Seit vielen Jahrzehnten ist die Europäische Union betroffen von krisenbedingten Migrationsbewegungen. Die größten Bewegungen unseres Jahrhunderts fanden bisher in den Jahren 2015 und 2016 statt. Das Thema Migration und deren Ursachen bestimmen quantitativ die Themen der deutschen Medienlandschaft. Zu sehen sind Bilder von Menschenmassen, welche europäische Grenzen passieren, untergehende und überfüllte Boote an Europäischen Seegrenzen, sowie frierende Menschen vor Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmestellen. Diese Bilder und Berichterstattungen weckten Mitgefühl, Ängste und Reaktionen bei den Rezipienten aus.
In dieser Arbeit werden die relevanten Berichterstattungen nach latenten medialen Narrativen untersucht. Dabei geht sie der Frage nach, ob solche Narrative tatsächlich in der Berichterstattung Einzug fanden und inwiefern die Wahrnehmung der Rezipienten über ihre Lebensrealität verzerrt werden kann. Hierfür wird das Konzept des 'Framings' herangezogen, um so signifikante Berichterstattungen zu analysieren. Die Analyse beschränkt sich auf zwei Artikel der deutschen Medienhäuser Spiegel und Focus. Dabei geht es um die Flüchtlingsbewegungen vor der italienischen Insel Lampedusa. Hierfür werden im empirischen Teil einerseits die im Artikel verwendeten Bilder und Videos, sowie andererseits problematische Begriffe und Phrasen im Text, analysiert. Vorgegangen wird mit einem Methodenmix aus Makro-Mikro-Methode (vom Allgemeinen ins Spezielle), sowie mit einer Inhaltsanalyse auf Basis des Framing-Konzeptes der Kommunikationswissenschaft. Die kritisch-analytischen-Methode zur Analyse des empirischen Materials (kritische, objektive, systematische Untersuchung des Korpus) wird zudem angewendet.
Als Literaturbasis des theoretischen Teils wurde auf Hoffmanns 'Das Märchen vom überkochenden Brei', sowie auf Scheufeles 'Journalismus und Framing' zurückgegriffen. Für den empirischen Teil wurden zwei Texte von Matthias Thiele herangezogen. Thiele beschreibt die aktuellen Probleme zwischen Flüchtlingsbewegungen und Journalismus treffend und wissenschaftlich. Die ausgewählten Quellen decken einen Bereich des aktuellen Wissenschaftsdiskurses ab und bilden einen adäquaten Rahmen für diese Arbeit. Im theoretischen Teil wird nun mit der grundlegenden Beschreibung von Narrativen in der medialen Berichterstattung über die Flüchtlingsbewegungen in Europa fortgefahren.
Inhaltsverzeichnis
1 Exposé
Theoretischer Teil
2 Narrative in der medialen Berichterstattung
3 Journalistisches Framing
Empirischer Teil
4 Bootsunglücke von Lampedusa – Bilder und dessen Symbolwert
5 Symbolisch Narrative Schemata
6 Resumé
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Berichterstattung über die Flüchtlingskrise, um zu analysieren, inwieweit latente Narrative und journalistische Framing-Prozesse die Wahrnehmung der Rezipienten beeinflussen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie bildliche und sprachliche Darstellungsmuster zur Konstruktion bestimmter gesellschaftlicher Diskurse beitragen.
- Analyse von latenten Narrativen in Nachrichtenmedien
- Anwendung der Framing-Theorie auf die Berichterstattung
- Untersuchung der Symbolkraft von Bildern und Videos bei Bootsunglücken
- Vergleichende Analyse von Artikeln aus Spiegel-Online und Focus-Online
- Untersuchung der Wirkung von Nachrichten-Loops auf die Realitätswahrnehmung
Auszug aus dem Buch
4 Flüchtlingsboote vor Lampedusa – Bilder und dessen Symbolwert
"Die Berichte über Flüchtlingsschiffe, die [...] an den europäischen Küsten stranden, reproduzieren auf mehrfache Weise die für die diskursive und visuelle Konstitution des Feindbilds 'Illegale' hochgradig relevante Strom- und Flutsymbolik."
Besonders im Fokus der Medien liegt die italienische Insel Lampedusa, welche zwischen Tunesien und dem italienischen Festland liegt. Im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 verging keine Woche, in welcher nicht über die Flüchtlingsboote berichtet wurde. Es stellt sich hier die Frage, warum die Medien besonders regelmäßig und häufig darüber berichteten. Thiele sieht hier primär den Symbolwert der Bilder als Grund - denn was die Medien, neben der Nachricht der 'Flüchtlingswelle' oder 'Flüchtlingsdrama' überträgt, sind die ubiquitären Kollektivsymbole vom 'vollen Boot'.
Für die Analyse wurden nun zwei Artikel aus der Online-Ausgabe von Fokus-Online und Spiegel-Online herangezogen. In diesem Abschnitt sollen nun die dort verwendeten Bilder und Videos, anhand des theoretischen Konzepts bewertet werden. Die ausgewählten Artikel zeigen hauptsächlich Bilder von überfüllten Booten und Helfern in Schutzanzügen. Im Artikel von Focus-Online wurden zudem zwei Videos eingebettet. Eine kurze Beschreibung der Bilder: Im Artikel von Spiegel-Online ist ein Bild verwendet worden. Zu sehen ist ein überfülltes Flüchtlingsboot und zwei Rettungsboote mit Helfern in weißen Schutzanzügen. Die Szene spielt sich auf offenem Meer ab. Im Bericht von Focus-Online wurden zwei Bilder und zwei Videos verwendet. Die Bilder zeigen einen ein wiederum überfülltes Flüchtlingsboot – hier jedoch sind die Flüchtlinge an Deck liegend/schlafend abgelichtet. Bei dem zweiten Bild ist ein Metallgitter/Metallzaun zu sehen, durch welches eine Hand greift. In der deutschen Berichterstattung über Lampedusa (2013-2017) wurden häufig solch homogene Bilder verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Exposé: Einleitung in die Thematik der Flüchtlingskrise und die Relevanz der medialen Darstellung sowie Definition der Forschungsfrage.
2 Narrative in der medialen Berichterstattung: Einführung in die Theorie der latenten Narrative und ihre Bedeutung für die Formung öffentlicher Diskurse.
3 Journalistisches Framing: Erläuterung des Framing-Konzepts nach Scheufele und Engelmann sowie dessen Verbindung zu Narrativen und Framing-Effekten.
4 Bootsunglücke von Lampedusa – Bilder und dessen Symbolwert: Empirische Analyse der Berichterstattung anhand von Spiegel-Online und Focus-Online unter besonderer Berücksichtigung der visuellen Symbolik.
5 Symbolisch Narrative Schemata: Untersuchung der verwendeten Begrifflichkeiten und deren Rolle bei der Konstruktion von Feindbildern und Kollektivsymbolen.
6 Resumé: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Notwendigkeit für weiterführende, methodisch breit gefächerte Analysen.
Schlüsselwörter
Flüchtlingskrise, Mediale Berichterstattung, Framing, Latente Narrative, Lampedusa, Symbolik, Massenmedien, Journalismus, Diskursanalyse, Nachrichten-Loops, Framing-Effekte, Kollektivsymbole, Medienkritik, Flüchtlingswelle, Realitätswahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie die deutschen Leitmedien über die Flüchtlingskrise berichten und welche medialen Mechanismen dabei die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themenfeldern mediale Narrative, journalistisches Framing, die visuelle Symbolik von Flüchtlingsbooten und die Wirkung von Nachrichten auf die Rezipienten.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und wie latente Narrative und Frames in der Berichterstattung genutzt werden, um Sachverhalte zu rahmen und dadurch die Wahrnehmung der Realität bei den Rezipienten zu verzerren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein Methodenmix angewendet, bestehend aus der Makro-Mikro-Methode, einer Inhaltsanalyse auf Basis des Framing-Konzepts sowie einer kritisch-analytischen Methode zur Auswertung der ausgewählten Medienartikel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Narrativen und Framing sowie eine empirische Untersuchung von Bild- und Textmaterial in Berichten von Spiegel-Online und Focus-Online.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Framing, Narrative, mediale Berichterstattung, Flüchtlingskrise und Symbolik.
Wie unterscheiden sich die Framing-Strategien von Spiegel-Online und Focus-Online laut der Analyse?
Laut Autor tendiert der Spiegel eher zu einem diagnostischen, objektiveren Frame, während Focus-Online stärker motivational und subjektiv-sensationsorientiert framt, um Handlungsdruck zu erzeugen.
Welche Rolle spielen "Nachrichten-Loops" oder "Langzeiterzählungen" in der Berichterstattung?
Der Autor argumentiert, dass die ständige Wiederholung derselben Bilder und Begriffe über lange Zeiträume hinweg Narrative verfestigt und das Gefühl einer unbewältigbaren Krise bei den Rezipienten verstärkt.
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- Johannes Micha Kraft (Author), 2017, Die mediale Berichterstattung in der Flüchtlingskrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371534