Entwicklung und Sozialisation von Kindern mit Behinderung. Wie entwickeln sich Kinder mit Down-Syndrom?


Hausarbeit, 2012
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition Down-Syndrom
2.1 Freie Trisomie 21
2.2 Translokation
2.3 Mosaik

3 Entwicklung und Sozialisation von Kindern mit Down-Syndrom
3.1 Die wichtigsten Meilensteine der Entwicklung (Tabelle 1):
3.2 Die Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom
3.2.1 Entwicklung von Grob- und Feinmotorik bei Kindern mit Down-Syndrom
3.2.2 Entwicklung der Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom
3.2.3 Soziale Entwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom
3.2.4 Motorische Entwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom
3.2.5 Kognitive Entwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom
3.2.6 Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom

4 Förderung für Kinder mit Down-Syndrom

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang 1

Anhang 2

1 Einleitung

Kinder mit Behinderung stehen auch heute noch oft „außen vor“ und man schenkt ihrer Entwicklung und Sozialisation oftmals nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie bei gesunden Kindern. Und doch sind es gerade diese Kinder, die in verschiedenen Bereichen erhöhten Förderbedarf haben. Fast alle Kinder mit Down-Syndrom besuchen heute Regelkindergärten und können meistens später in geeigneten Schulen Lesen und Schreiben lernen. Integrative Schulen sind hierbei besonders erfolgreich.[1]

Ich möchte nun meinen Augenmerk auf Kinder mit Down-Syndrom legen, da hier häufig noch viele Vorurteile bestehen. Diese Kinder werden oft als dumm angesehen, was sie definitiv nicht sind. Sie haben nur einen erhöhten Förderbedarf. Kinder mit Down-Syndrom sind erstaunlich lernfähig, wenn sie die Chancen geboten bekommen. Wissenschaftler und Pädagogen können heute noch nicht sagen, wie groß das Entwicklungspotential tatsächlich ist.[2]

Menschen mit Down-Syndrom leiden nicht am Down-Syndrom (das keine Krankheit ist), sondern an der Umwelt, die sie ausgrenzt. Es ist auch weitaus passender, von Menschen mit einer Lerneinschränkung als von Menschen mit einer geistigen Behinderung zu sprechen. Menschen mit Down-Syndrom sind genauso unterschiedlich wie alle anderen Menschen auch und haben individuelle Begabungen, Fähigkeiten und Neigungen. Sie haben Gefühle wie andere Menschen auch, erwidern Ausdrücke der Freundschaft und werden durch rücksichtsloses Benehmen verletzt.[3]

Down-Syndrom tritt mit etwa 1 von 800 Geburten überall auf der Welt sowie bei allen Rassen, ethnischen Gruppen und Bevölkerungsschichten gleich häufig auf. In Deutschland werden jährlich ca. 800 Kinder mit Down-Syndrom geboren. Weltweit leben ca. 5 Millionen Menschen mit Down-Syndrom.[4]

Im Rahmen einer Hausarbeit kann ich leider nur einen Überblick über die Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom geben, da es sonst den Rahmen sprengen würde. Gleichwohl habe ich es aus Vereinfachungsgründen vorgezogen, nur in der männlichen Form zu schreiben, beziehe aber auch alle weiblichen Personen mit ein.

2 Definition Down-Syndrom

Das Down-Syndrom wurde vom englischen Arzt John Langdon Down (1828-1896) erstmals im Jahre 1886 ausführlich dargestellt. Er beschrieb die „klassischen Merkmale“ dieses Syndroms, erkannte sie als abgrenzbare Einheit (Syndrom) und unterschied diese Menschen von anderen mit geistiger Behinderung. Er prägte wegen des leicht asiatischen Aussehens den Begriff „Mongolismus“. Da die rassische Folgerung völlig falsch ist, sollte auf den Begriff „mongoloid“ verzichtet werden.[5]

Jérome Lejeune entdeckte 1959 in Paris, dass Menschen mit Down-Syndrom in jeder Zelle 47 statt der üblichen 46 Chromosomen haben. Das Chromosom 21 ist in jeder Zelle dreifach statt normalerweise zweifach vorhanden. Diese Entdeckung führte zur Bezeichnung Trisomie 21. Mit zunehmendem Gebäralter der Mutter steigt die Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom. Das Down-Syndrom ist genetisch bedingt und keine Krankheit. Man unterscheidet das Down-Syndrom in verschiedene Formen[6]:

2.1 Freie Trisomie 21

Bei jedem Menschen,[7] der Keimzellen bildet, kommt es vor, dass eine der Keimzellen ein zusätzliches Chromosom (24 statt 23 Chromosomen) enthält. Wenn sich eine solche Keimzelle mit der Keimzelle des anderen Elternteils vereinigt, entsteht eine befruchtete Eizelle mit 47 Chromosomen. Wenn das zusätzliche Chromosom eines der Nr. 21 ist, kommt es zur Trisomie. Liegt das Extra-Chromosom „frei“ und ist nicht mit einem anderen Chromosom verwachsen, so wird sie freie Trisomie 21 genannt. Sie ist nicht familiär erblich.

Freie Trisomie 21 haben ca. 93% aller Menschen mit Down-Syndrom.

2.2 Translokation

Bei der Translokation [8] schwebt ein Abschnitt eines zusätzlichen Chromosoms 21 nicht frei herum, sondern hat sich mit einem anderen Chromosom verbunden, meist mit der Nr. 13, 14, 15 oder 22 (siehe hierzu auch Anhang 1).

Hier kann ein Elternteil „Überträger“ des Down-Syndroms sein. Es besteht die Möglichkeit, dass weitere Kinder auch mit dieser Form des Down-Syndroms zur Welt kommen.

Translokation kommt bei ca. 4% aller Menschen mit Down-Syndrom vor.

2.3 Mosaik

Bei der Mosaik-Variante findet erst[9] nach der ersten Zellteilung eine Nondisjunktion (Nichtauseinandertrennen) statt. Somit weist diese Person sowohl Zellen mit 46 als auch mit 47 Chromosomen auf.

Trisomie 21—Mosaik kommt nur bei 2-3% aller Menschen mit Down-Syndrom vor.

3 Entwicklung und Sozialisation von Kindern mit Down-Syndrom

Entwicklung ist Werden; Wachsen; Fortgang; Herausbildung; Evolution[10].

Während der Entwicklung werden neue Erfahrungen gesammelt, durch die Einordnungsprobleme entstehen, die sich mit dem bisherigen Entwicklungsstand des intellektuellen Niveaus nicht mehr bewältigen lassen[11]. Es entsteht ein Druck für die Weiterentwicklung auf ein höheres Niveau[12]. Mit dem Begriff Entwicklung wird eine Reihe von Veränderungen beschrieben, in der auch Reifung und Lernen eingeschlossen sind. Die menschliche Entwicklung vollzieht sich, je nach theoretischem Ansatz, in Phasen bzw. Stufen. Der Schwerpunkt liegt auf den grundlegenden Eigenschaften von Menschen (z.B. Wachstum, Motorik, Sprache, logische Operationen usw.)[13].

Nach Piaget, der die Persönlichkeitsentwicklung sehr stark auf die kognitive, intellektuelle Entwicklung reduziert[14], durchläuft jedes Kind vier Stufen der intellektuellen/kognitiven Entwicklung, nämlich ab der Geburt bis zum zweiten Lebensjahr die sensomotorische Stufe, zwischen dem zweiten und siebten Lebensjahr die präoperationale Stufe, zwischen dem siebten und elften/zwölften Lebensjahr die Stufe des konkreten Operierens und nach dem elften/zwölften Lebensjahr die Stufe des formalen Operierens[15].

Sozialisation ist Prozess und Ergebnis der Einordnung des Individuums in die Gesellschaft[16].

Sozialisation bezeichnet den Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in produktiver Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen und der sozialen und physikalischen Umwelt[17].

Wichtige Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung des Menschen kamen aus der Persönlichkeitspsychologie von Sigmund Freud (1856-1939), der Lerntheorie von John B. Watson (1878-1939) und der strukturgenetischen Entwicklungspsychologie von Jean Piaget (1896-1980), die bis heute eine große Rolle für Sozialisationstheorie und -forschung spielen[18].

Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnete der französische Soziologe Emile Durkheim mit dem Begriff Sozialisation den Vorgang der Vergesellschaftung des Menschen, deren Ziel es ist, „im Kind gewisse physische, intellektuelle und sittliche Zustände zu schaffen und zu entwickeln, die sowohl die politische Gesellschaft in ihrer Einheit als auch das spezielle Milieu, zu dem es in besonderer Weise bestimmt ist, von ihm zu verlangen“ (Durkheim 1972:30)[19].

Sozialisation ist als Prozess der Persönlichkeitsentstehung und -entwicklung eines Individuums in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten, sozialen und materiellen Umwelt zu verstehen. Hierbei stellt sich die Frage nach den gesellschaftlichen Integrations- und Partizipationsmöglichkeiten des Individuums, also nach dessen Befähigung am sozialen Leben teilzuhaben und an der gesellschaftlichen Entwicklung mitzuwirken[20].

Für die Sozialisation nimmt die Familie eine herausragende Stellung ein. In allen Kulturen gilt sie als zentraler Sozialisationsbereich von Kindern. Die Familie konstituiert einerseits die personelle Identität eines Menschen und begründet anderseits kollektive und soziale Identität. In allen Theorien und Forschungsarbeiten zur Sozialisation ist unstrittig, das die Familie für den größten Teil der Heranwachsenden der zentrale Ort ist[21].

Kinder mit Down-Syndrom entwickeln sich anfangs genauso wie Kinder ohne Down-Syndrom. Erst im Laufe der Entwicklung treten Unterschiede auf (siehe hierzu auch Anhang 2). Bei Kindern mit Down-Syndrom trennt sich die parallele körperliche und geistige Entwicklung. Die körperliche Entwicklung verläuft ähnlich wie bei nicht-behinderten Kindern. Die geistige Entwicklung verläuft wesentlich langsamer.

Auch Kinder mit Down-Syndrom entwickeln sich unterschiedlich schnell. Die Lernkurve steigt auch nach dem Jugendalter weiter an. Sie können auch mit zunehmendem Alter noch neue Fähigkeiten erwerben.[22]

Anhand folgender Tabelle ist zu erkennen, dass Kinder mit Down-Syndrom eine längere Zeit brauchen, um die gleichen Fertigkeiten zu lernen wie Kinder ohne Down-Syndrom. Vielfach fängt die Entwicklung einer Fähigkeit bei Kindern mit Down-Syndrom zu einem gleichen bzw. ähnlichen Zeitpunkt wie bei Kindern ohne Down-Syndrom an, aber sie brauchen länger, bis sie diese beherrschen.

[...]


[1] Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (2011): Down-Syndrom. Was bedeutet das? (5. überarb. Aufl.), Lauf a.d. Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter, 2; Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (o.J.): Down-Syndrom. Wie es dazu kommt und was es bedeutet. Lauf a.d. Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter.

[2] Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (o.J.): Down-Syndrom. Wie es dazu kommt und was es bedeutet. Lauf a.d. Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter.

[3] ebd.

[4] ebd.

[5] Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (2011): Down-Syndrom. Was bedeutet das? (5. überarb. Aufl.), Lauf a.d.Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter, 2.

[6] Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (2011): Down-Syndrom. Was bedeutet das? (5. überarb. Aufl.), Lauf a.d.Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter, 6.

[7] Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (2011): Down-Syndrom. Was bedeutet das? (5. überarb. Aufl.), Lauf a.d. Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter, 7.

[8] Deutsches Down-Syndrom InfoCenter (2011): Down-Syndrom. Was bedeutet das? (5. überarb. Aufl.), Lauf a.d. Pegnitz: Deutsches Down-Syndrom InfoCenter, 8.

[9] ebd.

[10] o.A. (o.J.): Deutsch Rechtschreibung. Schreibweise, Silbentrennung, Zeichensetzung, München: Compact, 193.

[11] Hurrelmann, Klaus (2006): Einführung in die Sozialisationstheorie (9., unveränderte Aufl.), Weinheim und Basel: Beltz, 70; Niederbacher, Arne/Zimmermann, Peter (2011): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter (4., überarb. und akt. Aufl.): Wiesbaden: VS Verlag, 36.

[12] Hurrelmann, Klaus (2006): Einführung in die Sozialisationstheorie (9., unveränderte Aufl.), Weinheim und Basel: Beltz, 70.

[13] Niederbacher, Arne/Zimmermann, Peter (2011): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter (4., überarb. und akt. Aufl.): Wiesbaden: VS Verlag, 14.

[14] Niederbacher, Arne/Zimmermann, Peter (2011): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter (4., überarb. und akt. Aufl.): Wiesbaden: VS Verlag, 71.

[15] Hurrelmann, Klaus (2006): Einführung in die Sozialisationstheorie (9., unveränderte Aufl.), Weinheim und Basel: Beltz, 70.

[16] o.A. (o.J.): Deutsch Rechtschreibung. Schreibweise, Silbentrennung, Zeichensetzung, München: Compact, 666.

[17] Hurrelmann, Klaus (2006): Einführung in die Sozialisationstheorie (9., unveränderte Aufl.), Weinheim und Basel: Beltz, 7.

[18] Hurrelmann, Klaus (2006): Einführung in die Sozialisationstheorie (9., unveränderte Aufl.), Weinheim und Basel: Beltz, 12.

[19] Niederbacher, Arne/Zimmermann, Peter (2011): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter (4., überarb. und akt. Aufl.): Wiesbaden: VS Verlag, 11.

[20] Niederbacher, Arne/Zimmermann, Peter (2011): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter (4., überarb. und akt. Aufl.): Wiesbaden: VS Verlag, 15.

[21] Niederbacher, Arne/Zimmermann, Peter (2011): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter (4., überarb. und akt. Aufl.): Wiesbaden: VS Verlag, 71.

[22] Seikowitz, Mark (1990 der englischen Ausgabe, 1992 der deutschen Ausgabe): Down-Syndrom.

Krankheitsbild – Ursache – Behandlung, Heidelberg, Berlin, New York: Spektrum, 50-51.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Entwicklung und Sozialisation von Kindern mit Behinderung. Wie entwickeln sich Kinder mit Down-Syndrom?
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V371621
ISBN (eBook)
9783668494541
ISBN (Buch)
9783668494558
Dateigröße
1367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Down-Syndrom, Entwicklung, Sozialisation, Kinder mit Behinderung
Arbeit zitieren
Monika Flügel (Autor), 2012, Entwicklung und Sozialisation von Kindern mit Behinderung. Wie entwickeln sich Kinder mit Down-Syndrom?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371621

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