Dieser Text soll den Bogen vom Paradigma der transhumanistischen Forschung über das Teilgebiet der künstlichen Intelligenz zu einem konkreten Problem deren schlagen.
Aus einer aktuellen naturwissenschaftlich-technischen Forschung ein Teilgebiet zu isolieren und innerhalb dessen eine Schwierigkeit resp. ein Problem auszuarbeiten und zu präsentieren. Sind diese Schritte gelungen werde ich versuchen einen angemessenen und hilfreichen Rekurs in eine Philosophie zu vollziehen, welche wichtige Denkanregungen und mögliche Lösungsanregungen für den ausgearbeiteten Problembereich aufweist.
Dabei soll in keinem der genannten Schritte eine Arbeit in die Tiefe stattfinden. Eine oft vollzogene Auflistung der nicht beachteten Literatur bleibt hier Vernunftentsprechend aus. Wichtig ist mir zu unterstreichen, dass die eigentliche Arbeit in der Ausarbeitung vom Forschungsgebiet zu einem konkreten Problem liegt und das philosophisch - kreative Element im Ausfindig machen eines philosophischen Textes, Konzeptes usw. welches das Problem unter einem neuen Licht aufzuzeigen vermag. Gerade in modernen Forschungen in ihren Verstrickungen mit Staat und Wirtschaft wird oft bewusst und unbewusst nicht eindeutig auf Probleme hingewiesen sondern die Forschung weiter nach vorne getrieben in der Hoffnung einer späteren Lösung durch Problemverschiebung, welche zugegeben oft auch glückt.
Deshalb ist es ein grosser Teil der Arbeit einerseits oberflächlich und breit zu bearbeiten was ein Forschungsgebiet und Paradigma anbelangt und anderseits beim Erkennen eines Grundproblems dieses in aller Klarheit, Einfachheit und notwendiger Tiefe zu präsentieren. Eine Lösung dieses Problems selbst wird nicht erarbeitet oder angestrebt, jedoch ein Exempel einer möglichen Anwendung eines philosophischen Inputs auf jenes. Der Wirkungsgrad der Arbeit steht dabei in Korrelation zur Deckung der beiden genannten Elemente von Forschungsproblem und Philosophierekurs und es wäre angenehm, wenn sich am Ende der Arbeit das Interesse eröffnen würde in angezeigter Richtung weiter zu forschen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung in die Arbeit
Einleitung zum Transhumansismus (TH) und zur künstlichen Intelligenz (KI)
Expertensysteme
Archimedischer Punkt – Vom ‚Know – That‘ (KT) zum ‚Know – How‘ (KH)
Aristotelische Teleologie und die Unterscheidung zwischen Selbst –und Fremdbestimmung
Resumé und Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt einen holistischen Ansatz, um das komplexe Verhältnis zwischen moderner KI-Forschung, insbesondere im Bereich der Expertensysteme, und philosophischen Konzepten zu untersuchen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die inhärenten Schwierigkeiten künstlicher Systeme zu entwickeln, indem die Frage nach dem notwendigen "Telos" (Ziel) und dem Übergang von regelbasiertem Wissen zu intuitivem Können gestellt wird.
- Transhumanismus und künstliche Intelligenz als Paradigmen moderner Forschung.
- Die funktionale und konzeptionelle Analyse von Expertensystemen.
- Der philosophische Übergang vom "Know-That" zum "Know-How".
- Die aristotelische Teleologie als Unterscheidungskriterium für künstliche und natürliche Intelligenz.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der technischen Machbarkeit von Bewusstsein.
Auszug aus dem Buch
Archimedischer Punkt – Vom ‚Know – That‘ (KT) zum ‚Know – How‘ (KH)
„Ein Experte folgt überhaupt keinen Regeln! (...). Er erkennt Tausende von Einzelfällen. Das wiederum erklärt, warum Expertensysteme niemals so gut abschneiden wie Experten. Fragt man einen Experten nach Regeln, zwingt man ihn eigentlich dazu, auf das Niveau des Anfängers zu regredieren.“
Die Begriffe ‚Know – That (KT)‘ und ‚Know – How (KH)‘ stammen aus der Anwendung Dreyfus und mit KT ist ein Regelbefolgen gemeint, eben das oben beschriebene ‚wenn x dann y‘ während KH diese Art von spezifischem Anwenden, situationsangepasstem Handeln meint welches von der ES Forschung angestrebt wird. Ich wiederhole ein letztes Mal, dass diese kurzen Darstellungen nie vollständig sind und ebenfalls eine gründliche Begriffsphilosophie notwendig wäre wie dies bei den meistenwendetet Begriffen wie z.B. ‚verstehen‘, oder ‚Intelligenz‘ usw. der Fall ist. Das skizzierte Verständnis reicht aber aus um weiterzuarbeiten und im Denkweg tiefer zu gehen. Winograd, Kurzweil sowie Dreyfus behandeln in ihrer Literatur diese ansonsten so hochspezialisierten Technikthemen in der hier vorgenommenen Art und Weise, insofern kann es sich hierbei nicht um eine völlig falsche Orientierung halten. Der nicht zu beschreibende Übergang von KT zu KH ist in der Literatur, ähnlich dem Leib–Seele Problem, ein ungern angesprochenes Insiderarkanum. Will man einer naturwissenschaftlichen Arbeitsweise entsprechen müssen solche Übergänge in einen Ursache–Wirkung Zusammenhang gebracht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung in die Arbeit: Der Verfasser erläutert seinen holistischen, philosophisch geprägten Ansatz, der naturwissenschaftlich-technische Forschung kritisch hinterfragt und als Plädoyer für einen interdisziplinären Diskurs dient.
Einleitung zum Transhumansismus (TH) und zur künstlichen Intelligenz (KI): Es wird die transhumanistische Vision der Transzendenz menschlicher Grenzen durch KI untersucht und die Heterogenität dieser Forschungsrichtung aufgezeigt.
Expertensysteme: Dieses Kapitel analysiert Expertensysteme als spezialisiertes, praxisorientiertes Teilgebiet der KI und thematisiert die Herausforderungen bei der Modellierung von Expertenwissen.
Archimedischer Punkt – Vom ‚Know – That‘ (KT) zum ‚Know – How‘ (KH): Hier wird das Modell von Dreyfus eingeführt, um den essenziellen Unterschied zwischen regelgebundenem Faktenwissen und situationsangepasstem, intuitivem Expertenkönnen zu verdeutlichen.
Aristotelische Teleologie und die Unterscheidung zwischen Selbst –und Fremdbestimmung: Der Verfasser nutzt die aristotelische Ursachenlehre, um zu begründen, warum künstliche Systeme (allokinetisch) sich fundamental von natürlichen Systemen (autokinetisch) unterscheiden und warum ein echtes "Telos" in der KI fehlt.
Resumé und Schlusswort: Die Arbeit zieht das Fazit, dass ein Rückgriff auf klassische philosophische Gedanken die notwendige Offenheit für die ungelösten basalen Probleme der gegenwärtigen Technikforschung bieten kann.
Schlüsselwörter
Transhumanismus, Künstliche Intelligenz, Expertensysteme, Know-That, Know-How, Teleologie, Aristoteles, Hubert Dreyfus, Autokinese, Allokinese, Technikphilosophie, Bewusstsein, Causa Finalis, Wissensbasis, Paradigmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von moderner KI-Forschung zur Philosophie, um basale Probleme in der Entwicklung intelligenter Systeme aufzudecken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf Transhumanismus, Expertensysteme sowie die philosophische Unterscheidung zwischen technischer Programmierung und natürlicher Intelligenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Verständnis für das "Warum" hinter der Forschungsstagnation in der KI zu gewinnen, indem die Notwendigkeit eines Telos und das Problem des "Know-How" beleuchtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen holistischen, kontinentalphilosophisch orientierten Ansatz, der als Plädoyer für einen interdisziplinären Rekurs in die Philosophie fungiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise von Expertensystemen, diskutiert das Dreyfus-Modell des Expertenwissens und wendet die aristotelische Teleologie auf künstliche Systeme an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentral sind Begriffe wie Teleologie, Autokinese, Know-How, Transhumanismus und künstliche Intelligenz.
Warum können Expertensysteme laut Autor keine echte Intelligenz erreichen?
Weil ihnen eine intrinsische Zielgerichtetheit (Telos) fehlt und sie lediglich auf einer mechanistischen, fremdbestimmten Programmierung (Allokinese) basieren.
Was bedeutet der Übergang von "Know-That" zu "Know-How"?
Es beschreibt den Entwicklungsprozess vom bloßen Befolgen expliziter Regeln hin zu einem situationsabhängigen, intuitiven und spontanen Handeln, das für echte Experten konstitutiv ist.
- Arbeit zitieren
- Ramon Weisskopf (Autor:in), 2016, Das Telos innerhalb eines künstlichen Expertensystems. Plädoyer für den Philosophierekurs im Forschungsprozess der Künstlichen Intelligenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371177