Kinder und Jugendliche unserer Zeit sind immer häufiger Reizüberflutung und Bewegungsarmut ausgesetzt. Die Folgen sind gravierend und können zur Abstumpfung der Sinne führen, sowie die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen. Um dem entgegenzuwirken bedarf es im Kindesalter der bewussten Sensibilisierung der Sinne.
Diese Arbeit beschäftigt sich sowohl im theoretischen, als auch im praktischen Sinn mit dieser Thematik und gibt jenen, die mit Kindern arbeiten, einen guten und detailreichen, trotzdem aber leicht verständlichen Überblick über den Wahrnehmungsprozess, die Bedeutung der Wahrnehmungssensibilisierung im Kindesalter, sowie über die einzelnen Sinne (Sehsinn, Hörsinn, Tastsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn, Kraft- und Bewegungssinn und Gleichgewichtssinn). Der zweite Teil der Arbeit zeigt an einem konkreten durchgeführten und praktisch erprobten Beispiel anhand eines Projekts, wie man die Wahrnehmungssensibilisierung unkompliziert und ohne viel Aufwand in den Alltag mit Kindern integrieren kann. Dazu wird die Methode "Rhythmik" angewendet, welche sich durch einen musikalischen und bewegungszentrierten Schwerpunkt in den verschiedenen Angeboten auszeichnet. Durch sechs übersichtlich gestaltete Stundenbilder, die über fünfzig verschiedene Übungen beinhalten, wird eine Vielzahl an Ideen geliefert, wie Wahrnehmungssensibilisierung mit Kindern umgesetzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Definition und Geschichte der Rhythmik
2.2 Der Wahrnehmungsprozess
2.3 Die Bedeutung der Wahrnehmung und ihrer Sensibilisierung im Kindesalter
2.4 Die Sinne
2.4.1 Taktile Wahrnehmung
2.4.2 Vestibuläre Wahrnehmung
2.4.3 Kinästhetische Wahrnehmung
2.4.4 Visuelle Wahrnehmung
2.4.5 Auditive Wahrnehmung
2.4.6 Olfaktorische und gustatorische Wahrnehmung
2.5 Wahrnehmungssensibilisierung in der Rhythmik
3. Praktischer Teil
3.1 Anthropogene Voraussetzungen
3.2 Soziokulturelle Voraussetzungen
3.3 Stundenbilder
3.3.1 Vorbereitung und Reflexion der ersten Doppeleinheit
3.3.2 Vorbereitung und Reflexion der zweiten Doppeleinheit
3.3.3 Vorbereitung und Reflexion der dritten Doppeleinheit
4. Resümee des Gesamtprojekts und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die theoretische Aufarbeitung sowie die praktische Erprobung von Wahrnehmungssensibilisierungsangeboten für Kinder im Kindergartenalter. Es wird untersucht, wie durch gezielte rhythmische Übungen die Sinneswahrnehmung gefördert und somit wichtige Basisfertigkeiten für kognitive Lernprozesse gestärkt werden können.
- Grundlagen der Wahrnehmungspsychologie und Rhythmik
- Differenzierte Analyse der Sinnesbereiche (taktil, vestibulär, kinästhetisch, visuell, auditiv, olfaktorisch/gustatorisch)
- Notwendigkeit von Sinnesschulung im vorschulischen Alter
- Praktische Umsetzung in Form von strukturierten Stundenbildern
- Reflexion über die Wirksamkeit der Förderung in Integrationsgruppen
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Wahrnehmungsprozess
Wahrnehmung bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, diverse Umweltreize über die Sinnessysteme aufzunehmen und diese zu verarbeiten (vgl. Stummer 2014, S. 48; Zimmer 1993, S. 64). Außerdem schließt diese Begrifflichkeit auch die Bearbeitung emotionaler Prozesse ein (vgl. Stummer 2014, S. 48). Es handelt sich bei der Wahrnehmung um einen subjektiven Vorgang, da idente Begebenheiten von unterschiedlichen Personen aus deren individuellen Perspektiven erlebt werden und folglich zu verschiedenen Bewertungen führen können (vgl. Zimmer 2012, S. 17). Sowohl das aktuelle physische und emotionale Befinden, als auch Umwelteinflüsse und Erinnerungen sind wichtige Faktoren, welche die Wahrnehmung grundlegend beeinflussen (vgl. Hirler 2012, S. 9). Der Vorgang der sinnlichen Wahrnehmung ist ein ganzheitlicher Prozess, da die Umwelt nicht allein durch einzelne Sinnesorgane erschlossen wird, sondern durch eine Kombination derselben, welche die ganze Person mit ihren Wünschen, Gefühlen, Erfahrungen, Erwartungen und Erinnerungen mit einbezieht (vgl. Zimmer 2012, S. 25ff).
Da wir Menschen in einer reizüberfluteten Welt leben, welche die Sinne aufgrund der massiven Reizzufuhr überfordern würde, filtert jeder Mensch gewisse Reize heraus. Dies wird als ‚selektive Wahrnehmung‘ bezeichnet (vgl. Stummer 2014, S. 48). Diese Differenzierung der Sinnesreize und die Unterscheidung zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen sind notwendig für die Orientierung in der uns umgebenden Welt (vgl. Zimmer 1993, S. 64). Die Funktionsfähigkeit der Sinne ist uns Menschen angeboren, da sich die Sinne bereits im pränatalen Entwicklungsstadium herausbilden. In den ersten Wochen und Monaten wird die Zusammenarbeit derselben erlernt. Durch alle Handlungen des Kindes wird seine Wahrnehmungsfähigkeit weiter differenziert (vgl. Zimmer 2012, S. 46f). So verfügen bereits Säuglinge über die Fähigkeit für sie bedeutsame Reize wahrzunehmen und auch aus einer Vielzahl an Reizen jene zu selektieren. So sind sie beispielsweise in der Lage, die Stimme der Mutter aus einem Stimmengewirr wahrzunehmen (vgl. Zimmer 1993, S. 64f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Beweggründe für die Arbeit, basierend auf praktischen Erfahrungen im Hortpraktikum, und begründet die Auswahl des Kindergartens als Forschungsinstitution.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung über Wahrnehmungsprozesse und das Konzept der Rhythmik als pädagogische Unterrichtsmethode.
3. Praktischer Teil: Hier werden die anthropogenen und soziokulturellen Voraussetzungen definiert und die konkrete Planung, Durchführung sowie Reflexion der drei Doppeleinheiten detailliert dokumentiert.
4. Resümee des Gesamtprojekts und Ausblick: Das Abschlusskapitel reflektiert die erreichten Ziele, bewertet die Wirksamkeit der gewählten Methoden für die Kinder und zieht Konsequenzen für das eigene pädagogische Handeln.
Schlüsselwörter
Wahrnehmungssensibilisierung, Rhythmik, Kindesalter, Sinnesschulung, Wahrnehmungsprozess, Taktile Wahrnehmung, Vestibuläre Wahrnehmung, Kinästhetik, Konzentrationsförderung, Integrationsgruppe, Bewegungsdrang, Sinnesorgane, Pädagogische Förderung, Wahrnehmungsstörungen, Sensorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung der Wahrnehmungssensibilisierung im vorschulischen Alter und wie diese gezielt durch rhythmisch-musikalische Methoden gefördert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen zur Wahrnehmungspsychologie, die Analyse der unterschiedlichen Sinnessysteme sowie die praktische Anwendung von Wahrnehmungsspielen im Kindergartenalltag.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, Kindern durch spielerische Sinnesschulung zu helfen, Umweltreize besser zu verarbeiten, die eigene Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen und Basisfertigkeiten für künftige Lernprozesse zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur sowie einer pädagogischen Projektplanung und -reflexion im Rahmen einer Einzelfallstudie in einem Kindergarten.
Was wird im praktischen Hauptteil behandelt?
Der praktische Teil beschreibt die Konzeption und Durchführung von drei Doppeleinheiten, in denen verschiedene Sinne wie Hören, Sehen, Tasten und Gleichgewichtssinn trainiert wurden.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wahrnehmungssensibilisierung, Rhythmik, Sinnesschulung, Konzentrationsförderung und pädagogische Förderung im Elementarbereich.
Warum spielt die Wahrnehmungssensibilisierung besonders bei Integrationskindern eine so wichtige Rolle?
Die Autorin stellt fest, dass Integrationskinder oft Defizite in der Reizverarbeitung zeigen und durch gezielte, individuelle Aktivierung der Sinne überdurchschnittlich stark von diesen Förderangeboten profitieren.
Wie flexibel ist das Projekt bei Schwierigkeiten der Kinder?
Die Autorin betont die Notwendigkeit von Flexibilität; sie hat Spiele spontan angepasst oder durch Alternativen (wie das Spiel „Karotten ziehen“) ersetzt, um den aktuellen Bedürfnissen und der Konzentrationslage der Kinder gerecht zu werden.
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- Stefanie Loibingdorfer (Author), 2017, "Ich entdecke meine Sinne". Wahrnehmungssensibilisierung im Kindesalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371281