Deutsch als Fremdsprache in Japan, China und Korea

Entwicklung und Stand der deutschen Sprache in Asien


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Sprache und des Deutschunterrichts in Korea, China und Japan damals und heute
2.1. Deutsch in Korea
2.2. Deutsch in Japan
2.3. Deutsch in der Volksrepublik China

3. Der Deutschunterricht in Korea, China und Japan
3.1. Rahmenbedingungen
3.2. Die Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM)
3.3. Unterrichtsform und -inhalte

4. Das Schulwesen
4.1. Deutsch an der Oberschule
4.1.1. Deutsch an der Oberschule in Korea
4.1.2. Deutsch an der Oberschule in Japan
4.1.3. Deutsch an der Oberschule in China
4.2. Der Hochschulzugang
4.3. Motivation

5. Lehrbücher

6. Probleme

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufgrund meines großen Interesses an der asiatischen (besonders der japanischen) Kultur sowie an der von mir als sehr melodisch empfundenen japanischen Sprache entschied ich mich für ein Japanologiestudium an der Universität Leipzig, um meiner Begeisterung für fremde Kulturen und Sprachen nachzugehen. Die vorliegende Hausarbeit entstand aus der Motivation heraus, herauszufinden wie es auf der anderen Seite aussieht: Warum und in welcher Weise erlernen die Bewohner des asiatischen Kontinents die deutsche Sprache?

Entgegen der nahe liegenden Vermutung, ich würde mich nun nur oder besonders mit DaF in Japan auseinandersetzen, habe ich mich dazu entschieden, meine Recherche über Japan auf Korea und China auszubreiten. Somit möchte ich versuchen, ein umfassendes Bild des asiatischen Deutschunterrichts und der asiatischen Lehrer und Lerner darzustellen - auch, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen zu können.

Bei dem Reflektieren des groben Themas „Deutsch in Ostasien“ ergaben sich für mich verschiedene Fragen deren Beantwortung ich durch die folgenden Ausführungen in Angriff nehmen möchte: Wann und warum gab es die ersten Bemühungen, Deutsch in Asien zu unterrichten und worauf lag das Hauptaugenmerk zu dieser Zeit? Welche Stellung hatte die deutsche Sprache in Korea, Japan und China damals und welche hat sie heute? Welche Inhalte hat der asiatische Deutschunterricht, wie werden die vier Fertigkeiten gefördert und gibt es didaktische Unterschiede zum westlichen DaF-Unterricht? Welche Chancen hat DaF in Ostasien (nach einem auffälligen Rückgang der Nachfrage) - wird die Motivation zum Deutschlernen wieder steigen oder stirbt DaF in Ostasien bald aus?

Zunächst werde ich auf die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Sprache und des Deutschunterrichts in Korea, China und Japan damals und heute eingehen. Darauf folgt eine Erläuterung der Rahmenbedingungen, der Unterrichtsform und -inhalte sowie der Grammatik- Übersetzungs-Methode, einem essentiellen Charakteristikum des asiatischen Fremdsprachenunterrichts. Einen weiteren Punkt bildet die Aufführung der Informationen zum Schulwesen, zum Deutschunterricht an den Oberschulen, zu der Bedeutung des Hochschulzugangs in Korea, China und Japan und zu der durchaus unterschiedlichen Motivation asiatischer Deutschlerner. Danach gibt es einen Überblick über die Thematik der in Asien verwendeten Lehrbücher und ihre Eigenheiten. Schließlich zeige ich Probleme des Deutschunterrichts und der Lage der deutschen Sprache in Asien auf und formuliere meine abschließenden Gedanken.

2. Die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Sprache und des Deutschunterrichts in Korea, China und Japan damals und heute

Korea, die Volksrepublik China sowie Japan waren in ihrer Geschichte aufgrund der Beschlüsse ihrer jeweiligen Regierungen eine lange Zeit von europäischen und sogar fremden asiatischen Einflüssen abgeschirmt und öffneten sich zum Teil erst vor kurzem der Außenwelt. Nach der Zeit der Abschottung sahen sich die Länder mit den europäischen Kulturen, welche technisch weitaus fortgeschrittener und weiter entwickelt als sie waren, konfrontiert. Das große Interesse an den europäischen Errungenschaften in der Technik und den Geisteswissenschaften führte schließlich zur Einrichtung von Sprachschulen und Sprachunterricht, um die neuen Einflüsse aus Europa aufnehmen zu können. Für die Modernisierungsprozesse waren Englisch, aber auch Deutsch sehr wichtig, was ich im folgenden versuche, zu verdeutlichen.

Wenn auch die Ausgangssituation in allen Ländern die selbe war und das Interesse besonders der deutschen Wissenschaft galt, so maß jedes Land der deutschen Sprache eine andere Bedeutung bei. Dieser Bedeutung entsprechend wurde auch der Sprachunterricht und die Sprachausbildung ausgelegt.

Zunächst möchte ich auf die Anfänge des Deutschunterrichtes in den einzelnen Ländern und deren spezifische Interessen eingehen, um das Fundament zu legen, welches nötig ist, um den Stand des heutigen DaF-Unterrichtes in Ostasien nachvollziehen zu können.

2.1. Deutsch in Korea

Als sich Korea am Ende des 19. Jahrhunderts der Außenwelt öffnete, benötigte man Dolmetscher und Übersetzer für viele Sprachen, unter anderen auch für die deutsche. Die Geschichte des Deutschunterrichtes in Korea begann also 1898 mit der Gründung der Kaiserlichen Deutschen Sprachschule in Seoul, an welcher diese Dolmetscher und Übersetzer ausgebildet wurden. Auch wurden Deutsch, Englisch und Französisch an den höheren Schulen gleichberechtigte Wahlpflichtfächer.

In der Zeit von 1922 bis 1937 war Deutsch sogar Pflichtfach an den Fachhochschulen für Medizin. Dies rührt daher, dass damals alle Fachbücher auf Deutsch verfasst waren und Deutschkenntnisse somit als unerlässlich galten. Heutzutage sind die meisten Fachbücher in der englischen Sprache verfasst, daher hat Deutsch seine Wichtigkeit in diesem Bereich fast vollkommen verloren.

Nach dem Ende des Koreakriegs 1953 übte Amerika auf alle Bereiche des koreanischen Lebens großen Einfluss aus. Dies äußerte sich zum Beispiel darin, dass an den Mittelschulen obligatorisch Englisch als erste Fremdsprache eingeführt wurde. Deutsch und Französisch bekamen den Status von Wahlpflichtfächern an den weiterführenden Oberschulen. Am Ende der 60er Jahre wurde Japanisch als dritte Zweitsprache eingeführt und verdrängte Deutsch als meist gewähltes Wahlpflichtfach, da Japanisch für koreanische Lerner leichter zu erlernen ist und daher eher gewählt wurde. (vgl. Jung 2005:57)

Ergänzend hierzu ist anzumerken, dass sich später Chinesisch, Russisch und Spanisch ebenfalls als Zweitsprache etablierten, jedoch möchte ich an dieser Stelle hervorheben, dass Japanisch in Korea der größte Konkurrent der deutschen Sprache auf der Zweitsprachenebene ist. Auch heute belegt Deutsch unter den Zweitsprachen nach Japanisch den zweiten Platz.

2.2. Deutsch in Japan

Nach der Landesöffnung 1868 begann die Geschichte des Deutschunterrichts in Japan mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Preußen. (vgl. Sugitani 2001:1586) Zu dieser Zeit übernahm Japan das deutsche Universitätssystem, importierte aber auch einen großen Teil des Wissens aus Deutschland. Dies führte dazu, dass die deutsche Sprache bis 1945 die offizielle Wissenschaftssprache und an den Universitäten sehr stark vertreten war. (vgl. Mandelartz/Akihiko 1999:Unterpunkt 5, Absatz 1)

Doch neben der Wissenschaft waren auch die deutsche Dichtung und Philosophie von Bedeutung. Auf dieser Ebene zeugte das Beherrschen der deutschen Sprache von einem erhöhten Grad an Bildung. (vgl. Kutsuwada 1987:77)

Nach 1945 änderte der amerikanische Einfluss jedoch die Stellung des Deutschen und die englische Sprache löste Deutsch als Bildungs- und Wissenschaftssprache ab. Heutzutage ist die Wichtigkeit des Deutschunterrichts ein Streitthema. Auf dem Arbeitsmarkt „spielt Deutsch so gut wie keine Rolle“ (Mandelartz/Akihiko 1999:Unterpunkt 5, Absatz 3) und manche gehen sogar so weit und behaupten, „zum Welthandel genüge Englisch als lingua franca“. (Kutsuwada 1987:79)

Auch das Interesse am Deutschunterricht erlebt einen Rückgang: Seit Mitte der 80er Jahre sinken die Zahlen der Deutschlernenden stetig. Neben dem rückläufigen Interesse an der Sprache ist hier aber auch anzumerken, dass seit der Einführung des Chinesischen als zweite Fremdsprache Deutsch in diesem Bereich knapp 30% der Lernerzahlen einbüßte. (vgl. Mandelartz/Akihiko 1999:Unterpunkt 5, Absatz 2)

Dennoch ist eine hohe Sprachkompetenz im Deutschen für die Karriere eines gewissen Berufsstandes förderlich: Das Deutsche nimmt für Juristen in Japan (aber auch in Korea) heutzutage noch eine wichtige Position ein. „Noch immer werden zahlreiche Gesetze […] nach deutschem Vorbild entworfen.“ (Mandelartz/Akihiko 1999:Unterpunkt 5, Absatz 6)

2.3. Deutsch in der Volksrepublik China

Mit dem Tod Mao Zedongs 1978 begann in China die Öffnungsphase, welche bis heute anhält. Allerdings gab es hier schon 1871 den ersten Deutschunterricht, da das Interesse Chinas an der starken Technik und Industrie der westlichen Länder schon damals sehr groß war. (vgl. u.a. Hess 2001:1579)

Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 wurde schließlich die deutsche Sprache als eigenständiges Studienfach angeboten. Jedoch lag die Aufgabe dieses Studiums nicht in der germanistischen Forschung sondern wie auch in Korea in der Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern. (vgl. Hess 2001:1580)

Deutsch gilt hier als „ Instrument oder Werkzeug für die wissenschaftliche und technische Kommunikation“ (Jianhua 1996:74), was so viel bedeutet, dass man hochqualifizierte Fachkräfte ausbilden will, die in der Lage sind, Informationen aus deutschsprachigen Unterlagen und Fachtexten ohne Dolmetscher oder Übersetzer heraus filtern zu können. Heutzutage gilt Deutsch als „kleine Fremdsprachenart“ (Jianhua 1996:73) und liegt unter den Fremdsprachen mit Französisch auf dem vierten Platz hinter Englisch, Japanisch und Russisch. (vgl. Guder-Manitius 1997:5)

Insgesamt wird Deutsch als Haupt- und Nebenfach an 90 Hochschulen und Universitäten gelehrt (vgl. Jianhua 1996:72), von denen wiederum 25 Deutsch als Fremdsprache als Hauptfach anbieten. Weiterhin stieg die Zahl der Germanistikstudenten in China in den letzten Jahren leicht an. (vgl. Hernig 2008:2)

3. Der Deutschunterricht in Korea, China und Japan

3.1. Rahmenbedingungen

Bevor ich auf den asiatischen Deutschunterricht zu sprechen komme, möchte ich zunächst die gemeinsamen und individuellen regionalen Rahmenbedingungen der drei Länder darlegen. Asiatisch klingt an dieser Stelle vielleicht zu pauschal, jedoch sind meinen Rechercheergebnissen zufolge die Grundzüge der Deutschausbildung in Korea, China und Japan die selben - abgesehen von regionsspezifischen Besonderheiten, auf welche ich später noch eingehen werde.

Kulturell bedingt herrscht generell ein passives Lernverhalten der Lerner vor (dazu später Ausführlicheres). Ebenso ist ihre Motivation meist mangelhaft, wobei ich hier eine Abstufung vornehmen will: Die japanischen Lerner scheinen, dicht gefolgt von den koreanischen, die unmotiviertesten Lerner zu sein (man bedenke jedoch auch Ausnahmen). Die Motivation, Fleiß und Bereitschaft zum Lernen ist jedoch bei den chinesischen Lernern groß. (vgl. Lober 2006:Unterpunkt 3, Absatz 2)

Des weiteren wird der Unterricht an den Ober- und Hochschulen durch Gegebenheiten wie sehr große Klassenstärken bis zu 60 und mehr Studenten (vgl. Wollert 1989:Unterpunkt 3, Absatz 6), in Japan sogar bis zu 100 (vgl. Kutsuwada 1987:75), und geringe Wochenstundenzahlen, welche zwei Unterrichtseinheiten pro Woche vorsehen (vgl. Reithofer 2005:9), erschwert. Im Germanistikstudium umfasst der reine Deutschunterricht meist drei bis vier Wochenstunden. (vgl. Grünert 2001:1577)

Ein weiteres Problem stellt die Qualifizierung der Lehrkräfte dar. In der Regel lernen zum Beispiel koreanische Lehrer Deutsch ohne Kontakt zu Muttersprachlern, was zu unzureichenden Kenntnissen der lebendigen Sprache führt (vgl. Jung 2005:55). Viele asiatische Lehrkräfte „waren noch nie oder nur vor langer Zeit einmal in Deutschland“. (Lober 2006:Unterpunkt 2, Absatz 5)

Ebenso kann ein Lehrer Deutsch in Korea schon mit dem Erreichen des Abschlusses Bachelor of Arts am College of Education (pädagogische Fakultät) an Oberschulen unterrichten, was zu einer mangelhaften Lehrfähigkeit führt. (vgl. Lie 1987:86)

3.2. Die Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM)

In Asien ist anders als in Europa die Grammatik das Zentrum des deutschen (und auch jedes anderen) Sprachunterrichts.

Wichtig ist hier das „Sinnverständnis der Wörter und Sätze“ (Jung 2005:54) und die Analyse der Grammatik - das Hauptziel der Sprachausbildung sieht man im Erreichen formaler.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Deutsch als Fremdsprache in Japan, China und Korea
Untertitel
Entwicklung und Stand der deutschen Sprache in Asien
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V371427
ISBN (eBook)
9783668492967
ISBN (Buch)
9783668492974
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch, China, Japan, Korea, Asien, Lernen, Germanistik, Entwicklung, Sprachen, Didaktik
Arbeit zitieren
Caroline Block (Autor), 2010, Deutsch als Fremdsprache in Japan, China und Korea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371427

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