Durch welche Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von Staphylococcus aureus im Akutkrankenhaus verhindern?


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Probelemstellung

3. Methode und Material

4. Ergebnisse
4.1. Standardhygienemaßnahmen
4.1.1 Händehygiene
4.1.2 Flächendesinfektion
4.1.3 persönliche Schutzaurüstung
4.2 MRSA-Screening
4.3 Isolierungsmaßnahmen
4.4 Dekolonisation
4.4.1 begleitende Maßnahmen
4.5 Surveillance

5. Diskussion

6. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Die vorliegende Arbeit zeigt Interventionsmöglichkeiten und Hygienemaßnahmen zur Prä- vention von MRSA in Akutkrankenhäusern auf. Es wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken Carelit, Cinahl und Pubmed durchgeführt. Verwendbare Dokumente wurden auf der Internetseite des Springer Verlages und durch die Suchmaschine Google Scholar gesichtet. Per Handsuche wurde in den Bibliotheken der Fachhochschule Bielefeld recher- chiert. Die Literaturrecherche wurde auf deutschsprachige und englischsprachige Literatur begrenzt.

Seit dem ersten Auftreten von Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) im Jahr 1961 steigt die Häufigkeit kontinuierlich an und ist die häufigste nosokominale Infektion. In deutschen Krankenhäusern ist die MRSA Prävalenz von 1990 mit 1,7% auf Gegenwärtige 20% angestiegen. Um die Verbreitung von MRSA zu vermeiden, wurden folgende Präventionsmaßnahmen identifiziert: Standardhygienemaßnahmen, Patientenscreenings, Isolierung und Dekolonisierung.

Ann-Christin Plach I

Durch welche geeigneten Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von MRSA im Akutkrankenhaus verhindern?

1. Einleitung

Die Resistenz Entwicklung von Erregern in den Krankenhäusern nimmt deutlich zu. Insbe- sondere in Deutschland ist ein relativer Anstieg zu verzeichnen. Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, der im gesundheitlichen Bereich auch als MRSA bezeichnet wird, entwickelte sich seit der Erstbeschreibung 1961 zum häufigsten multiresistenten Erreger in Europa und wurde schnell zu einem infektiologischen Problem (vgl. Gruber, 2016, S. 101 & RKI, 2014, S. 696). S.aureus gehört zu den fakultativ pathogenen Erregern des Men- schen, welche die Körperoberfläche, Schleimhautareale und insbesondere Nasenvorhof und Rachen kolonisieren können. Alle S. aureus Stämme können diverse leichte bis schwe- re Infektionen, die einen tödlichen Verlauf nehmen können, auslösen (vgl. KRINKO, 2014, S. 698ff). Bei Staphylokkoken tritt durch den Erwerb von Resistenzgenen oder durch Mu- tation eine schnelle Entwicklung von Resistenzen ein. Eine Resistenz ist eine Unempfind- lichkeit von Mikroorganismen gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen (vgl. Hornberg et al., 2006, S. 1159). Seit den 1990er Jahren steigt die Anzahl der MRSA-Infektionen deut- lich an. In die Deutschland beträgt die Prävalenz etwa 20%, in den Niederlanden hingegen <0,5% und in den skandinavischen Ländern <1% (vgl. Becker, Friedrich, Kipp & von Eiff, 2004, S. 2045ff). Nach Schätzungen des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) beträgt die derzeitige MRSA Inzidenzdichte bei Krankenhauspatienten in Deutsch- land ca. 0,8 Fälle pro 1000 Patiententage. Die Anzahl der reinen Infektionen beträgt ca. 0,2-0,3 pro 1000 Patiententage in Akutkliniken. Jährlich treten bis zu 35.000 MRSA- Infektionen in deutschen Krankenhäusern auf (vgl. Kern, 2009, S. 694). In einer internati- onalen Studie von Albrich und Harbarth (2008) wird die Prävalenz von MRSA-Trägern bei Beschäftigten im Gesundheitswesen und in Pflegeeinrichtungen mit 0,3-7,9% angegeben. Etwa 20-30% der Bevölkerung sind dauerhaft kolonisiert (vgl. Gerlach, 2016, o.S.) Die hohe Infektionsrate ist auf die starke Resistenz der MRSA Stämme zurückzuführen. Ge- genüber Trockenheit und Hitze haben MRSA Erreger eine hohe Beständigkeit. In der Umwelt, wie zum Beispiel auf Kleidungsstücken, auf Krankenhausinventar und auf Pfle- geprodukten sind die Erreger bis zu sieben Monate überlebensfähig. Dadurch, dass be- stimmte MRSA-Stämme durch die Möglichkeit der molekularen Typisierung gut definiert werden können und die Fähigkeit besitzen sich unterschiedlich epidemisch auszubreiten, wird in verschiedene MRSA-Stämme unterschieden. Das Hospital-assoziierte MRSA (HA- MRSA) und Community-assoziierte (CA-MRSA) kommt überwiegend bei Personen mit Kontakt zu Einrichtungen des Gesundheitswesens vor. Das seit ca. 2004 zunehmend über Durch welche geeigneten Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von MRSA im Akutkrankenhaus verhindern? MRSA-kolonisierte landwirtschaftliche Nutztiere berichtet wird und damit Kolonisationen und Infektionen beim Menschen in Zusammenhang stehen, wurde der Begriff Livestockassociated MRSA (LA-MRSA) geprägt (vgl. Gerlach, 2016, o.S).

2. Problemstellung

Das Auftreten von MRSA in Krankenhäusern ist durch die Aufnahme von kolonisierten und infizierten Patienten charakterisiert. In Bezug auf das Robert-Koch Institut 2016 sind die im Folgenden genannten Faktoren für die zunehmende Verbreitung im Krankenhaus von Bedeutung. Der Selektionsvorteil der MRSA bei Anwendung von Antibiotika, das Fehlen oder die Inkonsequenz der Hygienemaßnahmen, die Zunahme an intensivmedizini- schen Maßnahmen und mangelnde Informationsweitergabe an die Nachfolgeeinrichtung bei Verlegung von mit MRSA kolonisierten oder infizierten Patienten. Ein häufiger exoge- ner Übertragungsweg im Krankenhaus ist der Händekontakt zwischen medizinischem Per- sonal und Patienten. Häufiger Ausgang für eine endogene Übertragung ist die Nase des Pa- tienten (vgl. Robert Koch-Institut, 2009, S. 3ff & KRINKO 2014, S. 705ff). Die Inkubati- onszeit bei Intoxikationen mit oral aufgenommenen Staphylokokkentoxinen beträgt etwa zwei bis sechs Stunden und bei Infektionen vier bis zehn Tage. Die durch MRSA verur- sachten Erkrankungen lassen sich in lokale Infektionen die zunächst die Hautoberfläche betreffen, als tiefergehende Infektionen und als systemische Infektionen unterteilen. Tief- ergehende Infektionen sind zum Beispiel die Parotitis oder Mastitis. Ausgehend der loka- len Infektion kann sich S. aureus auf andere Organsysteme ausbreiten, was bis zu einer Sepsis oder Endokarditis führen kann (vgl. Robert-Koch Institut, 2016, o.S). Das Auftreten von Infektionen durch MRSA-Erreger stellt aus therapeutischer und hygienischer Sicht ei- ne besondere Herausforderung für das Pflegepersonal dar.

Risikofaktoren für eine MRSA-Besiedlung bzw.- Infektion sind chronische Haut- und Weichteilläsionen bei Patienten mit bestehender Besiedlung der intakten Haut oder Schleimhaut, vor allem im Bereich des Nasen- und Rachenraumes, Patienten mit voraus- gegangener Antibiotikatherapie, dialysepflichtige Patienten und Patienten nach wiederhol- ten stationären Aufenthalten in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung (vgl. Heeg & Schröppel, 2009, S. 466). Laut dem Robert-Koch Institut (2008) sind Patienten mit bekannter MRSA-Anamnese, Patienten die aus der Region mit einer hohen MRSA- Prävalenz stammen, Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt von mehr als drei Tagen in den letzten 12 Monaten, Patienten die Kontakt zu anderen MRSA-Trägern während des Durch welche geeigneten Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von MRSA im Akutkrankenhaus verhindern? Aufenthaltes gehabt haben und landwirtschaftlicher Tierkontakt weitere Risikofaktoren (S. 363).

Dadurch, dass die Besiedlung durch MRSA nicht nur ein gegenwärtiges, sondern auch ein zukünftiges Problem für alle Beteiligten des Gesundheitswesens darstellt, stellt sich folgende Forschungsfrage: „Durch welche geeigneten Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von MRSA im Akutkrankenhaus verhindern?“

3. Methode und Material

Für die Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine Literaturrecherche mit anschließen- der Analyse vorgenommen. Die Literaturrecherche wurde in den gesundheitswissenschaft- lichen Datenbanken Cinahl, Carelit und Pubmed durchgeführt. Die Internetseite des Sprin- ger Verlages und die Suchmaschine Google Scholar wurden ebenfalls verwendet. Für die Recherche wurden die Suchbegriffe „MRSA“, „Hygienemaßnahmen“, „Prävention“, „Verhütung“, „Pflege“ und „Hygienemanagement“ gebildet und in verschiedenen Kombi- nationen in die Suche eingegeben. Zur Erweiterung der Suche wurden die Boolesche Ope- ratoren genutzt. Literaturrecherche per Handsuche hat in den Bibliotheken der Fachhoch- schule Bielefeld stattgefunden. Neben deutschsprachiger Literatur wurde auch englisch- sprachige Literatur berücksichtigt.

Die Suchergebnisse wurden nach Formalen Kriterien, wie Herkunft der Quelle, Autor oder Herausgeber und Datum der Publizierung oder Erstellung sowie inhaltlichen Kriterien be- wertet.

Suchprotokoll

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Ergebnisse

Durch die steigende MRSA Prävalenz in deutschen Krankenhäusern besteht die Notwen- digkeit der frühzeitigen Erkennung von MRSA Stämmen. Angemessenes handeln und Prä- vention sind wesentliche Faktoren um die Verbreitung von MRSA zu verhindern. Aus den weltweit durchgeführten Studien zur Infektionsprävention ist die Erkenntnis gewonnen, dass nicht durch eine einzelne, sondern durch mehrere gebündelte Maßnahmen die Aus- breitung einer Infektion vermieden werden kann. Zu den Maßnahmen gehört die Einhal- tung der Standardhygienemaßnahmen, Patientenscreenings, Isolierung und Dekolonisie- rung (vgl. KRINKO, 2014, o.S.) Diese werden im Folgenden aufgeführt und erläutert.

4.1 Standardhygienemaßnahmen

Alle Maßnahmen die für eine adäquat hygienische Grundversorgung aller Patienten erfor- derlich sind und gleichzeitig das Personal vor Erregerkontakten schützen, werden zusam- menfassend als Standardhygiene bezeichnet (vgl. Unger, 2016, S.95). Den Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen der KRINKO (2014) sind die Basishy- gienischen Maßnahmen zu entnehmen. Zur Vermeidung einer infektiösen Übertragung ge- hört die Händehygiene, Desinfektion und Reinigung von Flächen und Gegenständen, Auf- bereitung von Medizinprodukten, Abfallentsorgung, Umgang mit Wäsche und der Umgang mit Geschirr. Außerdem die persönliche Hygiene des Personals und die Verwendung einer persönlichen Schutzausrüstung. Die Maßnahmen sind zwar genereller Bestandteil der me- Durch welche geeigneten Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von MRSA im Akutkrankenhaus verhindern? dizinischen Versorgung, haben aber bei Kontakt mit kolonisierten oder infizierten Patienten eine entscheidende Bedeutung. Eine bewusste und konsequente Durchführung ist notwendig (vgl. Heeg & Schröppel, 2009, S. 470).

4.1.1 Händehygiene

Eine Erhöhung der Händehygiene-Compliance führt zu einer Senkung der Prävalenz von nosokomialen Infektionen und zu einer Senkung der MRSA-Transmissionsrate (vgl. Pittet et al. 2000, S. 1307). Eine hygienische Händedesinfektion nach den Richtlinien, mit voll- ständiger Benetzung der Hände und einer Einwirkzeit von 30 Sekunden muss mit einem alkoholischen Einreibeprodukt erfolgen. Die Indikation zur Händedesinfektion ist vor und nach direktem Patientenkontakt, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Sekreten und Aus- scheidung, nach Kontakt mit kontaminierten Gegenständen und vor Verlassen des Patien- tenzimmers gegeben. Bei Kontakt mit infektiösem Material ist das Tragen von Einmal- handschuhen erforderlich. Nach Beendigung der Tätigkeit und unmittelbar vor Kontakt mit nicht kontaminierten Gegenständen müssen die Handschuhe umgehend ausgezogen und eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt werden (vgl. Heeg & Schröppel, 2009, S. 470).

4.1.2 Flächendesinfektion

Neben der Händedesinfektion hat die Flächendesinfektion in Krankenhäusern hohe Priori- tät. Die Flächendesinfektion dient der Unterbrechung von Infektionsketten und der Verrin- gerung von Infektionserregern. Während ein MRSA-kolonisierter oder infizierter Patient in einem Isolationszimmer untergebracht ist, sind regelmäßig alle umliegenden Flächen und die Nutzflächen des Patienten mit einem speziellen Desinfektionsmittel zu desinfizieren. Nachdem die Isolation aufgehoben oder der isolierte Patient entlassen wurde, ist das Zim- mer mit der sogenannten Scheuer-Wisch-Desinfektion durch eine Reinigungskraft zu säu- bern. Für die spezielle Reinigung müssen bestimmte Mischverhältnisse von Reinigungs- mitteln und Einwirkzeiten beachtet werden. Um eine Weiterverbreitung der MRSA- Erreger zu verhindern, hat solch eine spezielle Reinigung eines kontaminierten Patienten- zimmers eine besondere Wichtigkeit (vgl. Kramer, 2007, S.217 & Metzler, 2008, S.9).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Durch welche Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von Staphylococcus aureus im Akutkrankenhaus verhindern?
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V371437
ISBN (eBook)
9783668493025
ISBN (Buch)
9783668493032
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
MRSA Krankenhaus, Prävention Maßnahmen, MRSA, Staphylococcus aureus, Hygiene, Krankheiten, Prävention, Pflege, Isolierung
Arbeit zitieren
Ann-Christin Plach (Autor), 2016, Durch welche Präventionsmaßnahmen lässt sich die Verbreitung von Staphylococcus aureus im Akutkrankenhaus verhindern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371437

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