"Kinder sollen glücklich sein – heute schlägt sich dieses Postulat in unzähligen Ratgebern nieder […] und niemand kann dem Postulat so recht widersprechen." (Oelkers 2011) Doch was genau ist mit "glücklich sein" gemeint und wie kann man Kindern das beibringen? Diese Fragen sind aufgrund der Annahme, dass Glück auf unterschiedliche Weise begriffen werden kann, nicht einfach zu beantworten. Schulen haben zweifellos einen wichtigen und umfangreichen Bildungsauftrag. Jedoch ist fraglich, ob es auch ihre Aufgabe sein soll, Kinder glücklich zu machen. Der Psychologe Martin Seligman (2011) nennt zwei Gründe, warum Wohlbefinden an Schulen gelehrt werden sollte: "die gegenwärtige Flut von Depression und die nur dem Anschein nach vorhandene Zunahme von Glück während der letzten beiden Generationen." Außerdem stellt er fest, "dass größeres Wohlbefinden das Lernen fördert, was ein traditionelles Ziel der Erziehung ist" (ebd.).
In dieser Bachelorarbeit werde ich mich mit den folgenden Forschungsfragen befassen:
1. Warum sollten Schüler Kompetenzen zum Glücklich-sein an Schulen erlernen?
2. Wie können Schulen das Glück der Schüler erhöhen?
Um diese Fragen beantworten zu können, werde ich zunächst die Bedeutung des Begriffs "Glück" darstellen. Danach erläutere zwei seit der Antike bestehenden Sichtweisen auf das Glück – den Hedonismus und den Eudaimonismus. Diese verschiedenen Ansätze bringt der Psychologe und Begründer der positiven Psychologie Martin Seligman in seiner Theorie des Wohlbefindens (PERMAModell) zusammen. Zudem werde ich diskutieren, inwieweit Geld glücklich macht und ob auch unsere Gene eine Rolle beim Glücksempfinden spielen. Warum immer mehr Menschen an psychischen Störungen leiden und wie man dem entgegenwirken kann, möchte ich im nächsten Schritt erläutern. Anschließend stelle ich im zweiten Teil der Arbeit das "Schulfach Glück" von Ernst Fritz-Schubert vor und untersuche, ob dieses Konzept möglicherweise ausreicht, um Schüler glücklicher zu machen. Im nächsten Schritt lege ich die Kritikpunkte am deutschen Schulsystem dar, welche für das Glücksempfinden der Schüler hinderlich sind.
Abschließend gehe ich noch auf das Konzept der Montessori-Pädagogik ein, welches in Deutschland an vielen Alternativschulen angeboten wird. Hier prüfe ich, inwieweit das Konzept Schüler glücklicher machen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über das Glück
2.1. Zum Glücksbegriff
2.2. Eudaimonismus versus Hedonismus
2.2.1. Eudaimonismus
2.2.2. Hedonismus
2.2.3. Lust und Tugend – Zusammenspiel statt Gegensatz
2.3. Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie
2.3.1. Das PERMA-Modell nach Martin Seligman
2.3.2. Genetische Aspekte des Glücks
2.3.3. Macht Geld glücklich?
2.4. Anpassungs-Diskrepanz zwischen Steinzeit-Gehirn und Kulturwelt
2.5. Zusammenfassung
3. Glück in der Bildung
3.1. Effekte von Glückserleben auf kognitive Fähigkeiten
3.2. Schulfach Glück
3.2.1. Evaluation
3.2.2. Bewertung
3.3. Schulkritik
3.4. Die Montessori-Pädagogik
3.4.1. Studie von Rathunde & Csikszentmihalyi
3.4.2. Bewertung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung einer glücksförderlichen Bildung an Schulen, um Schülern notwendige Selbstkompetenzen zu vermitteln und ihr Wohlbefinden angesichts steigender Depressionsraten und Leistungsdruck zu erhöhen.
- Philosophische Grundlagen des Glücks (Hedonismus vs. Eudaimonismus)
- Positive Psychologie und das PERMA-Modell von Martin Seligman
- Einflussfaktoren auf das Glück (Genetik, Geld, evolutionäre Anpassung)
- Analyse des "Schulfach Glück" als pädagogisches Konzept
- Vergleichende Betrachtung der Montessori-Pädagogik
Auszug aus dem Buch
3.1. Effekte von Glückserleben auf kognitive Fähigkeiten
Eine Schule, in der man auf glückliche Schüler Wert legt, klingt zunächst nach einem vielversprechenden Konzept. Aber wie genau beeinträchtigen Stimmungen unsere kognitiven Fähigkeiten? In der Positiven Psychologie wurden dazu verschiedenen Experimente durchgeführt, welche die Effekte von Glückserleben auf die Kognitionen erforschen.
Kant war der Meinung, dass Gefühle die Vernunft beeinträchtigen und sich Bildung daher von Emotionen lösen muss (vgl. Bucher 2009, S.143). Seit der kognitiven Emotionstheorie von Lazarus gilt die Trennung von Kognitionen und Emotionen jedoch als überholt. Alles was wir tun, geschieht in einer bestimmten Stimmung, so auch das Lernen (vgl. ebd). Dazu hat der Gehirnforscher Spitzer 2002 (S. 167) herausgefunden, dass Lernen bei guter Laune am besten funktioniert. Zudem gelingen Tätigkeiten, wie Lesen oder Memorieren in positiver Stimmung besser.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfragen zur Relevanz von Glückskompetenzen an Schulen und der Zielsetzung der Arbeit.
2. Über das Glück: Theoretische Herleitung der Glücksbegriffe, philosophische Strömungen und Erkenntnisse der Positiven Psychologie inklusive der Einflussfaktoren wie Genetik und Geld.
3. Glück in der Bildung: Untersuchung der pädagogischen Integration von Glück, beleuchtet durch das "Schulfach Glück", Montessori-Konzepte und Kritik am leistungsorientierten Schulsystem.
4. Fazit: Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse und Plädoyer für die Vermittlung von Selbstkompetenzen zum persönlichen Glück im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Glück, Wohlbefinden, Positive Psychologie, Eudaimonismus, Hedonismus, PERMA-Modell, Schulfach Glück, Montessori-Pädagogik, Leistungsorientierung, Bildung, Schulkritik, Resilienz, Flow, Selbstwirksamkeit, psychische Gesundheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie Schulen dazu beitragen können, das Glück der Schüler zu fördern und welche Bedeutung die Vermittlung von Glückskompetenzen für die Persönlichkeitsentwicklung hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die philosophische und psychologische Definition von Glück, die Rolle der Positiven Psychologie im Bildungskontext sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem aktuellen, leistungsorientierten Schulsystem.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu erörtern, warum Schüler Kompetenzen zum Glücklichsein erlernen sollten und welche praktischen Ansätze, wie das "Schulfach Glück" oder die Montessori-Pädagogik, zur Erhöhung des schulischen Wohlbefindens beitragen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene psychologische Theorien, pädagogische Konzepte und empirische Studien (z.B. Evaluationen zum Schulfach Glück und Montessori-Studien) systematisch ausgewertet und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der Positiven Psychologie, die Analyse der Kritik am gegenwärtigen Schulsystem sowie die Vorstellung und Bewertung spezifischer pädagogischer Konzepte zur Glücksförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Glück, Wohlbefinden, Positive Psychologie, PERMA-Modell, Schulfach Glück, Montessori-Pädagogik und Schulkritik definiert.
Wie unterscheidet sich die Montessori-Pädagogik in Bezug auf das Schülerglück vom herkömmlichen Unterricht?
Im Gegensatz zum herkömmlichen Unterricht, der oft stark auf Leistung und Vorgaben fixiert ist, legt die Montessori-Pädagogik Wert auf Freiarbeit und individuelle Förderung, was laut den untersuchten Studien zu häufigeren Flow-Erlebnissen und höherer intrinsischer Motivation führt.
Warum hält der Autor die Anpassungs-Diskrepanz zwischen Steinzeit-Gehirn und Kulturwelt für relevant?
Die Anpassungs-Diskrepanz erklärt, warum trotz materiellen Wohlstands psychische Belastungen zunehmen, da unser Gehirn evolutionär auf Gefahrensuche programmiert ist, was in der komplexen modernen Welt psychosozialen Dauerstress erzeugt.
Welche Rolle spielt das PERMA-Modell bei der Bewertung der pädagogischen Konzepte?
Das PERMA-Modell von Martin Seligman dient als theoretischer Maßstab, um zu prüfen, inwieweit die untersuchten Konzepte (Schulfach Glück und Montessori) Aspekte wie Engagement, positive Beziehungen, Sinn und Zielerreichung abdecken und somit das Wohlbefinden stützen können.
- Arbeit zitieren
- Angelina Störzer (Autor:in), 2016, Glück an Schulen. Über die Notwendigkeit und Umsetzung einer glücksförderlichen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370771