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Die Nachrichtenwert-Theorie - Ein Modell journalistischer Selektionsentscheidungen

Title: Die Nachrichtenwert-Theorie - Ein Modell journalistischer Selektionsentscheidungen

Term Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Daniel Heuer (Author)

Communications - Specialized communication
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In Artikel 5 der Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland vom 23.5.1949 wird Meinungsfreiheit als wesentliches Merkmal unserer Demokratie festgeschrieben. Das Recht, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, 2 ist dem Gesetzgeber aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands derart wichtig, dass es sich hierbei sogar um ein Grundrecht [!] handelt. Das Angebot „allgemein zugängliche[r] Quellen“ übersteigt heute im Zuge mehrdimensionaler Mediennutzung bei weitem die zur Verfügung stehende Publikationskapazität traditionaler Medien. Sendezeiten sind kostspielig und knapp, und auch der Umfang von Printerzeugnissen ist nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich (Druckkosten) begrenzt. Aus dem garantierten Recht auf freiheitliche Meinungsäußerung leitet sich als Erfolgsformel daher auch die Verpflichtung der Produzenten ab, richtige Entscheidungen bei der Auswahl dessen, was als medial publikationswürdig betrachtet wird, zu treffen. Doch wie werden solche „richtigen“ Entscheidungen getroffen? Wer bestimmt, was richtig ist und wichtig wird? Können sich Rezipienten tatsächlich
„ungehindert […] unterrichten“3? Die Unmöglichkeit, alle Weltereignisse in ihrer Gesamtheit erfahren zu können, greift auch die Publizistikforschung bei der Untersuchung der Nachrichtenauswahl von Massenmedien auf. Populär sind dabei seit den 1950er Jahren die drei Forschungstraditionen Gatekeeper-Forschung, News-Bias- Forschung und die Nachrichtenwert-Theorie. Anzumerken ist, dass sich diese Konzepte untereinander nicht ausschließen, sondern teilweise ergänzen, und darum eine trennscharfe Unterscheidung weder eindeutig noch notwendig ist. 4 Die gemeinsame Frage der Ansätze lautet, von welchen Faktoren journalistische Selektionsentscheidungen letztendlich abhängen. Um eine Antwort darauf zu finden, wird die letztgenannte Nachrichtenwert-Theorie in den Fokus dieser Hausarbeit gerückt, wobei der Schwerpunkt auf die Darstellung der europäischen Forschungstradition nach Galtung und Ruge (1965) gelegt werden soll. 2 o.V. (1949): Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5, Absatz 1 3 ebd. 4 Vgl. Staab, Joachim-Friedrich (1996): Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Verlag Karl Alber. Freiburg/München, S. 11ff.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Nachrichtenauswahl der Massenmedien

2.1. Die Notwendigkeit der Nachrichtenauswahl

2.2. Abgrenzung der Nachrichtenwert-Theorie zu anderen Forschungstraditionen

3. Die Nachrichtenwert-Theorie

3.1. Die Grundidee: Walter Lippmann

3.2. Die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie in Amerika

3.3. Die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie in Europa

3.3.1. Einar Östgaard

3.3.2. Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge

3.3.2.1. Der Nachrichtenfaktorenkatalog von Galtung und Ruge

3.3.2.2. Die fünf Hypothesen über das Zusammenwirken der Nachrichtenfaktoren

3.3.2.3. Die Überprüfung der Komplementaritätshypothese: Vier Feststellungen

3.3.3. Folgestudien und Akzeptanz

4. Kritiker der Nachrichtenwert-Theorie und Anfänge einer Verbesserung

4.1. Winfried Schulz

4.2. Karl Erik Rosengren

5. Forschungsteil: Wie wurde der Fußballwettbetrugsskandal zum Medienthema?

5.1. Die Erfüllung der Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge

5.2. Die Einbindung des Ereignisses in einen Gesamtkontext

5.3. Weitere Einflüsse auf die Berichterstattung der Medien

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

7.1. Literatur

7.2. Zeitschriften, Gesetzestexte

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Nachrichtenwert-Theorie und analysiert deren Anwendung sowie Validität anhand eines aktuellen Fallbeispiels. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwieweit journalistische Selektionsentscheidungen tatsächlich durch klassische Nachrichtenfaktoren determiniert werden und welche zusätzlichen Einflussfaktoren bei der Themenwahl eine Rolle spielen.

  • Historische Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie (USA und Europa).
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Hypothesen von Galtung und Ruge.
  • Analyse der Medienberichterstattung zum Fußballwettbetrugsskandal 2005.
  • Diskussion über das Verhältnis von objektiver Realität und medialer Konstruktion.
  • Rolle von ökonomischen Zwängen und Publikumsorientierung in der Nachrichtenproduktion.

Auszug aus dem Buch

3.3.2.1. Der Nachrichtenfaktorenkatalog von Galtung und Ruge

Wesentlich zentraler als diese Erkenntnis lösen sie Östgaards Faktorenkomplexe wieder auf und modifizieren die bestehende Einteilung, sodass sie letztendlich - wesentlich umfangreicher als in der amerikanischen Forschungstradition - zwischen 12 Nachrichtenfaktoren unterscheiden, von denen sie acht als kulturunabhängig und vier als kulturabhängig charakterisieren. Als kulturunabhängig betrachten sie Frequenz, Aufmerksamkeitsschwelle, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit, Konsonanz, Überraschung, Kontinuität und Variation, als kulturabhängig werden der Bezug zu Elite-Nationen, der Bezug zu Elite-Personen, Personalisierung und Negativität genannt. Die folgende Charakterisierung dieser Nachrichtenfaktoren stützt sich auf die Erläuterungen von Staab:

(1) Frequenz meint den zeitlichen Aspekt, den ein Geschehen braucht, um bedeutsam zu werden. Kurzfristigen Ereignissen werden somit höhere Beachtungswerte beigemessen, da auch die Erscheinungsfrequenz von Tageszeitungen kurz ist. Als (2) Aufmerksamkeitsschwelle wird die zu überwindende Nachrichtenbarriere bezeichnet. Aufmerksamkeit wird durch die Intensität eines Ereignisses beeinflusst, die umso höher ist, je mehr Nachrichtenfaktoren zusammenwirken. Grundbedingung dafür ist die Möglichkeit, das Ereignis überhaupt wahrnehmen zu können. Unter (3) Eindeutigkeit ist die inhaltliche und strukturelle Einfachheit von Ereignissen zu verstehen. Je einfacher eine Nachricht zu rezipieren ist, desto eher berichten Massenmedien über sie. Dieser Nachrichtenfaktor lehnt sich stark an den Faktorenkomplex Simplifikation nach Östgaard an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Verständnis von Meinungsfreiheit und die Notwendigkeit journalistischer Selektion im Kontext der Nachrichtenwert-Theorie.

2. Die Nachrichtenauswahl der Massenmedien: Dieses Kapitel erläutert die gatekeeping-relevanten Herausforderungen bei der Nachrichtenbeschaffung und ordnet die Nachrichtenwert-Theorie in die bestehenden Forschungstraditionen ein.

3. Die Nachrichtenwert-Theorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen, beginnend bei Walter Lippmann, über die US-amerikanische Forschung bis hin zum zentralen europäischen Modell von Galtung und Ruge, detailliert dargelegt.

4. Kritiker der Nachrichtenwert-Theorie und Anfänge einer Verbesserung: Winfried Schulz und Karl Erik Rosengren werden als maßgebliche Kritiker vorgestellt, die das Konzept der Nachrichtenfaktoren hinterfragen und den Blick auf die mediale Konstruktion von Realität schärfen.

5. Forschungsteil: Wie wurde der Fußballwettbetrugsskandal zum Medienthema?: Anhand des Falls Hoyzer wird praktisch untersucht, wie Nachrichtenfaktoren wirken und durch welche externen sowie ökonomischen Einflüsse ein Thema auf die Titelseiten gelangt.

6. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die heutige Relevanz der Nachrichtenwert-Theorie unter Berücksichtigung von Entertainment-Faktoren und medienökonomischen Aspekten.

Schlüsselwörter

Nachrichtenwert-Theorie, Nachrichtenfaktoren, journalistische Selektion, Gatekeeper-Forschung, Medienrealität, Galtung und Ruge, Nachrichtenbarriere, Berichterstattung, Massenmedien, Fußballwettbetrugsskandal, Publizistikforschung, Medienkonstruktion, Nachrichtenselektion, Unterhaltungswert, Pressefreiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der Nachrichtenwert-Theorie und hinterfragt, wie Ereignisse zu medialen Nachrichten werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Fokus stehen die Nachrichtenfaktoren, die journalistische Selektionspraxis, die mediale Konstruktion von Wirklichkeit sowie die Kritik an klassischen Theorien.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Es wird untersucht, ob journalistische Auswahlentscheidungen allein durch Nachrichtenfaktoren erklärbar sind oder ob weitere, externe Einflüsse eine entscheidende Rolle spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Forschungsliteratur sowie eine fallbezogene, explorative Analyse anhand des Fußballwettbetrugsskandals 2005.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Modelle (Lippmann, Östgaard, Galtung/Ruge), die methodische Kritik (Schulz, Rosengren) und den empirischen Forschungsteil zum Wettskandal.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Nachrichtenwert-Theorie, Nachrichtenfaktoren, Medienrealität und journalistische Selektionsentscheidungen.

Wie bewertet der Autor das Modell von Galtung und Ruge heute?

Der Autor hält das Modell für einen wertvollen und hilfreichen Ansatz zur Abstraktion, sieht jedoch in der zunehmenden Unterhaltungsorientierung und ökonomischen Lenkung neue Herausforderungen, die das Modell allein nicht abdecken kann.

Warum wird der Fußballwettbetrugsskandal als Fallbeispiel genutzt?

Dieses Ereignis dient als ideale Illustration, da es weit über ein reines Sportthema hinausgeht und durch eine hohe Dichte an Nachrichtenfaktoren sowie externe medial-ökonomische Einflussfaktoren besticht.

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Details

Title
Die Nachrichtenwert-Theorie - Ein Modell journalistischer Selektionsentscheidungen
College
University of Lüneburg  (Angewandte Kulturwissenschaften)
Course
Kommunikation und Medien - Einführung in Theorie und Geschichte
Grade
1,0
Author
Daniel Heuer (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V37068
ISBN (eBook)
9783638365208
Language
German
Tags
Nachrichtenwert-Theorie Modell Selektionsentscheidungen Kommunikation Medien Einführung Theorie Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Heuer (Author), 2005, Die Nachrichtenwert-Theorie - Ein Modell journalistischer Selektionsentscheidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37068
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