Der Einfluss des Geschlechts auf die Rolle im Team


Hausarbeit, 2012

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Thema

2. Definition der Beispielrollen nach Belbin
2.1 In Relation zum Mann: Koordinator und Umsetzer
2.2 In Relation zur Frau: Teamarbeiterin und Wegbereiterin

3. Untersuchung der Geschlechterteamrollen als Stereotype
3.1 In Relation zum Mann: Koordinator und Umsetzer
3.2 In Relation zur Frau: Teamarbeiterin und Wegbereiterin

4. Fazit

II. Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Einführung in das Thema

Die Teamarbeit hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.[1] Dies ist erkennbar an alltäglichen gesellschaftlichen Zielen in der freien Wirtschaft oder z. B. im Studium. In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird nach Definition und Theorie der Teamrollen (Kapitel 2) von Raymond Meredith Belbin die Teamrolle in Hinblick auf die Geschlechter untersucht. Dies wurde bislang noch nicht unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ob das Geschlecht Einfluss auf die Teamrollenauswahl haben könnte. Es werden je Geschlecht zwei Teamrollen nach Belbin in Bezug auf das jeweilige Geschlecht ausgewählt folgende These wird aufgestellt: Durch das Geschlecht entsteht eine Vorauswahl auf die Teamrollen.

Darauf aufbauend wird durchleuchtet, in wie fern die Zuordnung der Teamrollen auf Stereotypen beruht oder der Wahrheit entspricht (Kapitel 3). Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob gewisse Teamrollen eher vom männlichen Geschlecht bzw. vom weiblichen Geschlecht bevorzugt werden bzw. ob eine Tendenz dieser Theorie zu erkennen ist. Im Fazit (Kapitel 4) wird eine abschließende Erkenntnis mit rückwirkendem Bezug zur These gezogen.

2. Definition der Beispielrollen nach Belbin

Der Engländer Raymond Meredith Belbin beschäftigte sich u. a. mit Fragen zur Team- und Führungsentwicklung und untersuchte in den 1970er Jahren die Auswirkungen der Teamzusammensetzung von verschiedenen Persönlichkeitstypen auf die Teamleistung. Innerhalb von Teams gibt es verschiedene Rollen, die von den Teilnehmern eingenommen werden. Im folgendem werden den Geschlechtern je zwei Teamrollen zugeteilt:

2.1 In Relation zum Mann: Koordinator und Umsetzer

Der Koordinator hat folgende Charakteristika: Die Teamrolle ist reif, selbstsicher, dominant, vertrauensvoll und ein guter Zuhörer. Stärken dieser Rolle sind, dass der Koordinator Ziele erklärt und den Arbeits- sowie Entscheidungsprozess des Teams durch seine Entschlusskräftigkeit und durch die Setzung von Prioritäten fördert. Zudem wird auch auf die Einhaltung der Ziel- und Zeitvorgaben geachtet, was gut für die Position eines Teamleiters geeignet ist. Schwachpunkte dieser Rolle ist die Unkreativität. Der Koordinator kann als manipulierend empfunden werden, woraus folgt, dass sich die Kollegen auf der persönlichen Ebene von diesem entfernen. Verstärkt wird dies zusätzlich durch die Neigung von Delegation persönlicher Aufgaben bzw. Zuweisung der Sachbereiche an Kollegen, die nach der Ansicht des Koordinators dazu am besten geeignet wären.[2]

Der Umsetzer: Der Umsetzer hat Mut, findet durch seine Zielorientierung einen Weg Hindernisse zu überwinden und setzt Pläne in die Tat um. Die Rolle des Umsetzers ist dynamisch, praktisch, zuverlässig, effektiv, aufgeschlossen und arbeitet gut unter Druck. Zudem fordert der Umsetzer in der Anspannung und Energiegeladenheit dieser Rolle seine Teamkollegen heraus bzw. setzt diese unter Druck. Fokussiert werden die wesentlichen Kernprobleme, wodurch schnell ein großer Teil der Verantwortung in den Händen des Umsetzers liegt. Nachteile des Umsetzers sind, dass dieser ungeduldig ist und zur Provokation neigt. Dies endet schnell in Konflikten mit Teamkollegen, sodass der Umsetzer von diesen im Gegenzug als arrogant empfunden wird. Dem Umsetzer wird also ein hohes Maß an Selbstdisziplin abverlangt. Durch das hektische Auftreten entsteht Unruhe im Team. Jedoch ist der Umsetzer bei Streitigkeiten nicht nachtragend.[3]

2.2 In Relation zur Frau: Teamarbeiterin und Wegbereiterin

Die Teamarbeiterin: Die Teamarbeiterin ist umgänglich/ kooperativ, freundlich, einsichtig, zuvorkommend, diplomatisch, sympathisch, beliebt und formend. Außerdem kennt die Teamarbeiterin oft die privaten Hintergründe ihrer Kollegen. Die Teamarbeiterin sorgt für Harmonie und ein angenehmes Arbeitsklima innerhalb des Teams. Introvertierte Kollegen werden durch diese zur aktiven Teilnahme stets motiviert. Hauptaufgaben sind die Verbesserung der Kommunikation und Minderung von Rivalitäten bzw. der Abbau von Reibungsverlusten. In Konfliktsituationen ist diese Teamrolle von großer Bedeutung, um Meinungsverschiedenheiten durch diplomatisches Verhalten zu lindern. Die Schwächen der Teamarbeiterin sind, dass diese übersensibel und unentschlossen in kritischen Situationen reagiert.[4]

Die Rolle der Wegbereiterin ist gesellig/ extrovertiert, anfangs enthusiastisch, gesprächig bzw. kommunikativ begeistert sie Ihre Teamkollegen. Die Wegbereiterin erforscht Möglichkeiten/ Alternativen zur Lösung, entwickelt Kontakte und ist sozial eingestellt. Dadurch fällt es dieser Teamrolle leicht, externe Quellen für das Team aufzubauen und anschließend diese für die Ideenfindung zu nutzen. Schwäche sind Optimismus/ Pedanterie, wodurch die Wegbereiterin vom Kernthema abweicht und mit irrelevanten Themen Zeit vergeudet. Durch den anfänglichen Enthusiasmus dieser Teamrolle verliert diese anschließend das Engagement an der Aufgabe.[5]

Jetzt gilt zu untersuchen, ob eine solche Geschlechtsbedingte Einteilung auf Stereotypen beruht oder der Wahrheit entspricht.

3. Untersuchung der Geschlechterteamrollen als Stereotype

Zu allererst ist gemäß der Aussagen von Klingen Schluss zu folgern, dass die Stereotype des Mannes sich mit den beiden Teamrollen des Koordinators und des Umsetzers decken, wie auch die der Frau in Bezug auf die Teamarbeiterin und Wegbereiterin.[6] Ein Hauptproblem dabei ist es, dass geschlechtliche Stereotype auf die Arbeitswelt, also auch auf die Rolle im Team übertragen werden.[7] Allgemein ist anzumerken, dass die Geschlechtszugehörigkeit in der Umgebung/ Team eine wichtige Rolle spielt und Gender-Stereotype aktiviert.[8] Welche Teamrolle das jeweilige Geschlecht einnimmt, hängt aber von der Persönlichkeit ab, welches Selbstkonzept überwiegt und von der Person – Mann oder Frau – anschließend verwendet bzw. umgesetzt wird. Der Dichter Walt Whitman drückte dies folgendermaßen aus: „Ich bin groß: In mir wohnen viele.“[9]

3.1 In Relation zum Mann: Koordinator und Umsetzer

Der Koordinator und Umsetzer spiegelt viele Eigenschaften eines Mannes in seiner natürlichen Form wieder. Typische Eigenschaften/ Stereotype des Mannes sind, dass dieser ehrgeizig, individualistisch, durchsetzungsfähig, willensstark und handlungsorientiert ist.[10] Das äußere Erscheinungsbild, die Größe, der Körperbau und die Stimme implizieren ebenso Stereotype, da nach Deborah Tannen „die gesellschaftliche Konventionen den biologischen Voraussetzungen immer folgen.“[11] Im Fokus des Mannes steht die Karriere, Autorität und eine Hierarchieordnung. Dies lässt sich auf ein Team übertragen.

Durch das Arbeiten im Team wird der Stellenwert der oben genannten Stereotype unbewusst verstärkt und die sozialen Erwartungen an diese Person heraufgesetzt. Das heißt, dass die Fähigkeit, z. B. die Koordination eines Teams oder ein diplomatisches Verhalten, verstärkt oder vermindert werden kann, abhängig davon, welche Teamrolle die Person verkörpert. Es ist lt. Cordelia Fine davon auszugehen, dass geschlechtliche Stereotype und soziale Erwartungen die Fähigkeiten der Zielperson kanalisieren, das Interesse ändern und ungewollte Diskriminierung auslösen, was hier in Verbindung mit der Schwäche des Umsetzers gebracht werden kann.[12] Nathalie Klingen vertritt diese Meinung ebenfalls, dass durch Stereotype Personen auch in (Team)Rollen eingegliedert werden und entsprechende Erwartungen an sie entstehen.[13] Folglich entsprechen diese teilweise gar nicht der Wahrheit, da die Teamrolle einer Person in der Realität vielleicht eine ganz andere ist. Kritisch zu hinterfragen ist, wie hoch der Einfluss solcher Erwartungen ist und ob Personen versuchen, diesen Erwartungen gerecht zu werden bzw. diese erfüllen wollen und sich in eine Rolle drängen lassen oder einen eigenen Weg zur geeigneten Teamrolle finden. Bewiesen ist, dass in anderen Gesellschaften männliche Verhaltensweisen in Führungspositionen ebenfalls andere sind, wie ethnologische Studien zeigten.[14] In japanischen Führungsrollen verhalten sich Männer in Bezug auf die sozialen Fähigkeiten wie es von Frauen in Deutschland erwartet wird, was bedeutet, dass das stereotypische Führungsverhalten nicht zwingend an ein Geschlecht gebunden sind, sondern in anderen Gesellschaften auf das jeweils andere Geschlecht bezogen werden kann.[15] Solches Erwartungsdenken wird vor allem durch die Kultur und deren Ungleichberechtigung über Frau und Mann heraufbeschwört.[16]

[...]


[1] Vgl. Kozlowski u. a. (1996): S. 256.

[2] Vgl. Belbin, R. M. (2010): S.65 ff.

[3] Vgl. Belbin, R. M. (2010): S.65 ff.

[4] Vgl. ebd.: S. 65 ff.

[5] Vgl. ebd.: S. 65 ff.

[6] Vgl. Klingen, N. (2001): S. 16.

[7] Vgl. Müller, U. (1995): S. 103.

[8] Vgl. Fine, C. (2010): S. 40.

[9] Fine, C. (2010): S. 41.

[10] Vgl. Neuberger, O. (1990): S.64.

[11] Tannen, D. (1994): S. 175-176.

[12] Vgl. Fine, C. (2010): S. 27.

[13] Vgl. Klingen, N. (2001): S. 18.

[14] Vgl. Wunderer, R., Dick, P. (1997): S. 20.

[15] Vgl. Weinert , A. B. (1990): S. 44.

[16] Vgl. Fine, C. (2010): S. 31.

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Details

Titel
Der Einfluss des Geschlechts auf die Rolle im Team
Hochschule
Hochschule Osnabrück
Veranstaltung
Kommunikation und Schlüsselqualifikation
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V371478
ISBN (eBook)
9783668495128
ISBN (Buch)
9783668495135
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teamrollen, Geschlecht, Belbin
Arbeit zitieren
Oliver Kühn (Autor), 2012, Der Einfluss des Geschlechts auf die Rolle im Team, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371478

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