Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aufzuzeigen, welche Einstellung die bürgerliche Frauenbewegung, deren Repräsentant der Bund Deutscher Frauen gewesen ist, dem Krieg – konkret: dem Ersten Weltkrieg – gegenüber hatte. Weiterhin ergibt sich dabei die Frage, in welcher Einstellung zu Staat und Militär, also den kriegführenden Institutionen, sie sich befunden hat. Welchen Sinn erfüllte der Krieg aus ihrer Sicht? Zu welchen Aktivitäten ihrerseits hat er geführt und wie sind diese, sofern sie nicht bloßer Selbstzweck waren, begründet, was haben sie sich von ihren Tätigkeiten und vom Krieg selbst erhofft? In welchen frauenpolitischen Kontext ordnete die bürgerliche Frauenbewegung diese ihre vom Nationalen Frauendienst ausgeführten Aktivitäten ein? Welche Funktion hatte, ihrer Ansicht nach, die Frau im Krieg?
Da die Ausführungen sich notgedrungen auf der Königsebene bewegen werden, sollen jene Fragen hier am Beispiel zweier Vertreterinnen und Funktionärinnen der deutschen bürgerlichen Frauenbewegung dargestellt und verglichen sein. Die Frage, ob sich hinsichtlich des Bildes, das sich Marianne Weber und Gertrud Bäumer vom Krieg gemacht haben, trotz deren unterschiedlicher Lebenskonzeption Gemeinsamkeiten entwickelt haben, die als symptomatisch für die bürgerliche Frauenbewegung gelten können, soll hier beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Bund Deutscher Frauenvereine
2.1 BDF
2.2 Die Einstellung des BDF zum Krieg
2.3 Frau und Krieg aus der Sicht des BDF
2.4 Nationaler Frauendienst
3. Marianne Weber in und um den BDF und ihre Aktivitäten im Nationalen Frauendienst
4. Hintergründe - Marianne Webers Sicht auf den Krieg und die Funktion der Frau im Krieg aus ihrer Sicht
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturliste
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Haltung der bürgerlichen Frauenbewegung, repräsentiert durch den Bund Deutscher Frauenvereine (BDF), zum Ersten Weltkrieg. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der BDF und führende Vertreterinnen wie Marianne Weber den Krieg ideologisch begründeten, welche Rolle sie der Frau im Krieg zuschrieben und wie sie ihre Aktivitäten im Nationalen Frauendienst in den frauenpolitischen Kontext einordneten.
- Die Einstellung der bürgerlichen Frauenbewegung zu Staat, Militär und Krieg.
- Die ideologische Einordnung des Krieges als "Probe" und "Prüfung" durch Marianne Weber.
- Die praktische Arbeit und Funktion des Nationalen Frauendienstes als Bindeglied zur staatlichen Verwaltung.
- Der Vergleich der Ansichten von Marianne Weber und Gertrud Bäumer bezüglich der weiblichen Rolle im Krieg.
- Die Partizipation am Staat und die Suche nach gesellschaftlicher Anerkennung durch kriegsdienliche Tätigkeiten.
Auszug aus dem Buch
Marianne Weber in und um den BDF und ihre Aktivitäten im Nationalen Frauendienst
Wie auch ihr Mann Max Weber hat Marianne Weber ihren „Dienst“ fürs Vaterland getan. Max Weber selbst diente im Ersten Weltkrieg vierzehn Monate als Lazarett- und Disziplinaroffizier, während Marianne Weber sich während des Ersten Weltkrieges im Rahmen der von ihr gegründeten örtlichen Sektion des Vereins „Frauenbildung – Frauenstudium“ dem Nationalen Frauendienst zur Verfügung stellte. Der Verein war seit 1907 Mitglied des Bundes Deutscher Frauenvereine. Marianne Weber selbst hatte stets enge Kontakte gepflegt zu dessen Vorstand, vor allem zu Gertrud Bäumer, hielt Vorträge, besuchte Versammlungen und Kongresse verschiedenster Art und publizierte relativ regelmäßig in Bäumers Zeitschrift „Die Frau“ sowie in der BDF-eigenen Zeitschrift „Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine“.
Überdies war Marianne Weber seit dem Jahr 1900 im BDF-Vorstand und als Vorsitzende bereits 1906 und 1914 im Gespräch, letztlich kam es allerdings erst 1919 zu dieser Bestimmung. Ausschlaggebend dafür, ihr den Vorsitz zu verleihen und sie in dieser Funktion zur Nachfolgerin Gertrud Bäumers zu machen, war, dass sich anscheinend die mannigfaltigen Richtungen innerhalb des BDF auf sie einigen konnten. Dem Amt des Vorsitzes des BDF hatte Marianne Weber allerdings stets zögerlich bis ablehnend gegenübergestanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Einstellung der bürgerlichen Frauenbewegung und führender Akteurinnen zum Ersten Weltkrieg sowie die daraus resultierenden Tätigkeiten im Nationalen Frauendienst.
2. Der Bund Deutscher Frauenvereine: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung, Struktur und die konservativ-gemäßigte Ausrichtung des BDF sowie dessen ambivalente Einstellung zum Krieg nach, einschließlich der Etablierung des Nationalen Frauendienstes.
3. Marianne Weber in und um den BDF und ihre Aktivitäten im Nationalen Frauendienst: Hier wird das Wirken von Marianne Weber im Kontext des BDF und ihre spezifischen Beiträge zur Kriegsfürsorge und zum Nationalen Frauendienst beschrieben.
4. Hintergründe - Marianne Webers Sicht auf den Krieg und die Funktion der Frau im Krieg aus ihrer Sicht: Eine Analyse von Webers Schriften zur Rolle der Frau, in denen sie den Krieg als läuternde "Probe" und "Prüfung" interpretiert.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die bürgerliche Frauenbewegung den Krieg indirekt verlängerte, indem sie ihn durch die Konstruktion eines "Sinns" staatstragend legitimierte.
6. Literaturliste: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Bund Deutscher Frauenvereine, Marianne Weber, Gertrud Bäumer, Erster Weltkrieg, Nationaler Frauendienst, Frauenbewegung, Geschlechterdualität, Heimatfront, Kriegsfürsorge, Patriotismus, Emanzipation, Staatsbürgerschaft, politische Neutralität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Haltung und das Handeln der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland während des Ersten Weltkriegs, insbesondere im Hinblick auf den Bund Deutscher Frauenvereine.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Kriegslegitimation durch Frauenrechtlerinnen, die praktische Organisation der Kriegshilfe durch den Nationalen Frauendienst und die konzeptionelle Rolle der Frau im patriotischen Dienst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, wie die Frauenbewegung den Krieg als sinnvoll interpretierte und durch ihre Einbindung in staatliche Fürsorgestrukturen eine aktive, staatstragende Rolle einnahm, anstatt den Krieg zu kritisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, bei der Schriften, Aufsätze und Berichte maßgeblicher Akteurinnen der Zeit (insb. Marianne Weber und Gertrud Bäumer) ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die strukturelle und ideologische Untersuchung des BDF, die spezifische Tätigkeit von Marianne Weber sowie die theoretische Aufarbeitung ihres Kriegsbildes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Heimatfront", "Kriegsfürsorge", "Geschlechterdualität" und "Partizipation am Staat" definiert.
Welche Rolle spielte der "Nationale Frauendienst" konkret?
Er fungierte als verlängerter Arm der städtischen Verwaltung zur Organisation der Kriegsfürsorge, etwa durch Kinderhorte, Arbeitsvermittlung und Ernährungshilfe, und integrierte Frauen unterschiedlicher politischer Lager in die Kriegsarbeit.
Wie interpretierte Marianne Weber den Krieg ethisch?
Weber konstruierte den Krieg als eine notwendige "Probe" und göttlich bestimmte "Prüfung", die das Volk und das Individuum durch Opferbereitschaft läutern und zur wahren Größe führen sollte.
Warum lehnte der BDF pazifistische Bestrebungen ab?
Der BDF wollte sich als vaterländisch gesinnte Organisation positionieren und befürchtete, durch pazifistische Forderungen gesellschaftliche und staatliche Anerkennung sowie den Zugang zu politischer Teilhabe zu gefährden.
- Quote paper
- Anne S. Respondek (Author), 2012, Über die sozialen und Fürsorgetätigkeiten Marianne Webers im Ersten Weltkrieg im Kontext des Nationalen Frauendienstes des Bundes Deutscher Frauenvereine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370941