS, ADHS, Aufmerksamkeitsstörung, Aufmerksamkeitsdefizit, psychisch krank, Anteil Kinder, Anteil Jugendlicher, Sozialstatus
Arbeit zitieren
Martin Schnorr (Autor), 2016, Infantilisierung von Armut. Wie der soziale Status den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen beeinflusst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370674

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