Sprache, und ebenso Aussprache entscheiden wesentlich über Akzeptanz und Integration der DaF-Lernenden (DaF: Deutsch als Fremdsprache). Weil Beides gelingen soll, darf die Ausspracheschulung im DaF-Unterricht nicht ausgespart werden. Nach neuesten Informationen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stellten Teilnehmer aus Syrien mit der Ausgangssprache arabisch, die größte Gruppe dar, die im Jahr 2016 einen Integrationskurs begonnen hat. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich deshalb mit der Ausspracheschulung arabischsprachiger DaF-Lernender und dem möglichen Beitrag der Logopädie.
Die Wichtigkeit von Phonetik und Ausspracheschulung wird in der Fachliteratur immer wieder hervorgehoben. „[…] Phonetik ist kein Extra, kein Schnörkel, Phonetik ist immer präsent, beim Hören, beim Sprechen und auch beim Lesen und Schreiben. Die Hülle muss intakt sein, sonst werden die Inhalte verzerrt, verschüttet. Das passiert, wenn die Rede rein phonetisch nicht mehr verstanden wird. […]“(Dieling, Helga/ Hirschfeld, Ursula, 1995). Deshalb sollte in jedem DaF-Unterricht der Lehrende selbstverständlich ein Zeitfenster für die Ausspracheschulung als gleichberechtigten Teil eines erfolgreichen Unterrichts reservieren und im Interesse seiner Schüler die Aussprache schulen. Bisher allerdings wird die Phonetik eher wie ein Stiefkind behandelt. Doch die fehlende Ausspracheschulung im Unterricht erweist sich für die DaF-Lernenden als großer Nachteil, denn „[…]die Aufmerksamkeit der Zuhörer soll nicht zu stark durch Auffälligkeiten in der Form des Sprechakts vom Inhalt der Äußerungen abgelenkt werden[…]“(Menet, Esther, 2013). Das genau geschieht aber, wenn weder genügend Zeit noch Übung auf die Ausspracheschulung verwandt wird. Dabei ist es wichtig, von Anfang an die Aussprache zu üben, und sie nicht auf einen unbestimmten Zeitpunkt zu verschieben. Sonst besteht die Gefahr der „Fossilierung der Aussprache“ (Selinker, Larry, 1972), d.h. falsch gelernte oder falsch angewöhnte Laute bleiben bestehen und werden auch auf einem hohen Sprachniveau so beibehalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
3. Ausspracheschulung im DaF-Unterricht
3.1. Diagnosebogen und Audio-Aufnahme
3.1.1. Individuelle Diagnose als Grundlage für die Bewertung der Aussprache
3.2 Mundmotorische Übungen für die Verbesserung der Aussprache
3.2.1 Lippenübungen
3.2.2 Zungenübungen
3.2.3 Pusteübung
3.3. Exemplarische Vorgehensweise der „ch¹“ Einzellautanbahnung
3.3.1 Rezeptive Übung zur Lautanbahnung des „ch¹“ kontrastiv zum Ersatzlaut „sch“
3.3.2 Produktive Lautanbahnung des vorderen „ch¹“ auf Lautebene
3.3.3 Produktive Lautbildung des „ch¹“ auf Wort- und Satzebene
4. Fazit
5. Appendices
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie logopädische Methoden und kleinschrittige Übungseinheiten effektiv in den Deutschunterricht (DaF) integriert werden können, um arabischsprachige Lernende bei spezifischen Ausspracheproblemen, insbesondere bei der Anbahnung des „ch¹“-Lautes, zu unterstützen.
- Integration logopädischer Ansätze in den DaF-Unterricht
- Diagnostik und Fehlerprognose bei arabischsprachigen Deutschlernenden
- Einsatz mundmotorischer Übungen zur Vorbereitung der Lautbildung
- Systematische Vorgehensweise zur Anbahnung des „ich-Lautes“ („ch¹“)
- Entwicklung zeitsparender, 10-minütiger Aussprachemodule
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Individuelle Diagnose als Grundlage für die Bewertung der Aussprache
Bei der individuellen Diagnose als Grundlage für die Bewertung der Aussprache hat sich folgendes Vorgehen bewährt: Der Lehrende erklärt, dass er plant eine Audioaufnahme von jedem seiner Lernenden durchzuführen, um an der Verbesserung der Aussprache im Deutschen zu arbeiten. Er zeigt den mitgebrachten Diagnosebogen und schreibt für alle lesbar an die Tafel, auf welche sogenannten Items bei der Aussprache geachtet werden soll: „[...] Pausen, Stimmabsenkung am Punkt, Betonung, Vokale: „a“, „ö“, „ü“, „e“, „Vokaleinsatz“, Konsonanten: stimmhaft/stimmlos, „r“, „ch¹“, „ch²“, Hauchlaut „h“, Konsonantenhäufungen [...].“
Je nach Sprachniveau der Lernenden werden gegebenenfalls nur zwei bis drei ausgewählte Items angeschrieben. Als Erster liest der DaF-Lehrende selber den vorbereiteten und dem Niveau seiner Lerngruppe angepassten Lesetext laut, gut betont und deutlich artikuliert vor. Der Lesetext sollte dem im Unterricht verwendeten Lehrwerk entnommen werden, damit das Sprachniveau der Gruppe eingehalten wird. Der Lehrende zeichnet seinen Lesevortrag parallel auf und spielt ihn anschließend ab. Dazu benutzt er geeignete Lautsprecher, die die Aussprache optimal wiedergeben. Die Lernenden hören den vorgestellten Lesetext auf diese Weise zweimal, bevor sie ihn selbst vorlesen sollen. Anschließend liest ein erster Freiwilliger den Text im Stehen vor. Im aufrechten Stehen werden Stimme und Artikulation mehr Ausdruckskraft verliehen. Die Aufzeichnung startet: Der Lernende nennt seinen Namen, sein Herkunftsland und, wenn das sprachlich möglich ist, auch das Datum. Er liest den ausgewählten Lesetext vor. Der Lehrende nimmt den Lesevortrag auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit von Ausspracheschulung im DaF-Unterricht, insbesondere für arabischsprachige Lernende, und begründet den Einsatz logopädischer Methoden.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Aussprache im Kontext der Phonetik und stellt die phonetische Themenvielfalt in einer Übersicht dar.
3. Ausspracheschulung im DaF-Unterricht: Hier wird der praktische Aufbau einer logopädisch orientierten Ausspracheschulung vorgestellt, unterteilt in Diagnostik, mundmotorische Übungen und die konkrete Anbahnung eines Lautes.
3.1. Diagnosebogen und Audio-Aufnahme: Es wird dargelegt, wie durch Audio-Aufnahmen und Diagnosebögen der Artikulationsstand der Lernenden erhoben und ein Bewusstsein für Ausspracheabweichungen geschaffen wird.
3.1.1. Individuelle Diagnose als Grundlage für die Bewertung der Aussprache: Das Kapitel beschreibt den detaillierten Ablauf einer Diagnosesituation, inklusive der Vorbereitung durch den Lehrenden und der aktiven Einbindung der Lernenden.
3.2 Mundmotorische Übungen für die Verbesserung der Aussprache: Die vorbereitenden Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und Steigerung der Wahrnehmung im Mundinnenraum werden hier theoretisch eingeführt.
3.2.1 Lippenübungen: Dieses Unterkapitel erläutert spezifische Übungen wie das Lippenflattern, um die Lippenbeweglichkeit und -rundung gezielt zu fördern.
3.2.2 Zungenübungen: Hier werden Übungen zur Zungenmotorik wie der „Zungenautomat“ oder der „Rollmops“ vorgestellt, um Artikulationsorte bewusst zu machen.
3.2.3 Pusteübung: Dieses Kapitel widmet sich der gezielten Luftstromlenkung als notwendige Voraussetzung für die korrekte Lautbildung.
3.3. Exemplarische Vorgehensweise der „ch¹“ Einzellautanbahnung: Es wird begründet, warum der „ch¹“-Laut für arabischsprachige Lernende als erster Laut anzubahnen ist und wie die methodische Reihenfolge von rezeptiver zu produktiver Phase verläuft.
3.3.1 Rezeptive Übung zur Lautanbahnung des „ch¹“ kontrastiv zum Ersatzlaut „sch“: Fokus liegt hier auf Hör- und Diskriminierungsübungen, bei denen der Ziel-Laut vom Ersatzlaut kontrastiv unterschieden wird.
3.3.2 Produktive Lautanbahnung des vorderen „ch¹“ auf Lautebene: Dieses Kapitel beschreibt, wie der Laut isoliert unter Nutzung eines Spatels und durch gezielte anatomische Instruktionen korrekt produziert wird.
3.3.3 Produktive Lautbildung des „ch¹“ auf Wort- und Satzebene: Hier wird die Transferleistung vom isolierten Laut hin zur Anwendung in Wörtern und Sätzen unter Verwendung von spielerischen Elementen wie Softbällen beschrieben.
4. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Logopädie wertvolles Handwerkszeug bietet, um Ausspracheschulung trotz Zeitmangel erfolgreich und kleinschrittig in den DaF-Unterricht zu integrieren.
5. Appendices: Dieser Abschnitt enthält das Literaturverzeichnis sowie Hinweise zu verwendeten Materialien und Bildkarten.
Schlüsselwörter
Ausspracheschulung, DaF-Unterricht, Arabischsprachige Lernende, Logopädie, Phonetik, Artikulation, Diagnosebogen, Mundmotorik, Lautanbahnung, „ch-Laut“, Sprachvermittlung, Fehlerprognose, Hörtraining, Phonem, Artikulationsstelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration logopädischer Methoden in den Deutschunterricht, um arabischsprachigen Lernenden bei der Korrektur ihrer deutschen Aussprache zu helfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der phonetischen Diagnostik, der mundmotorischen Vorbereitung und der systematischen Anbahnung schwieriger Laute, beispielhaft dargestellt am „ich-Laut“.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung von leicht in den Unterricht integrierbaren, 10-minütigen Übungsmodulen, die auf logopädischen Erkenntnissen basieren und die Hemmschwelle für Aussprachetraining senken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und überträgt bewährte logopädische Therapiemethoden – wie rezeptive Diskriminierung und produktive Anbahnung – auf das didaktische Setting des DaF-Unterrichts.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Befunderhebung, allgemeine Übungen zur Mundmotorik (Lippen, Zunge, Puste) und eine detaillierte, kleinschrittige Anleitung zur Anbahnung des „ch¹“-Lautes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Ausspracheschulung, DaF-Unterricht, Logopädie, Phonetik, Artikulation, Diagnosebogen und „ch-Laut“.
Warum ist der „ch¹“-Laut als exemplarischer Fokus gewählt worden?
Der „ich-Laut“ kommt im Arabischen nicht vor und wird daher häufig durch „sch“ ersetzt. Da er im Deutschen hochfrequent ist, führt seine Korrektur sofort zu einer hörbaren Verbesserung der Aussprachequalität.
Welche Rolle spielt die „Fehlerprognose“ für den Lehrenden?
Die Fehlerprognose hilft dem Lehrenden, typische Schwierigkeiten bei arabischsprachigen Lernenden vorherzusehen, um den Unterricht gezielter und effizienter zu planen.
- Citation du texte
- Alexa von Lenthe (Auteur), 2017, Was kann die Logopädie zur Ausspracheschulung im Deutsch als Fremdsprache (DaF) Unterricht beitragen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371341