Die beiden zentralen technischen Medien Kamera und Schreibmaschine werden in dieser Arbeit über "Homo Faber" näher durchleuchtet. Bei dieser Analyse wird der Fokus auf die Frage gelegt, in welcher Situation Faber auf die Kamera oder die Schreibmaschine zurückgreift und wie sich das mit seinem Weltverständnis vereinbart. Im darauffolgenden Kapitel, wird die Wandlung Fabers, welche am Ende des Romans von statten geht, untersucht. Dabei konzentrieren wir uns hauptsächlich auf den Wandel in Bezug auf seinen Gebrauch von beiden Medien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Walter Faber – eine Charakteristik
2. Fabers Kameraauge
3. Die „Hermes Baby“
4. Fabers Wandlung
5. Schluss/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Bedeutung und den Gebrauch der zwei technischen Medien Kamera und Schreibmaschine im Kontext der Charakterentwicklung des Romanhelden Walter Faber aus Max Frischs Werk „Homo faber“. Dabei wird untersucht, wie Faber diese Instrumente nutzt, um sich von seiner Umwelt zu distanzieren oder sie zur Kommunikation einzusetzen, und wie sich sein Nutzungsverhalten im Laufe der Erzählung im Zuge seines persönlichen Wandels verändert.
- Charakterisierung von Walter Faber als technokratisch geprägter Mensch
- Funktion der Kamera als Mittel zur Distanzierung und Weltflucht
- Die Schreibmaschine „Hermes Baby“ als Kommunikations- und Anti-Kommunikationsmedium
- Der Wandel des Mediengebrauchs als Indikator für Fabers psychologische Entwicklung
Auszug aus dem Buch
2. Fabers Kameraauge
Die Tatsache, dass die Kamera für Faber ein unentbehrliches Requisit ist, erfährt man bereits sehr früh im Roman. So nimmt Faber seine Kamera überall mit und kann sich ihr sogar während des Fluges nicht entbehren, auch wenn er sich bewusst ist, dass dies Auseinandersetzungen mit dem Zoll bedeutet; ,,Nach dem Zoll, nach der übliche Schererei mit meiner Kamera die mich schon um die halbe Welt begleitet hat […]"3
Fabers Fotomanie ist soweit entwickelt, dass sein erster Gedanke, nachdem sie in der Wüste von Taumalipas notgelandet sind, sich um seine Kamera dreht. Während die anderen Flugpassagiere die Natur bewundern und genießen, möchte Faber den Ort einzig mit seiner Kamera aufnehmen. ,,Natürlich dacht ich auch sofort an den Disney-Film, der ja grandios war, und nahm sofort meine Kamera"4 Da sich aber außer, Eidechsen und Sandspinnen nichts spannendes aufnehmen lässt, stellt er das Filmen wieder sehr schnell ein. In dieser Szene erkennt man somit deutlich, dass Fabers Filmen mit einer Sensationssucht einhergeht - er möchte in der mexikanischen Wüste ,,grandiose" Szenen aufnehmen, welche er sich ja später ansehen könnte. Dies ist die erste Szene, in welcher man bemerkt, dass Faber sich der Wirklichkeit entzieht, sich die Umwelt absichtlich auf Distanz hält. Seine Umgebung erblickt er entweder durch das technische Gerät oder durch das Fenster des Flugzeuges. Da die Wüste Faber Angst einflößt (beispielsweise erschrak Faber vor dem Sand, als er eines morgens in der Wüste aufwachte und dieser ihm sehr nahe vorkam5) benutzt er die Kamera um eine innere Mauer zwischen ihm und der Wüste aufzubauen. Nur hinter seiner Kamera fühlt er sich wohl und sicher. Dementsprechend, wird im Fall von Faber die typische Funktion der Kamera missbraucht: Aus einem Medium, welches dazu gedacht ist, schöne/ einzigartige Erlebnisse, (wie zum Beispiel einen Aufenthalt in einer Wüste) für die Ewigkeit festzuhalten, wird in Fabers Gegenwart ein Medium, das dazu dient gerade vor diesen Erlebnissen zu fliehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Walter Faber – eine Charakteristik: Einführung in die Romanfigur Walter Faber und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage bezüglich seiner technischen Begleiter.
2. Fabers Kameraauge: Analyse der Kamera als Werkzeug zur Distanzierung von der Wirklichkeit und als Mittel zur Weltflucht.
3. Die „Hermes Baby“: Untersuchung der Schreibmaschine als Instrument, das sowohl als Kommunikationsmedium als auch zur bewussten Abschirmung gegenüber Mitmenschen genutzt wird.
4. Fabers Wandlung: Beschreibung des Prozesses, in dem Faber durch persönliche Erfahrungen seine rationale Weltanschauung hinterfragt und den Gebrauch seiner technischen Medien reduziert.
5. Schluss/Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Mediennutzung bei Faber und Einordnung des Wandlungsprozesses vor dem Hintergrund seines nahenden Todes.
Schlüsselwörter
Homo faber, Max Frisch, Walter Faber, Technik, Mediennutzung, Kamera, Schreibmaschine, Hermes Baby, Distanzierung, Weltflucht, Identitätswandel, Kommunikation, Entfremdung, Fotografie, rationale Weltsicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Kamera und der Schreibmaschine im Leben des Romanhelden Walter Faber aus „Homo faber“ und wie diese Medien sein Weltbild widerspiegeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Mensch und Technik, die Funktion von Medien als Distanzierungsinstrumente sowie der psychologische Wandlungsprozess der Hauptfigur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, in welchen Situationen Faber auf Kamera oder Schreibmaschine zurückgreift und wie sich dieses Verhalten durch seine Wandlung am Ende des Romans verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Romans heranzieht, um das Handeln und die Motive des Charakters basierend auf Textbelegen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Kamera („Kameraauge“), die Analyse der Schreibmaschine („Hermes Baby“) und die darauffolgende Betrachtung von Fabers Wandlungsprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identitätswandel, Technikbesessenheit, Distanzierung, Weltflucht und die spezifischen Medien Kamera und Schreibmaschine.
Welche Rolle spielt die Schreibmaschine speziell im Krankenhaus?
Im Krankenhaus stellt die Schreibmaschine für den todkranken Faber ein wichtiges Medium dar, dessen Verlust ihm besonders schwerfällt, da er eine Abneigung gegen das Schreiben von Hand hat.
Warum wird die Kamera als „Anti-Kommunikationsmedium“ bezeichnet?
Obwohl Faber sie teils nutzt, um Kontakte zu knüpfen, dient sie primär dazu, eine innere Mauer zur Wirklichkeit aufzubauen und sich durch Distanzierung vor emotionalen Belastungen zu schützen.
Was verdeutlicht Fabers Wandlung in Bezug auf seine Kameraaufnahmen?
Er erkennt, dass seine Aufnahmen lediglich Vergängliches festhalten und nicht in der Lage sind, die Tiefe und das Gefühl einer wirklichen Begegnung zu vermitteln, weshalb er seine Kamera schließlich aufgibt.
- Quote paper
- Tessy Feyder (Author), 2017, Homo Faber. Wie Kamera und Schreibmaschine für ihn unentbehrliche Begleiter sind, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371132