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Spielt Urteilsheuristik bei der Personalauswahl eine Rolle?

Titel: Spielt Urteilsheuristik bei der Personalauswahl eine Rolle?

Bachelorarbeit , 2014 , 73 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Igor Weber (Autor:in)

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der Fragestellung, ob Urteilsheuristiken bei der Auswahl von Personal verwendet werden. Untersucht wurden die Repräsentativitätsheuristik, Rekognitionsheuristik, Verfügbarkeitsheuristik, Affektheuristik und Ankerheuristik. Für die Untersuchung wurde ein Fragebogen mit 15 geschlossenen Items entwickelt, welche aus situativen Fragen aus dem Kontext der Personalauswahl bestehen. Für jede gemessene Urteilsheuristik wurden jeweils drei Items verwendet. Die Stichprobe (N=53; 60,4% männlich, 39,6% weiblich; Durchschnittsalter: 35,91 Jahre) besteht aus Personen, welche beruflich in der Personalauswahl tätig sind. Für die Auswertung wurden die Ergebnisse entsprechend einer Binomialverteilung in „heuristisch“ und „nicht-heuristisch gelöst“ umkodiert. Für die Prüfung der fünf Hypothesen (für jede gemessene Urteilsheuristik jeweils eine) wurden Bernoulli-Versuche verwendet, mit denen Ablehnungs- bzw. Annahmebereiche für die Nullhypothesen abgeleitet wurden. Dadurch konnte festgestellt werden, dass die Beantwortung der Fragen des Fragebogens eine Tendenz zur heuristischen Lösungsalternative aufweist und nicht zufällig gewählt wurden.

Wie urteilen Menschen? Wie präzise und resistent sind diese Urteile? Lassen sich dabei systematische Fehler aufweisen? Seit der Geburtsstunde der Psychologie als Wissenschaft beschäftigen sich Forscher aus aller Welt mit diesen Fragen. Dabei geht es nicht allgemein darum, ob ein anderes Individuum gemocht oder nicht gemocht wird. Es geht vielmehr darum zu ergründen, mit welchen Methoden Urteile über Menschen und Situationen gefällt werden und welche kognitiven Prozesse sie dabei durchlaufen. Einen umfassenden Einblick in die menschliche Denkweise liefert das Werk „Schnelles Denken, langsames Denken“ (Thinking, Fast and Slow) von Daniel Kahneman aus dem Jahr 2012. Dabei tätigt Kahneman folgende Aussage:
Menschen urteilen meist mit Hilfe von Urteilsheuristiken. Diese zeitsparenden und simplen „mentalen Abkürzungen“ erlauben es Menschen besonders unter Unsicherheit präzise Urteile und Problemlösungen zu finden. Den Vorteilen von der Anwendung von Urteilsheuristiken stehen allerdings mindestens genau so viele Nachteile entgegen. Fehlurteile und Verzerrungen der Denkweise sind dabei das größte Risiko. In den meisten Fällen sind solche Fehlurteile jedoch mit keinen weitreichenden Konsequenzen verbunden, sodass die Anfälligkeit der Fehlurteile bzw. die heuristische Denkweise überwiegend unbemerkt bleibt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil

2.1 Personalauswahl

2.1.1 Prozess

2.1.2 Methoden

2.1.3 Urteile und mögliche Fehlurteile

2.2 Heuristiken

2.2.1 Definition

2.2.2 Beispiele aus dem Alltag

2.2.3 Abgrenzung zu Algorithmen und dem Homo oeconomicus

2.2.4 Vor- und Nachteile von Heuristiken

2.3 Urteilsheuristiken

2.3.1 Repräsentativitätsheuristik

2.3.2 Rekognitionsheuristik

2.3.3 Verfügbarkeitsheuristik

2.3.4 Affektheuristik

2.3.5 Ankerheuristik

2.3.6 Eliminationsheuristik

2.3.7 Take-the-best Heuristik

2.4 Zusammenfassung und Fazit

3 Fragestellung und Hypothesen

4 Methodik

5 Ergebnisse

5.1 Repräsentativitätsheuristik

5.2 Rekognitionsheuristik

5.3 Verfügbarkeitsheuristik

5.4 Affektheuristik

5.5 Ankerheuristik

6 Interpretation und Schlussfolgerung

7 Diskussion

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob und in welchem Ausmaß Urteilsheuristiken im Prozess der Personalauswahl Anwendung finden. Dabei steht die Analyse im Fokus, ob Entscheidungsträger bei der Auswahl von Personal systematisch auf mentale Abkürzungen zurückgreifen, um komplexe Urteilsprozesse unter Unsicherheit und Zeitdruck zu vereinfachen.

  • Identifikation relevanter Urteilsheuristiken (Repräsentativität, Rekognition, Verfügbarkeit, Affekt, Anker).
  • Analyse des Personalauswahlprozesses und potenzieller Fehlerquellen (Urteilsfehler).
  • Empirische Untersuchung mittels eines standardisierten Fragebogens mit 15 situativen Szenarien.
  • Statistische Auswertung der heuristischen Tendenzen bei Fachpersonal durch Bernoulli-Versuche.
  • Diskussion der Implikationen für die berufliche Praxis und Möglichkeiten zur Fehlervermeidung.

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Repräsentativitätsheuristik

Ein Urteil wird auf Basis der Repräsentativitätsheuristik („representativeness heuristic“) vorgenommen, wenn das Urteil darauf basiert, wie repräsentativ die gegebenen Informationen für eine gesamte Kategorie sind, ähnlich wie bei einer Stereotypisierung (Kahneman & Tversky, 1972).

Ein klassisches Beispiel für die Anwendung der Repräsentativitätsheuristik ist das bekannte „Linda-Problem“ von Tversky und Kahneman (1983):

Linda is 31 years old, single, outspoken, and very bright. She majored in philosophy. As a student, she was deeply concerned with issues of discrimination and social justice, and also participated in anti-nuclear demonstrations.

Which is more probable?

(a) Linda is a bank teller.

(b) Linda is a bank teller and is active in the feminist movement. (S.297)

Die Testpersonen mussten dabei beurteilen, ob die fiktive Person Linda eher eine (a) Bankkassiererin oder (b) eine Bankkassiererin ist, die auch in der feministischen Bewegung tätig ist. Von den Testpersonen haben sich 85% für Antwortmöglichkeit (b) entschieden. Für sie war somit die Tatsache, dass Lina eine feministisch aktive Bankkassiererin ist repräsentativer, als dass sie „nur“ eine Bankkassiererin ist.

Die kognitive Verzerrung bei der Repräsentativitätsheuristik liegt darin, dass bei der Wahrscheinlichkeitsschätzung die Basisrate vernachlässigt wird (Kahneman & Tversky, 1972; Kahneman, Slovic & Tversky, 1982; Tversky & Kahneman, 1983). Aus statistischer Sicht ist das ein Fehler, da die Wahrscheinlichkeit, dass Linda Bankkassiererin und Feministin (p(A∩B)) ist, nicht größer sein kann, als dass sie Bankangestellte (p(A)) oder Feministin (p(B)) ist (siehe Venn-Diagramm in folgender Abbildung).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Menschen Urteile fällen, und stellt das Ziel der Bachelorarbeit vor, die Anwendung von Urteilsheuristiken im Kontext der Personalauswahl zu erforschen.

2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel erläutert den Prozess der Personalauswahl, definiert Heuristiken als mentale Abkürzungen und stellt die fünf untersuchten Urteilsheuristiken (Repräsentativität, Rekognition, Verfügbarkeit, Affekt, Anker) detailliert dar.

3 Fragestellung und Hypothesen: In diesem Abschnitt werden die Forschungsfrage präzisiert und fünf konkrete Hypothesen formuliert, die den Einsatz der jeweiligen Heuristiken bei Personalentscheidern postulieren.

4 Methodik: Hier wird der Aufbau des entwickelten Fragebogens mit 15 Items beschrieben sowie die Stichprobenziehung, die Datengewinnung und das statistische Vorgehen mittels Bernoulli-Versuchen dargelegt.

5 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten der Umfrage, gegliedert nach den fünf Heuristiken, inklusive der statistischen Auswertung und Hypothesenprüfung für jedes Item.

6 Interpretation und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse werden hier in Bezug auf die Hypothesen interpretiert und die zentrale Forschungsfrage beantwortet, ob Urteilsheuristiken tatsächlich bei der Personalauswahl zum Einsatz kommen.

7 Diskussion: Abschließend werden die methodischen Schwächen der Untersuchung reflektiert, die Reliabilität und Validität kritisch hinterfragt und Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet.

Schlüsselwörter

Personalauswahl, Urteilsheuristiken, Repräsentativitätsheuristik, Rekognitionsheuristik, Verfügbarkeitsheuristik, Affektheuristik, Ankerheuristik, Kognitive Verzerrungen, Fehlurteile, Entscheidungsfindung, Personaldiagnostik, Binomialverteilung, Bernoulli-Versuche, Mentale Abkürzungen, Personalauslese.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Entscheidungsträger bei der Personalauswahl unbewusst auf sogenannte Urteilsheuristiken zurückgreifen, um komplexe Beurteilungssituationen zu vereinfachen.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die psychologischen Grundlagen der Personenbeurteilung, die verschiedenen Arten von Heuristiken und deren Auswirkungen auf die Qualität der Auswahlentscheidungen im Personalwesen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, empirisch festzustellen, ob bei der Auswahl von Personal in Unternehmen Urteilsheuristiken angewendet werden, um Bewerberleistungen und Kompetenzen einzuschätzen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Der Autor entwickelte einen standardisierten Fragebogen mit 15 situativen Szenarien aus der Personalauswahlpraxis. Die Daten von 53 Fachpersonen wurden anschließend mittels Bernoulli-Versuchen statistisch auf heuristische Antworttendenzen geprüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einleitung zu den Heuristiken, die Ableitung von Hypothesen für die fünf ausgewählten Heuristiken und eine detaillierte Darstellung und Auswertung der empirischen Ergebnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Personalauswahl, Urteilsheuristiken, kognitive Verzerrungen, Entscheidungsfindung unter Unsicherheit und Personaldiagnostik.

Warum ist die Ankerheuristik bei der Gehaltsverhandlung relevant?

Die Ankerheuristik zeigt, dass bereits genannte Zahlen (Ankerwerte) die nachfolgende Schätzung beeinflussen, was bedeutet, dass ein hoher Gehaltsanker die Verhandlungsbasis massiv verschieben kann.

Inwiefern beeinflusst die Rekognitionsheuristik die Auswahl?

Die Rekognitionsheuristik führt dazu, dass bekannte Namen von Unternehmen oder Universitäten oft als qualitativ hochwertiger wahrgenommen werden, selbst wenn dies sachlich nicht durch die tatsächliche Kompetenz der Bewerber belegt ist.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor über die Folgen?

Der Autor schlussfolgert, dass der Einsatz von Heuristiken zwar effizient ist, aber das Risiko systematischer Fehlurteile birgt, weshalb eine Sensibilisierung und Schulung der Entscheidungsträger für die Praxis empfohlen wird.

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Details

Titel
Spielt Urteilsheuristik bei der Personalauswahl eine Rolle?
Hochschule
Business and Information Technology School - Die Unternehmer Hochschule Iserlohn
Note
1,7
Autor
Igor Weber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
73
Katalognummer
V371089
ISBN (eBook)
9783668479302
ISBN (Buch)
9783668479319
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Urteilsheuristik Auswahl Personal Angestellte Personalleiter Heuristik Urteile Psychologie kognitive Strukturen Personalauswahl
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Igor Weber (Autor:in), 2014, Spielt Urteilsheuristik bei der Personalauswahl eine Rolle?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371089
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  73  Seiten
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