Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluation des Hörverstehens und betrachtet kritisch eine Aufgabe des niveau avancé des Instituts zur Qualitätssicherung im Bildungswesen. Zunächst wird eine kurze Definition der Sprachkompetenzen gegeben, worauf die kognitiven Prozesse des Hörvorgangs erläutert werden. Es folgt ein geschichtlicher Überblick über den Stellenwert des HVs im Fremdsprachenunterricht, bevor eine Definition der Gütekriterien zur Evaluation des HVs präsentiert werden. Im Hauptteil wird eine HV Aufgabe aus dem Abituraufgabenpool der Länder anhand der definierten Gütekriterien analysiert. Den Abschluss bildet das Fazit als Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: das Hörverstehen
2. Definition kommunikativer Sprachkompetenzen
3. Definition Hörverstehen:
Kognitive Prozesse und deren Differenzierung
4. Geschichtlicher Überblick über den Stellenwert des Hörverstehens
im Fremdsprachenunterricht
5. Gütekriterien und Herausforderungen beim Testen von HV
6. Analyse der IQB Aufgabe
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Evaluation des Hörverstehens im schulischen Fremdsprachenunterricht. Dabei wird eine kritische Analyse einer Hörverstehensaufgabe des Instituts zur Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB) auf Basis wissenschaftlicher Gütekriterien durchgeführt, um deren Eignung für das Niveau avancé zu prüfen.
- Grundlagen und Definitionen kommunikativer Sprachkompetenzen
- Kognitive Prozesse beim Hörvorgang (Top-down vs. Bottom-up)
- Historische Entwicklung des Hörverstehens im Fremdsprachenunterricht
- Wissenschaftliche Gütekriterien bei der Testkonstruktion (Objektivität, Reliabilität, Validität)
- Analyse und Bewertung einer spezifischen IQB-Hörverstehensaufgabe
Auszug aus dem Buch
Konstruktvalidität in Bezug auf den Hörtext
In Bezug auf den Hörtext ist die Konstruktvalidität insofern gegeben, dass hauptsächlich nur eine Person spricht und diese kaum von Hintergrundgeräuschen gestört wird. Dies erhöht insofern die Validität, dass das Verständnis des Textes gemessen wird und nicht etwa die Fähigkeit, verschiedene Tonspuren von unwichtigen zu filtern. Nichts desto trotz weist der Text auch mehrere Passagen auf, in denen schnell und undeutlich gesprochen wird, wie beispielsweise „[…] un pris en charge repide à toutes les étappes de sejour [..]“ in 04:21, „[…] s’il parle notre belle langue avec difficultés, pire, le judge et il regarde le touriste souvent de [euh] „si si“ […] regardons les choses en face […]“ ab 02:41. Außerdem findet man schnell gesprochene, umgangssprachliche und inkomplette Satzteile vor: „[…] le dix-neuf heures pour les Japonais […] rholala […] fais gaffe, attention […]“ in 04:25 oder „[…] lorsqu’ils rentrent en Japon, alors là […]“ in 04:33. Bei 02:51 sagt die interviewte Person „nous avons une reputation [...]“ gefolgt von einem Adjektiv, das nur schwer zu verstehen ist, weil der Interviewer in den Redefluss hineinspricht und die Aussage mit „ouais“ (02:51) bekräftigt.
Die Konstruktvailidität des Textes steht hier in Konkurrenz zur Authentizität, welche erst durch eben natürlich gesprochene Sprache mit abgehakten Sätzen und Umgangssprache gegeben ist. Trotz dessen kann genau dies für den Prüfling eine Herausforderung darstellen und in die unerwünschte Prüfung der Ratekompetenz abweichen, wenn bestimmte Passagen zu undeutlich oder zu schnell ausgesprochen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: das Hörverstehen: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Bedeutung des Hörverstehens als Grundfertigkeit des Fremdsprachenerwerbs und führt in die Problemstellung der Evaluation ein.
2. Definition kommunikativer Sprachkompetenzen: Hier werden die theoretischen Grundlagen kommunikativer Kompetenzen gemäß dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) und der Kultusministerkonferenz (KMK) dargestellt.
3. Definition Hörverstehen: Kognitive Prozesse und deren Differenzierung: Es wird der Hörprozess als Interaktion von Top-down- und Bottom-up-Prozessen sowie die Unterscheidung von Global-, Detail- und selektivem Verstehen erläutert.
4. Geschichtlicher Überblick über den Stellenwert des Hörverstehens im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der didaktischen Strömungen nach und begründet die zunehmende Relevanz des Hörverstehens.
5. Gütekriterien und Herausforderungen beim Testen von HV: Hier werden die zentralen Testgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität in Bezug auf Hörverstehenstests definiert.
6. Analyse der IQB Aufgabe: Eine praktische Anwendung der zuvor definierten Gütekriterien findet auf eine konkrete Hörverstehensaufgabe des IQB statt.
7. Fazit: Die Ergebnisse der Analyse werden zusammengefasst und die Eignung der Aufgabe für das Niveau avancé bewertet.
Schlüsselwörter
Hörverstehen, Fremdsprachenunterricht, Evaluation, Testgütekriterien, Objektivität, Reliabilität, Validität, IQB, Bildungsstandards, Kommunikation, Sprachkompetenz, Top-down, Bottom-up, Authentizität, Französischdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluation des Hörverstehens im Französischunterricht an gymnasialen Oberstufen unter Berücksichtigung aktueller Bildungsstandards.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Hörverstehens, die Bedeutung der Testgütekriterien bei der Aufgabenentwicklung sowie die praktische Überprüfung einer IQB-Aufgabe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse und Bewertung einer standardisierten Hörverstehensaufgabe des IQB anhand etablierter didaktischer und testtheoretischer Gütekriterien.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine kriterienorientierte Analyse durchgeführt, bei der die IQB-Aufgabe auf ihre Objektivität, Reliabilität, Inhaltsvalidität, Konstruktvalidität und Authentizität hin untersucht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Sprachkompetenzen und Testtheorie sowie die detaillierte, kritische Analyse der spezifischen IQB-Prüfungsaufgabe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Hörverstehen, Testevaluation, Gütekriterien und Bildungsstandards definieren.
Wie bewertet die Autorin die Konstruktvalidität des untersuchten Hörtextes?
Die Autorin stellt fest, dass die Konstruktvalidität des Hörtextes in Konkurrenz zur Authentizität steht, da extrem schnelle oder undeutliche Passagen die Schüler zu einer "Ratekompetenz" verleiten könnten.
Welche konkreten Verbesserungsvorschläge macht die Autorin für die untersuchte Aufgabe?
Sie schlägt unter anderem deutlichere Markierungen bei Aufgabenstellungen, Hinweise zur Pausenlänge sowie eine Entzerrung der Abfolge bei halboffenen Fragen vor, um sicherzustellen, dass das Hörverstehen und nicht das Schreibtempo geprüft wird.
- Arbeit zitieren
- Valeria Rusovski (Autor:in), 2016, Die Evaluation des Hörverstehens im Fremdsprachenunterricht. Analyse einer IQB-Aufgabe im Fach Französisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371142