Wenn man sich in das Werk von Aristoteles einliest, ist ganz offensichtlich, ethisch hochges-teckte Ansprüche an den Menschen und die Gesellschaft sind eng verquickt mit der Legitimierung von Zusammenhängen, deren Anliegen aus unserem heutigen Blickwinkel, sich nicht verteidigen läßt. Ganz besonders kraß tritt dies hervor, wenn man Aristoteles Auffassungen zur Glückseligkeit, zu den seelisch-geistigen Werten, die er im Zeichen des Guten manifestiert sieht, nimmt, und sie mit seiner Verteidigung der Sklavenhaltergesellschaft zusammen sieht. Was für Aristoteles problemlos einen Guß bildet, scheint aus der Sicht der Nachgeborenen so ganz und gar nicht passen.
Die vorliegende Arbeit will beide Akzente in ihren Grundannahmen rekonstruieren. Darüber hinaus wird versucht, die Ebene der Ethik mit den Konsequenzen für das antike Staatswesen aufzuzeigen. In einem ausführlichen abschließenden Exkurs soll betrachtet werden, auf was für eine Zivilisationsentwicklung der aristotelische Ansatz, Gesellschaft zu fassen, hinausläuft. Vor dem Hintergrund der heutigen sozialökologischen Grundlagenkrise ist es besonders interessant zu fragen, welche Fehlentwicklungen daraufhin bereits im Frühstadium angelegt waren, kann man indirekte Hinweise bei Aristoteles finden bzw. lassen sich in seiner Art und Weise, die Dinge zu sehen, auch abschwächende Momente feststellen? In diesem Kontext dürften uns dann seine Auffassungen zum ausbeuterischen Prinzip, dem patriarchalen Gestus und den ethischen Normen einige Indizien liefern.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einstieg
2. Aristoteles Auffassung zur Sklaverei
3. Ausbeutung und von den Unmaßen des Reichtums
4. Von den geistig-seelischen Werten
5. Der Staat und die Ethik
6. Aristoteles und die Krise der Zivilisation
7. Literaturliste
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die ethischen Grundannahmen des Aristoteles, insbesondere sein Verständnis von Glückseligkeit und geistigen Werten, und setzt diese kritisch in Bezug zu seiner Verteidigung der Sklavenhaltergesellschaft sowie zu den strukturellen Fehlentwicklungen der antiken Zivilisation.
- Rekonstruktion der aristotelischen Ethik und ihrer Legitimierung sozialer Hierarchien.
- Analyse des Verhältnisses von Sklavenhaltergesellschaft und individueller Tugend.
- Kritische Untersuchung der aristotelischen Auffassungen zu Reichtum und Wirtschaft.
- Exkurs über die Ursprünge der zivilisatorischen Krise und den patriarchalen Weltentwurf des Aristoteles.
Auszug aus dem Buch
Aristoteles Auffassung zur Sklaverei
So wie der Staat von Natur aus eingerichtet scheint, ist auch die Sklaverei eine Einrichtung von Natur aus, meint Aristoteles. Er hält es für angemessen und notwendig, daß es in der Gesellschaft das Dienen und das Herrschen gibt. Der Sklave gehört dem Herrn ganz, er ist sein dienendes Werkzeug. Bei denjenigen Menschen, wo die Verwendung des Körpers das Beste ist, was sie aus sich hervorbringen können, diese sind bei ihm naturgemäß als Sklaven anzusehen. Schon mit der Geburt werden die Menschen in Dienende und Herrschende eingeteilt.
Er schlußfolgert sogar, daß die Körper der Freien und Sklaven tendenziell verschieden beschaffen sind. Die Dienenden sind kräftig für die Beschaffung des Notwendigen. Der Körper der Freien ist aufgerichtet und nicht geeignet, die angesprochene Sklavenarbeit auszuführen. Brauchbar ist er jedoch für das politische Tätigsein. Aristoteles räumt ein, es komme auch oft vor, daß manche Sklaven den Körper und die Seele von Freien hätten. Jedoch können nur diejenigen für sich in Anspruch nehmen, keine Sklaven zu sein, die sich körperlich den Standbildern der Götter annähern. Analog verhalte es sich mit der Seele, jedoch mit noch mehr Recht. Dabei sei die innere Schönheit der Seele schwerer zu erkennen, als die körperlichen Anzeichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einstieg: Der Autor führt in die Ambivalenz des aristotelischen Denkens ein, das hohe ethische Ansprüche mit der Rechtfertigung der Sklavenhaltergesellschaft verknüpft.
Aristoteles Auffassung zur Sklaverei: Dieses Kapitel erläutert die aristotelische Herleitung der Sklaverei als „natürliche“ Einrichtung und das Verhältnis von Sklave als „beseeltem Werkzeug“ zum Herrn.
Ausbeutung und von den Unmaßen des Reichtums: Hier wird analysiert, wie Aristoteles den Kulturkanon seiner Zeit teilt und das Prinzip der „Mitte“ auf die Verteilung von Reichtum anwendet.
Von den geistig-seelischen Werten: Der Fokus liegt auf der Glückseligkeit als höchstem Gut und dem Vorrang des seelischen Tuns gegenüber äußeren Besitzverhältnissen.
Der Staat und die Ethik: Dieses Kapitel untersucht, wie Aristoteles das vollkommene Leben als Basis des Staates betrachtet und welche Rolle die Verfassungsformen spielen.
Aristoteles und die Krise der Zivilisation: Der abschließende Exkurs hinterfragt die patriarchalen Grundlagen des aristotelischen Denkens im Vergleich zum Daudedsching und deren Rolle in der heutigen ökologischen Krise.
Literaturliste: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Zivilisationsprozess, Sklaverei, Ethik, Glückseligkeit, Polis, patriarchales Weltbild, ökologische Grundlagenkrise, Tugend, soziale Gerechtigkeit, Politische Philosophie, Menschheitsgeschichte, Naturzustand, Antike, Wirtschaftsethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen des Aristoteles im Hinblick auf deren Bedeutung für die soziale Ordnung und die Entwicklung des zivilisatorischen Prozesses.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Legitimierung der Sklaverei, dem Konzept der Glückseligkeit, der Staatsphilosophie und der Kritik an den patriarchalen Strukturen der antiken Welt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Widersprüche zwischen den hochgesteckten ethischen Forderungen des Aristoteles und seiner Akzeptanz ausbeuterischer gesellschaftlicher Verhältnisse aufzuzeigen und deren historische Fernwirkungen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und sozialphilosophische Textanalyse der zentralen Werke des Aristoteles sowie vergleichende Bezüge zu anderen historischen und zeitgenössischen Strömungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Sklaverei, das Verständnis der seelisch-geistigen Werte, die staatsphilosophische Einordnung der Ethik und einen kritischen Exkurs zur Zivilisationskrise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aristoteles, Zivilisationsprozess, Sklaverei, Ethik, Glückseligkeit, Politische Philosophie und ökologische Krise charakterisieren.
Wie verhält sich Aristoteles zur Rolle der Frau im Vergleich zum Mann?
Der Autor zeigt auf, dass Aristoteles eine extrem patriarchale Sichtweise vertritt, in der das Weibliche als „schlechter“ und „geringer“ als das Männliche eingestuft wird.
Welchen Bezug stellt der Autor zwischen der antiken Philosophie und heutigen Krisen her?
Die Arbeit argumentiert, dass die patriarchale und ausbeuterische Weltsicht, die bereits bei Aristoteles angelegt war, Ursprünge für heutige globale Probleme wie die ökologische Krise und das einseitige Wachstumsdenken enthält.
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- Marko Ferst (Autor), 2000, Aristoteles und der Zivilisationsprozeß - Von geistigen Werten, der Sklaverei und dem Staat, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3715