Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Verbraucherschutz auf europäischer Ebene. Dabei werden sowohl rechtliche als auch politische Aspekte untersucht. In Kapitel 1 wird zunächst in einem allgemeinen Überblick die europäische Verbraucherpolitik kurz vorgestellt. Außerdem werden die Gründe für eine europäische Regelung des Verbraucherschutzes aufgeführt und dessen zunehmende Bedeutung auf europäischer Ebene dargestellt. Kapitel 2 befasst sich mit dem Begriff des Verbrauchers sowie mit den Verbraucherkonzepten des Gemeinschaftsrechts. Neben einer Darstellung der Verbraucherdefinitionen aus unterschiedlichen Rechtsakten werden auch die Prinzipien erläutert, nach denen der europäische Gesetzgeber die Schutzbedürftigkeit des Verbrauchers bestimmt. In diesem Zusammenhang wird auch ein Vergleich zu nationalem Recht angestellt. Im Anschluss wird in Kapitel 3 die Entstehung des europäischen Verbraucherschutzes aufgezeigt. Hierzu sollen neben den Entwicklungen im Primärrecht, also den Verträgen der Europäischen (Wirtschafts-)Gemeinschaft bzw. Union, auch die Anfänge der Verbraucherpolitik dargestellt werden. Darüber hinaus werden auch aktuelle Entwicklungen des europäischen Verbraucherschutzes genannt. Kapitel 4 untersucht schließlich die gesetzliche Verankerung des Verbraucherschutzes im Gemeinschaftsrecht. Hierbei werden nicht nur die Grundlagen im Primärrecht erörtert, sondern auch die Kompetenzlage des Sekundärrechts diskutiert, also die Grundlage, auf der Richtlinien und Verordnungen auf Basis des Primärrechts erlassen werden. Kapitel 5 gibt einen Überblick über das Ausmaß des europäischen Verbraucherschutzes. In diesem Kontext werden die wichtigsten verbraucherschützenden Richtlinien in einem Überblick veranschaulicht. Hierzu wird eine Einteilung nach verschiedenen Schutzaspekten vorgenommen. Zuletzt beschäftigt sich Kapitel 6 mit den Perspektiven des europäischen Verbraucherschutzes. Neben einer Schilderung von Problemen, die sich aus der aktuellen Sachlage ergeben, werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wohin sich der europäische Verbraucherschutz entwickeln könnte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Verbraucherschutz und -politik im europäischen Kontext
1.1. Verbraucherpolitik in der EU – ein Überblick
1.2. Gründe für eine europäische Verbraucherpolitik
1.3. Zunehmende Bedeutung des Verbraucherschutzes in der EU
2. Der Verbraucher im Gemeinschaftsrecht
2.1. Verbraucherbegriff
2.2. Verbraucherleitbild
3. Die Entwicklung der Verbraucherpolitik in der EU
3.1. Der Vertrag von Rom
3.2. Das 1. und 2. verbraucherpolitische Programm
3.3. Die Einheitliche Europäische Akte
3.4. Der Vertrag von Maastricht
3.5. Der Vertrag von Amsterdam
3.6. Aktuelle Entwicklungen
4. Verankerung des Verbraucherschutzes im EU-Recht
4.1. Rechtsgrundlagen im Primärrecht
4.2. Kompetenzlage des Sekundärrechts
5. Die Verbraucherpolitik im EU-Sekundärrecht
5.1. Recht auf Schutz der Gesundheit und Sicherheit
5.2. Recht auf Schutz der wirtschaftlichen Interessen
5.3. Recht auf Wiedergutmachung erlittenen Schadens
5.4. Recht auf Unterrichtung und Bildung
5.5. Zugang zum Recht
6. Entwicklungslinien des Verbraucherprivatrechts
6.1. Problematik der aktuellen Sachlage
6.2. Option 1: Harmonisierung regelungsbedürftiger Bereiche
6.3. Option 2: Sonderprivatrecht für Verbraucher
6.2. Option 3: Europäisches Zivilgesetzbuch
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die rechtlichen Grundlagen und die künftigen Perspektiven des Verbraucherschutzes auf europäischer Ebene, wobei insbesondere die Rolle des Verbrauchers im Binnenmarkt analysiert wird.
- Europäische Verbraucherpolitik und ihre Gründe
- Der Verbraucherbegriff und das europäische Verbraucherleitbild
- Die historische Entwicklung durch die Verträge der EU
- Die Verankerung im Primär- und Sekundärrecht
- Perspektiven für die Harmonisierung des Verbraucherprivatrechts
Auszug aus dem Buch
2.2. Verbraucherleitbild
Das Fehlen eines einheitlichen Verbraucherbegriffs bedeutet jedoch nicht, dass das europäische Verbraucherschutzrecht kein allgemeines Verbraucherleitbild kennt. Damit sind jene Prinzipien gemeint, mit denen der Normgeber die schutzbedürftigen Personen bestimmt.
In Deutschland herrschte lange Zeit das Bild eines „flüchtigen Verbrauchers“ vor, der über ein relativ niedriges Bildungsniveau verfügt, werbliche Aussagen unkritisch aufnimmt und ein flüchtiges, d.h. unreflektiertes Konsumverhalten zeigt. Im Rahmen der fortschreitenden Harmonisierung wird das deutsche Recht zunehmend dem der anderen Mitgliedsstaaten angepasst, die einen weniger ausgeprägten Verbraucherschutz aufweisen und eher vom liberaleren Konzept eines selbständigeren, aufmerksamen Verbrauchers ausgehen, der weniger Bevormundung benötigt.
Da der typische europäische Verbraucher deutlich kritischer mit Werbebotschaften umgeht, hat die EU in diesem Zusammenhang zahlreiche Richtlinien erlassen, die die Information und Aufklärung des Verbrauchers anstreben. Daraus lässt sich folgern, dass nach dem Leitbild der Gemeinschaft ein hinreichendes Maß an Information einen ausreichenden Selbstschutz der Verbraucher ermöglicht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema des Verbraucherschutzes auf europäischer Ebene und Überblick über die Struktur der Arbeit.
1. Verbraucherschutz und -politik im europäischen Kontext: Analyse der Bedeutung des Verbraucherschutzes als Querschnittsaufgabe und Erörterung der Gründe für ein europäisches Vorgehen.
2. Der Verbraucher im Gemeinschaftsrecht: Auseinandersetzung mit dem juristischen Verbraucherbegriff und dem Wandel des Verbraucherleitbildes.
3. Die Entwicklung der Verbraucherpolitik in der EU: Historische Nachzeichnung der politischen Entwicklung vom Vertrag von Rom bis zu den aktuellen Reformbestrebungen.
4. Verankerung des Verbraucherschutzes im EU-Recht: Untersuchung der primärrechtlichen Grundlagen und der Kompetenzen für die Setzung von Sekundärrecht.
5. Die Verbraucherpolitik im EU-Sekundärrecht: Systematisierung der wichtigsten Richtlinien anhand der fünf Grundrechte der Verbraucher.
6. Entwicklungslinien des Verbraucherprivatrechts: Diskussion der aktuellen Problemlage und möglicher künftiger Harmonisierungsansätze.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der erreichten Fortschritte und Ausblick auf die notwendige Weiterentwicklung des Rechtrahmens.
Schlüsselwörter
Verbraucherschutz, Europäische Union, Binnenmarkt, Verbraucherpolitik, Rechtsangleichung, Primärrecht, Sekundärrecht, Harmonisierung, Verbraucherbegriff, Homo oeconomicus, Informationsmodell, Europäisches Zivilgesetzbuch, Verbraucherprivatrecht, Wettbewerbsordnung, Informationsasymmetrie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, der politischen Begründung und der rechtlichen Ausgestaltung des Verbraucherschutzes innerhalb der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Verbraucherpolitik, den rechtlichen Grundlagen im Primär- und Sekundärrecht sowie den künftigen Perspektiven einer Harmonisierung des Verbraucherprivatrechts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklungslinien des europäischen Verbraucherschutzes aufzuzeigen, den Status quo zu analysieren und mögliche Wege für die Zukunft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche und politikwissenschaftliche Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von EU-Verträgen, Richtlinien und der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verbraucherbegriffs, der historischen Entstehung der europäischen Verbraucherpolitik, der gesetzlichen Verankerung und der Systematisierung der wichtigsten Richtlinien nach Schutzaspekten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Verbraucherschutz, Harmonisierung, Binnenmarkt und Europäisches Privatrecht charakterisieren.
Was bedeutet das "Leitbild des verständigen Verbrauchers"?
Es ist das Ideal eines informierten und aufmerksamen Marktbürgers, der durch Transparenz in die Lage versetzt wird, eigenverantwortliche Konsumentscheidungen zu treffen.
Warum wird das aktuelle EU-Recht im Bereich Verbraucherschutz als "Flickwerk" bezeichnet?
Weil es aus einer Vielzahl detaillierter Einzelrichtlinien besteht, die oft nur spezifische Probleme adressieren, statt ein systematisches und kohärentes Regelungswerk zu bilden.
Welche Optionen für die Zukunft diskutiert der Autor?
Diskutiert werden eine weitere Harmonisierung durch Richtlinien, die Entwicklung eines Sonderprivatrechts für Verbraucher und die langfristige Vision eines Europäischen Zivilgesetzbuches.
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- Alexander Gerth (Author), 2004, Europäisches Verbraucherschutzrecht. Entwicklung, Motive und Perspektiven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37125