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Gadamers Hermeneutik

Titel: Gadamers Hermeneutik

Magisterarbeit , 2002 , 54 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Dr. phil. Annika Krüger (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Philosoph Hans-Georg Gadamer wollte der Tendenz der Naturwissenschaften entgegengehen, über ihren wissenschaftlichen Bereich hinaus zu urteilen, das heißt Geistiges auf physiologische Gegebenheiten zu reduzieren. Hans-Georg Gadamer schaffte eine vormethodisch und ontologisch ausgerichtete philosophische Hermeneutik. Hermeneutik ist die Kunst und Lehre der Auslegung von Schriften und Kunstwerken. Auch das Verstehen von Menschen, was nach Gadamer nur durch das Gespräch zum Erfolg führen kann, ist Teil der Hermeneutik. Um ein Verständnis davon zu bekommen, was Gadamer mit der ‚Universalität von Hermeneutik’ meint, wird ein Einblick gegeben, wie beispielsweise das Geschichtsverständnis das menschliche Leben beeinflusst. Die hermeneutische Reflexion dient der Entdeckung der Bedingungen und Grenzen der Wissenschaft. Sie deckt Wahrheitsbedingungen auf.
Diese Arbeit konzentriert sich auf den Bereich der Lyrik. Das Verstehen eines Gedichts erfordert eine Eigenleistung. Das Lesen und Deuten, das ‚richtige’ Verstehen ist hier Aufgabenstellung. Weist das Dichterwort auf etwas oder steht es in sich da, und will als solches genommen werden? Kann man den Sinn des Gedichts als etwas Verborgenes aufdecken? Oder ist der Sinn gar nicht verborgen? Spricht es für oder gegen ein Gedicht, wenn es in sich verschränkt und verdichtet ist?
Hans-Georg Gadamer interpretiert unter anderem Paul Celans Gedichtfolge „Atemkristall“, welche 21 Gedichte umfasst. Hierbei geht er nicht nur auf das Gedicht selber ein, sondern bezieht einiges aus seinen hermeneutischen Schriften in die Interpretation mit ein. So werden vornehmlich andersherum zu seinen Gedanken, die die Hermeneutik betreffen, Interpretationsansätze von Celans Lyrik herangezogen. Beide Weisen des Vorgehens eröffnen einen vorerst nicht geahnten Weitblick.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Aufgabe der Hermeneutik

2.1. Verdeckung der Sprache

2.2. Reflexion und Selbstreflexion

2.3. Verstehen als wirkungsgeschichtlicher Vorgang

3. Sprache und Gespräch

3.1. Motivation

3.2. Die Kunst

3.3. Das Gespräch als Spiel

4. Verstehen

4.1. Dichtung als Aufdeckung

4.2. Interpretation und Deutung

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der hermeneutischen Schriften von Hans-Georg Gadamer unter besonderer Berücksichtigung ihrer Anwendung auf die Lyrik, insbesondere auf den Gedichtzyklus „Atemkristall“ von Paul Celan, um ein tieferes Verständnis von Sprache, Verstehen und Wahrheit zu erlangen.

  • Die hermeneutische Kunst und Lehre der Auslegung von Schriften und Kunstwerken.
  • Die Rolle der Sprache als verdeckendes und zugleich eröffnendes Phänomen.
  • Die Dynamik des Verstehens als wirkungsgeschichtlicher Vorgang im Dialog.
  • Die Bedeutung von Lyrik als extremes Beispiel für den Verstehensprozess.
  • Die Interdependenz von Dichten und Deuten bei der Sinnkonstitution.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Kunst

Auch das nicht-sprachliche Kunstwerk fällt in den Aufgabenbereich der Hermeneutik. Denn auch dieses sagt uns allen etwas.

Das Kunstwerk wird wie Literatur überliefert: Es ist abhängig vom Geschmack und dem bewahrenden Willen der späteren Generation, das Bewahren und Überliefern der Sprache, die das Kunstwerk selber mit sich trägt. Es sagt einem jedem etwas, als „wäre es eigens ihm gesagt“, wodurch das Gesagte und damit auch das Kunstwerk selbst zu etwas Gegenwärtigem und Gleichzeitigem wird. Man begegnet sich selbst bei der Begegnung mit einem Kunstwerk, eine „Selbsterkenntnis des Geistes“. Dies bedeutet eine Gleichzeitigkeit zwischen dem Werk und dem Betrachter.

Das Kunstwerk konfrontiert uns mit uns selbst. Es macht uns betroffen, da das Gesagte wie eine Entdeckung erscheint, eine Aufdeckung von etwas Verdecktem. Die gefühlte Vertrautheit mit dem Werk erschüttert uns, und bringt das Gewohnte zum Einsturz: „Es ist nicht nur das „Das bist du!“, das es in einem freudigen und furchtbaren Schreck aufdeckt - es sagt uns auch: „Du mußt dein Leben ändern.“ „All dies Stutzen und Staunen und im Verstehen Nichtweiterkommen ist offenkundig immer auf Weiterkommen, auf eindringlichere Erkenntnis angelegt!“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Gadamers Hermeneutik ein und setzt den Fokus auf die Analyse lyrischer Texte, speziell Paul Celans, als Herausforderung für das Verstehen.

2. Die Aufgabe der Hermeneutik: Dieses Kapitel thematisiert die Sprachlichkeit als grundlegendes Phänomen, beleuchtet die Rolle der Reflexion und definiert Verstehen als einen wirkungsgeschichtlichen Prozess.

3. Sprache und Gespräch: Der Abschnitt untersucht die motivierte Natur der Sprache, die Funktion der Kunst als Spiegel des Selbst sowie den spielerischen Charakter des verstehenden Gesprächs.

4. Verstehen: Dieses Kapitel konzentriert sich auf das Verstehen von Dichtung als einen Prozess der Aufdeckung und diskutiert die methodischen Herausforderungen bei Interpretation und Deutung.

5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentrale Bedeutung des hermeneutischen Ansatzes für das Verständnis der Welt und die Rolle des Gesprächs als Medium zur Wahrheitssuche.

Schlüsselwörter

Hermeneutik, Hans-Georg Gadamer, Paul Celan, Lyrik, Verstehen, Sprache, Dichtung, Interpretation, Deuten, wirkungsgeschichtlicher Vorgang, Horizontverschmelzung, Sinnverhüllung, Atemkristall, Wahrheit, Dialog.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der hermeneutischen Theorie von Hans-Georg Gadamer auf das Verständnis lyrischer Dichtung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Wesen der Hermeneutik, die Rolle der Sprache, die Dynamik des Verstehens sowie die spezifische Bedeutung von Lyrik als Gegenstand der Interpretation.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, durch die Gadamer'sche Perspektive einen Zugang zum „richtigen“ Verstehen komplexer, sinnverhüllter Lyrik zu finden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die hermeneutische Reflexion, um die Texte Gadamers und exemplarisch die Lyrik von Paul Celan zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Aufgaben der Hermeneutik, das Wesen der Sprache und des Gesprächs sowie die spezifischen Anforderungen beim Verstehen und Deuten von Dichtung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Hermeneutik, wirkungsgeschichtlicher Vorgang, Sprachlichkeit, Dichtung, Interpretation und Horizontverschmelzung.

Warum spielt die Lyrik von Paul Celan eine besondere Rolle?

Celans Lyrik zeichnet sich durch eine spezifische „Sinnverhüllung“ aus, die das Verstehen zur „großen Eigenleistung“ macht und somit das hermeneutische Vorgehen besonders herausfordert.

Was bedeutet der Titel „Atemkristall“ im Kontext der Arbeit?

Gadamer deutet diesen Titel als den lautlosen Übergang zwischen Aus- und Einatmen, in dem sich das Gedicht in „reine Gestalt“ auskristallisiert.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gadamers Hermeneutik
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophisches Seminar)
Note
sehr gut
Autor
Dr. phil. Annika Krüger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
54
Katalognummer
V3712
ISBN (eBook)
9783638122948
ISBN (Buch)
9783638696661
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst Verstehen Gadamer Hermeneutik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. phil. Annika Krüger (Autor:in), 2002, Gadamers Hermeneutik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3712
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  54  Seiten
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