Die personenzentrierte Beratung. Ein mögliches Erstgespräch bei einer Psychotherapeutin


Studienarbeit, 2016

10 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Definition von Gruppen
2.1 Verschiedene Definitionen von Gruppen
2.2 Der Begriff der Gruppendynamik und damit verbundene Ziele

3 Die Wirkung von Gruppen auf das Individuum

4 Die Isolation eines Individuums aus der Gruppe und damit verbundene Folgen

5 Hilfen für sozial isolierte Menschen und Möglichkeiten der Rückführung in eine Gruppe

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Während meiner Schulzeit tangierte mich der Geschichtsunterricht, ehrlich ausgedrückt, peripher. Allgemeinbildende geschichtsrelevante Themen prägte ich mir ein, jedoch nur so viel was nötig war um die nächste Klausur zu bestehen. Einer der seltenen Momente steht in Zusammenhang mit der Thematik der vorliegenden Studienarbeit. Die Behandlung des Mittelalters und damit verbunden von Friedrich II, beinhaltete für mich persönlich, ein prägnantes Thema. Der Deutsch – Römische Kaiser, lebte im Jahre 1212 und wollte der Entstehung der menschlichen Sprache auf den Grund gehen. Er unternahm Versuche mit Waisenkindern um die Sprachentwicklung zu erforschen. Friedrich II machte es den Ammen zur Aufgabe die Säuglinge lediglich im Bereich der Grundbedürfnisse zu versorgen. Sie bekamen Nahrung und wurden gewickelt. Was ihnen jedoch verwehrt wurde, war jegliche Art der Kommunikation. Die Ammen zeigten keinerlei Emotionen oder Zuwendung im Umgang mit den Neugeborenen. Die Säuglinge wurden somit von ihren Mitmenschen isoliert. Dabei scheiterte das Experiment kläglich und alle Säuglinge verstarben. Bezogen auf meine Studienarbeit ist dieses Experiment dahingehend relevant, die Isolation eines Individuums aus einer Gruppe, beziehungsweise von anderen Menschen, zu thematisieren und zu erörtern. Das Experiment zeigt deutlich, dass vor allem Kleinkinder aufgrund fehlender Kommunikation mit anderen Menschen verkümmern und in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Damit erlangt die Interaktion, von Mensch zu Mensch, einen bedeutenden Stellenwert in der Persönlichkeitsentwicklung eines Individuums. Aufgrund dessen befasse ich mich in der folgenden Studienarbeit mit dem Thema: „Die Isolation aus der Gruppe – Ausgrenzung aus Gruppen und damit verbundene Folgen für die Persönlichkeit“. Bis heute ist mir das Experiment von Friedrich II im Gedächtnis geblieben und begegnete mir wiederholend im Laufe meines Studiums. Bezogen auf den Stellenwert einer Gruppe, beziehungsweise der Kommunikation mit anderen Menschen, zeigt dies deutlich, dass es unerlässlich ist im Kontakt mit anderen Personen zu stehen um eine angemessene Psychohygiene zu betreiben. Zu Beginn meiner Studienarbeit werde ich allgemeine themenbezogene Begrifflichkeiten definieren und relevante Vorgänge in Gruppen erläutern. Anschließend nehme ich das Individuum, sprich die einzelne Person, im Bezug auf das Gruppengeschehen in den Fokus. Ableitend daraus, ergibt sich im letzten Abschnitt meiner Studienarbeit eine klare Tendenz bezüglich der Wichtigkeit von Gruppen auf den Menschen. Ich persönlich stehe gerne in Kontakt mit anderen Menschen. Die Kommunikation und das Gefühl Rückhalt zu erlangen haben mich in meiner Entwicklung erheblich geschult und positiv beeinflusst. Mein Selbstwertgefühl ist aufgrund der Interaktion mit anderen Personen gewachsen und ich fühle mich in Beziehungsgefügen, auf freundschaftlicher und familiärer Basis, wohl. Persönlich kann ich mich gut in Gruppen integrieren und finde schnell den passenden Stellenwert. Aber was passiert, wenn Menschen diese Fähigkeit nicht besitzen und ausgegrenzt beziehungsweise isoliert, werden? Dieser Frage möchte ich zusätzlich auf den Grund gehen und mögliche Ansatzpunkte aufzeigen, diese Isolation und Ausgrenzung zu vermeiden – für den Einzelnen und die Gruppenmitglieder. Die Persönlichkeit eines Menschen kann sich zu etwas sehr Starkem und Großen entwickeln. Es ist nicht immer der Fall, dass eine Gruppe stärker als eine einzelne Person ist. Aber sie kann es doch schaffen etwas ganz großes zu bewegen.

2 Die Definition von Gruppen

2.1 Verschiedene Definitionen von Gruppen

Menschen finden sich seit der Entstehung ihrer selbst in Gruppen zusammen. Dabei stellte die Anzahl der Gruppenmitglieder zunächst einen sekundären Zweck dar. Vielmehr stand das Überleben und dazu notwenige Tätigkeiten im Vordergrund ihres Handelns. Bis dato gibt es in allen Lebensbereichen Gruppen. Aufgrund dessen finden sich in der Literatur zahlreiche Definitionen zu dem Begriff „Gruppe“:

Definition nach Olmsted, 1959, S. 21: „Eine Gruppe kann definiert werden als eine Mehrheit von Individuen, die in Kontakt miteinander stehen, aufeinander reagieren und in wesentlichen Punkten Gemeinsamkeiten erleben.“.

Definition nach Lindgren, 1973, S. 347: „[Eine Gruppe besteht dann] [w]enn zwei oder mehr Personen in irgendeiner Beziehung zueinander stehen, [...].“.

Definition nach McDavid und Harari, 1968, S. 237: „Eine sozialpsychologische Gruppe ist ein organisiertes System von zwei oder mehr Individuen, die so miteinander verbunden sind, dass in einem gewissen Grade gemeinsame Funktionen möglich sind, Rollenbeziehungen zwischen den Mitgliedern bestehen und Normen existieren, die das Verhalten der Gruppe und aller ihrer Mitglieder regeln.“.

Definition nach Franck, 1976, S. 52: „Eine Gruppe ist eine soziale Einheit, bestehend aus einer Zahl von Personen, die in mehr oder weniger klar bestimmten Rollen – und Statusbeziehungen zueinander stehen. Sie entwickelt eine Reihe von Normen, die das Verhalten der Mitglieder in den Angelegenheiten regeln, die für die Gruppe von Bedeutung sind.“.

Definition nach Schäfers, 1994, S.21: „Eine Gruppe umfasst eine bestimmte Zahl von Mitgliedern (Gruppenmitglieder), die zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels (Gruppenziel) über längere Zeit in einem relativ kontinuierlichen Kommunikations – und Interaktionsprozess stehen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit (Wir – Gefühl) entwickeln. Zur Erreichung des Gruppenziels und zur Stabilisierung der Gruppenidentität ist ein System gemeinsamer Normen und eine Verteilung der Aufgaben über ein gruppenspezifisches Rollendifferential erforderlich.“ (vgl Ilgner 2005, S.177).

Jede dieser Definitionen hat im Wesentlichen die gleiche Aussage. Bei Gruppen handelt es sich demnach um Zusammenschlüsse verschiedener Individuen, welche gewollt oder zufällig passieren, um ein Ziel zu verfolgen. Dabei können die Gruppengrößen variieren. Zeitlich unabhängig besteht ein eindeutiges, im Wesentlichen gleichbleibendes Verständnis der Definition von Gruppen. Im Zusammenhang mit der Sozialpsychologie werden verschiedene Bedingungen an den Begriff einer Gruppe gesetzt: die Gruppenmitglieder erleben ihr Handeln als zusammengehörig und definieren sich explizit darüber. Sie verfolgend zudem gemeinsame Ziele, teilen Verhaltensvorschriften und Normen für einen bestimmten Verhaltensbereich; sie entwickeln Ansätze von Rollendifferenzierungen und Aufgabenteilungen; sie haben größere Interaktion in der Gruppe als nach außen; sie identifizieren sich über einen gemeinsamen Sachverhalt, eine gemeinsame Aufgabe oder einer gemeinsamen Bezugsperson; sie sind zeitlich und / oder räumlich von anderen Personen der weiteren Umgebung abgekoppelt. Vermehrt wird als Kriterium hinzugezogen, dass ein unmittelbarer Kontakt jedes Gruppenmitgliedes realisierbar sein muss. Auch die Größe der Gruppe spielt für jedes Mitglied eine Rolle für die persönliche Möglichkeit sich entfalten zu können (vgl. Sader 2000, S. 39). Daher wird zusätzlich im sozialpsychologischen Sinne unter einer Gruppe eine Anzahl von in Beziehung stehenden Menschen verstanden, welche durch fünf Merkmale charakterisiert werden können:

- Als eine relative Kleinheit wird eine Gruppen von drei bis 25 Personen bezeichnet. Aber auch eine Konstellation von lediglich zwei Mitgliedern wird als Gruppe bezeichnet. Sie unterliegen der Beziehungskonstellation, welche in ihr möglich sind.
- Aufgrund der Interaktion in Gruppen entsteht ein „Face – to – Face“ – Kontakt – ein unmittelbarer Kontakt zwischen den Gruppenmitgliedern.
- Die Gruppe verfolgt gemeinsame Ziele und Werte.
- Funktionen, Rollen und Positionen sind aufeinander abgestimmt und voneinander abhängig. Sie bestimmen, die in der Gruppe passierenden, Prozesse und steuern bis zu einem gewissen Grad auch das Verhalten der einzelnen Gruppenmitglieder.
- Ein Mindestzeitraum für die Interkation einer Gruppe kann nicht festgelegt werden. Norm – und Rollenentwicklungen treten jedoch nach längerem Bestehen der Gruppe deutlicher auf (vgl. Rechtien 2007, S. 5).

2.2 Der Begriff der Gruppendynamik und damit verbundene Ziele

Die Wurzeln der sozialen Gruppenarbeit sind in den Vereinigten Staaten zur Jahrhundertwende zu finden. Historische Grundlage gesellschaftlicher Hilfen bildete die Settlement Houses – Bewegung, einer sozialreformerischen Strategie, im Zusammenhang mit der sozialreformerischen Arbeit der US – amerikanischen Feministin und Soziologin Jane Addams. Die Gruppenarbeit sollte ein Instrument über das gemeinsame Handeln darstellen, um die unmittelbaren Lebensverhältnisse zu ändern und demokratische Schemata durchzusetzen (vgl. Lambers 2010 S.221). Der Begriff der Gruppendynamik ist durch verschiedene Bedeutungen geprägt:

(I) Zum einen ist die Gruppendynamik eine Bezeichnung für die Kräfte, durch welche alle Arten psychologisch definierbarer Veränderungen, sogenannte Lokomotionen, hervorgerufen werden. Individuen können somit, durch Kommunikation, einander näher kommen, durch Angleichung von Meinungen und Haltungen oder der gemeinsamen Zielannäherung, soziale Hindernisse überqueren und beseitigen. Somit fallen Phänomene wie Rollenentwicklung, Macht, Führung, Gruppenbildung, Beeinflussung und so weiter unter diese Begriffsbedeutung.
(II) Weiterhin bezeichnet der Begriff der Gruppendynamik das Erforschen der ablaufenden Prozesse, das Zusammenwirken zwischen den Mitgliedern und die Erforschung der Entwicklungsgesetze in Gruppen.
(III) Zuletzt bezieht sich die gebräuchlichste Bedeutung auf eine Abfolge verschiedener Techniken zur Beeinflussung und Verdeutlichung des Geschehens ins Gruppen. Gruppendynamische Methoden wie Brainstorming, Prozessanalyse, Soziogramm, Rollenspiele oder Kommunikationsübungen haben vorrangig pragmatischen Charakter.

Somit wird deutlich, dass das Zusammenspiel von Menschen überhaupt zu einer Gruppendynamik führt. Ein produktives Miteinander, zur Erfüllung verschiedener Zielstellungen, schafft ein Zugehörigkeitsgefühl und entwickelt die Persönlichkeit (vgl. Rechtien 2007, S. 5 – 6). Die soziale Dynamik steht im Fokus gruppaler Strukturen und Prozesse. Sie definiert sich durch Normentwicklung; Beeinflussungsprozesse; Hierarchie -. Kommunikations -, Kooperations- und Wettbewerbsstrukturen; Rollenentstehung und –veränderung; Gruppenleistung; Gruppenatmosphäre; Bildung von Paaren und Subgruppen oder Beziehungen zur Außenwelt. Zudem bestehen verschiedene Trainingsformen, welche speziell zur Erreichung verschiedener Ziele dienen sollen: Die themenzentrierte Interaktion zielt auf die Vermittlung von berufsspezifischen und konkreten Wissen über Gruppenstrukturen und Gruppenprozesse; Entwicklungen der Fähigkeit bezüglich einer Gruppenleitung aufgrund gleichberechtigter Behandlung von Aufgaben und Personen. Das Skill – Training soll zur Entwicklung von Fähigkeiten zur Deutung sozialer Situationen, Beratung in Konfliktsituationen, Führung von Arbeitseinheiten unter Belastungssituationen wie Erfolgsdruck oder Stress und zur Unterstützung von Teamarbeit in heterogenen Gruppen verhelfen. Das Kommunikations – und Interaktionstraining strebt eine Verbesserung der Austausch – Informations – Kompetenz und damit verbunden der Verständigung in sozialen Systemen an. Das Führungstraining strebt die Entwicklung von Führungsqualitäten anhand der Dimensionen von Mitarbeiterorientierung und Aufgabenorientierung an. Das Human – Relations – Training erstrebt eine Arbeit mit Praxis und Konzept von Hierarchie und Aufgabe und Führung in direkter Entsprechung zur industrialisierten Wirklichkeit. Die Teamentwicklung fördert die Entwicklung von Zielvereinbarungen, Unterstützung und Vertrauen, offener Kommunikationsstrukturen, effizienten Umgang mit Gruppenressourcen, Konfliktlösungsfähigkeiten oder der Entwicklung effizienter Führungsstrukturen. Abschließend zielt die Organisationsentwicklung auf die Aktivierung des in einem Betriebs vorhandenen Problemlösungspotentials mittels realer organisatorischer Einheiten (vgl. Rechtien 2007, S. 94).

3 Die Wirkung von Gruppen auf das Individuum

Ein soziales System besteht aufgrund von Menschen, welche in personenbezogenen und regelmäßigen Kontakt zueinander stehen. Dabei unterscheidet die Literatur in „locker“ und „flüchtig“ verbundene Gruppen, wie beispielsweise Cliquen von Jugendlichen, eine sich immer wieder treffende Reisegesellschaft, Straßenbaden oder die sich regelmäßig treffenden Männer zur Stammtischrunde. Weiterhin bestehen auch „stabile Formen“ von Gruppen wie beispielsweise die Familie (vgl. Kühl 2012, S. 9). In wie weit eine Gruppe Einfluss auf den einzelnen Menschen haben kann, hängt zunächst von dessen Bereitschaft ab, Hilfe anzunehmen beziehungsweise dem Bestreben zu folgen all seine Probleme eigenständig zu bewältigen. Aufgrund dessen hängt die Bereitschaft, sein Leben einer Gruppe mit allen Höhen und Tiefen preis zu geben, nicht allein von situationsspezifischen Faktoren ab, sondern auch von der jeweiligen Persönlichkeit. Dabei spielen insbesondere unterschiedliche Wahrnehmungen eine Rolle, inwieweit eine Person im Glauben ist, ihr Leben unter Kontrolle zu haben. Weiterhin sind die sozialen Kompetenzen eines Menschen zu berücksichtigen. Zu ihnen gehören die Fähigkeit Empathie zu empfinden, die angemessen Fertigkeit im Umgang mit anderen, die soziale Attraktivität sowie ein selbstbewusstes Auftreten. Auch die individuellen Einstellungen sind wichtig zu berücksichtigen. Sie befähigen eine Person, hinsichtlich ihrer Ressourcen, situationsbedingt zu handeln. Ein Mensch benötigt Austausch und die Möglichkeit der Entfaltung seiner Selbst. Somit kann er in Interaktion mit anderen falsches und richtiges Handeln erlernen und seine Persönlichkeit dahingehend ausbauen. Die soziale Einbindung eines Individuums in ein System, bestehend aus sozialen Beziehungen, und wirkt sich förderlich auf sein Wohlbefinden aus. Dies kann darauf zurück geführt werden, dass Menschen grundsätzlich das Bedürfnis nach sozialer Verortung und Zugehörigkeit haben. Sozial isolierte Menschen weisen einen schlechteren Gesundheitszustand, einen höheren Grad an Sterblichkeit und ein niedriger ausgeprägtes subjektives Wohlbefinden, als sozial integrierte Menschen, auf (vgl. Diewald 1991, S. 90 – 91). Eine soziale Einbindung in eine Gruppe erfolgt zum Teil im Unterbewusstsein. Dabei handelt ein Individuum unbewusst im Rahmen akzeptierter sozialer Verhaltensweisen und Rollen. Weiterhin wird aufgrund der Integration in Gruppen ein Zugehörigkeitsbewusstsein ausgeprägt, welches das Individuum bewusst wahrnehmen kann. Es wirkt entlastend und kann auf den Einzelnen mit sinnstiftenden und verhaltensstabilisierenden Verhaltensnormen positiv einwirken. Es leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur Aus – und Weiterbildung einer sozialen Identität. Die Zugehörigkeit bietet somit auch eine emotionale Seite und vermittelt ein Geborgenheitsgefühl. Ein Mensch kann aufgrund der Kommunikation zu anderen, Gefühle wie Sicherheit und Stabilität, Zuneigung und Liebe oder Geselligkeit verspüren. Diese positiven Gefühlsstimmungen tragen zu einer erfolgreichen Persönlichkeitsentwicklung bei. Dem Individuum wird die Möglichkeit gegeben, sozialen Kompetenzen zu erwerben, welche zu einem angemessen und flexiblen Verhalten befähigen. Der Einzelne wird im Bereich seines Selbstwertgefühles enorm gestärkt. Die allgemeine Selbstachtung und Wertschätzung steigt (vgl. Diewald 1991, S. 92 – 95). Weiterhin kann die soziale Unterstützung, welche aufgrund einer intakten und unterstützend wirkenden Gruppe entsteht, bei der Bewältigung von Problem – und Belastungssituationen ansetzen. Sie hilft dann, negative Emotionen zu beseitigen und ein intaktes Selbstbild wiederherzustellen. Negativen Emotionen wie beispielsweise Ängsten, Depressionen, Mutlosigkeit und Ärger kann aufgrund verstärkter Vermittlung von Liebe, motivaler Unterstützung und eines Geborgenheitsgefühls sowie Zuneigung entgegen gewirkt werden (vgl. Diewald 1991, S. 99). „Unter dem Aspekt der sozialen Integration, erfüllen in einer arbeitsteiligen, pluralisierten Gesellschaft sowohl starke als auch schwache Beziehungen elementare und nicht wechselseitig substituierbare Funktionen. Starke Beziehungen vermitteln Geborgenheit, Zugehörigkeit sowie das Bewußtsein, für andere wichtig zu sein und einen Platz in der Gemeinschaft zu haben, an dem sie nicht beliebig austauschbar sind. [Das] Homophilieprinzip [...] sorgt mit dafür, daß das einzelne Individuum durch dauernde Bestätigung von handlungsrelevanten Normen und Werten entlastet und in der Ausbildung kohärenter Selbst – und Weltbilder unterstützt wird. [...] Auf der kognitiven Ebene der Ausbildung einer sozialen Identität sorgen schwache Beziehungen dafür, daß der einzelne über die Grenzen seiner Kleingruppe hinaus mit der Heterogenität der die Gesellschaft insgesamt ausmachenden Lebensweisen, Verhaltensmuster, Anforderungen und Möglichkeiten bekannt gemacht wird; seine starken Beziehungen können ihm davon nur einen kleinen Ausschnitt vermitteln. Schwache Beziehungen sind insofern eine Vorrausetzung dafür, daß sich das einzelne Individuum nicht nur als Mitglied seines engeren sozialen Umfelds, sondern auch als Mitglied der gesamten Gesellschaft definieren und einordnen kann.“ (Diewald 1991, S. 102 – 103)

4 Die Isolation eines Individuums aus der Gruppe und damit verbundene Folgen

Die vorangegangen Ausführungen bezüglich der Relevanz von Zugehörigkeiten eines Individuums zu einer Gruppe, zeigten eine deutliche Wichtigkeit im Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung. Allerdings befindet sich nicht jede Person in einem stabilen Gruppengefüge. Isolation und Ausgrenzung können schwerwiegende Folgen für einzelne Menschen haben. Soziale Isolation definiert sich als einen Zustand des geringsten sozialen Kontaktes beziehungsweise der größten Distanz von Gruppen und Individuen (vgl. Stoiser 2013, S. 8). Aufgrund fehlender Integration und dem Kontakt zu anderen können soziale Beziehungsschwächen und fehlende sinnstiftende Verhaltensnormen entstehen. Fehlen dauerhafte Interaktionsformen, wie beispielsweise die Familie oder Freunde, so bleiben auch individuelle Handlungsziele und Orientierungen an stabilisierenden Bindungen aus. Enge und stabile Beziehungen vermitteln ein Gefühl, für eine gemeinsame Sache wichtig zu sein und geben dem Leben somit einen Sinn sowie seelischen Beistand in Krisensituationen (vgl. Diewald 1991, S 93). Sozial isolierte Menschen sind zur Selbsttötung entschlossen und unternehmen gefährliche Suizidversuche als andere welche in einem stabilen Gruppengeflecht leben (vgl. Stoiser 2013, S. 14). Dabei sind mögliche Faktoren für eine soziale Isolierung (lebens -)einschneidende oder unmittelbar einwirkende Katastrophen. Demnach kann jeder Mensch gefährdet sein in eine soziale Isolation oder Einsamkeit zu gelangen (vgl. Stoiser 2013, S. 9). Ist ein Mensch von Einsamkeit betroffen, wirkt sich dies auf seinen psychischen Gesundheitszustand und körperliches Wohlbefinden aus. Alles was Menschen isoliert, setzt seitens dieser eine erhöhte Bereitschaft voraus, diesen Zustand zu ändern. Daraus folgen seelische und körperliche Probleme sowie das Empfinden von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Selbstmitleid, Langeweile und eine erhöhte Sehnsucht nach anderen Personen. Eine andauernde soziale Isolierung führt zu sozialen und psychischen Veränderungen wie:

- Dem Erwerb eines geschlossenen Selbstbildes das nur schwer veränderbar ist.
- Einer Verschärfung der emotionalen Befindlichkeit zum Negativen (beispielsweise von Niedergeschlagenheit zur Depression und Resignation).
- Einem unabhängigerem Handeln, bezüglich sozialer Rückmeldungen und anderer Personen, sodass das Sozialverhalten stereotypisiert und starr werden kann (vgl. Stoiser 2013, S. 10 – 13)

Wissenschaftler, der amerikanischen Universität von Illinois in Chicago, haben aufgrund eines Experiments untersucht, welche Prozesse bei sozialer Isolation im Hirn passieren. Dabei gilt die Amygdala als Zentrum der Emotionssteuerung und übernimmt somit eine Schlüsselrolle für Aggressionen, neuronalen Stoffwechsel oder Angstzuständen. Während der Isolation eines Individuums, die Forscher bezogen sich auf Tierversuche mit Mäusen, suchten die Wissenschaftler gezielt nach Veränderungen von Enzymen. Dabei zeigten sich starke Veränderungen im Bereich des Enzyms welches den Weg der neuronalen Signalwege, die zur Amygdala führen, steuert. Diese „Signalstörung“ stellte eine Möglichkeit der Erklärung dar, weshalb die isolierten Mäuse mit ängstlichen und aggressiven Verhalten reagierten. Menschen reagieren auf Stresssituationen sehr ähnlich. Wird eine soziale Isolierung nicht bekämpft oder aufgebrochen, kann sie zur Verschärfung und Verfestigung negativer kognitiver Verhaltenstendenzen führen. Ist eine totale Isolation erreicht, entsteht eine intensive Entfremdung von anderen Menschen. Der Kontakt wird dann noch nachhaltiger gemieden. Als letzten Ausweg sehen isolierte Menschen den Suizid. Wenn sie diesen Punkt erreicht haben, ist der Weg einer professionellen Hilfe letzte Instanz aus diesem beinahe ausweglosen Tief zu entkommen (vgl. Stoiser 2013, S. 13 – 14). Schwierig zu unterscheiden sind gewollte und ungewollte Isolation von Menschen. Die Zahl der Personen, welche ein Leben in Abgrenzung von ihren Mitmenschen bevorzugt, liegt deutlich unter der Zahl jener, welche sich in Gruppengefügen wohler fühlen. Personen isolieren sich aus den verschiedensten Gründen und Lebensumständen und ziehen ein Leben im Alleingang dem, mit sozialen Beziehungen vor. Ausschlaggebend dafür, können gescheiterte Beziehungen oder Existenzen sein. Die enttäuschte und verletzte Person sieht dann im Alleinsein die Möglichkeit, solche negativen Erfahrungen nicht mehr zu machen. Genau dieser Trugschluss kann zu fatalen psychischen Folgen führen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die personenzentrierte Beratung. Ein mögliches Erstgespräch bei einer Psychotherapeutin
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thüringen in Eisenach)
Note
2,3
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V371738
ISBN (eBook)
9783668497245
ISBN (Buch)
9783668497252
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beratung, erstgespräch, psychotherapeutin
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die personenzentrierte Beratung. Ein mögliches Erstgespräch bei einer Psychotherapeutin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371738

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