FinTechs. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Gefährdung des Retail Bankings in Deutschland


Masterarbeit, 2017
141 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Struktur und Vorgehensweise
1.3 Grenzen und Einschränkungen der Studie

2. Veränderungen im Marktumfeld
2.1 Einfluss der Digitalisierung
2.2 Generationswandel in Deutschland
2.3 Veränderung im Verbraucherverhalten
2.3.1 Internet
2.3.2 Mobile
2.3.3 Relevanz der Bankfiliale

3. Bankwesen
3.1 Definition von Bankwesen
3.2 Das deutsche Bankensystem
3.3 Retail Banking in Deutschland
3.4 Auswirkungen der Finanzkrise auf das Bankwesen
3.5 Trends im Bankwesen

4. Finanztechnologie
4.1 Definition von FinTech
4.2 Einfluss von FinTechs
4.3 Geschäftsbereiche von FinTechs
4.3.1 Finanzierung
4.3.2 Vermögensmanagement
4.3.3 Zahlungsverkehr
4.3.4 Sonstige FinTechs
4.4 FinTech-Markt in Deutschland
4.4.1 Finanzierung
4.4.2 Vermögensmanagement
4.4.3 Zahlungsverkehr
4.5 Regulierungen für FinTechs
4.6 Vergleich der Geschäftsmodelle FinTechs vs. Retail Banking

5. Forschungsstudie
5.1 Einführung in die Forschungsstudie
5.1.1 Ziele
5.1.2 Aufbau und Struktur
5.1.3 Teilnehmer
5.2 Ergebnisvorstellung
5.2.1 Allgemeines Bankenumfeld
5.2.2 FinTechs
5.2.3 Strategische Ausrichtung und Ausblick
5.3 Handlungsempfehlungen für das Retail Banking
5.3.1 Allgemeine Handlungsempfehlungen
5.3.2 Nachahmung
5.3.3 Kooperation
5.3.4 Investment und Akquisition
5.3.5 Interne Innovation

6. Zukunftsausblick
6.1 Allgemeiner Zukunftsausblick
6.2 Retail Banking
6.3 FinTechs
6.4 Verbraucher

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Generationen in Deutschland

Abbildung 1: Banken als Finanzintermediäre

Abbildung 2: Das deutsche Bankensystem

Abbildung 3: Marktanteil je Bankengruppe in Deutschland

Abbildung 4: Entwicklung der Bankfilialen in Deutschland von 2004 bis 2015

Abbildung 5: Cost-Income-Ratio deutscher Banken von 2005 bis 2015

Abbildung 6: Entwicklung der Zinsmarge von 1977 bis 2012

Abbildung 7: Investitionen in FinTechs von 2010 bis 2016 in Mrd. EUR

Abbildung 8: Geschäftsbereiche von FinTechs

Abbildung 9: FinTechs in Deutschland je Teilbereich (n = 433)

Abbildung 10: Geografische Verteilung der FinTechs in Deutschland

Abbildung 11: Bildliche Darstellung des Geschäftsmodells von Lendico

Abbildung 12: Bankbereiche mit dem größten Handlungsbedarf

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zu Beginn der Arbeit wird in Punkt 1.1 in das Thema durch das Aufführen der Problem-stellung und Zielsetzung eingeleitet. Fortführend wird in Punkt 1.2 die Struktur und Vorgehensweise der Arbeit beschrieben. Punkt 1.3 führt die Grenzen und Einschränkungen der Studie auf.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Seit Beginn der 2000er Jahre hat sich die Unternehmenswelt wesentlich verändert. Grund hierfür sind neuentstandene Internet-Infrastrukturen und die damit verbundene Digitalisierung, die den Alltag mittlerweile beherrschen. In der Musik-, Buch-, Medien- und Filmindustrie sind diese Konsequenzen bereits deutlich zu erkennen. Onlinedienste, die von Startups und Technologieunternehmen angeboten werden, verändern ganze Branchen und Industrien. Unternehmen wie Apple, Google, Amazon und Facebook haben die Art und Weise verändert, wie Menschen über Musik, Filme, Bücher, Medien und Konsum allgemein denken. Die Wahrnehmung des Verbrauchers in Bezug auf das Einkaufserlebnis und die Nutzung von Produkten und Dienstleistungen hat sich erheblich verändert.

Trotz dieser Veränderungen und vermeintlichen Erleichterungen im Alltag blieb die Finanzbranche bisher relativ unverändert. Obwohl man von einer globalen Finanzkrise betroffen war, welche zu Anpassungen und stärkeren Regulierungen führte, blieben Innovationen größtenteils aus. Dieser Zustand scheint sich jedoch in einem Wandel zu befinden. Neue Marktteilnehmer sorgen in der Branche für Aufruhr. FinTechs treten in den Markt ein und diese modernen Internetunternehmen bieten technologieaffinen Kunden neue Services zur Vermögensverwaltung, Finanzplanung oder Zahlungsabwicklung an. Dabei nutzen sie die entstandene Innovationslücke gezielt aus und zwingen Banken auf kurz oder lang sich an die Veränderungen anzupassen. Online und mobile Finanzdienstleistungen gelten nun als die Zukunft des Retail Bankings. Dabei werden Finanzdienstleistungen nicht nur durch internetbasierte moderne Technologien angepasst, sondern sogar neue Geschäftsbereiche wie Crowdfunding entstehen. Da sich sowohl die Anzahl der FinTechs als auch die Anzahl ihrer Kunden erhöht, beginnen Banken die Veränderung verstärkt wahrzunehmen und erkennen, dass das Ignorieren dieser Entwicklung eine Bedrohung für ihr Geschäftsmodell darstellen könnte. Das berühmte Zitat von Kovacevich „Banking is necessary, banks are not”, welches oft Bill Gates zugeschrieben wird, scheint eine neue Bedeutung zu erhalten. Die Arbeit soll zeigen, wie FinTechs die Finanzbranche neugestalten, indem sie sich Technologie-Trends und Marktveränderungen zu Nutze machen. Es soll die Entwicklung der FinTech-Branche und ihr Einfluss auf Universalbanken vorgestellt werden. Hauptziel wird sein, Rückschlüsse auf eine eventuelle Gefährdung für das Retail Banking in Deutschland zu ziehen und Handlungsempfehlungen zu geben. Schließlich werden die Auswirkungen der aktuellen Situation für alle Beteiligten der Finanzbranche diskutiert.

1.2 Struktur und Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit besteht aus sieben Kapiteln, wobei in Kapitel 1 in das Thema mit der Problemstellung, Zielsetzung und Methodik eingeleitet wird. Bevor die Auswirkungen der FinTech-Entwicklung und eine Einschätzung zur Gefährdung des Retail Bankings gegeben werden können, werden in Kapitel 2 die Veränderungen im Marktumfeld verdeutlicht, indem der Einfluss der Digitalisierung, der Generationswandel in Deutschland und Veränderungen im Verbraucherverhalten aufgezeigt werden.

Kapitel 3 konzentriert sich auf das Bankwesen. Ziel ist es, das deutsche Bankensystem und Retail Banking zu erläutern, sowie Auswirkungen der Finanzkrise und Trends im Bankwesen zu identifizieren.

Anschließend wird in Kapitel 4 die FinTech-Entwicklung vorgestellt. Neben der Definition von FinTechs sollen die Geschäftsbereiche und der FinTech-Markt in Deutschland beschrieben werden. Darüber hinaus werden Herausforderungen für die Branche aufgezeigt.

In Kapitel 5 wird die wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt. Nach der Erläuterung der Studie werden die Ergebnisse vorgestellt und Handlungsempfehlungen für Banken gegeben.

Kapitel 6 gibt ein Zukunftsausblick für die Finanzbranche und geht dabei detailliert auf das Retail Banking, FinTechs als auch Verbraucher ein.

In Kapitel 7 wird auf Basis der wichtigsten Ergebnisse der Analyse ein Fazit gezogen und die Masterarbeit abgeschlossen.

Die FinTech-Branche ist eine relativ junge Branche und damit sind Daten nur begrenzt vorhanden. Aufgrund dieses Mangels an ausreichender Literatur für FinTechs wurde ein qualitativer Ansatz mit halbstrukturierten Interviews durchgeführt. Als Literaturquellen dienen Veröffentlichungen der Deutschen Bundesbank, Literatur und Statistiken, die über EBSCO, ECONBIZ, Google Scholar oder Statista.de bezogen wurden. Relevante Daten sowie Publikationen und Studien von Banken oder Beratungsunternehmen sind in gewissem Umfang integriert. Die Absicht der Interviews bestand darin, die Ergebnisse der Literaturforschung zu validieren und die Frage zur Gefahr des Retail Bankings mit Hilfe der Einsicht in die Banken und deren Strategien zu erweitern.

1.3 Grenzen und Einschränkungen der Studie

Da die FinTech-Branche relativ jung ist, sind Daten und Literatur begrenzt. Hauptquellen für Literatur sind die im vorigen Kapitel genannten Quellen. Publikationen von Forschungseinheiten von Banken oder Beratungsfirmen werden auch in Teilen verwendet, aber in gewissem Ausmaß voreingenommen betrachtet. Einige erforderliche Daten waren nicht verfügbar, vor allem in Bezug auf FinTechs und in diesem Fall mussten Erfahrungen oder ungefähre Werte basierend auf Schätzungen ermittelt werden. Ein qualitativer Ansatz mit halbstrukturierten Interviews wurde durchgeführt, um mehr Daten und Informationen für die Arbeit zu generieren. Eines der Hauptziele war es, eine Stichprobengröße zu erreichen, die die deutsche Bankenbranche mit Fokus auf das Retail Banking adäquat vertritt. Es sei angemerkt, dass es sich bei den Aussagen der Befragten um die eigene Meinung basierend auf Erfahrungen und Werten handelt und diese möglicherweise nicht wissenschaftlich fundiert sind. Die Einschätzung zur Gefährdung des Retail Banking beruht dementsprechend auf wenig wissenschaftlich fundierten Quellen und liegt vollständig in der Zukunft. Zwar können Vergleiche zu anderen Branchen gezogen werden, dennoch kann sich die FinTech- Situation anders entwickeln als in der Arbeit vorgestellt.

2. Veränderungen im Marktumfeld

Ob in den Medien, auf den Märkten oder einfach nur in den Köpfen der Menschen, das Thema Digitalisierung scheint omnipräsent. Die anhaltende digitale Transformation ist allgegenwärtig und verändert den Markt, Menschen, Umwelt und Gesellschaft. Technologien wie Social Media und Cloud Computing verändern die Forderungen und Erwartungen der Gesellschaft und Verbraucher erheblich. Gleichzeitig sind Unternehmen gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Ob Banken, Medienunternehmen oder Automobilhersteller, Unternehmen sind weltweit und branchenübergreifend von dem Digitalisierungsprozess und den damit verbundenen Veränderungen im Marktumfeld betroffen.

2.1 Einfluss der Digitalisierung

Die Digitalisierung ist einer der größten Trends der letzten Jahre und wird zukünftig einen noch stärkeren Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. War der Einfluss der Digitalisierung anfangs eher in der Unternehmenswelt zu spüren, so hat er sich in den letzten Jahren zusätzlich auf das private Umfeld ausgeweitet. Digitalisierung ist die Überführung von Daten und Informationen aus der analogen in die digitale Welt. Als Folge ist eine verstärkte Verlagerung der Geschäftstätigkeit in die virtuelle Welt zu beobachten, was zur stärkeren Vernetzung von Lieferanten, Kunden und Unternehmen führt (Reker & Böhm, 2013). Für die vorliegende Masterarbeit eignet sich die Definition von Eistert und Pratz. Sie beschreiben die Digitalisierung als die „Nutzung aller technologischen Möglichkeiten für ein neues Kundenerlebnis, erweiterte Geschäftsmodelle und einen Effizienzsprung in der Abwicklung“ (Pratz & Eistert, 2014). Allerdings geht die Digitalisierung über die technische Verknüpfung hinaus, da sie Prozesse und industrielle Strukturen schrittweise umwandelt. Sie gilt als Auslöser für den strukturellen und ökonomischen Wandel und bietet neue Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen und Vorteile für Verbraucher, aber auch Chancen für traditionelle Geschäftsmodelle (Winter & Leist, 2002).

Bedingt durch diese Entwicklung wird das Informationsmanagement in Unternehmen immer wichtiger. Das Internet bündelt riesige Mengen an Daten und Informationen. Es ist dauerhaft verfügbar und zugänglich für alle Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette sowie für jeden Verbraucher weltweit. Ein geeignetes Beispiel, an dem der Einfluss der Digitalisierung verdeutlicht werden kann, ist die Musikindustrie. In den vergangenen 20 Jahren führte die Digitalisierung zu einem grundlegenden Wandel der Geschäftsmodelle innerhalb dieser Branche (Walker, 2014). Das gesamte System von Musikkonsum, Produktion und Vertrieb hat sich radikal verwandelt. Ein starker Einbruch in den traditionellen physikalischen Medienverkäufen aufgrund der technologischen Entwicklung von MP3-Abspielgeräten und aktuell Streaming-Diensten forderte die Musikindustrie heraus und folglich musste das etablierte Geschäftsmodell angepasst werden, um Verluste zu begrenzen (Dewan & Ramaprasad, 2014; Leung, 2015). Die Musikindustrie ist nur ein Beispiel, aber im Allgemeinen gibt es zahlreiche Branchen und Geschäftsmodelle, die von der Digitalisierung unter Druck gesetzt werden. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass der digitale Strukturwandel auch in einem Sektor wiederholt werden kann. Je revolutionärer die technologische Innovation und der Fortschritt, desto intensiver werden die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell sein (Osterwalder & Pigneur, 2010). Der technologische Wandel beschleunigt sich ständig ebenso wie die Adaptionsrate der Innovationen. Innerhalb von neunzehn Jahren waren etwa 50 % der Menschheit im Besitz eines Computers, während MP3- Abspielgeräte drei Jahre benötigten, um die gleiche Adaptionsrate zu erreichen. Das Internet war der Auslöser, der die Schnelligkeit der technologischen Verbreitung beschleunigte und folglich werden soziale Netzwerke und Medien sowie virales Messaging diese Entwicklung weiter verstärken (Rothaermel, 2013). Gleichzeitig wird durch diese Entwicklung der Wettbewerb innerhalb der Branchen verstärkt, da eine erhöhte Markttransparenz und verbesserte Informationsverfügbarkeit gegeben ist (Wöhe & Döring, 2010).

Auch auf das Bankwesen nimmt die Digitalisierung einen immer stärker werdenden Einfluss und es zeichnet sich eine ähnliche wie oben beschriebene Entwicklung ab. Bankkunden haben einen erhöhten Anspruch in Bezug auf Produktqualität, Kosten und Verfügbarkeit der Dienstleistungen. Es herrscht eine erhöhte Markttransparenz durch Vergleichsseiten während gleichzeitig die Konkurrenz durch Direktbanken und FinTechs verstärkt wird. Kreditinstitute sind einem immer höheren Bedarf ausgesetzt, ihre Geschäftsmodelle und Finanzdienstleistungen an die Digitalisierung anzupassen.

2.2 Generationswandel in Deutschland

In Deutschland gibt es momentan fünf verschiedene Generationen (Klaffke, 2014). Für alle Generationen gelten jeweils verschiedene Charakteristika und Merkmale, wovon in Tabelle 1 die für die Masterarbeit relevantesten aufgeführt sind.

Tabelle 1: Generationen in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Barclays, Generationen, 2013, S. 5 ff. und Roland Berger, Digitalisierung, S. 10 ff.

Anhand der Abbildung ist deutlich erkennbar, wie sich die Anforderungen der einzelnen Generationen in Bezug auf Kommunikationswege, Produktmerkmale, Technologie und Finanzbedürfnisse innerhalb jeder Generationsstufe unterscheiden. Diesen Wandel müssen Unternehmen in ihren Produkten und Dienstleistungen berücksichtigen. Besonders die Menschen aus der Generation Z werden in einer Welt von ununterbrochener Konnektivität aufwachsen (Schroer, o.J.). Aufgrund der hohen Technologieaffinität wird diese Generation als Technoholics bezeichnet. Sie zeichnet sich durch eine grundsätzlich ständige Erreichbarkeit und die hohe Verbundenheit im digitalen Netz aus. Annähernd jede Tätigkeit wie Kommunikation, Shopping, Entertainment und auch das Banking läuft über das Internet und mobile Geräte oder Smartphones ab (van Rinsum, 2014).

Daneben sind Vertreter der Generationen X und Y sowie die Baby Boomer Generation ebenfalls stark in dem Digitalisierungstrend involviert und sehr zugänglich für Finanztechnologien (Schroer, o.J.). Ein Großteil präferiert die Nutzung des Online- Bankings. In der Generation Y oder auch Digital Natives genannt, wird das traditionelle Filialbanking schon fast gar nicht mehr in Anspruch genommen. Der Begriff Digital Natives ist im Jahr 2001 von Marc Prensky geprägt worden. Er beschreibt Digital Natives als Menschen, die mit Computern und Internet, Videospielen und Smartphones, Tablets und Social Media aufgewachsen sind und den Umgang damit wie selbstverständlich beherrschen (Prensky, 2001). Anders als bei den vorangegangenen Generationen unterscheiden sie kaum zwischen realer und virtueller Lebenswelt. Aus diesem Grund werden die Generation Y und Z eine Herausforderung für viele Branchen darstellen, da sie mit fortschrittlichen und intelligenten Technologien aufgewachsen sind und neue Technologien leicht annehmen, was zu neuen Konsumentenverhalten und

-anforderungen führt (Rothaermel, 2013). Darüber hinaus zeigen Studien, dass besonders Bankkunden aus der Generation Y eine geringere Kundenzufriedenheit als Kunden älterer Altersgruppen aufweisen. Das verdeutlicht ebenfalls, dass die Erwartungshaltung auch gegenüber Banken gestiegen ist (Twenge et al., 2012; Capgemini & Efma 2015).

2.3 Veränderung im Verbraucherverhalten

Der Einfluss der Digitalisierung als auch der Generationswandel führen zwangsläufig zu Veränderungen im Verbraucherverhalten. Die Konsumenten erwarten und fordern Produkte und Dienstleistungen, die nicht nur ihre Bedürfnisse erfüllen, sondern eine hohe Benutzerfreundlichkeit aufweisen und von kundenorientierten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden (King, 2012). Neue Produkte und Dienstleistungen werden von den Verbrauchern in den meisten Fällen nur dann akzeptiert, wenn sie sich als Innovation herausstellen. Nach Schumpeter sind Innovationen der entscheidende Punkt für ökonomischen Wandel und die Triebkraft des Kapitalismus. Innovation kann (1) die Einführung eines neuen Gutes, (2) die Einführung einer verbesserten oder besseren Produktionsweise, (3) die Erschließung eines neuen Marktes, (4) die Erschließung neuer Rohstoffe oder (5) die bessere Organisation einer Branche darstellen (Schumpeter, 1934). Eine Idee, ein Dienst oder ein Produkt wird dann als Innovation bezeichnet, wenn es vom Nutzer als neu empfunden wird (Zaltmann et al., 1973). Es kann differenziert werden zwischen radikalen Innovationen, die sich deutlich von der bestehenden Praxis unterscheiden und inkrementellen Innovationen, die weniger zu Verbesserungen in der Praxis führen, sondern die alten Praktiken an die aktuelle Technik anpassen (Duchesneau et al., 1979; Munson & Pelz, 1979). Merkmale von finanziellen Innovationen sind entweder Kostenreduzierungen oder Verbesserungen der Serviceleistungen (Frame & J, 2004). Die für die Masterarbeit wichtigsten Innovationen und Veränderungen, welche eine entscheidenden Einfluss auf den Alltag von Unternehmen und Verbraucher haben, werden im Folgenden vorgestellt.

2.3.1 Internet

Die jüngsten Daten verdeutlichen enorme Internet-Adaptionsraten, die im Jahr 2016 erreicht wurden. Insgesamt gibt es weltweit 3,186 Mrd. Internetnutzer (Statista, 2017c). In Deutschland nutzen insgesamt 58 Mio. Menschen das Internet (Statista, 2017d). Der Anteil der Internetnutzer im Alter von 14 bis 49 Jahre liegt bei über 91 %. Bei den 14 bis 39-Jährigen liegt dieser sogar bei über 97 % (Statista, 2017e). Bei den über 60- Jährigen liegt der Anteil bei 56 % (Statista, 2017d). Die Anzahl der Internetnutzer in den meisten Industrieländern ist fast identisch. Diese Zahlen zeigen eindeutig die weite Verbreitung des Internets und damit die Technologieakzeptanz unter allen Teilen der industrialisierten Bevölkerung. Die meisten Entwicklungsländer liegen mit einer durchschnittlichen Internetquote von weniger als 50 % deutlich hinter den Industrieländern. Dennoch ist auch in solchen Nationen eine steigende Entwicklung zu erkennen. Die Internet-Wachstumsraten im Jahr 2016 betrugen mehr als 30 % für Indien und 16 % für Kamerun, 13 % für Äthiopien oder 11 % für den Senegal (Internet Live Stats, 2017).

2.3.2 Mobile

Neben dem kontinuierlich zunehmenden Internetwachstum in den Industrieländern und einem besonders starken Wachstum in den Entwicklungsländern, ist ebenfalls eine hohe Adaptionsrate von mobilen Geräten wie Smartphones, Tablets und Wearables zu beobachten. Für 2016 wurde die weltweite Anzahl der Smartphone-Nutzer auf 2,10 Mrd. geschätzt. Bis 2020 soll die Anzahl auf 2,87 Mrd. Nutzer steigen. Die Anzahl der Nutzer von Mobiltelefonen allgemein soll bis 2019 bei über fünf Mrd. liegen (Statista, 2017h). Laut dem internationalen Anbieter von Kommunikationstechnologien Ericsson sollen bis Ende 2019 ca. 5,6 Mrd. Smartphones verkauft werden. Bei den Verkäufen von Tablets wird ebenfalls mit einem Anstieg gerechnet. Allerdings bleibt das Smartphone weiterhin das dominierende Medium (Ericsson, 2016). Für 2016 wurde die Anzahl der weltweiten Tablet-Nutzer auf 1,12 Mrd. prognostiziert. Bis 2020 soll die Anzahl auf 1,46 Mrd. steigen (Statista, 2017i). Bei den Wearables zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. In 2016 gab es weltweit 78,3 Mio. Nutzer von Wearables. Der Anstieg wird bis 2020 auf 179,4 Mio. und für 2021 sogar auf 202,5 Mio. Nutzer geschätzt. Die Nutzung von traditionellen PCs liegt heute schon unter der von Smartphones und die Entwicklung wird sich zukünftig verstärken (Halleck, 2014). In den nächsten fünf Jahren wird der mobile Bereich weiter sehr stark wachsen. Mobile SIM-Verbindungen werden von 7,9 Mrd. im Jahr 2013 auf rund 9,7 Mrd. im Jahr 2020 ansteigen. Im Hinblick auf das mobile Breitbandwachstum werden sich die Verbindungen von 3,8 Mrd. auf 5,7 Mrd. Verbindungen erhöhen (GSMA, 2017). Laut The Economist besitzen heutzutage etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung ein Smartphone. Bis 2020 wird sich der Anteil auf 80 % erhöhen (The Economist, 2015a). Anhand dieser Zahlen ist erkennbar, wie schnell sich die Verbreitung und der Gebrauch von mobilen Geräten in der Gesellschaft etabliert hat und auch zukünftig ähnlich starke Wachstumsraten zu erwarten sind. Die Entwicklung verdeutlicht ebenfalls, dass sich Verbraucheranforderungen verlagern. Im Ericsson Mobility Report wird als einer der Hauptgründe für das schnelle Smartphone-Wachstum die Umstellung auf Smartphones in den Entwicklungsländern Afrikas oder in Indien genannt (Ericsson, 2016). Mobile Geräte werden zunehmend begehrenswert und spielen eine zentrale Rolle im menschlichen Alltag. Die Notwendigkeit, verbunden zu sein, ist daher universell und gilt nicht nur für die Menschen in den Industriestaaten und reicheren Nationen.

Da die digitale Mobilität und Konnektivität zunimmt, verändern sich die Gewohnheiten, Anforderungen und Erwartungen der Menschen erheblich. Der von salesforce.com durchgeführte Mobile Behavior Report zeigt Erkenntnisse über das durchschnittliche mobile Verhalten von 470 befragten Verbrauchern. Laut der Studie verbringt der durchschnittliche Smartphone-Nutzer 3,3 Stunden pro Tag auf seinem Gerät. Die jüngere Generation im Alter von 18-24 Jahren verbringt täglich 5,2 Stunden auf mobilen Geräten, während der Durchschnitt der Personen im Alter von 55 Jahren bei etwa zwei Stunden liegt. Aktivitäten, die am häufigsten durchgeführt werden, sind der Zugriff auf E-Mails und Nachrichtendienste, Recherche im Internet und Social Media. Es wurde festgestellt, dass die meisten sozialen Netzwerkplattformen wie Facebook und YouTube fast ausschließlich über mobile Apps und nicht über das mobile Web abgerufen wurden. Der Bericht gibt ebenfalls Informationen über den präfierten Download und Nutzung von Apps. 65 % der Befragten gaben an, dass Apps einen bequemeren und schnelleren Zugang zu Informationen bieten. 41 % sind der Meinung, dass Apps tiefer gehende Inhalte enthalten. Zudem ist es für 92 % der arbeitstätigen Befragten effizienter, geschäftsspezifische Apps zu nutzen (Salesforce, 2014).

Obwohl die Studie möglicherweise nicht repräsentativ für die Gesamtheit aller Smartphone-User gelten kann, ist eine Tendenz zur Entwicklung der Verbreitung und des Gebrauchs mobiler Geräte ableitbar. Die Studie hat gezeigt, dass besonders die bequeme und einfache Nutzung sowie die Konnektivität von mobilen Geräten geschätzt werden. Smartphones sowie Tablets fungieren als Verknüpfung zu allen möglichen täglichen Aktivitäten, durch die viele Aufgaben effizienter durchgeführt werden können. Die Schnelligkeit mit der Informationen abgerufen, Preise verglichen oder Kunden-bewertungen nachgelesen werden können, wird die Art und Weise wie Verbraucher Entscheidungen treffen, verändern. Retail-Banking-Kunden verlangen verbesserte Online- und Mobildienste, da sie bereits in anderen Branchen erfahren haben, wie sehr sich ihr Lebensstil durch solche Dienste verändert hat. Innovation in Form von verbesserten Technologien und die permanente Verbindung zum Internet sind im Alltag implizit geworden. Die Digitalisierung hat die Dimensionen der Innovation verändert. Neue Produkte können nun von Parteien geschaffen werden, die vorher nicht in den Branchen oder Geschäftsfelder tätig waren, was dazu führt, dass die Verbreitung von Innovationen als auch der Wettbewerb stark zunimmt (Yoo et al., 2010).

2.3.3 Relevanz der Bankfiliale

Aufgrund der zunehmenden Anzahl digitaler Finanzprodukte, -dienstleistungen und Kommunikationskanäle verliert die traditionelle Bankfiliale immer mehr an Attraktivität und Relevanz für Verbraucher. Im Gegensatz zu den Zeiten, in denen Verbraucher von der physischen Präsenz einer Filiale abhängig waren, können nun über das Internet die alltäglichen Bankangelegenheiten vollzogen werden. Eine Umfrage von Bankrate.com ergab, dass 30 % der Befragten seit sechs Monaten oder länger keine Bankfiliale mehr aufgesucht haben (Steiner, 2014). Infolgedessen sehen wir einen Rückgang der Bankfilialen in Deutschland und anderen Nationen (Atzler, 2016, Kanning, 2016).

Laut King sind bereits seit dem Jahre 2011 solche Bankangelegenheiten, welche traditionell in Filialen durchgeführt werden, stark rückläufig. In den USA sind beispielsweise die Überprüfung des Girokontos und Bankauszüge um 16 %, Geldüberweisungen um 26 % und die allgemeine Informationsauskunft über Finanzprodukte um 28 % zurückgegangen (King, 2012). Es ist davon auszugehen, dass sich der Rückgang in den letzten Jahren weiter verstärkt hat. Zudem sind annähernd 10 % der US-Bevölkerung nicht im Besitz eines Girokontos (Lammers, 2014). In Deutschland wird ein ähnlich hoher Wert erreicht. Im Jahre 2013 waren 670.000 Menschen ohne Girokonto (Sieling, 2013). Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei hauptsächlich um Menschen handelt, welche die Kriterien zur Eröffnung eines Girokontos nicht erfüllen. Allerdings zeigen Studien, dass 25 % der Menschen ohne Girokonto mindestens einen Hochschulabschluss sowie eine ausreichende Bonität vorweisen können (King, 2011). Gründe, weshalb Menschen die Eröffnung eines Girokontos verweigern, sind untern anderem Misstrauen und zu hohe Kontoführungsgebühren (Lammers, 2014).

Es ist erkennbar, dass der Zweck der klassischen Filiale sich infolge des veränderten Verbraucherverhaltens und -anforderungen verändern wird. Der Rückgang von Filialbesuchen und Finanzdienstleistungen vor Ort wirft die Frage auf, ob das klassische Betreiben von Filialen für Banken noch sinnvoll ist. Letztlich wird es eine KostenNutzen-Frage sein, mit der sich die Banken auseinandersetzen müssen.

3. Bankwesen

Bevor eine Aussage zur Gefahr des Retail Bankings geäußert werden kann, müssen die theoretischen Grundlagen des Bankwesen erläutert werden. Dazu wird im ersten Schritt der Begriff Bankwesen definiert. Folgend wird das deutsche Bankensystem und speziell das Retail Banking vorgestellt. Abschließend werden die Auswirkungen der Finanzkrise aus 2008 und Trends im Bankwesen beschrieben.

3.1 Definition von Bankwesen

Das Bankwesen oder der im Wortlaut häufiger verwendete Anglizismus Banking beschreibt die Geschäftstätigkeit von Banken. Die Geschäftstätigkeit teilt sich in die Bereiche Commercial Banking, zu Deutsch Geschäftsbanking, und Investment Banking auf. Vereinfacht ausgedrückt sind die im Geschäftsbanking tätigen Banken Finanzintermediäre, die die Geldeinlagen ihrer Kunden verwalten und im Gegenzug die verwalteten Gelder zur Vergabe neuer Kredite verwenden. Auf diese Weise generiert die Bank ihr Einkommen. Genauer gesagt ergibt sich das Einkommen aus der Zinsspanne, welche sich aus der Differenz aus Zinserträgen und Zinsaufwendungen zusammensetzt. Unter Zinserträge fallen die Gebühren für den Kunden bei der Kreditvergabe an. Zinsaufwendungen stellen den an den Kunden gezahlten Zins für Geldeinlagen dar. Die Zinsspanne von dem Risiko des jeweiligen Geschäfts und dem Rating des Kunden ab. Die Kreditvergabe kann für Privatkunden, Unternehmen als auch Immobilien- und Projektfinanzierungen erfolgen. Darüber hinaus bieten Geschäftsbanken neben dem Kerngeschäft der Einlagenverwaltung und Kreditvergabe ein breites Spektrum an Dienstleistungen und Produkten an. Dazu gehören beispielsweise die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, Kontokorrentdienste oder Anlageberatung (Hartmann-Wendels et al., 2015).

Die im Investment Banking tätigen Banken sind als Finanzintermediäre auf dem Kapitalmarkt aktiv. Die Haupttätigkeit liegt in der Emission und dem Handel von Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten wie Anleihen, Devisen, Rohstoffen oder Derivaten. Sie handeln im Auftrag ihrer Kunden als auch im Eigenhandel. Des Weiteren sind sie beratend bei M&A-Aktionen1 sowie Börsengängen tätig und unterstützen Unternehmen bei Kapitalfragen (Tolkmitt, 2007; Hockmann, 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Banken als Finanzintermediäre

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Hartmann-Wendels et al., Finanzmärkte, 2015, S. 2 ff.

In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus auf die im Retail Banking oder auch Privatkundengeschäft genannten Dienstleistungen. Retail Banking „ist [das] auf den Massenmarkt fokussierte […] Privatkundengeschäft. Dieses umfasst den Verkauf standardisierter Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen an nicht bis weniger vermögende Kunden, die nur einen geringen bis gar keinen Beratungsbedarf haben“ (Horn, 2009). Im Retail Banking werden eine Vielzahl von Dienstleistungen wie die Abwicklung von Zahlungen, Kontoführung und Kreditkarten, Beratung sowie Durchführung von Investitionen in Finanzprodukte wie Spar- oder Tagesgeldkonten, Einzelaktien oder ETFs und Kreditvergaben angeboten. Aufgrund der hohen Dienstleistungsbreite nennt man solche Banken auch Universalbanken. Neben den hier aufgeführten Leistungen bieten sie noch weitere Dienstleistungen wie Versicherungen an, welche in der Arbeit allerdings nicht berücksichtig werden, da sie nicht dem traditionellen Bankgeschäft entsprechen (Ostendorf, 2013). Produkte und Dienstleistungen des Retail Bankings dienen der Deckung von finanziellen Grundbedürfnissen. Aus diesem Grund kann im Retail Banking ein hoher Standardisierungsgrad und geringere Komplexität im Vergleich zum Investmentbanking festgestellt werden (Zenz-Spitzweg, 2007; Ayadi & de Groen, 2014; Laven, 2014).

3.2 Das deutsche Bankensystem

Das deutsche Bankensystem ist in zwei Ebenen aufgeteilt und durch eine Drei-Säulen- Struktur gekennzeichnet (Deutscher Bundestag, 2009). Auf der ersten Ebene befinden sich Kreditinstitute, welche ihren Fokus auf die Gewinnerzielung gelegt haben. Die zweite Ebene umfasst das Europäische System der Zentralbanken (ESZB), welchem die Deutsche Bundesbank (BuBa) mit ihren Hauptverwaltungen zuzuordnen ist. Zu ihren Hauptaufgaben zählen die Regelung des Geldumlaufes, die Kreditversorgung der Wirtschaft und die Gewährleistung der Preisstabilität. Damit verfolgen sie volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Ziele (Europäische Gemeinschaft, 1992; Deutsche Bundesbank, 2013).

Bei den Kreditinstituten wird zwischen Universal- und Spezialbanken unterschieden. Während Universalbanken alle in § 1 KWG (Kreditwesengesetz) beschriebenen Banktätigkeiten betreiben, sind Spezialbanken aus historisch bedingten Gründen nur eingeschränkt tätig und fokussieren sich auf individuelle Bankleistungen. Beispiele für Spezialbanken sind Förderbanken, Transaktionsbanken oder Bausparkassen (HartmannWendels et al., 2007; Grill, 2008).

Neben der BuBa dienen der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM), die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als institutionelle Aufsichtsbehörden. Das Kreditwesengesetz stellt dabei die Rechtsgrundlage für das Bankgeschäft dar und wird durch weitere Richtlinien von der BaFin unterstützt (Hartmann-Wendels et al., 2007; BaFin, 2016a).

Bei der Drei-Säulen-Struktur handelt es sich um eine Differenzierung innerhalb der Universalbanken nach Kreditbanken, Landesbanken und Sparkassen sowie Genossenschaftliche Zentralbanken und Kreditgenossenschaften (Tolkmitt, 2007; Grill, 2008; Deutsche Bundesbank, 2016a). Spezialbanken werden in die sechs Kategorien Realkreditinstitute, Bausparkassen, Direktbanken, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Depotbanken und Banken mit Sonderaufgaben und sonstige Spezialbanken (Deutsche Bundesbank, 2016b) aufgeteilt, sind jedoch kein Bestandteil der Drei-Saulen-Struktur und werden folgend nicht weiter erläutert.

Kreditbanken sind meist börsennotierte Großbanken, welche national als auch international tätig sind. Zu ihnen zählen die Deutsche Bank AG, Commerzbank AG, HypoVereinsbank AG und Postbank AG als auch die Zweigstellen ausländischer Banken (Grill & Perczynski, 2008). Sie nehmen im gehobenen Privat- und Firmenkundengeschäft eine wichtige Markstellung ein. Daneben zählen das Wertpapiergeschäft, Investmentbanking und das klassische Kreditgeschäft zu ihrem Hauptgeschäft. Sie verfolgen das Ziel der Gewinnmaximierung und wirtschaften profitorientiert ohne in ihrer Tätigkeit regional eingeschränkt zu sein. Die Filialnetze sind an urbane Räume ausgerichtet (Hartmann-Wendels et al., 2007; Tolkmitt, 2007). Landesbanken und Sparkassen zählen zu den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten. Dabei ist die jeweilige Kommune oder Landkreis Träger der Bank. Die Banken unterstützen im Gegenzug den Träger bei wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Angelegenheiten und wirtschaften anders als die Kreditbanken nicht gewinnorientiert. Nach § 6 des Sparkassengesetzes sind die Banken zur Gemeinnützigkeit verpflichtet und sollen durch sichere Geldanlagen die Vermögensbildung und Kreditversorgung der Bürger stärken (Grill & Perczynski, 2008). Ihre Geschäftstätigkeit entspricht dem klassischen Retail Banking. Trotz des Regionalprinzips, bei dem die Geschäftstätigkeit auf bestimmte Regionen festgelegt ist, ist das Filialnetz der einzelnen Sparkassen deutschlandweit verteilt (Tolkmitt, 2007; Grill, 2008).

Zu den genossenschaftlichen Zentralbanken und Kreditgenossenschaften zählen die Volks- und Raiffeisenbanken. Sie sind ähnlich wie die Sparkassen nicht auf Gewinnmaximierung fokussiert und zeichnen sich durch ein regionales, deutschlandweites Filialnetz aus. Ihre Hauptgeschäftstätigkeit entspricht ebenfalls dem Retail Banking. Sie haben einen gemeinnützigen Fokus und ihre Kunden werden an dem Erfolg der Bank beteiligt sowie in Entscheidungsprozesse zur Ausrichtung der Bank miteinbezogen. Die vergleichsweise hohe Identifizierung mit den Banken zeigt sich an der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft (eG), welche durch die Mitgliedschaft der Kunden bei der Bank gekennzeichnet ist (Grill, 2008; BRV, 2017).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das deutsche Bankensystem

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung Büschgen & Börner, Bankensystem, 2003, S. 37 ff.

Abbildung 3 zeigt die Marktanteile der einzelnen Bankengruppen in Deutschland nach ihrem Geschäftsvolumen Ende 2015. Das gesamte Geschäftsvolumen des Bankenmarkts in Deutschland belief sich auf rund 6.820 Mrd. EUR. Zwar weisen die Großbanken mit 18,0 % den höchsten Marktanteil auf. Nimmt man jedoch den Anteil der im Retail Banking aktiven Banken zusammen, ergibt sich daraus ein Marktanteil von 45,3 %. Dies verdeutlicht die hohe Bedeutung des Retail Bankings in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Marktanteil je Bankengruppe in Deutschland

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Statista, Banken, 2017a, o.S.

3.3 Retail Banking in Deutschland

In Kapitel 3.1 wurde neben dem Bankwesen das Retail Banking definiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Produkte und Dienstleistungen des Retail Bankings der Deckung von finanziellen Grundbedürfnissen dienen und einen hohen Standardisierungsgrad sowie eine geringere Komplexität im Vergleich zum Investmentbanking aufweisen (Wöhle, 1999; Zenz-Spitzweg, 2007). Im Folgenden werden die wichtigsten Bestandteile und Eigenschaften des Retail Banking genauer vorgestellt. Zu den wesentlichen Bestandteilen zählen erstens die Kontoführung und der Zahlungsverkehr. Die Bereitstellung von Kreditkarten wird diesem Bestandteil hinzugezählt. Zweiter Bestandteil ist die Beratung und Investition in Finanzprodukte wie Spar-, Tagesgeldkonten und Termingelder. Das Wertpapiergeschäft, also die Beratung und Anlage in Aktien, Anleihen oder ETFs kann grob genommen dazu gezählt werden, wird in der Literatur jedoch als dritte Komponente des Retail Bankings angesehen. Der letzte und vierte Bestandteil ist die Kreditvergabe an Privatkunden. Kredite können für verschiedene Verwendungszwecke vergeben werden. Die gängigsten Kredite sind Konsumenten- und Dispositionskredite sowie Immobilienfinanzierungen (Röhrs, 2008; Meiers et. al., 2011). Darüber hinaus bieten Banken weitere Dienstleistungen wie Versicherungen oder Bausparverträge an, welche nicht zu den klassischen Dienstleistungen des Retail Bankings zählen und in der vorliegenden Arbeit nicht tiefgründiger untersucht werden. Charakteristisch für Dienstleistungen des Retail Bankings sind die im Vergleich zum Geschäftskundengeschäft geringen Auftragsvolumen und hohen Einzelaufträge. Das ist ein Grund, weshalb das Retail Banking einen hohen Standardisierungsgrad aufweist. Dennoch sind höhere Margen erzielbar (McDonald & Keasey, 2002; Meiers et al., 2008; Meiers et al., 2011; Ostendorf, 2013). Eine weitere Grundeigenschaft des Retail Bankings sind die verschiedenen Vertriebswege und das ausgeprägte Filialnetz in Deutschland. In 2015 gab es deutschlandweit 36.005 Bankfilialen. Allerdings ist die Entwicklung der Bankfilialen in den letzten Jahren konstant rückläufig. So gab es 2004 noch 47.835 Filialen in Deutschland (Bankenverband, 2017). Auslöser dieser Entwicklung ist der beschriebene Verlust der Relevanz der Bankfiliale in Verbindung mit den hohen Kosten, die für ein solch ausgeprägtes Vertriebsnetz anfallen und den verschiedenen besonders monetären Problemen, welchen die Bankbranche seit der Finanzkrise ausgesetzt ist. Aus diesem Grund sehen sich Banken zu Kostenreduzierungen gezwungen. Auf die Finanzkrise mit ihren Auswirkungen auf die Bankbranche wird im folgenden Kapitel detailliert eingegangen. Weitere Maßnahmen zur Kostenreduzierung ist der erhöhte Einsatz von Selbstbedienungsservices und Onlinelösungen. Der bereits angesprochene hohe Standardisierungsgrad der Dienstleistungen des Retail Bankings kann damit ebenfalls begründet werden. Darüber hinaus legen Banken ihren Fokus vermehrt auf beratungsintensive Produkte und Dienstleistungen, mit denen höhere Margen durch Provisionserträge erreicht werden können (McDonald & Keasey, 2002; Winter, 2002; Köhler & Lang, 2008).

Abbildung 4: Entwicklung der Bankfilialen in Deutschland von 2004 bis 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bankenverband, Banken, 2017, o.S.

Neben dieser Entwicklung haben Direktbanken ihre Angebote erweitert und verbessert, was zu besseren Tarifen für den Kunden führte. Die konstant niedrigen Zinssätze in Verbindung mit der erhöhten Preissensibilität und der sinkenden Loyalität der Kunden gegenüber den Banken haben die Probleme der Banken zusätzlich verstärkt. Die erhöhte Markttransparenz aufgrund von Vergleichsseiten und niedrigen Bankwechselgebühren unterstützen diese Entwicklung. Aufgrund dieser Tatsache sowie der hohen Konkurrenz, strikten Bankenregulierungen und der Notwendigkeit ein Gleichgewicht zwischen Profitabilität und einem nachhaltigen Geschäftsmodell zu finden, befindet sich das Retail Banking in einer schwierigen Situation (Horn, 2009).

Im Jahr 2015 beliefen sich die Gesamterträge im deutschen Retail Banking auf 68,3 Mrd. EUR. Insgesamt wurden 1.629,8 Mrd. EUR an Krediten vergeben, wovon 919,0

Mrd. EUR an Wohnungsbaukrediten und 231,2 Mrd. EUR an Konsumentenkrediten vergeben wurde. Die Höhe der Spareinlagen privater Haushalte lag bei 570,9 Mrd. EUR. Die bei der Kontoführung und im Zahlungsverkehr verwalteten Bargelder und Sichteinlagen lagen bei 1.274,6 Mrd. EUR (Statista, 2017g).

3.4 Auswirkungen der Finanzkrise auf das Bankwesen

Die Finanzkrise aus dem Jahre 2008 ist eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die sich aus dem Ausbruch der Immobilienkrise in den USA in 2007 entwickelte. Vor dem Ausbruch der Immobilienkrise, auch Subprime-Krise genannt, wurden Immobilienkredite vor allem an Menschen mit geringer Bonität und aus niedrigen Einkommensklassen vergeben, sogenannte Subprime-Kredite. Die Kredite unterlagen variablen Zinssätzen, sodass in den ersten Jahren nur geringe Zinsrückzahlungen anfielen, jedoch anschließend stark anstiegen. Die Subprime-Kredite wurden von den Banken in Anleihen und Derivate gebündelt und an andere Banken und institutionelle Anleger weltweit verkauft. Aufgrund der variablen Zinssätze und der damit verbundenen ansteigenden Zinsbelastung für Kreditnehmer haben sich die Ausfallsraten der Zinszahlungen für Subprime-Kredite schlagartig erhöht und konnten nicht mehr bedient werden. Hohe Summen an Zinszahlungen fielen aus und dieser Umstand konnte nicht mehr durch Hausverkäufe ausgleichen werden. Daraufhin fielen die Häuserpreise und viele Immobilien wurden zwangsversteigert. Die Käufer der kreditversicherten Hypotheken, darunter viele Banken, mussten teilweise so hohe Abschreibungen tätigen, dass sie Insolvenz anmeldeten. Da Banken ein wichtiger Faktor für eine funktionierende Weltwirtschaft sind und Subprime-Derivate weltweit verkauft wurden sowie der Konsum nach Einbruch des Häusermarktes zurückging, weitete sich die Finanzkrise in eine Weltwirtschaftskrise aus (Lewis, 2010).

Die Finanzkrise war eine Herausforderung für die Robustheit der Geschäftsmodelle der Banken. Besonders Banken, welche ihre Geschäftstätigkeiten erweitert haben und im Investmentbanking aktiv waren, sind von der Krise hart getroffen worden. Banken mit einem Geschäftsmodell, das sich auf die Einlagenfinanzierung konzentriert, wie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, haben die Krise fast völlig unversehrt überstanden. Im Gegensatz dazu waren Groß- und Landesbanken von der Finanzkrise ernsthaft betroffen und spüren die Konsequenzen teilweise heute noch. Ein Grund dafür ist, dass in den 90er Jahren Groß- und Landesbanken ihre Finanzmarktrisiken und Interbankgeschäfte deutlich erweitert und ihr Investmentbanking erhöht haben. Mit Interbankgeschäften oder auch Interbankenhandel sind abgewickelte Kredite, Einlagen oder der Handel mit Wertpapieren zwischen zwei Banken gemeint. Ein Grund weshalb Banken mit ihren Wettbewerbern Geschäfte und Handel betreiben ist die Sicherstellung von Liquidität (Büschgen H. E., 1991). Die Erträge aus Handel und Provisionen aus dem Investmentbanking sowie die Gewinne aus dem Eigenhandel entwickelten sich über die Jahre zur wichtigsten Einnahmequelle der Banken. Gleichzeitig führte die Fokussierung auf solche Geschäftstätigkeiten aber auch zu höheren Ertragsvolatilitäten und höheren Risiken (Rötheli 2010; Lewis, 2010). Die Gewinne und Profitabilität von Deutschlands Großbanken waren bis zur Finanzkrise um einiges höher als die anderer Banken. Allerdings waren sie aufgrund der beschriebenen Ertragsvolatilität im Handelsgeschäft und Investmentbanking einer erhöhten Krisenanfälligkeit ausgesetzt. Die schlechte Profitabilität der Banken während der Finanzkrise war im Allgemeinen auf Verluste in diesen Geschäften zurückzuführen (Altunbas et al., 2011). Die Finanzkrise hatte hohe Verluste, insbesondere aufgrund hoher Abschreibungen, für die Banken zur Folge. Die Bonität bzw. das Rating der einzelnen Banken wurde herabgestuft und der Interbankhandel fand nicht mehr statt. Um die Liquidität der Bankbranche sicherzustellen wurden staatliche Rettungspakete eingesetzt (Crotty, 2009; Hüfner, 2010). Im Zuge der Finanzkrise meldete die amerikanische Großbank Lehmann Brothers Insolvenz an während die Großbank Bears Stearns von JP Morgan und Merrill Lynch von der Bank of America übernommen wurden. Die Umwandlung der Bankengeschäftsmodelle, welche sich auf das Investmentbanking fokussierten, endete mit der Finanzkrise. Eine Vielzahl von Experten prognostizierten im Zuge der Finanzkrise bereits das Ende des Investmentbankings (Lewis, 2010).

Zur Stabilisierung der Bankbranche wurde begonnen, den Markt wieder stärker zu regulieren. Die wichtigsten Regulierungsmaßnahmen wurden 2010 durch die Veröffentlichung des Regelwerks Basel III festgehalten. Banken sind verpflichtet den Eigenhandel zu reduzieren und sich wieder mehr auf die traditionellen Bankengeschäfte zu konzentrieren. Darüber hinaus wurden strengere Kapitalvorschriften erlassen. Die Eigenkapitalquote, also das Verhältnis zwischen Eigen- und Gesamtkapital (Wiehle et al., 2011), musste bis 2015 schrittweise auf sechs Prozent erhöht werden. Vorher lag diese bei vier Prozent. Dazu kommt ein so genannter Kapitalerhaltungspuffer, der bis 2019 bei 2,5 % des Gesamtkapitals liegen soll (Bundesministerium der Finanzen, 2010). Diese Maßnahmen werden damit begründet, dass je mehr Eigenkapital einem Unternehmen zur Verfügung stehen, desto unabhängiger ist das Unternehmen von Fremdkapitalgebern und umso besser ist die finanzielle Stabilität (Wiehle et al., 2011). Aufsichtsbehörden forderten ebenfalls eine Erhöhung von internen Kontroll- und Risikomechanismen, insbesondere eine Fokussierung auf die Steuerung und Bewertung von Risiken (Altunbas et al., 2011). Ohne die Notwendigkeit von Regulierungsmaßnahmen zur Verbesserung des Risikomanagements von Banken in Frage zu stellen, erhöhen diese Maßnahmen gleichzeitig die operative Komplexität durch neue Prozesse und organisatorische Veränderungen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Banken zu sehr den Blick auf ihre eigenen Bedürfnisse legen und die der Kunden bzw. das traditionelle Banking vernachlässigen (Hüfner; 2010; Ayadi et al., 2011). Obwohl Retail Banken kaum in der Finanzkrise involviert waren, sind die Auswirkungen und verstärkten Regulierungen in ihrer Geschäftstätigkeit stark zu spüren.

Abbildung 5 zeigt das Verhältnis zwischen Kosten und Erträge von Banken oder auch Cost-Income-Ratio genannt, was eine wichtige Kennzahl zur Messung der Produktivität von Banken darstellt. Eine Erhöhung der Kosten im Vergleich zu den Erträgen ausgehend von 2005 bis 2015 ist erkennbar. Der Anstieg ab 2010 kann allerdings nicht ausschließlich auf die Umsetzung von Regulierungsmaßnahmen aus Basel III zurückgeführt werden, denn das derzeitige niedrige Zinsniveau sorgt unter anderem zur Reduzierung des Einkommens. Der starke Anstieg im Jahr 2009 kann aufgrund der hohen Abschreibungen als direkte Wirkung der Finanzkrise verstanden werden.

Abbildung 5: Cost-Income-Ratio deutscher Banken von 2005 bis 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Statista, Banken, 2017b, o.S.

Obwohl die Banken ihre Geschäftsmodelle angepasst und den Fokus wieder vermehrt auf das traditionelle Banking gelegt haben, sind eine Vielzahl nicht in der Lage wettbewerbsfähig zu wirtschaften. Das kann jedoch ein ernstes Problem für die Bank darstellen, da die Fähigkeit, zufriedenstellende Einkommen zu generieren, entscheidend für ein nachhaltiges Geschäftsmodell ist (Ayadi et al., 2011). Die folgende Abbildung zeigt, wie das niedrige Zinsniveau zur Verringerung der Zinsmarge führt und die Profitabilität reduziert. Diese Entwicklung führt zur Erhöhung des Wettbewerbs im Bankensektor. Infolgedessen werden vor allem Banken, die zum Großteil von Zinserträgen aus Einlage- und Kreditgeschäften abhängig sind, also besonders Sparkassen und Kreditgenossenschaften, gefordert sein. Hinzu kommt, dass Groß- und Landesbanken in Deutschland ihre Aktivitäten im Kreditgeschäft erweitern und den Wettbewerb zusätzlich erhöhen.

Abbildung 6: Entwicklung der Zinsmarge von 1977 bis 2012

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Bundesbank, Zinsmarge, 2016c, S. 63

In einem solchen Marktumfeld kann organisches Wachstum nur erreicht werden, indem die Zinsraten der Konkurrenten unterboten oder bessere Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Allerdings sind dadurch in den meisten Fällen negative Auswirkungen auf die Rentabilität einhergehend. Eine weitere Option besteht darin, das Geschäftsrisiko zu erhöhen, was allerdings zur simultanen Erhöhung von Kapitalanforderungen führt. Jedoch sind die Banken noch zu sehr auf die Stabilisierung der eigenen Organisation und Geschäftsmodelle konzentriert. Der Hauptfokus liegt dabei in der Sicherstellung einer ausreichenden Kapitalstruktur und der Erholung von den Auswirkungen der Finanzkrise (Hüfner, 2010).

3.5 Trends im Bankwesen

Der in Kapital 2.3 beschriebene Einfluss der Digitalisierung nimmt ebenfalls einen immer stärker werdenden Einfluss auf die Geschäftstätigkeit der Banken und verändert die Art und Weise des Zahlungsverkehrs sowie die Interaktion und Kommunikation zwischen Banken und Kunden. Aufgrund von Online- und Mobile-Banking sind Überweisungsvorlagen fast irrelevant geworden und die Verwendung von Schecks ist stark rückläufig, da andere Zahlungsarten für den Kunden mehr Vorteile bieten (Capgemini & BNP Paribas, 2016). Zudem führt die vereinfachte Möglichkeit, Finanzprodukte und -dienstleistungen über das Internet anzubieten, zu einem schnellen Wachstum von Onlinebanken, Finanzmaklern oder Anbietern für Versicherungen. Besonders die klassischen und einfachen Services wie Kontoführung, Zahlungsverkehr und Überweisungen werden vermehrt und fast ausschließlich nur noch online durchgeführt. Zusätzlich zu den oftmals besseren Konditionen für beispielsweise Kontoführung schätzen viele Kunden die Bequemlichkeit, Einfachheit und ständige Erreichbarkeit von Onlineservices. Dazu kommt, dass der Onlinemarkt sich durch eine hohe Transparenz und Vergleichbarkeit auszeichnet (Silva et al., 2015). Das traditionelle Bankgeschäft in den Filialen verliert hingegen immer mehr an Bedeutung (Devlin, 1995), was bereits durch die rückläufige Entwicklung des Filialnetzes in Kapitel 3.3 suggeriert werden konnte. Anstelle des Filialgeschäfts ist Online-Banking die neue, moderne Form des Bankgeschäfts. In den Jahren von 2004 bis 2016 hat sich die Anzahl der Kunden in Deutschland, die Online-Banking nutzen, konstant erhöht. Die Anzahl der Nutzer ist von 13 Mio. in 2004 auf 38 Mio. in 2016 angestiegen (Statista, 2017f). Im Vergleich zu anderen europäischen Nationen liegt Deutschland damit allerdings nur im Durchschnitt. Besonders die nordischen und skandinavischen Länder nehmen hier eine Vorreiterstellung ein. Hier liegt der Anteil von Onlinenutzern zwischen 83 % in Schweden, 88 % in Dänemark und bis zu 91 % in Island und Norwegen (Eurostat, 2016). Zu den am häufigsten genutzten Diensten gehören die Überprüfung des Kontostandes und die Abwicklung und Kontrolle von Zahlungen (Board of Governors of the Federal Reserve System, 2016).

Gleichzeitig kann ein bemerkenswerter Trend im Bereich des Mobile-Bankings beobachtet werden. Mit Mobile-Banking sind alle Interaktionen zwischen Bank und Nutzer gemeint, die für den mobilen Einsatz vorgesehen sind und durch entsprechende Hard- und Software unterstützt werden (Laukannen & Kiviniemi, 2010). Einige Länder in Europa können bereits einen Anteil an Mobile-Banking Nutzern von bis zu 50 % aufweisen. An der Spitze liegt die Türkei mit 56 % Mobile-Banking-Nutzern (Groenfeldt, 2014). Bis Ende 2019 erwarten Experten einen weltweiten Anstieg auf über 1,75 Mrd. Nutzer, was etwa 30 % aller Erwachsenen weltweit entspricht (Edmonds, 2014). Der große Vorteil von Mobile-Banking ist die bequeme und einfache Nutzung, welche nicht an Öffnungszeiten der Banken gebunden ist und jederzeit und an jedem Ort mit Internetverbindung durchgeführt werden kann. In Deutschland nutzen 38 Mio. Menschen Online-Banking (Statista, 2017f). Allerdings verzichtet eine Vielzahl der Bevölkerung weiterhin auf das Mobile-Banking. Laut der FED sehen viele Menschen ihre finanziellen Grundbedürfnisse auch ohne den Einsatz von Mobil- Banking gedeckt. Zudem weisen viele Menschen Sicherheitsbedenken auf und haben ein allgemeines Misstrauen der Technik und Datensicherheit gegenüber. 20 % der Befragten gaben an, dass Mobile-Banking zu schwer zu benutzen sei (FED, 2016).

Ein weiterer Trend im Bankwesen ist der Rückgang von Bargeld, welcher von der FED prognostiziert wird. Im Jahr 2014 benutzten US-Bürger erstmals mehr Debit- und Kreditkarten als Bargeld. Bis 2018 wird ein Rückgang des Gebrauchs von Bargeld um 60 Mrd. USD prognostiziert (APCA, 2017). Neben den traditionellen Debit- und Kreditkarten gewinnen aufladbare Prepaid-Karten eine immer größere Bedeutung. Diese werden über die Karten-Netzwerke Visa, Mastercard und American Express ausgegeben. Im Gegensatz zu normalen Debit- und Kreditkarten sind Prepaid-Karten nicht mit einem Bankkonto verknüpft. Dennoch stehen dem Verbraucher die meisten Vorteile, die eine Debit- oder Kreditkarte bietet, zur Verfügung. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, Gehaltsabrechnungen mit der Prepaid-Karte zu verknüpfen. Statistiken zeigen, dass im Jahr 2014 Einzelhandelskäufe in den USA im Wert von über 200 Mrd. USD mit Prepaid-Karten getätigt wurden, was 5 % aller Einzelhandelskäufe entspricht (Groenfeldt, 2016). Zudem ist ein weltweiter Rückgang im Gebrauch von Schecks zu erkennen. Seit 2008 sind die Scheck-Umsätze in Großbritannien um jährlich 12 % zurückgegangen und in Australien haben sich die Umsätze im gleichen Zeitraum halbiert (Bhattad, 2012). Allerdings dürfte diese Entwicklung für die deutsche Bankbranche nicht von großer Bedeutung sein, da der Anteil an Scheck-Transaktionen in Deutschland nur bei 0,1 % liegt (Statista, 2017k).

Die teilweise sehr hohe und stark wachsende Anzahl der Online- und Mobile-Banking Nutzer sowie die zunehmende Nutzung von Debit-, Kredit- und Prepaidkarten und die damit verbundenen rückläufigen Scheck- und Bargeldtransaktionen unterstreichen den Einfluss der Digitalisierung und lassen eine weltweite Verschiebung von papierbasierten Zahlungsmethoden zu elektronischen Zahlungsmethoden beobachten.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass das Retail Banking in Deutschland durch einen intensiven Wettbewerb in Verbindung mit deutlich gestiegenen Marktregulierungen und daraus resultierendem Margendruck gekennzeichnet ist. In solchen Märkten kann die Erhöhung des Marktanteils und Sicherstellung der Geschäftstätigkeit nur durch die Bekämpfung von Konkurrenten erreicht werden, was in der Regel jedoch schrumpfende Gewinne zur Folge hat (Kim & Mauborgne, 2005). Unternehmen können in so einem Umfeld nur durch Innovationen und Wertschöpfung erfolgreich bleiben. Die Tatsache, dass eine Vielzahl von Menschen keinen zusätzlichen Nutzen im Online- und Mobile- Banking sehen, zeigt, dass traditionelle Dienstleistungen nicht als innovativ angesehen werden, nur weil sie in einem neuen Medium angeboten werden. Innovationen können insbesondere durch unternehmerische Kreativität, die Bereitstellung neuer Dienstleistungen oder die Erschließung neuer Märkte geschaffen werden (Schumpeter, 1934). Allerdings haben Studien gezeigt, dass in etablierten Branchen wie der Bankenbranche ein innovativer Wandel sehr langsam geschieht und durch hohe Marktregulierungen zusätzlich verlangsamt wird (Deakins & Freel, 2003; Grant, 2005). An dieser Stelle treten FinTechs in den Markt ein, indem sie sich auf neue oder verbesserte Dienstleistungen konzentrieren. Die beiden ersten Kapitel haben gezeigt, wie sich Konsumenten aufgrund der Globalisierung und der Digitalisierung an innovative Dienstleistungen in anderen Branchen gewöhnt haben und das gleiche Serviceniveau im Bankensektor einfordern. FinTechs haben diese Entwicklung sowie die veränderten Kundenbedürfnisse und die Schwachstellen der Finanzprodukte und - dienstleistungen erkannt und sind in den Markt eingetreten. Das Ganze wird dadurch verstärkt, das Banken noch zu sehr auf die interne Stabilisierung in Folge der Finanzkrise fokussiert sind.

4. Finanztechnologie

Viele Banken beginnen, sich mit dem Einfluss der Digitalisierung und den Veränderungen im Nutzerverhalten auseinanderzusetzen. Dennoch haben sie sich zu lange auf ihre etablierte Bankeninfrastruktur verlassen und die Notwendigkeit von Innovationen und Anpassungen wurde lange Zeit vernachlässigt. Darüber hinaus liegt ein großer Fokus ihrer Geschäftstätigkeit auf den Konsequenzen der globalen Finanzkrise von 2008 mit ihren zahlreichen Regulierungs- und ComplianceMaßnahmen. Diese Umstände nutzen vor allem kleinere und neu gegründete Finanzunternehmen, um in die Finanzdienstleistungsbranche einzusteigen und den etablierten Banken Marktanteile abzunehmen. Folgend werden diese Finanzunternehmen für den deutschen Markt vorgestellt.

4.1 Definition von FinTech

Bevor FinTechs als Treiber der Finanztechnologie, ihre Dienstleistungsangebote sowie potenzielle Auswirkungen auf das Retail Banking analysiert werden können, ist es wichtig den Begriff FinTech zu definieren. Bei der Suche nach einer geeigneten Definition ist auffällig, dass in der Literatur und den branchenspezifischen Internetseiten eine Vielfalt an Definition vorzufinden ist und es keine allgemeingültige Definition gibt. Der Begriff hat sich in den letzten Jahren auf alle technologischen Innovationen in der Finanzbranche ausgeweitet, einschließlich Innovationen wie Bitcoin.2 FinTech ist eine Kurzform für den Sammelbegriff Finanztechnologie und setzt sich aus den beiden Anglizismen Financial Services und Technology zusammen (Dapp, 2014). FinTech beschreibt Unternehmen und innovative Geschäftsmodelle, welche hauptsächlich internetbasierte und digitalisierte Technologien, Produkte und Dienstleistungen im Finanzsektor anbieten (Linnhoff-Popien et al., 2015; Paxmann & Roßbach, 2015). Sie entwickeln allerdings keine neuen Produkte, sondern passen die bestehenden Produkte der Finanzbranche an die Bedürfnisse der Kunden an und gestalten sie kundenorientierter. Ihr Fokus liegt auf der Besetzung von Marktlücken und -nischen. In der Regel handelt es sich bei FinTechs um sogenannte Non-Banking Financial Companies (NBFC). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie Finanzdienstleistungen konzipieren und zur Verfügung stellen, ohne jedoch in Besitz einer Banklizenz zu sein (Linnhoff-Popien et al., 2015). Die FinTech-Branche ist im Vergleich zur Bankbranche nur geringfügig reguliert (Arner et al., 2015). FinTechs haben im Gegensatz zu Banken beispielsweise keine Eigenkapital- oder Liquiditätsanforderungen und werden von keiner Aufsichtsbehörde wie der BaFin oder der Europäische Zentralbank (EZB) überwacht (Hackethal & Inderest, 2015). Oftmals werden FinTechs ein Startup-ähnlicher Charakter zugeschrieben. Allerdings bieten auch internationale Konzerne wie Google und Apple Finanzdienstleistungen an. Des Weiteren können die Dienstleistungen des Online-Zahlungsanbieters PayPal als FinTech-Dienstleistungen angesehen werden. Als Startup kann PayPal jedoch nicht bezeichnet werden. Daneben können Versicherungen oder Unternehmen, welche finanznahe Dienstleistungen vermitteln oder Software-Lösungen anbieten, FinTechs zugeordnet werden (Dorfleitner et al., 2016). Diese Art Unternehmen werden in der vorliegenden Arbeit allerdings nicht berücksichtigt und es wird sich ausschließlich auf Startups konzentriert.

4.2 Einfluss von FinTechs

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Einschätzung der Auswirkungen von FinTechs auf das Retail Banking sowie zu prüfen, ob die hohe Aufmerksamkeit, die dem Thema gegeben wird, gerechtfertigt ist. Die hohen Marktbewertungen von Technologiefirmen und der dazugehörigen Kritik, dass es sich hierbei um irrationale Bewertungen im Vergleich zum angemessenen Unternehmenswert handelt, enthüllt das Problem, dass traditionelle Bewertungsmodelle für solche Geschäftsmodelle nicht geeignet sind. Besonders Unternehmen, welche technologiebasierte Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die in der Vergangenheit entweder noch gar nicht oder auf traditionellem Wege angeboten wurden, sind schwer zu bewerten. Darüber hinaus generieren viele dieser Unternehmen in den Anfangsjahren nur niedrige Umsätze im Vergleich zu den hohen Betriebskosten und weisen hohe Verluste auf (Damodaran, 2001). Als Beispiele für solche Unternehmen dienen Amazon, Facebook, Uber, AirBnB oder Snapchat. Letzteres ging am 02. März 2017 an die Börse und weist eine Marktkapitalisierung von 21,4 Mrd. EUR auf. Zum Vergleich, die Marktkapitalisierung der größten deutschen Bank, der Deutschen Bank, liegt nicht sehr viel höher bei ca. 25 Mrd. EUR und hat eine Bilanzsumme von 1,59 Billionen EUR. (Ariva, 2017a+b).3 Im Geschäftsjahr 2016 betrugen die Verluste von Snapchat 515 Mio. USD (Kaufmann, 2016). Diese Bewertungen werden mit dem Ausblick eines übermäßigen Wachstums in der Zukunft begründet. Ob das gerechtfertigt ist, muss im Laufe der Zeit überprüft werden. In Anbetracht der Definition aus dem vorigen Kapitel fallen FinTechs in diese Kategorie der Technologieunternehmen, da sie Technologie zur Digitalisierung von Finanzdienstleistungen und -produkten nutzen.

Um den Einfluss von FinTechs zu bestimmen ist es sinnvoll, neben den Marktwerten und den Umsatzerlösen, Investitionen in FinTech-Unternehmen zu betrachten, da der aktuelle Marktanteil von FinTech sehr klein und als einziges Kriterium wenig aussagekräftig ist (Paxmann & Roßbach, 2015). Abbildung 7 zeigt den weltweiten Anstieg der Investitionen in FinTechs von neun Mrd. USD im Jahr 2010 auf 25 Mrd. im Jahr 2016. In den Jahren 2014 und 2015 wurden sogar Investitionen in der Höhe von 29 bzw. 47 Mrd. USD getätigt. Unter anderem sorgten makroökonomische Faktoren wie das Brexit Votum, die amerikanische Präsidentschaftswahl, eine empfundene Verlangsamung der Wirtschaft Chinas sowie die damit verbundene Unsicherheit auf dem Investmentmarkt für den starken Rückgang in 2016 (KPMG, 2017).

Abbildung 7: Investitionen in FinTechs von 2010 bis 2016 in Mrd. EUR

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an KPMG, FinTech, 2017, S. 9

Die Gesamtinvestitionen können in die drei Investitionsarten Private Equity, Venture Capital und sonstige Investitionen unterteilt werden.

[...]


1 M&A steht für Merger & Acquisitions und beschreibt unternehmerische Vorgänge wie Unternehmenskäufe, Übernahmen oder Fusionen. In Anlehnung an Hockmann und Thießen, 2012.

2 Bitcoin ist eine virtuelle Währung, welche als weltweit erstes dezentralisiertes Digital-Bezahlsystem genutzt wird. In Anlehnung an Brito, 2013.

3 Stand 16.03.2017

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten

Details

Titel
FinTechs. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Gefährdung des Retail Bankings in Deutschland
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
141
Katalognummer
V371216
ISBN (eBook)
9783668513624
ISBN (Buch)
9783668513631
Dateigröße
1342 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
FinTech, FinTechs, Retail Banking, Retail, Gefährdung, Finanztechnologie, Digitalisierung, Internet, Payment, Banken, Bankfiliale, Gefahr, Finanzkrise, Trends, Trend, Bankwesen, Banking, Regulierung, Regulierungen, Interview, Befragung, Wissenschaft, Mobile Payment, Fin, Tech, Insure, InsureTech, Veränderungen, Bank, Bafin, Bundesbank, FED, Kredit, Kredite, KWG, Kreditwesengesetz, NBFC, Financial, Non-Banking, Non-Bank, SSM, EZB, ESZB, EBA, Bankenaufsicht, Aufsichtsbehörde
Arbeit zitieren
Alexander Kloska (Autor), 2017, FinTechs. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Gefährdung des Retail Bankings in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371216

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