In dieser Arbeit werden grundlegende Informationen zu Sehbeeinträchtigungen bei Kindern gegeben. Weiters wird explizit auf diverse Entwicklungsbereiche eingegangen, die sich von jenen normal sehender Kinder unterscheiden. Außerdem werden zahlreiche Möglichkeiten angeführt, die das Leben mit einer Sehbeeinträchtigung erleichtern, sowie pädagogische Hilfestellungen beleuchtet.
Fast vier Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher sind laut einer 2008 erhobenen Statistik von einer Form der Sehbeeinträchtigung betroffen, das sind circa 318 000 Personen (vgl. Hietzinger o.J.). Im Bereich der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen in Österreich wird die Zahl der Betroffenen in Bezug auf Sehbeeinträchtigungen auf 0,1 % geschätzt (vgl. Bernitzke und Tupi 2015).
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines über Sehbeeinträchtigungen
1.1 Was ist eine Sehbeeinträchtigung?
1.2 Häufigkeit in Österreich
1.3 Ursachen
1.4 Merkmale zur Erkennung von Sehbeeinträchtigungen bei Kindern
2. Entwicklungsauffälligkeiten bei sehbeeinträchtigen Kindern
2.1 Grobmotorische Entwicklung
2.2 Sprachliche Entwicklung
2.3 Auswirkungen einer Sehbeeinträchtigung auf das kindliche Spiel
3. Hilfen und Umgang mit sehbeeinträchtigten Kindern
3.1 Pädagogische Hilfen
3.2 Optische Hilfen
3.3 Taktile Hilfen
3.4 Akustische und sonstige Hilfen
3.5 Medizinische Hilfen
3.6 Schulische Hilfen und Konzepte
4. Resümee
5. Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit den Herausforderungen und Unterstützungsmöglichkeiten bei der Arbeit mit sehbeeinträchtigten Kindern, um deren Entwicklung bestmöglich zu fördern und ihre Selbstständigkeit zu stärken. Die zentrale Forschungsfrage liegt darin, wie Bezugspersonen Anzeichen von Sehbeeinträchtigungen frühzeitig erkennen und durch gezielte pädagogische sowie technische Hilfsmittel den Alltag der betroffenen Kinder erleichtern können.
- Grundlagen und Definitionen von Sehbeeinträchtigungen sowie deren Ursachen.
- Analyse der entwicklungspsychologischen Auffälligkeiten in den Bereichen Motorik, Sprache und Spielverhalten.
- Einsatzmöglichkeiten von pädagogischen, optischen, taktilen und akustischen Hilfsmitteln.
- Vorstellung von schulischen Förderkonzepten und Unterstützungsangeboten für den Alltag.
Auszug aus dem Buch
1.4 Merkmale zur Erkennung von Sehbeeinträchtigungen bei Kindern
Bei ungeborenen und neugeborenen Kindern ist das Risiko einer möglicherweise bleibenden Sehschädigung in vielen Fällen schon vor der Geburt bekannt, wenn beispielsweise die werdende Mutter während der Schwangerschaft an einer Virusinfektion erkrankt ist oder die Entbindung zu früh bzw. mit Komplikationen vonstattenging. Im Kindesalter kann eine entstehende Sehbeeinträchtigung allerdings auch durch zahlreiche Merkmale festgestellt werden, die zwar nicht immer eindeutig einer Sehbeeinträchtigung zuzuordnen sind, aber seitens der/des Erziehungsberechtigten auf jeden Fall beachtet, weiterhin beobachtet und vor allem ernst genommen werden müssen (vgl. Gruber und Hammer 2000, S. 10).
Ein eindeutiges Zeichen einer Kurzsichtigkeit bildet die Tatsache, dass das Kind in der Schule nicht mehr das Geschriebene auf der Tafel sieht bzw. die Entfernung zwischen Gesicht und Buch etc. sehr gering hält. Auffälligkeiten in der Motorik, wie beispielsweise häufiges Anstoßen an Möbeln, Unsicherheiten im Sport und häufiges Stolpern resultieren möglicherweise aus einer Verminderung des Sehvermögens. Auch Lichtempfindlichkeit, Vermeidung des Blickkontakts, tränende Augen, häufiges Augenreiben, schielen, Augenrollen und blinzeln können auf eine Sehbeeinträchtigung beim Kind hinweisen. Wenn das Kind von sich aus über Augenschmerzen klagt, doppelt, fleckig oder unscharf sieht und nach besonders beanspruchenden Tätigkeiten für die Augen, wie zum Beispiel Fernsehen und Lesen, über Kopfschmerzen klagt, ist ebenfalls das Aufsuchen eines Augenarztes zur Abklärung des Sehvermögens sinnvoll (vgl. Bernitzke und Tupi 2015, S. 191).
Bei Kleinkindern zeigt sich eine verminderte Sehleistung auch sehr stark, wenn in Bezug auf das Ansehen von Bilderbüchern oder das Spielen mit kleinen Gegenständen wenig oder keine Motivation und Konzentration beobachtbar ist. Wenn Kleinkinder stärker als andere gleichaltrige Kinder mit den anderen Wahrnehmungsorganen agieren, wie beispielsweise Dinge in den Mund nehmen, alles anfassen und sich besonders auffällig auf akustische Signale sensibilisieren, kann dies auch ein Zeichen dafür sein, dass der Sehsinn beeinträchtigt ist. Wenn dieses Verhalten beobachtet wird, ist unbedingt ein vorsorgliches Aufsuchen eines Spezialisten erforderlich (vgl. Gruber und Hammer 2000, S. 12), insbesondere weil Kleinkinder Schmerzen und Abnormitäten des Sehverhaltens meist noch nicht beurteilen bzw. artikulieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeines über Sehbeeinträchtigungen: Dieses Kapitel definiert Sehbeeinträchtigungen, erläutert deren verschiedene Formen und Ursachen und stellt statistische Daten zur Häufigkeit in Österreich sowie wichtige Erkennungsmerkmale bei Kindern dar.
2. Entwicklungsauffälligkeiten bei sehbeeinträchtigen Kindern: Hier werden die Auswirkungen von Sehbeeinträchtigungen auf die motorische und sprachliche Entwicklung sowie auf das kindliche Spielverhalten und die damit einhergehende Problematik der Reizaufnahme beleuchtet.
3. Hilfen und Umgang mit sehbeeinträchtigten Kindern: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über pädagogische, optische, taktile und medizinische Hilfsmittel sowie schulische Konzepte, die dazu dienen, die Entwicklung und Selbstständigkeit der Kinder zu fördern.
4. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Erkennung und Förderung durch Bezugspersonen, um Entwicklungsverzögerungen zu minimieren.
5. Persönliche Stellungnahme: Die Autorin reflektiert ihre eigenen Erfahrungen aus einem Freiwilligen Sozialen Jahr und begründet die Bedeutung des Themas für die sozialpädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Sehbeeinträchtigung, Sehbehinderung, Pädagogik, Kindesentwicklung, Motorik, Sprachförderung, Inklusion, Blindenpunktschrift, Sinneswahrnehmung, Frühförderung, Hilfsmittel, Sozialpädagogik, Sehleistung, Integrationsklassen, Wahrnehmungsstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Umgang mit sehbeeinträchtigten Kindern in einem pädagogischen Kontext und zeigt auf, wie diese Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung unterstützt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die medizinischen und pädagogischen Grundlagen der Sehbeeinträchtigung, die Auswirkungen auf die frühkindliche Entwicklung sowie konkrete Hilfsangebote für den Alltag und die Schule.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für die Bedürfnisse sehbeeinträchtigter Kinder zu schaffen und aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Förderung und den Einsatz von Hilfsmitteln eine selbstbestimmte Lebensführung erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Aufarbeitung bestehender pädagogischer und medizinischer Fachliteratur zur Blindheit und Sehbehinderung bei Kindern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der entwicklungspsychologischen Auswirkungen (Motorik, Sprache, Spiel) und eine detaillierte Auflistung verfügbarer Hilfsmittel, von taktilen Elementen bis hin zu schulischen Integrationskonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sehbeeinträchtigung, Inklusion, Frühförderung, Sinneswahrnehmung und sozialpädagogische Unterstützung charakterisiert.
Warum ist das frühzeitige Erkennen einer Sehbeeinträchtigung bei Kindern so wichtig?
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um den negativen Auswirkungen auf die motorische und sprachliche Entwicklung entgegenzuwirken und durch rechtzeitige Förderung Entwicklungsverzögerungen zu minimieren.
Welche Rolle spielt die Michael Reiter Landesschule in diesem Kontext?
Die Schule dient als konkretes Praxisbeispiel im oberösterreichischen Raum für die erfolgreiche Umsetzung von Förderkonzepten, wie Einzelunterricht und die enge Zusammenarbeit mit medizinischen Fachstellen.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Loibingdorfer (Autor:in), 2016, Hilfen und Umgang mit sehbeeinträchtigten Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371280