Kommasetzung im Unterricht. Funktionen, Regeln und methodisches Vorgehen


Hausarbeit, 2016

23 Seiten, Note: 1,0

Mina Holly (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Interpunktion

3. Funktionen und Regeln des Kommas
3.1 Kommata bei Aufzählungen
3.2 Kommata bei Einschüben und Zusätzen
3.3 Kommata bei Infinitivgruppen
3.4 Kommata bei Teilsätzen
3.5 Kommata zwischen Hauptsätzen
3.6 Kommata bei Anreden, Ausrufen, hervorgehobenen Stellungsnahmen

4. Kommasetzung im Deutschunterricht
4.1 Bildungsplan Baden-Württemberg
4.2 Die Kommasetzung in Schulbüchern
4.3 Auswertung der Schulbücher

5. Methodisches Vorgehen im Deutschunterricht
5.1 Unterrichtsskizze
5.2 Arbeitsblätter, Materialien, etc.

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nick will Mona nicht.“

Wer will nun wen nicht? Das Komma macht’s!

Sicher würde es hilfreich sein, wenn in diesem Satz ein Komma stehen würde. „Nick will, Mona nicht.“ würde den Anwesenden gewiss entgegenkommen und für Klarheit sorgen. Auch der Satz „Frauen denken, Männer sind ohne sie nichts.“ erhält mit einer anderen Wahl der Interpunktion die genau umgekehrte Bedeutung: „Frauen, denken Männer, sind ohne sie nichts.“ Die Regeln der Zeichensetzung im Deutschen gelten als besonders schwierig, vor allem die Kommasetzung wird von vielen als undurchschaubar empfunden. „Dabei wird meist vergessen, dass mehr Texte gelesen, als geschrieben werden [...]“ (Olsen, 2016). Beim Lesen sind richtig gesetzte Satzzeichen eine unverzichtbare Hilfe: Sie lassen uns schnell erfassen, wie ein Satz gebaut ist. Daher ist es wichtig die Zeichensetzung gut zu beherrschen, um eigene Texte verständlich zu machen und sie für den Lesenden gut zu gliedern.

Die Interpunktion ist ein immer wieder auftretendes Problem vieler Schülerinnen und Schüler. Ein Kapitel, das Kapitel der Kommasetzung, möchte ich in diesem Zusammenhang genauer beleuchten. Zuvor verschaffe ich jedoch einen Einblick in die Geschichte der deutschen Interpunktion. Nicht außer Acht zu lassen sind die gegenwärtigen Kommaregeln. Trotz Verwirrung durch zahlreiche Rechtschreibreformen in den vergangenen Jahrzehnten, auch im Bereich der Interpunktion, werde ich die aktuellen und wichtigsten Regeln bündig darstellen und mit Beispielen versehen, um diese verständlich zu machen. Um eine Verbindung zur Schule herzustellen, werde ich zwei Schulbücher und Arbeitshefte in verschiedenen Jahrgangsstufen in Betracht ziehen. Diese gilt es miteinander zu vergleichen und kritisch zu betrachten, denn sie sind das „Werkzeug“ der Lehrer, um den Schülerinnen und Schülern Wissen zu vermitteln. Es soll darum gehen, wie die Zeichensetzung heutzutage vermittelt und welche Aufgabe den Schulen dabei überlassen wird. Ich werde Beispiele davon aufzeigen und letztendlich einen methodischen Unterrichtsverlauf skizzieren, welcher potenziell in Betracht kommen könnte. Grundlage für diese Unterrichtsplanung ist der Bildungsplan Baden-Württemberg für das Fach Deutsch.

2. Geschichte der Interpunktion

Zwar sind die Satzzeichen bei weitem nicht so alt wie die Schrift, dennoch können ihre Spuren bis in die Antike zurückverfolgt werden. Die Gliederung von Texten geschieht heutzutage - neben Paragraphen und Spatien etc. - größtenteils durch die Satzzeichensetzung, welche auch unter dem Begriff der Interpunktion bekannt ist. Unter Interpunktion versteht man aber nicht nur die „Lehre vom Gebrauch der Satzzeichen“ (Nerius, 2006), sondern auch die Gesamtheit der Satzzeichen. Zudem macht sie eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft aus. Die Satzzeichensetzung folgt genauso wie die Rechtschreibung einem verbindlichen Regelapparat, der an Umfang und Kompliziertheit zugenommen hat. Satzzeichen beziehen sich im Gegensatz zum Apostroph und ähnlichen Zeichen nicht auf das Wort, sondern auf den gesamten Satz (Höchli, 1980). Zwar sind die Satzzeichen weitaus nicht so alt wie die Schrift, dennoch können ihre Spuren bis in die Antike zurückverfolgt werden. Bald nachdem die Menschen begonnen hatten, Dinge aufzuschreiben, mussten sie sich nämlich noch ein paar Zeichen einfallen lassen, damit der Leser auch den Sinn verstehen konnte. Die ältesten Satzzeichen, von denen wir wissen, wurden knapp neunhundert Jahre vor Christus östlich des Toten Meeres in einen Stein geschlagen. Mescha-Stele heißt dieser Stein, in dessen Text es um einen damaligen Krieg geht und auf dem zwischen•allen•Wörtern•ein•Punkt•gemeißelt•ist (Wagner, 2006). Es dauerte nämlich ziemlich lang, bis man darauf kam, zwischen den Wörtern einfach einen kleinen Zwischenraum zu lassen. Dies war der nächste und zugleich auch entscheidende Schritt, die Einführung des Wortzwischenraums, welches leises Lesen und Schreiben erleichterte bzw. ermöglichte. Infolgedessen wurde der Text grammatisch gegliedert. Dieses kleine Nichts zwischen zwei Wörtern ist wahrscheinlich das meistbenutzte Satzzeichen überhaupt. Das Komma und Kolon, ursprünglich griechische Ausdrücke, waren den Römern bekannt. Damit waren aber – anders als beim Wort „Punkt“ – keine Satzzeichen gemeint, sondern Sinnabschnitte eines Satzes oder Verses. Erst zu Beginn der Neuzeit werden diese Wörter auf bestimmte Zeichen angewandt, die die Sinnabschnitte abgrenzen: Mit Komma bezeichnete man ein strichpunktartiges Zeichen und schließlich den einfachen Beistrich (Höchli, 1980). Erst im 18. Jahrhundert wurde die Zeichensetzung zum festen Bestandteil der Satzlehre und fand 1905 durch einen kleinen Abschnitt Einzug in die erste Auflage des Buchdruckerdudens; 1915 wurde sie schließlich in den Duden eingearbeitet (Nerius, 2006). Erst in der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die 1996 ihren Anfang nahm und seit dem 1. August 2006 in Schulen und Behörden gilt, wurden die Regeln zur Zeichensetzung als gleichberechtigter Teil aufgenommen. Seitdem ist die Zeichensetzung von grundlegender Bedeutung und ist in den „Amtlichen Regelungen“ mit dem Kapitel E das umfangreichste. Es umfasst fünf Unterkapitel, welche in 15 Teile unterteilt sind. Insgesamt befassen sich 39 Paragraphen mit der Zeichensetzung (Höchli, 1980). Sie beinhaltet die Bestimmung der äußeren Form der Satzzeichen, die Festlegung der Anwendung sowie kurze Begründungen der Regeln. Vor allem die Kommasetzung wurde verändert. Der „Urmeter" der deutschen Rechtschreibung einschließlich Zeichensetzung findet sich seitdem in dem Werk „Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis. Amtliche Regelung", 2006 herausgegeben vom Rat für deutsche Rechtschreibung.

3. Funktionen und Regeln des Kommas

Die Funktionen des Kommas sind vielseitig und nicht leicht zu überblicken; es hat im Deutschen in erster Linie die Aufgabe, den Satz optisch zu gliedern, was einen schnelleren Lesefluss ermöglicht. Es verdeutlicht die Konstruktion des Satzes, indem es beispielsweise einen Zusatz oder einen Nebensatz vom Hauptsatz abhebt. Das bedeutet umgekehrt, dass die Kommasetzung bei den Schreibenden ein Verständnis für die unterschiedliche Bauweise von Sätzen voraussetzt, mit anderen Worten: Grammatikkenntnisse. Das macht die Kommasetzung zu einem besonders fehlerträchtigen Kapitel der Rechtschreibung und Zeichensetzung. Allerdings kann man sich oft auch ohne eine Analyse des Satzbaus behelfen, zum Beispiel durch Faustregeln oder indem man auf die Sprechpausen in einem Satz achtet (Olsen, 2016). An welcher Stelle solche Hilfen sinnvoll sind, wird darauf hingewiesen. In der heutigen Sprache werden die Probleme der Zeichensetzung und speziell der Kommasetzung in der Schule vereinfacht dargestellt und auf die wichtigsten Regeln begrenzt. Oftmals bringt das schon Schwierigkeiten mit sich, da im Deutschen viele Ausnahmen bestehen. Das Lehren der Zeichensetzung beginnt schon in den Grundschuljahren. Die Schülerinnen und Schüler lernen dort vorerst den parataktischen Satzbau kennen und erst ab der 3./4. Klasse auch hypotaktische Konstruktionen (Lindauer & Schmellentin, 2008). Daher steht das reihende Komma im Vordergrund. Mit einiger Übung gelingt es, schon beim Schreiben den Aufbau des Satzes zu verfolgen und ihn an den richtigen Stellen mit Kommas zu gliedern. In jedem Fall sollte man versuchen Kommas nicht erst nachträglich zu setzen. Und wenn man die Kommasetzung einigermaßen beherrscht, wird man sicher gern die Möglichkeiten nutzen, die Sätze nach dem eigenen Stilempfinden zu gestalten und ihnen damit den gewünschten Akzent zu geben. Die neue Rechtschreibreform, die seit dem 1.8.2006 verbindlich in Kraft getreten ist, hat auch im Bereich der Zeichensetzung einige Veränderungen vorgenommen. Die Neuregelungen sollen den komplizierten Regelapparat der deutschen Interpunktion vereinfachen und die mit ihm auftretenden Schwierigkeiten reduzieren. Im Folgenden werden die wichtigsten schultauglichen Regeln erläutert und an Beispielen gefestigt.

3.1 Kommata bei Aufzählungen

Im Deutschen werden verschiedene syntaktische Größen gereiht. Man setzt zwischen die einzelnen Gruppen ein Komma, es sei denn, sie sind bereits durch eine Konjunktion verbunden (Lindauer & Schmellentin, 2008):

Bsp.: „Die Box enthält einen Bleistift, zwei Radiergummis und einen roten Spitzer.“

Also gilt, dass Elemente einer Aufzählung durch Kommata getrennt werden. Dies können Subjekte, Prädikate, Objekte, Wortgruppen oder auch Infinitivgruppen sein. Das Komma im obigen Beispiel kann man auch durch und ersetzen (Lindauer & Schmellentin, 2008). Durch diese Faustregel ist sie für viele Schülerinnen und Schüler einfacher zu verstehen und für die Lehrer durchaus leichter zu vermitteln. Schwieriger hingegen sind die Reihungen mit und, sowie, weder...noch, beziehungsweise, sowohl...als auch, entweder...oder und oder, denn wenn die Reihungen mit diesen Verbindungswörtern verbunden sind, wird kein Komma gesetzt. Die Schülerinnen und Schüler lassen sich gerade bei diesen Konjunktionen dazu verleiten, ein Komma zu setzen. Daher gilt es dort, einen besonderen Hinweis zu geben (Lindauer & Schmellentin, 2008).

Bsp.: „Olga will weder ein Bier noch ein Glas Wein.“

„Olga liest einen Krimi und Oskar trinkt ein Bier.“

Wird aber die Regel, dass man vor diesen Konjunktionen niemals ein Komma setzt, stur angewendet, können durchaus Fehler entstehen. Denn hier gilt: Sag niemals nie: Zu beachten ist nämlich, dass die Sätze wie: „Das Haus, das da drüben steht, und der Baum davor gefallen mir.“ nicht in diese Kategorie fallen. In diesem Fall gehört das Komma vor dem „und“ zum Relativsatz und ist somit verpflichtend (Staaden, 2015)! Es ist sehr wichtig, den Schülerinnen und Schüler solche Ausnahmen begreiflich zu machen, denn so werden Fehler vermieden und die Verständlichkeit, dass es sich um einen Einschub handelt, wird verdeutlicht. Bei den Konjunktionen aber, sondern, jedoch, doch, etc., ist ein Komma obligatorisch, wenn sie Elemente einer Aufzählung sind (Staaden, 2015).

Bsp.: „Olga liebt zwar Bier, aber ein Glas Wein weiß sie auch zu schätzen.“

„Oskar will kein Bier, sondern einen Himbeersaft.“

3.2 Kommata bei Einschüben und Zusätzen

Zusätze unterbrechen den Fluss des Satzes und werden deshalb durch Kommas vom Rest des Satzes abgehoben. Für die Schülerinnen und Schüler sind diese Regeln einfach zu verstehen und gut umzusetzen. Sie bietet kaum Schwierigkeiten und kann sehr gut erklärt werden. Sprechpausen zum Beispiel, signalisieren oft Einschübe. Beim Schreiben kann eine Ersatzprobe mit Einschubstrichen oder Klammern hilfreich sein, um die Kommasetzung zu erleichtern. Es gilt also: Zusätze oder Einschübe werden vom Satz durch Kommata, Klammern oder Gedankenstriche abgetrennt (Lindauer & Schmellentin, 2008).

Bsp.: „Ihr Bier, ein gut gezapftes Pils, trinkt Olga seit Jahren.“

„Ihr Bier – ein gut gezapftes Pils – trink Olga seit Jahren.“

3.3 Kommata bei Infinitivgruppen

Bei einer Infinitivgruppe wird stets ein Komma gesetzt, wenn diese mit einer der folgenden untergeordneten Konjunktionen eingeleitet wird: um, ohne, statt, anstatt, außer, als. In diesem Zusammenhang gibt es noch weitere Regeln mit unterschiedlichen anderen Fällen, bei denen ein Komma meistens nicht obligatorisch ist, aber der Struktur beiträgt, diese aber für die Schülerinnen und Schülern zu kompliziert zu verstehen und daher schlecht vermittelbar sind. Natürlich ist das kein Grund, diese einfach wegfallen zu lassen, damit aber die Schülerinnen und Schüler nicht zwischen den verschiedenen Fällen unterscheiden müssen, gibt es eine Regel, die unten aufgezeigt ist (Staaden, 2015). Die Grundregel in diesem Zusammenhang lautet: Bildet ein Infinitiv oder ein Partizip mit seinen Mitspielern (z.B. Subjekte, ihre Objekte, etc.) eine Verbgruppe, kann man diese Fügung als Teilsatz sehen und wird am einfachsten durch ein Komma abgegrenzt (Staaden, 2015).

Bsp.: „Er behauptet (,) viel Geld zu besitzen.“

Infinitivgruppen, die von einem Substantiv abhängen, trennt man ebenfalls mit Komma ab.

Bsp.: „Seine Bereitschaft, jederzeit zu helfen, macht uns große Freude.“

„Der Gedanke, nach Australien zu reisen, ließ ihn nicht mehr los.“

3.4 Kommata bei Teilsätzen

Dieser Bereich der Zeichensetzung ist für viele Schülerinnen und Schüler schwerer nachzuvollziehen, obwohl es durchaus handfeste Regeln gibt. Die Grundregel ist einfach, aber trotzdem sehr grammatikalisch vernetzt: Teilsätze werden durch ein Komma voneinander abgetrennt. Bei eingeschobenen Teilsätzen, wird am Anfang und am Ende des Einschubs ein Komma gesetzt (Lindauer & Schmellentin, 2008).

Bsp.: „Die Kühe gehen auf die Weide, sobald sie gemolken worden sind.“

„Die Kühe gehen, sobald sie gemolken worden sind, auf die Weide.“

Bei Teilsätzen, die mit als oder wie abgetrennt werden, wird nur ein Komma gesetzt, wenn in ihnen ein Verb enthalten ist, denn in Teilsätzen ist immer mindestens ein Verb enthalten.

Bsp.: „Olga hat gestern mehr Bier getrunken, als Olaf in einer Woche Wein trinkt.“

Verbinden diese Konjunktionen (und, sowie, sowohl...als auch, weder...noch, oder, entweder...oder, beziehungsweise) Nebensätze, dann muss das Komma weggelassen werden. Bei Hauptsätzen kann man jedoch ein Komma setzen, um die Gliederung des Satzes zu verdeutlichen (Staaden, 2015).

Bsp.: „Olga liest einen Krimi und Olga trinkt kein Bier.“

„Olga hat ihn oft getroffen (,) und sie tranken dann immer einen Himbeersaft.“

3.5 Kommata zwischen Hauptsätzen

Gehören Hauptsätze inhaltlich zusammen, können sie durch das Komma zu gleichrangigen Teilsätzen eines ganzen Satzes verbunden werden. Man spricht dann von einer Satzreihe.

Bsp.: „Paulina geht schon auf den Pausenhof, Steffen folgt ihr.“

Das Komma wird auch gesetzt, wenn die beiden Hauptsätze durch entgegenstellende Konjunktionen verbunden sind wie aber, doch, jedoch oder durch nebenordnende Konjunktionen wie daher, dennoch, trotzdem.

Bsp.: „Paulina geht schon auf den Pausenhof, aber Steffen folgt ihr nicht.“

„Paulina geht schon auf den Pausenhof, daher folgt Steffen ihr.“

3.6 Kommata bei Anreden, Ausrufen, hervorgehobenen Stellungsnahmen

Eine Anrede, ein Ausruf (mit einem Empfindungswort, z.B. aua, bäh) oder eine Stellungnahme kann vorangestellt, nachgestellt oder eingeschlossen sein und wird jeweils mit Komma abgetrennt.

Bsp.: „Pia, nun sei doch mal still!“

Bsp.: „Kommst du wirklich nicht mit, Jan?“

Bsp.: „Ich sende dir, liebe Conny, herzliche Feriengrüße.“

4. Kommasetzung im Deutschunterricht

In der gesprochenen Sprache kann man die Worte durch Betonung, Hebung und Senkung der Stimme oder durch Tempo und Rhythmus gestalten. Der Schreibende benötigt ebenfalls ein Instrument, um seine Aussageabsichten oder Einstellungen an den Leser übermitteln zu können. Eine Voraussetzung für die korrekte Sinnvermittlung ist, dass Zeichengeber und Zeichenempfänger den Zweck der Satzzeichen verstehen (Nerius, 2006). „Kommas setze ich nach Gefühl.“ – so oder so ähnlich könnte die Einschätzung eines Schülers bezüglich der Wichtigkeit der Kommas im Unterricht lauten. Und genau an diesem Punkt manifestiert sich die Herausforderung der Kommasetzung im schulischen Rahmen. Es handelt sich hierbei um eine Problematik, die von mindestens drei Standpunkten aus betrachtet und erörtert werden kann (Staaden, 2015). Zum einen muss auf den sprachwissenschaftlichen Hintergrund verwiesen werden. Zwar erscheinen die einzelnen Regeln in den entsprechenden Paragraphen des Amtlichen Regelwerks eindeutig formuliert, doch lassen sich hier auf den zweiten und auch dritten Blick einige Besonderheiten ausmachen, die vom Schreiber höchste Aufmerksamkeit verlangen. Nachvollziehbar ist es also, wenn ein noch lernender Schreiber, mit den einzelnen Kommaregeln seine Schwierigkeiten hat. Die Perspektive der Lernenden ist dementsprechend die zweite zu betrachtende. Für eine angemessene und realitätsorientierte Argumentation muss der Gedanke des „gefühlten Kommas“ miteinbezogen werden. Aus wissenschaftstheoretischer Sicht lohnt es sich in diesem Zusammenhang einen Vergleich zwischen inneren und tatsächlichen orthografischen Kommaregeln zu wagen und sich in einem zweiten Schritt der Theorie der unbewussten Informationsverarbeitung zu widmen. In einem didaktischen Rahmen wie diesem bildet die Lehrperson naturgemäß den dritten zu erörternden Standpunkt. Sie ist es schließlich, die dabei hilft, mögliche innere Regeln der Schüler zu strukturieren, zu erweiterten und zu verfeinern, ohne dabei Verwirrung und Verunsicherung zu stiften. Da Lehrbücher häufig ein Fundament bilden, auf welchem ein Lehrer seine Unterrichtsideen entstehen lässt, ist es hilfreich, diese kritisch zu bewerten. Ziel dieser Arbeit ist es, die Komplexität der Kommasetzung im Allgemeinen aufzuzeigen und im Speziellen den didaktischen Blick für dieses Thema zu schärfen, um im Unterricht fundierte Entscheidungen treffen zu können. Im Folgenden Kapitel werde ich zwei Schulbücher im Bereich der Zeichensetzung gegenüberstellen und dann kritisch betrachten. Zuerst möchte ich jedoch auf das Kerncurriculum in Baden-Württemberg eingehen und kurz darstellen, wie sich die Kommasetzung hier etabliert hat.

4.1 Bildungsplan Baden-Württemberg

Im „neuen“ Kerncurriculum, den Bildungsstandards, wird die Kommasetzung nicht mehr konkret angesprochen. Eher geht es um die Zeichensetzung im Allgemeinen. Der Kompetenzbereich „Schreiben (Schriftlichkeit)“ deckt diesen grammatischen Bereich mit ab. Das Kerncurriculum Baden-Württemberg für das Fach Deutsch an Haupt-, Real-, und Werkrealschule sieht die Kommasetzung im Arbeitsbereich II (Schreiben), genauer im Teilbereich Rechtschreibung und Zeichensetzung. In der 6. Klasse sollen Schülerinnen und Schüler „die Satzzeichen bei der Satzreihe und beim Satzgefüge (Konjunktionalsatz/ Relativsatz), sowie bei der wörtlichen Rede richtig setzen“ (Bildungsplan, 2016) können und finden die Festigung dann in der 8. Klasse mit dem „richtigen setzen von Satzzeichen bei der Satzreihe und beim Satzgefüge“ (Bildungsplan, 2016). Den Abschluss finden wir in der 10. Klasse, indem Schülerinnen und Schüler die „Regeln der Grammatik, Orthografie und Zeichensetzung im Grundsatz umsetzen und richtig anwenden“ können (Bildungsplan, 2016). Damit sind die vorgegebenen Lehreinheiten abgeschlossen. Trotzdem sollen die Regeln zur Festigung mit Hilfe von anwendungsbezogenen Übungsformen stetig wiederholt werden und auch in Klassenarbeiten ist eine Schwerpunktsetzung darauf durchaus erwünscht.

4.2 Die Kommasetzung in Schulbüchern

Zu den Zielen des Deutschunterrichts gehört es unter anderem, Sicherheit in der Zeichensetzung zu erwerben. Die Lernziele zur Interpunktion sind im Bildungsplan mehr oder weniger klar ausformuliert. Lehrbücher bieten Aufgaben und Übungen zur Zeichensetzung an. Trotzdem ist die Zahl der Interpunktionsfehler bei den Schülern sehr hoch. Selbst bei Studenten und Lehrern ist die Unsicherheit groß. Die Aufmerksamkeit, die man diesem Gebiet des schriftlichen Sprachgebrauchs widmet, scheint also nicht besonders groß zu sein. Trotzdem kommt die Interpunktion im Unterricht zu kurz und ist in Lehrbüchern nur am Rande zu finden.

Miteinander zu vergleichen sind die die Schulbücher Deutschbuch - differenzierte Ausgabe (Becker-Binder & Fogt, 2016) und deutsch.kompetent (Einecke & Nutz, 2012). Die Bücher der 5. und 6. Jahrgangsstufen sind für mich insofern interessant, dass ich sie kritisch betrachte sowie einen Ausblick in weitere Jahrgangsstufen gebe. Die Schulbücher deutsch.kompetent 5 und Deutschbuch - differenzierte Ausgabe 5 führen beide in den Themenbereich der Zeichensetzung mit der Kommasetzung bei Aufzählungen ein. Deutsch.kompetent bietet einen Abschnitt eines Textes mit korrekter und einen Teil ohne gesetzte Zeichensetzung an. Die Schülerinnen und Schüler sollen als Einstiegsaufgabe die Kommasetzung im ersten Teil untersuchen, um diese dann im zweiten Teil richtig und eigenständig zu setzen. Deutschbuch - differenzierte Ausgabe geht ähnlich vor. Sie präsentieren einen Text mit vollständiger Zeichensetzung und drucken aber den letzten Satz des Abschnitts ohne Kommata ab. Die Regel wird als Lückentext aufgezeigt. Die Schülerinnen und Schüler können sich dann diese selbst erarbeiten und auf den letzten kommalosen Satz anwenden. Das Deutschbuch deutsch.kompetent verdeutlicht die Regel klassisch, durch einen Merksatz mit einem Beispiel daneben. Zudem führt deutsch.kompetent schon in Klasse 5 in die Zeichensetzung bei Haupt- und Nebensätzen ein, obwohl der Bildungsplan dies eigentlich erst für die 6. Klasse vorsieht. Durch folgende Grafik wird den Lernenden der Unterschied deutlich und außerdem auch, wann ein Komma gesetzt wird:

„Man faltet ein quadratisches Blatt so, dass es wie ein Drachen aussieht.“Hauptsatz Nebensatz

In den Arbeitsheften der beiden Deutschbücher beginnen die Übungen zu den passenden Kapiteln sehr ähnlich. Mit dem Thema Komma bei Aufzählungen stellen die beiden Verlage, zur Wiederholung, die Merksätze mit Beispielen aus den Schulbüchern dar. Schnell fällt auf, dass Deutschbuch - differenzierte Ausgabe sparsam mit den Aufgaben umgeht. In den sieben vorgegebenen Sätzen sollen die Schülerinnen und Schüler die Teile der Aufzählung unterstreichen und dann die Kommata setzen. In einer Folgeaufgabe ist ein Text vorgegeben, in dem acht Kommata fehlen. Die Schülerinnen und Schüler sind dann selbst gefragt und sollen die Kommata nur einsetzen. Dass sie den Satz nicht abschreiben sollen, ist schade, da sie dadurch auch das Verständnis für den Grund eines Kommas vertiefen würden. Im Gegensatz dazu zeigt sich deutsch.kompetent durchaus differenziert. Hier ist ebenfalls ein Text mit einigen Aufzählungen gegeben. Die Schülerinnen und Schüler haben unter der Aufgabe Platz, diese aufzuschreiben und dabei die fehlenden Kommata zu setzen. In den Folgeaufgaben wird das Satzgefüge wieder durch einen Merksatz ins Gedächtnis gerufen und dann durch Aufgaben trainiert. Die Schülerinnen und Schüler werden dazu aufgefordert, die Sätze aufzuschreiben und nicht nur dazu, das Komma zu setzen. Auffallend ist, dass die Aufgaben aufeinander aufbauen. Zuerst sollen die Hauptsätze und Nebensätze eines Textes unterstrichen werden und im Folgeschritt soll dann festgestellt werden, wie oft ein bestimmtes Satzbild darin vorkommt. Mit Satzbildern sind die Kombinationen der Haupt- und Nebensätze gemeint: HS/NS – NS/HS – HS – NS/HS/HS. Die Lernenden können sich damit besser vorstellen, wie ein Text aufgebaut ist und wie die Satzstruktur im Text zustande kommt. Die nächste Aufgabe nimmt dann das Komma konkret in den Fokus. Im vorgegebenen Text sollen die fehlenden Kommata gesetzt und dann auch für jeden Satz, die Satzbilder verschriftlicht werden. Weiterhin findet man Anwendungsaufgaben, die zur Vertiefung dienen. Außerdem muss man anmerken, dass beide Verlage die Zeichensetzung bei wörtlicher Rede verdeutlichen und im Deutschbuch sowie auch im Arbeitsheft üben lassen. Der Klett-Verlag bietet in den Büchern von deutsch.kompetent einen Online-Bereich ein. Hier können die Schülerinnen und Schüler durch Arbeitsblätter zu den passenden Kapiteln Übungen finden, um Themen vertiefend zu behandeln. Schaut man in das Deutschbuch der Jahrgangsstufe 6 von Deutschbuch - differenzierte Ausgabe erkennt man, dass dort die Vorstellungen des Bildungsplans umgesetzt werden. Die Themenüberschrift Kommasetzung in Satzreihen und Satzgefügen entspricht der Vorgabe des Kultusministeriums für die 6. Klasse. Die Erklärungen für diesen Themenbereich sind recht sparsam. Einige Seiten vorher findet man einen Regelkasten zu Satzgefügen und untergeordneten Konjunktionen. Darin wird der Begriff „Satzgefüge“ definiert und erklärt, dass zwischen Hauptsatz und Nebensatz immer ein Komma steht. Auch werden die untergeordneten Konjunktionen präsentiert. Im Arbeitsheft desselben Schulbuchs wird die Kommasetzung bei Aufzählungen wiederholt. Die Schülerinnen und Schüler sollen weiterführend das üben, was sie im Hauptbuch gelernt haben: Die Anwendung des Kommas in Satzreihen und Satzgefügen. Für beide Bereiche wird nochmal ein Regelkasten aufgezeigt. Deutsch.kompetent 6 vertieft im Hauptbuch die Ausführungen zum Satzgefüge und den Satzverbindungen. In einer Tabelle werden die beiden Bereiche gegenübergestellt und der Unterschied verdeutlicht und durch Beispiele verbildlicht. Am Ende dieser Deutschbücher gibt es „Lerninseln“, die nochmal die wichtigsten Informationen der Kapitel zusammenstellen und verdeutlichen. Unter dem Titel „Satzzeichen richtig setzen“ wird die Kommasetzung bei der wörtlichen Rede, bei Anderen und Ausrufen, bei Aufzählungen und bei zusammengesetzten Sätzen zusammenfassend geschildert. Im Arbeitsheft deutsch.kompetent 6 werden mittelschwere Aufgaben zur Kommasetzung in Satzverbindungen und Satzgefügen gestellt. In einem Informationskasten werden nochmal die wichtigsten Fakten der Themen zusammengefasst. Die Schülerinnen und Schüler sollen in einer Übungsaufgabe unter- und übergeordnete Konjunktionen in den Lückentext einsetzen und dabei im Hinterkopf haben, bei welchen Konjunktionen ein Komma obligatorisch ist. In einer weiterführenden Aufgabe sollen die Satzzeichen bei der wörtlichen Rede geübt werden. Im Vergleich zum Arbeitsheft von Deutschbuch - differenzierte Ausgabe 6 sind die Aufgaben aufgeteilter. Hier werden Satzreihen und Satzgefüge getrennt trainiert. Im Arbeitsheft deutsch.kompetent 6 besteht eine Aufgabe, die beide Bereiche abdeckt. Die Schülerinnen und Schüler müssen somit komplexer denken und in einer Aufgabe die beiden Bereiche auseinanderhalten können. Um einen Ausblick auf die weiteren Klassen zu geben, zeige ich kurz auf, inwiefern die Kommasetzung in den Klassen 7 – 10 relevant ist. In der 7. Klasse wird das Komma bei einem Haupt- und Gliedsatz thematisiert. Die Aufgabentypen sind in den Jahrgangsstufen sehr ähnlich aufgebaut, aber deutlich umfangreicher. Die Lernenden sollen sich direkter und intensiver mit dem Thema befassen. Die 8. Klasse setzt sich sehr intensiv mit dem Komma auseinander. Unzählige Erklärungen, Ausnahmen, Hinweise und Aufgaben werden aufzeigt. Am Ende des Kapitels werden die Kommaregeln nochmal tabellarisch präsentiert. Das Komma bei Attributen sowie vor entgegensetzenden Konjunktionen wird auch erstmals in Klasse 8 thematisiert. Eine reine Wiederholung findet in der Klasse 9 statt. Hier kommen keine weiteren Regeln hinzu, es gibt lediglich Übungsaufgaben, die das bestehende Wissen ausbauen und die Schülerinnen und Schüler weiter trainiert. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Deutschbuch der Klasse 10. Wieder wird ein Überblick über die Regeln gegeben, daraufhin findet man Anwendungsaufgaben zur Festigung.

4.3 Auswertung der Schulbücher

Der Bildungsplan und auch die Bildungsstandards haben klare Vorstellungen darüber, wann und wie sich die Kommasetzung in den Deutschunterricht etablieren soll. Die Schulbücher und Arbeitshefte von Deutschbuch - differenzierte Ausgabe und deutsch.kompetent haben es in vieler Hinsicht, aber durchaus auf verschiedene Art und Weise, geschafft, diese Vorstellungen erfolgreich umzusetzen. Die Unterschiede der beiden Verlage mit ihren Büchern sind in einigen Teilen bemerkenswert. Trotzdem schaffen sie es, den Schülerinnen und Schüler klare Regeln mit Beispielen zu vermitteln, um die Aufnahme zu gewährleisten. Nochmals herauszuheben ist, dass der Klett-Verlag mit deutsch.kompetent in einigen Bereichen tiefer in den Unterrichtsstoff eingeht als Deutschbuch - differenzierte Ausgabe. Um zur Fragestellung zurückzukommen: Wie lässt sich die Zeichensetzung in der Schule erfolgreich vermitteln? Die beiden Bücher gehen grundsätzlich ähnlich vor. Zu Beginn des Themas in der 5. Klasse wird die Bedeutung des Kommas durch die Verwendung oder eben nicht Verwendung von Kommata in einem Text aufgezeigt. So können die Schülerinnen und Schüler ganz deutlich sehen, wozu ein Komma überhaupt da ist. Eine Möglichkeit zur Verbesserung wäre, dass gerade die Sätze, die ohne Kommasetzung durchaus Missverständnisse bereiten können, aufgezeigt werden. So wird die Bedeutung für die Schülerinnen und Schüler nochmal intensiviert und deutlicher. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass es sich bei dem Angebot an Lehrmaterial um ein unüberschaubares Meer handelt, allerdings handelt es sich sehr oft um komplexe Aufgabenstellungen. Vor allem, beziehungsweise häufig ist mir, in meinem persönlichen Fall als Vertretungslehrkraft, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, aufgefallen, dass Schülerinnen und Schüler diesen Aufgabenstellungen häufig nur wenig bis gar nicht folgen können. Häufig sind es Verständnisfragen, die hier auftreten. Jedoch ist das Nichtverstehen häufig des nicht nachvollziehbaren Sinns der Aufgabe geschuldet. Viel wichtiger und gehaltvoller, ist nach meiner Erfahrung, das Entwickeln eigener Aufgabenstellungen mit einem Bezug zum tatsächlichen Leben. Für Nicht-Muttersprachler stellt die deutsche Sprache ohnehin als sehr komplex dar. Aus diesem Grund sollte die Lehrperson in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, die selbstverständlich mit einem höheren Arbeitsaufwand verbunden ist, eigenständig Aufgaben entwickeln. Aber nicht nur fremdsprachige Schülerinnen und Schüler „kämpfen“ mit dem Verständnis auch „native speaker“ suchen häufig einen Praxisbezug, um dadurch ein leichteres Verständnis zu erlangen. Leichter ist es also, wenn man für beide Schülergruppen einen Bezug zur Lebenswelt schafft, der gleichzeitig auch das Interesse an einem Tatbestand nähert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Kommasetzung im Unterricht. Funktionen, Regeln und methodisches Vorgehen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V370862
ISBN (eBook)
9783668486096
ISBN (Buch)
9783668486102
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommasetzung, unterricht, funktionen, regeln, vorgehen
Arbeit zitieren
Mina Holly (Autor), 2016, Kommasetzung im Unterricht. Funktionen, Regeln und methodisches Vorgehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370862

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