Die Automobilindustrie als Beispiel Während in den USA die Automobilproduktion, u.a. auch durch Einführung der Fließbandproduktion durch Henry Ford, bereits beeindruckende Produktionszahlen vorweisen konnte, machte die Motorisierung in Deutschland erst nach dem zweiten Weltkrieg entscheidende Fortschritte. Von da an hat sich bis in die 1980er Jahre jede Veränderung der industriellen Arbeit streng am Prinzip des Taylorismus orientiert. Dieser Theorie nach wird jede Arbeitsaufgabe um so produktiver ausgeführt, je mehr sie sich in einfache Teilarbeiten zerlegen lässt und je geringer der Handlungsspielraum des betroffenen Arbeiters ist.
In ihrer in den Jahren 1982/83 durchgeführten Untersuchung stellen die Autoren Horst Kern und Michael Schumann fest, dass in den automatisierten Bereichen ausgewählter Industrien seit Ende der 1970er Jahre eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten ist. "Monotone Arbeitsplätze werden aufgelöst, einfache Tätigkeiten mit qualifizierten verbunden und vor allem eine große Zahl von verantwortlichen Organisierungsaufgaben dem Mann ′vor Ort′ in der Werkhalle übergeben. An den automatisierten Anlagen werden Tätigkeiten wie die Programmierung, die Überwachung, die Wartung und die Instandhaltung zu einem Arbeitsplatz zusammengelegt und die Durchführung der anfallenden Aufgaben vollständig dem ausführenden Arbeiter überlassen."
Hintergrund für diese Umkehr war die Erkenntnis, dass die Entwicklung der tayloristischen Rationalisierung an einen Endpunkt gekommen ist. Die menschliche Arbeit konnte unter hochautomatisierten Bedingungen nicht mehr durch Arbeitsteilung produktiver gemacht werden, da der Mensch nicht mehr gestaltend tätig war. Ich möchte in dieser Arbeit anhand der deutschen Automobilindustrie die Entwicklung der Arbeitsorganisation der letzten Jahrzehnte veranschaulichen und dabei neu gefundene Formen und Trends der Arbeitsteilung aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
- Weg vom Taylorismus? Die Automobilindustrie als Beispiel
- Arbeits- und Prozessorganisation in der deutschen Automobilindustrie
- Entwicklung der Produktion bis zu den 1980er Jahren
- Neue technische Voraussetzungen
- Organisatorische Anpassung
- Veränderte Anforderungen an die Ausbildung
- Auswirkungen auf die Beschäftigten
- Wandel der Rationalisierung Anfang der 1990er Jahre
- Rückkehr zum Taylorismus?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert die Entwicklung der Arbeitsorganisation in der deutschen Automobilindustrie im Laufe der letzten Jahrzehnte und untersucht, ob die traditionelle Arbeitsteilung durch neue Organisationsformen in Frage gestellt wird.
- Entwicklung der Arbeitsorganisation im Wandel von der Tayloristischen Massenproduktion hin zu flexibleren Produktionsformen
- Einfluss neuer Technologien und veränderter Marktbedingungen auf die Arbeitsteilung
- Herausforderungen und Chancen der neuen Formen der Arbeitsorganisation für die Beschäftigten
- Analyse der Auswirkungen auf die Ausbildungslandschaft und die Anforderungen an die Arbeitskräfte
- Bewertung der Entwicklung der Arbeitsteilung im Kontext der Automobilindustrie
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Entwicklung der Arbeitsorganisation in der deutschen Automobilindustrie im Vergleich zur US-amerikanischen Automobilproduktion. Es wird die dominierende Rolle des Taylorismus in der deutschen Industrie bis in die 1980er Jahre hervorgehoben und die Veränderung durch die Automatisierung in den Fokus gerückt.
Kapitel 2 beschreibt die Arbeits- und Prozessorganisation in der deutschen Automobilindustrie bis zu den 1980er Jahren. Es wird die Entwicklung der Produktion, die Einführung neuer Technologien, die organisatorischen Anpassungen sowie die Auswirkungen auf die Ausbildung und die Beschäftigten dargestellt.
Das dritte Kapitel konzentriert sich auf den Wandel der Rationalisierung Anfang der 1990er Jahre, der durch veränderte Marktbedingungen und die Herausforderungen der Produktdifferenzierung getrieben wurde.
Schlüsselwörter
Automobilindustrie, Arbeitsorganisation, Taylorismus, Arbeitsteilung, Rationalisierung, Automatisierung, Produktdifferenzierung, Baukastenprinzip, flexible Produktion, Beschäftigte, Ausbildung, Marktbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kernprinzip des Taylorismus?
Der Taylorismus basiert auf der Zerlegung von Arbeit in einfachste Teilschritte, um die Produktivität durch Spezialisierung und Kontrolle zu maximieren.
Warum geriet der Taylorismus in den 1980er Jahren an seine Grenzen?
Hochautomatisierte Anlagen erforderten flexiblere Mitarbeiter, die programmieren, überwachen und warten können, statt nur monotone Handgriffe auszuführen.
Welche neuen Formen der Arbeitsorganisation entstanden in der Automobilindustrie?
Es kam zur Zusammenlegung von Aufgaben, mehr Eigenverantwortung für die Arbeiter „vor Ort“ und einer Abkehr von der extremen Arbeitsteilung.
Was änderte sich Anfang der 1990er Jahre?
Veränderte Marktbedingungen und der Bedarf an Produktdifferenzierung führten zu neuen Rationalisierungsstrategien und flexibleren Produktionsmodellen.
Kehrt die Industrie heute zum Taylorismus zurück?
Die Arbeit diskutiert im Schlusskapitel, ob aktuelle Trends wieder eine stärkere Standardisierung und Arbeitsteilung andeuten.
- Citation du texte
- Katja Kirsch (Auteur), 2003, Entwicklung der industriellen Arbeitsorganisation: Ende der Arbeitsteilung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37089