Die Rolle der Frau in der indischen Reformbewegung


Hausarbeit, 2012

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die indische Reformbewegung im historischen Kontext

3 Fraktionen und Ziele der Reformbewegung
3.1 Die Frauenrechtsbewegung
3.2 Die Nationalbewegung

4 Die Sarda Act-Debatte

5 Funktion der Frau im indischen Nationalismus

6 Die gesellschaftliche Funktion des Frauenbildes

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Antiplagiatserklärung

1 Einleitung

Das späte neunzehnte Jahrhundert war ein Zeitraum in dem tiefgreifende gesellschaftliche Transformationen stattfanden. Angefangen bei der Abschaffung der Sklaverei in beinahe allen Teilen der Welt, über die (erzwungene) Öffnung vieler asiatischer Märkte für den westlichen Handel bis hin zur Einführung des allgemeinen Wahlrechts (für Männer) in den meisten europäischen Ländern. Auch im kolonialen Indien formierten sich Gruppierungen die für gesellschaftliche Neuerungen eintraten und mehr Partizipationsmöglichkeiten einforderten.

Doch obwohl all diese Reforminitiativen einer patriarchalischen Gesellschaft entsprangen und diese männliche Dominanz auch nur selten hinterfragt wurde, spielten hierbei trotzdem, vor allem in Indien Frauen eine zentrale Rolle. Zum einen weil sie hier zum ersten Mal selbst als bedeutende Akteure auftreten und beginnen sich selbst zu organisieren. Zum anderen weil „die Frau“ in der neu entstehenden, indischen Nationalidentität eine zentrale Rolle einnimmt. Zwar tauchen Frauen oft als Symbol für „die Nation“ auf, wie beispielsweise die Germania in Deutschland, Marianne in Frankreich oder „Lady Liberty“ (alias Freiheitsstatue) in den USA. Dennoch war die Situation von Frauen in Indien wesentlich häufiger Gegenstand reformorientierter Debatten und Gesetzgebungen als dies in anderen Ländern der Fall war. Die aufsteigende bengalische Mittelschicht, die die verschiedenen Reforminitiativen im Wesentlichen trug, stand zu dem in dem Widerspruch, den als rückständig empfundenen Zustand des Landes an das „britische-aufgeklärte Niveau“ anzupassen und gleichzeitig eine indische Identität zu konstruieren, die sich in Abgrenzung zu den Kolonialherren definierte. In diesem Spannungsfeld aus sich neu definierenden Rollen und Identitäten war die Positionierung der indischen Frauen von zentraler Bedeutung.

Daher soll im Folgenden die Rolle der Frauen hinsichtlich ihrer Funktion für die indische Reformbewegung, sowie den indischen Nationalismus untersucht werden, um zu einer Einschätzung zu gelangen, ob die zu beschreibenden historischen Prozesse bzw. deren Ergebnisse für die indischen Frauen als emanzipatorisch bezeichnen werden können.[1]

2 Die indische Reformbewegung im historischen Kontext

Nach der Niederschlagung des Aufstandes von 1857 begann die koloniale Regierung den Zugang für Inder zu öffentlichen Ämtern durch die Handhabe einer restriktiven Verwaltung zu erschweren, was in krassem Widerspruch stand, zu den sich unter der Bildungselite verbreitenden liberalen Vorstellungen, vom mündigen Bürger[2]. Zudem versuchten die Briten den ökonomischen Aufstieg vor allem der bengalischen Mittelschicht zu verhindern, indem sie gezielt Moslems und Sikhs in Militär und Landwirtschaft bevorzugte, um sich so eine langfristig loyale Fraktion zu schaffen[3].

Als Reaktion darauf gründete sich 1885 der Indian National Congress (INC) aus Angehörigen der gebildeten, bengalischen Elite, der sich zunächst als loyale Opposition verstand und in erster Linie durch gelegentliche Petitionen an die koloniale Administration agierte.

Ausgangspunkt dieser Bestrebungen zur Teilhabe war die britische Kolonialpolitik selbst, die im Zuge der „Civilcing Mission“, ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vermehrt Schulen und erstmals auch Universitäten gründen, was zunächst v.a. unter den bengalischen Eliten eine westlich gebildete Schicht hervor brachte[4].

Da die Partizipationsbestrebungen stets gegen den kolonialen Machtapparat behauptet werden mussten, der diese zu unterbinden versuchte geriet die Reformbewegung in eine zunehmend oppositionelle Haltung[5].

3 Fraktionen und Ziele der Reformbewegung

3.1 Die Frauenrechtsbewegung

Ein Punkt, der die indische Reformbewegung wesentlich von ihren europäischen Äquivalenten unterscheidet, ist die Rolle, die Frauen darin spielten.

„Unlike other nationalist movements of this period, the connection between women's rights and nationalism in India was continuing and long-standing.“ [6]

Die inhaltliche und agitatorische Überschneidung der beiden Bewegungen hängt unter anderem damit zusammen, dass die als unterdrückte empfundene Situation in der sich viele Frauen befanden oft nicht als Konsequenz, sondern als Ursache gesellschaftlicher Missstände gedeutet wurde und Frauenemanzipation und Bildungszugang somit als Beitrag zur Aufhebung dieser Missstände galten[7].

Diese enge Verknüpfung lässt sich exemplarisch anhand der 1917 gegründeten „Women's Indian Association“ (WIA) veranschaulichen. Sie forderte u.a. mehr Bildung für Frauen, sowie ein aktives und passives Wahlrecht.

„Men and women are not the same, as I fancy some of the reformers in England are inclined to think … and it is on that difference that I would base my plea for the recognition of women in public, as well as in social life of the nation. … [While] the average man has much more initiative than the average woman, a woman's brain excels at a mastery of administrative details which makes her most valuable where organization is concerned, … particularly of hospitals, schools and social work organizations where her maternal instincts can be usefully extended.” [8]

Annie Besant, die erste Vorsitzende der WIA, argumentiert hier nicht etwa auf einer moralischen oder materialistischen Ebene für mehr Frauenpartizipation, sondern auf einer biologistischen, indem sie sich auf vermeintlich „natürlich-weibliche“ Eigenschaften beruft. Die mit diesen Eigenschaften verbunden Aufgaben im öffentlichen Leben (Verwaltung und Betreuung von Schulen, Krankenhäuser etc.) können demnach von Männern nicht oder nur unzureichend ausgeführt werden, wodurch die Beteiligung von Frauen in der Öffentlichkeit zum nationalen Interesse erklärt wird. Dem entsprechend wird die „traditionelle“ Rollenaufteilung, wonach die Frau sich in erster Linie um Haushalt und Kinder zu kümmern hat auch nicht hinterfragt, sondern die Forderung nach Bildung passt sich diesem Rollenverständnis sogar an.

„The question of a healthier nation was integrally related to getting women to perform their domestic labour more effectively, intensively and scientifically, while statistics of infant mortality and morbidity, collected from the 20th century onwards, began to quantify the national state of healthy mothering.“ [9]

Das heißt, unter Frauenbildung wurde primär die Bildung verstanden, die ihnen ermöglichen sollte einen „effektiveren und hygienischeren“ Haushalt zu führen, was letztlich eine Maßnahme zur Senkung der Kindersterblichkeitsrate sein sollte. Auch hier macht die Argumentation der frühen indischen Frauenrechtsbewegung ihre Forderung zu einer Sache von nationaler Bedeutung.

3.2 Die Nationalbewegung

Die neu entstehenden Nationalbewegung hatte sich durch ihre Sozialisierung in den britischen Bildungseinrichtungen eine westlich-liberale Gesinnung zu eigen gemacht und strebte nun nach gesellschaftlicher Teilhabe sowie politischer Mitgestaltung[10].

Trotz ihrer indisch-patriotischen Haltung, verstand sich der Großteil der nationalistischen Reformer als loyale Bürger des Empire; namentlich der Indian National Congress hielt dem Raj lange Zeit die Treue, so dass er trotz seiner teils oppositionellen Haltung, in gewissem Maße zur Stabilisierung der britischen Herrschaft beitrug[11].

Der Grund dafür ist, dass die britische Behauptung von der „indischen Rückständigkeit“, die in erster Linie zur Herrschaftslegitimierung nach dem Konzept der „Civilising Mission“ diente, von weiten Teilen der Reformbewegung übernommen wurde[12]. Das heißt, man erhoffte sich mit Hilfe der Briten ein modernes, aufgeklärtes Indien zu schaffen, das als solches von der Welt als gleichberechtigte Nation wahrgenommen wird[13].

Mit diesem Ansatz, der konsequent zu Ende gedacht die britische Herrschaft in Indien obsolet machen würde, bewegten sich die Reformer in einem enormen Spannungsfeld. Einerseits war die britische Herrschaft in diesem Verständnis zumindest hilfreich bei der „Modernisierung“ des Landes, andererseits wurde gerade dadurch die Konstruktion einer nationalen, indischen Identität notwendig, die sich nur in Abgrenzung zu den Kolonialherren definieren konnte.

„Inspired and influenced by Western ideas, these reformers were also conversant with their own traditions” [14]

Indische Traditionen, galten den Reformern also keineswegs als eine zu überwindende Angelegenheit, sondern als Bestandteil der nationalen-kulturellen Identität.

Die gesellschaftlichen Vorstellungen der nationalistischen Reformer waren zwar nicht homogen, lassen sich jedoch zu einem gewissen Grundkonsens zusammenfassen. So verlangte, der hier exemplarisch genannte INC vor allem, dass die Individuen ihre Interessen sowie die ihrer Kaste oder Religionsgemeinschaft etc. strikt denen der neu zu schaffenden indischen Nation unterordnen sollten[15]. In diesem Sinne strebte die Reformbewegung eine egalitäre Gesellschaft, auf der Basis von Nationalstaatlichkeit an.

Trotzdem waren die Reformer nach wie vor in einem patriarchalen Denken verhaftet, was sich nicht nur ideologisch, sondern vor allem auch in deren Praxis manifestierte. So konstatiert Forbes dem INC:

“At the time of the second franchise discussion the INC expected women's organizations to follow their lead. They left the women out of the major discussions, yet counted on their complete solidarity” [16]

4 Die Sarda Act-Debatte

Eines der Kernthemen der britischen „Zivilisierungsmission“ in Indien war stets die Position der Frauen, die als entrechtet und unterdrückt gedeutet wurde, sodass sich die Kolonialmacht zur Schutzmacht der Frauen vor ihren „despotische“ Männern gerieren konnte[17]. Auch für die Reformbewegung war der Status der Frauen ein zentrales Anliegen, jedoch nicht nur in sozial-reformatorischer Hinsicht, sondern auch als Messlatte für den „Entwicklungsgrad“ der Nation[18]. Dementsprechend heftig wurde auch der „Child Marriage Restraint Act“ (bzw. Sarda Act) diskutiert, der im Wesentlichen eine Anhebung des Alters zu Ehemündigkeit und Ehevollzug (auf 14 Jahre für Mädchen und 18 Jahre für Jungen) zum Thema hatte.

„We are today on our trail before the civilized nations of the world, and the measure of the Assembly's support to the Sarda Bill will be the measure of our fitness to rank among those nations.“ [19]

Der Anspruch den Nehru hier an die Reform stellt verdeutlicht, die identitätsstiftende Bedeutung, die der Sarda Act für die junge Nationalbewegung hatte. Dies mag absurd wirken angesichts der Tatsache, dass der Age of Consent Act 1891 noch auf heftigen Widerstand in der indischen Bevölkerung stieß. Einer der Gründe für diesen überraschend anmutenden Wandel ist die wachsende Rivalität zwischen den Staaten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, in deren Folge eine möglichst niedrige Kindersterblichkeit (und damit eine wachsende Bevölkerung) einen entscheidenden Konkurrenzvorteil darstellte und eine höheres Heiratsalter galt als Garant für gesünderen Nachwuchs[20]. Doch auch die wachsende Bedeutung der Gesundheitspolitik im Zuge medizinischen Fortschritts rückten den familiären, „privaten“ Bereich, in den Fokus der Öffentlichkeit, da man hier einen entscheidenden Ansatzpunkt zur Hebung der nationalen Gesundheit und damit des „zivilisatorischen Niveaus“ der gesamten Nation sah[21]

Die Debatte um den Sarda Act war aber vor allem für die Frauenorganisationen ein entscheidender Wendepunkt da, Frauen hier nicht nur Gegenstand der Diskussion waren, sondern erstmals auch als bedeutende Akteure auftraten[22]. Dies wiederum hatte Auswirkungen, die weit über die Frauenrechtsorganisationen selbst hinausgingen:

„The mobilization of a gender identity as women, beyond the collective identities of communities, formed the basis for a novel political universality in public realm. The lineage of a revised nationalist politics, centered on the nation-state formation and on the citizen-subject can be traced to the effects of this rhetorical invention in the public realm of a universalizing identity – “women”” [23]

Die Definition des Einzelnen als bürgerliches Subjekt in einem indischen Nationalstaat, so Mrinalini Sinha, basiert also letztlich auf dem Durchbrechen der verschiedenen Identitäten wie Religionszugehörigkeit und Kaste etc. durch die Funktion, die „die Frau“ in der Diskussion um und durch den Child Marriage Restraint Act einnimmt. Denn dieser galt unabhängig von Religionszugehörigkeiten, wie etwa das Sativerbot 1829, das ausschließlich Hindus betraf[24].

Hier wird ersichtlich, dass die Art und Weise in der die Debatte stattfand, vor allem aber die Rolle, die Frauen darin sowohl als Subjekt als auch Objekt einnahmen konstituierend war für den frühen indischen Nationalismus war.

5 Funktion der Frau im indischen Nationalismus

Wie bereits in Kapitel 3.2. geschildert, bewegte sich die indische Reformbewegung in einem Spannungsfeld aus Adaption britischer Ideologie zur Herrschaftslegitimation (also der angeblichen Rückständigkeit Indiens und dem daraus resultierenden Reformbedarf) sowie einer sich in Abgrenzung zu den Briten definierenden indischen Nationalidentität. Dies war für den indischen Nationalismus ein heikler Punkt, denn die Nation an sich sollte ja einem „westlichen Standard“ entsprechen, sodass für den „traditionell-indischen“ Aspekt der zu kreierenden Identität ein eigener Raum gefunden werden musste.

„In addition, they [the women] were conceived of as bulwarks protecting what was seen as the „uncolonized“ space of the home against an outside world dominated by colonial values.“ [25]

In dieser Vorstellung repräsentiert die Frau das Häusliche und das Familienleben. Dieses wiederum wird mit dem „ursprünglich Indischem“ gleichgesetzt, wodurch das vermeintlich Private zu einem Bestandteil der Nationalidentität und damit der Öffentlichkeit wird. In ihrer repräsentativen Funktion wird die Mutter also zur „Mutter der Nation“.

Die symbolische Bedeutung, die Frauen hier in der Funktion als Mutter zukommt, ist vor allem im Bezug auf das Verhältnis von Kollektiv und Individuum in der Nation relevant.

„In the symbol of the woman's body as nation, the physical health of mothers became important for the reforming middle classes, whether metropolitan or colonized, to claim the moral right to regulate bodies, minds and populations.” [26]

Die in Kapitel 4 angesprochene Bedeutung, eines möglichst hohen Bevölkerungswachstums, um in der internationalen Staatenkonkurrenz „wettbewerbsfähig“ zu bleiben kommt hier erneut zum Tragen. Denn um dieses Ziel - das die gesellschaftliche Funktion von Frauen letztlich auf die reine Reproduktion reduziert - zu erreichen muss die Nation Zugriff auf die Mütter haben, was in diesem Fall über Gesundheitspolitik und Heiratsgesetzgebung in Form des Sarda Act geschah. Das bedeutet, dass die gesetzliche Regulierung von Frauen im neuen indischen Nationalismus die wesentliche Schnittstelle zwischen dem Kollektiv und dem Individuum darstellt.

In der Rolle die den Frauen als Mütter zu kam, wurde die Nation also vom Konstrukt zur gesellschaftlichen Realität.

6 Die gesellschaftliche Funktion des Frauenbildes

Frauen erfuhren im Zuge der nationalistischen Reformbewegung eine ideologische Aufladung als „Hüterin der Tradition“ einerseits und nahmen im Konzept Nation eine strukturelle Schlüsselposition ein. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen für den gesellschaftlichen Alltag.

Bereits im Zuge der Debatte um den Child Marriage Restraint Act traten viele Befürworter der Reform als heftige Gegner der Prostitution auf, da sie die Übertragung von Krankheiten befürchteten, was wiederum die „Volksgesundheit“ gefährden würde[27]. Hier zeichneten sich bereits erste Konsequenzen des neu entstehenden Frauenbilds ab.

„In an era of competing nationalism throughout the world, the metaphor, of the woman's body as a nation valorised only certain roles for women, with other feminine identities being devalued or marginalised.” [28]

Weibliche Identitäten jenseits des Typus der Mutter galten nun also als minderwertig, was auch naheliegend ist, da die Art und Weise wie dieser in das Konzept der Nation eingebunden war schlichtweg keinen Platz für „Zwischenräume“ lies. Stattdessen produzierte sie eine krasse Dichotomie, die nur noch die Kategorien respektable Mutter auf der einen und Prostituierte auf der anderen Seite kannte[29].

Die Ansprüche die das Frauenbild der Reformbewegung an die einzelnen Frauen stellte beinhalteten jedoch noch weitere Formen sozialer Ausgrenzung.

“Since the elevated nutritional, hygienic and educated standards were difficult to achieve by the majority of the working-class or peasant women, they became a mark of differentiation within India itself. The “new woman’s” access to education and hygienic knowledge symbolically defined the new boundaries of the “respectable” community within India itself.” [30]

Die genannte Unterscheidung von Frauen in respektabel und unrespektabel wurde also letztlich indirekt auch anhand ökonomischer Kriterien vollzogen. Somit verstärkte das in der Reformbewegung entstandene Frauenbild, bzw. die Rolle die ihm zu kam, bestehende soziale Unterschiede und Ausgrenzungsmechanismen

und erschuf wie im Falle der Mutter-Prostituierte-Dichotomie auch neue.

7. Fazit

Die verschiedenen Reforminitiativen, die im Indien des ausgehenden neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts stattfanden waren ein Wendepunkt in der Geschichte des Raj. Die Reformen wurden nun nicht mehr in erster Linie gegen die Bevölkerung durchgesetzt, sondern viel mehr von indigenen Akteuren eingefordert. Dies geschah vor allem unter dem Vorzeichen des neuen indischen Nationalismus, der langfristig die Schaffung eines Nationalstaats nach westliche-liberalem Vorbild zum Ziel hatte.

In den Bestrebungen dies zu erreichen, bzw. den daraus resultierenden Ideologien spielten Frauen eine vielseitige Rolle die ihnen teils mehr Freiheiten einbrachte aber oft auch neue Repressalien und Ausgrenzungsmechanismen schuf.

So erscheinen Forderungen der Frauenrechtsorganisationen nach einer für die Haushaltsführung eingerichtete Bildung, sowie die Vorstellung von Geschlechtern mit jeweils festgeschrieben Eigenschaften und damit verbundenen Aufgaben in der Gesellschaft heute enorm unemanzipatorisch. Die prinzipielle Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe und der daraus resultierende Akt der Selbstorganisation ist allerdings durchaus als Schritt in Richtung eines höheren Maßes an Selbstbestimmung zu sehen.

[...]


[1] Unter „emanzipatorisch“ ist hier die gesellschaftliche Transformation hin zu mehr persönlicher Freiheit für das Individuum zu verstehen und keine moralische Bewertung historischer Ereignisse.

[2] BARBARA D. METCALF & THOMAS R. METCALF: A Concise History of Modern India, Cambridge 2006, S. 133

[3] BARBARA D. METCALF & THOMAS R. METCALF, a. a. O., S. 134

[4] BARBARA D. METCALF & THOMAS R. METCALF, a. a. O., S. 119

[5] BARBARA D. METCALF & THOMAS R. METCALF, a. a. O., S. 93.

[6] WHITEHEAD, JUDY: „Modernising the Motherhood Archetype: Ppublic Health Models and the Child Marriage Restraint Act of 1929“; in: Contributions to Indian Sociology, Nr. 29, S. 191.

[7] GERALDINE FORBES: „Women in modern India“, Cambridge 1996, S. 15

[8] WHITEHEAD, JUDY zitiert nach: BESANT, A.: „Wake up India: A plea for social reform“ Adyar, Madras 1913

[9] WHITEHEAD, JUDY: „Modernising the Motherhood Archetype: Ppublic Health Models and the Child Marriage Restraint Act of 1929“; in: Contributions to Indian Sociology 29,S. 195

[10] MICHAEL MANN: „Geschichte Indiens vom 18. bis zum 20. Jahrhundert“, München 2005, S 107

[11] DHARAMPAFL-FRICK GITA & LUDWIG MANJU: „Die Kolonialisierung Indiens und der Weg in die Unabhängigkeit“; in: DER BÜRGER IM STAAT, Stuttgart 2009, S. 153

[12] DHARAMPAFL-FRICK GITA & LUDWIG MANJU: „Die Kolonialisierung Indiens und der Weg in die Unabhängigkeit“; in: DER BÜRGER IM STAAT, Stuttgart 2009, S. 151

[13] SINHA MRINALINI: Specters of Mother India, Durham and London 2006, S. 153

[14] GERALDINE FORBES, a. a. O., S. 15

[15] BARBARA D. METCALF & THOMAS R. METCALF, a. a. O., S. 137

[16] GERALDINE FORBES, a. a. O., S. 120

[17] SINHA MRINALINI: Specters of Mother India, Durham and London 2006, S. 136

[18] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 194

[19] SINHA, MRINALINI zitiert nach :M. Nehru, „Telegram from M Nehru to Congress, Nationalist, Independen, and Central Moslem Parties in the Legislative Assembly“, in Press Clippings, Subject Files: Social Welfare Measure, file 9 (1927-28) and file 10 (1927-30), Reddi Papers.

[20] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 199

[21] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 194

[22] SINHA MRINALINI, a. a. O., S. 153

[23] SINHA MRINALINI, a. a. O., S. 161

[24] SINHA MRINALINI, a. a. O., S. 161

[25] BARBARA D. METCALF & THOMAS R. METCALF, a. a. O., S. 146.

[26] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 200

[27] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 203

[28] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 207

[29] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 207

[30] WHITEHEAD, JUDY, a. a. O., S. 206

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau in der indischen Reformbewegung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (historisches Seminar / Südasien Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V370810
ISBN (eBook)
9783668487994
ISBN (Buch)
9783668488007
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indien, Kolonialzeit, raj, reformbewegung, Frauenbewegung, Frauenemanzipation, INC, Civilising Mission, Kolonialismus
Arbeit zitieren
Johannes Konrad (Autor), 2012, Die Rolle der Frau in der indischen Reformbewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370810

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