Armut macht krank. Strategien der Gesundheitsförderung für alleinerziehende Mütter


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1 Definition Armut
2.2 WHO-Definition von Gesundheit
2.3 Gesundheitsförderung
2.4 Setting-Ansatz

3. Die Lebenssituation alleinerziehender Frauen

4. Der Gesundheitszustand alleinerziehender Mütter

5. Das Gesundheitsverhalten alleinerziehender Mütter

6. Gesundheitsfördernde Ansätze
6.1 Allgemeine Betrachtung
6.2 Best Practice Beispiel „Vorfahrt für Alleinerziehende“

7. Fazit und Ausblick

8. Quellennachweis

1. Einleitung

Obwohl Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört, wird die von einem Armutsrisiko betroffene Bevölkerungsgruppe immer größer. Ein direkter Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit wurde bereits durch zahllose Studien belegt (Lampert & Kroll, 2010, S.1).

Von Armut betroffene Menschen schätzen demnach ihren allgemeinen Gesundheitszustand schlechter ein, leiden häufiger an chronischen Erkrankungen, Schmerzen, allgemeinen Gesundheitsbeschwerden und fühlen sich in ihrer Lebensqualität gesundheitlich eingeschränkt (Lampert & Kroll, 2010, S.1). Darüber hinaus unterscheidet sich auch das Gesundheitsverhalten dieser Bevölkerungsgruppe in Bezug auf die Risikofaktoren Rauchen, Bewegungsmangel und Adipositas deutlich vom Verhalten der Personen mit einem höheren Einkommen (Lampert & Kroll, 2010, S.4).

In der vorliegenden Arbeit wird der Zusammenhang von Armut und Gesundheit an Hand der Zielgruppe der alleinerziehenden Mütter betrachtet. Auf der Basis epidemiologischer Daten wird die These „Armut macht krank“ begründet und Ansätze zur Lösung des Problems entwickelt.

Alleinerziehende Mütter sind explizit gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Die Erziehung der Kinder, das Sorgen für den Lebensunterhalt und auch das Führen des Haushaltes stellt sie vor großen Herausforderungen (Helfferich, Hendel-Kramer & Klindworth, 2003, S.5).

Vor dem Hintergrund, dass der Anteil der Frauen unter den Alleinerziehenden mit 88% besonders charakteristisch ist, befasst sich diese Arbeit hauptsächlich mit alleinerziehenden Müttern. Bei dieser Zielgruppe handelt es sich um Frauen ohne Partner oder Ehemann, die mit mindestens einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren in einem Haushalt zusammenleben. Um den Beweis der sozialen Ungleichheit im Gesundheitskontext zu erbringen, werden sie hier mit der Gruppe der verheirateten Mütter oder Müttern in Paarfamilien verglichen (Helfferich, 2003, S.5).

2. Begriffsbestimmung

Nachfolgend werden die Begriffe Armut, Gesundheit, Gesundheitsförderung erklärt und definiert.

2.1 Definition Armut

„Der Entwicklungsausschuss der OECD (DAC) versteht unter Armut verschiedene Arten von Entbehrungen im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen. Zu diesen Bedürfnissen gehören vor allem der Konsum und die Sicherheit von Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung, Ausübung von Rechten, Mitsprache, Sicherheit und Würde sowie menschenwürdige Arbeit.

Als absolute Armut ist dabei ein Zustand definiert, in dem sich ein Mensch die Befriedigung seiner Bedürfnisse nicht leisten kann. Relative Armut beschreibt Armut im Verhältnis zum jeweiligen Umfeld eines Menschen.“ (BMZ)

2.2 WHO-Definition von Gesundheit

„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ (WHO, 1946)

2.3 Gesundheitsförderung

„Gesundheitsförderung ist nach dem Verständnis der WHO ein Konzept, das bei der Analyse und Stärkung der Gesundheitsressourcen und -potenziale der Menschen und auf allen gesellschaftlichen Ebenen ansetzt.“

Die Ottawa-Charta entwickelte 1986 fünf Handlungsfelder (das Mehrebenenmodell) und drei Handlungsstrategien zur Gesundheitsförderung:

1. Anwaltschaft für Gesundheit
2. Befähigen und ermöglichen
3. Vermitteln und vernetzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Mehrebenenmodell mit den fünf Handlungsfeldern der Gesundheitsförderung (entnommen aus: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung, 2003, S.75)

Bezeichnend für die Konzeption der Gesundheitsförderung ist die Orientierung an den salutogenetischen Perspektiven. Nach dem Modell der Salutogenese (Antonovsky) sollen die Ressourcen und Potenziale erhalten und gestärkt werden, um die Gesundheitsrisiken zu reduzieren (Kaba-Schönstein, 2003, S.73, S.105).

2.4 Setting-Ansatz

Im Setting-Ansatz setzt Gesundheitsförderung in den jeweiligen Lebenswelten der Menschen an. So soll eine bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe, eine Aktivierung sowie eine Stärkung der Ressourcen und eine Verringerung von Gesundheitsrisiken erreicht werden (Naidoo & Wills, 2010, S.310).

3. Die Lebenssituation alleinerziehender Frauen

Das RKI weist in seiner Veröffentlichung „Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter“ darauf hin, dass alle Untersuchungen zur Lebenssituation Alleinerziehender übereinstimmend zu dem Ergebnis kommen, dass diese Bevölkerungsgruppe im besonderen Maße ökonomisch belastet ist (Helfferich, 2003, Heft 14, S.5). Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Erwerbstätigkeit und die Einkommenssituation der alleinerziehenden Frauen.

Während einige von ihrer Erwerbstätigkeit leben können, sind viele Frauen dieser Bevölkerungsgruppe auf Transferzahlungen z. B. Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe angewiesen (Mikrozensus, 2009, S.25).

Wie das Bundesministerium für Gesundheit im Jahr 2003 bekannt gab, betrug der Anteil der von Armut betroffenen Alleinerziehenden zum Zeitpunkt der Erhebung 35,4% (Lampert, Saß, Häfelinger & Ziese, 2008, S.85).

Die finanzielle Situation ist mit einer großen psychischen Belastung und einer deutlichen Beeinträchtigung der Gesundheit der Alleinerziehenden verknüpft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sozialhilfequoten in verschiedenen Bevölkerungsgruppen am Jahresende 2002, Statistisches Bundesamt 2003 (entnommen aus: „Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit“)

Abbildung 2 verdeutlicht, wie signifikant hoch die Zahl der alleinerziehenden Frauen, die Sozialhilfe bekommen, im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen ist. Neben dem Alter, dem Geschlecht und den Erbanlagen wird die Gesundheit in besonderem Maße auch von sozio-ökonomischen Determinanten beeinflusst. Dazu gehören unter anderem das Einkommen, die Bildung und der Lebensstandard (Naidoo & Wills, 2010, S.25-26).

Betrachtet man die Ergebnisse des Mikrozensus 2009, so steht außer Frage, dass es eine enge Assoziation zwischen der Erwerbslosigkeit und einem niedrigen Bildungsstand gibt. Entsprechend dieser Studie wiesen 45% der erwerbslosen alleinerziehenden Mütter einen niedrigen Bildungsstatus auf (Mikrozensus, 2009, S.23). In Hinblick auf die Wohnsituation, den Lebensstandard, die Lebenszufriedenheit und das Haushaltseinkommen lässt sich auch hier ein Zusammenhang erkennen. Betrachtet man die Befundlage der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 14, zu den Lebensbereichen, so zeigt sich im Vergleich zu den verheirateten Müttern abermals ein deutlicher Unterschied. Hier werden die verheirateten Mütter eindeutig zufriedener dargestellt (Helfferich, 2003, S.11). Ebenso konnte eine Einschränkung sozialer Kontakte bei den alleinerziehenden Frauen nachgewiesen werden. Durch die fehlende Unterstützung im sozialen Umfeld sind alleinerziehende Mütter stärker belastet und die Bewältigung des Alltags gestaltet sich problematischer. Hieraus kann sich ggf. eine Überforderung oder auch Resignation der betroffenen Frauen ergeben (Helfferich, 2003, S.9-10).

4. Der Gesundheitszustand alleinerziehender Mütter

Die finanzielle Lage, aber auch die alleinige Erziehung der Kinder und die Sorge für den Haushalt haben nachweislich große Auswirkungen auf die Gesundheit von alleinerziehenden Müttern. Sowohl physisch als auch psychisch sind diese Mütter besonderen Belastungen ausgesetzt (Lampert, 2008, S.85).

Das Robert Koch Institut veröffentlichte im Rahmen der Studie „Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit“ (2003), dass Alleinerziehende ihren allgemeinen Gesundheitszustand vergleichsweise schlechter einschätzten als die Gruppe der verheirateten Mütter. Insbesondere nicht erwerbstätige Alleinerziehende sind mit ihrem subjektiven Gesundheitszustand unzufrieden. Dies fördert die Annahme, dass das tatsächliche Einkommen eng mit dem individuellen Gesundheitsempfinden zusammenhängt (Lampert, 2008, S.89-90).

Auch hinsichtlich der emotionalen Belastungen sind die Unterschiede zur Vergleichsgruppe signifikant. Entsprechend der Gesundheitsberichterstattung des Bundes wurde deutlich, dass insbesondere die finanziellen Probleme, die unsichere Zukunft, die Unzufriedenheit mit der Wohnsituation und die Überforderung in der Familie von den Alleinerziehenden als sehr belastend empfunden wurde. Diese Stressoren wirken sich nachweislich auf das psychische Wohlbefinden aus. Im Vergleich zu verheirateten Müttern fühlten sich wesentlich mehr Alleinerziehende oft sehr nervös, niedergeschlagen, entmutigt und traurig. Insgesamt gaben die alleinerziehenden Mütter eine schlechtere psychische Befindlichkeit an als verheiratete Mütter (Helfferich, 2003, S.9-13).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Armut macht krank. Strategien der Gesundheitsförderung für alleinerziehende Mütter
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V371610
ISBN (eBook)
9783668507487
ISBN (Buch)
9783668507494
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheit, Gesundheitsförderung, Armut, alleinerziehende Mütter
Arbeit zitieren
Nancy Kolling (Autor), 2015, Armut macht krank. Strategien der Gesundheitsförderung für alleinerziehende Mütter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371610

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