Weltweit setzen Unternehmen zunehmend stark auf die Gründung von Allianzen als Kooperationsform. Seit den frühen 1990er-Jahren wächst die Anzahl der neu gegründeten Allianzen besonders stark. Schon im Jahr 2000 erwirtschafteten die bedeutendsten europäischen und US-amerikanischen Unternehmen über 20 % ihrer Erlöse auf Basis von Allianzen, wobei der Anteil am Gesamterlös danach noch einmal gestiegen ist. Trotz der zunehmenden Verbreitung und obwohl Unternehmen nach Auffassung von Wissenschaftlern und Praktikern durch die Gründung von Allianzen Ressourcen bündeln, Kosten sparen, schneller auf Entwicklungen am Markt reagieren und sich Investitionsrisiken teilen können, scheitert ein Großteil dieser interorganisationalen Kooperationen.
Diese Entwicklung in der Praxis hat dazu geführt, dass Wissenschaftler sich in der Vergangenheit immer häufiger der Frage widmeten, wieso und unter welchen Begleitumständen Allianzen zwischen Unternehmen scheitern. Bei genauer Analyse der vorhandenen Literatur zeigt sich jedoch ein sehr fragmentierter Forschungsstand, wodurch die Literatur im Ganzen sehr komplex wirkt.
Um der praxischen Relevanz der Thematik zu begegnen und um die beschriebene Forschungslücke zu schließen, werden in dieser Arbeit systematisch sowohl empirische als auch konzeptionelle Forschungsbeiträge, die Hinweise auf das Scheitern von Allianzen geben können, gesichtet, analysiert und konsolidiert. Ziel dieser Arbeit ist es, das Scheitern aus der Perspektive der Allianz zu betrachten und das Verständnis zu erweitern, wieso Allianzen fehlschlagen.
1. Einleitung
2. Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Definition Allianz
2.2 Theoretische Erklärungsansätze für die Gründung von Allianzen
2.3 Motive von Allianzen
2.4 Typologien von Allianzen
2.5 Allianz-Governance-System
3. Methode der systematischen Literaturanalyse
4. Ergebnisse der systematischen Literaturanalyse
4.1 Problematik der Definition und Messung des Scheiterns
4.1.1 Perspektiven der Erfolgsmessung
4.1.2 Messgrößen von Erfolg und Misserfolg
4.2 Theoretische Erklärungsansätze für gescheiterte und instabile Allianzen
4.3 Überblick über die Literatur auf Basis der Lebensphasen einer Allianz
4.3.1 Merkmale des Allianz initiierenden Unternehmens
4.3.2 Phase 1: Entscheidung zur Initiierung
4.3.3 Phase 2: Partnerselektion
4.3.4 Phase 3: Verhandlung und Gründung
4.3.5 Phase 4: Implementierung und laufender Geschäftsbetrieb
4.3.6 Externe Umweltfaktoren
5. Diskussion der Ergebnisse
5.1 Diskussion der Ergebnisse auf Basis der fünf Analyseebenen einer Allianz
5.1.1 Ebene der externen Umwelt
5.1.2 Ebene der Allianzpartner und deren Beziehung zueinander
5.1.3 Ebene der Governance einer Allianz
5.1.4 Ebene der Allianz
5.1.5 Personelle Ebene
5.2 Kritische Würdigung der Forschungsmethoden der Allianzliteratur
5.3 Limitationen der vorliegenden Forschungsarbeit
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den fragmentierten Forschungsstand zum Scheitern von Unternehmensallianzen durch eine systematische Literaturanalyse zu konsolidieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, welche Faktoren und Mechanismen über den gesamten Lebenszyklus einer Allianz hinweg zu deren Scheitern führen oder dieses begünstigen, um sowohl theoretische Lücken zu schließen als auch praktische Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Systematische Aufarbeitung empirischer und konzeptioneller Allianzforschung
- Analyse des Scheiterns anhand der fünf Ebenen: Umwelt, Partner, Governance, Allianz und Personelles
- Bewertung gängiger Erfolgs- und Misserfolgsmessungen (Finanzkennzahlen, Stabilität, subjektive Maße)
- Untersuchung von Einflussfaktoren in den verschiedenen Lebensphasen (Initiierung, Selektion, Verhandlung, Implementierung)
- Kritische Reflexion methodischer Ansätze in der existierenden Literatur
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Perspektiven der Erfolgsmessung
Erfolg und Misserfolg von Allianzen können aus der Perspektive der Allianz selbst beurteilt werden oder aus Sicht der beteiligten Partnerunternehmen (Santini, Pinheiro, Hébert & Mendonça, 2010, S. 345). Je nach gewählter Perspektive kann die Performanz dieser Beziehung unterschiedlich beurteilt werden. Werden Allianzen auf der Ebene der beteiligten Partner betrachtet, werden die Aktivitäten der Allianzen meist im Zusammenhang mit der übergeordneten Gesamtstrategie der Partner bewertet. Es wird also beurteilt, ob die Allianz das richtige Instrument war, um langfristig die Wettbewerbspositionen der Partner zu verbessern (Dussauge & Garrette, 1997, S. 104 f.; Zielke, 1992, S. 55). Demnach kann die Entscheidung zur Gründung einer Allianz von einem Partner ex post negativ beurteilt werden, obwohl die Allianz per se wirtschaftlich erfolgreich ist und die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen keine Probleme bereitet. Dies kann bspw. dann der Fall sein, wenn ein Unternehmen sich in zu große Abhängigkeit vom Allianzpartner begeben hat.
Ein weiteres Problem, das auftritt, wenn der Erfolg einer Allianz aus der Perspektive der Partner bewertet wird, ist die Tatsache, dass der Erfolg in Allianzen nicht symmetrisch sein muss. Ein Grund dafür ist, dass die Partner neben den gemeinsam vereinbarten Zielen zusätzlich nicht offengelegte Ziele verfolgen können (Santini et al., 2010, S. 344 f.). So kann die identische Allianz für den einen Partner einen Misserfolg darstellen, weil die Allianz wirtschaftlich keinen Profit erzielt, aus der Perspektive des anderen Partners kann sie jedoch sehr erfolgreich sein, da das nicht offengelegte Ziel – z. B. der Aufbau von technologischem Wissen – erfolgreich erreicht wurde. Um diese Probleme zu umgehen, werden Misserfolge im Weiteren aus der Perspektive der Allianz betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz von Allianzen, die Problematik ihrer hohen Scheiterquoten und legt die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit dar.
2. Konzeptionelle Grundlagen: Definiert den Begriff der Allianz, stellt theoretische Erklärungsansätze (wie TCT oder RbV) vor und kategorisiert Allianzen nach Motiven, Typen und Governance-Strukturen.
3. Methode der systematischen Literaturanalyse: Beschreibt den transparenten siebenstufigen Auswahlprozess der Literatur, der zur Identifikation der für diese Analyse relevanten Beiträge führte.
4. Ergebnisse der systematischen Literaturanalyse: Analysiert kritisch die Messbarkeit von Scheitern und untersucht Einflussfaktoren auf Allianzmisserfolge entlang der verschiedenen Lebensphasen.
5. Diskussion der Ergebnisse: Synthetisiert die Erkenntnisse auf fünf Analyseebenen, würdigt die in der Literatur verwendeten Forschungsmethoden und reflektiert die Limitationen der eigenen Arbeit.
6. Fazit und Ausblick: Fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, identifiziert offene Fragen und gibt Anstöße für die zukünftige Forschung zur Dynamik des Scheiterns.
Schlüsselwörter
Allianz, Scheitern, Unternehmenskooperation, Systematische Literaturanalyse, Governance, Erfolgsmessung, Allianz-Lebenszyklus, Strategische Allianzen, Interorganisationale Beziehungen, Ressourcen, Instabilität, Wissensaustausch, Partnerselektion, Wettbewerb, Allianz-Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen und Begleitumständen, die dazu führen, dass Kooperationen zwischen Unternehmen, sogenannte Allianzen, fehlschlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Messbarkeit von Allianz-Misserfolgen, theoretische Erklärungsansätze für Instabilität sowie die systematische Untersuchung von Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus einer Allianz hinweg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den fragmentierten Forschungsstand durch eine systematische Literaturanalyse zu ordnen und zu konsolidieren, um ein umfassenderes Verständnis dafür zu entwickeln, wieso Allianzen scheitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine systematische Literaturanalyse nach Tranfield et al., die durch einen transparenten, mehrstufigen Filterprozess aus über 80 relevanten wissenschaftlichen Beiträgen Erkenntnisse synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herleitung, die Auseinandersetzung mit Messgrößen für Misserfolg sowie die tiefgehende Analyse von Ursachen, unterteilt in vier Lebensphasen und ergänzt durch unternehmensspezifische und externe Faktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie "Allianz", "Scheitern", "Systematische Literaturanalyse", "Governance" und "Allianz-Lebenszyklus" definieren.
Warum ist die Messung des Scheiterns von Allianzen laut Autor so komplex?
Laut dem Autor existiert keine allgemeingültige Methode, da verschiedene Perspektiven (Allianz vs. Partner) und heterogene Messgrößen (Finanzzahlen, Stabilität, subjektive Einschätzungen) zu widersprüchlichen Interpretationen führen können.
Welche Rolle spielt die Allianz-Governance beim Scheitern?
Die Governance-Strukturen und -Mechanismen sind entscheidend, da eine inadäquate Wahl oder eine asymmetrische Umsetzung zwischen den Partnern zu Koordinationsproblemen, Misstrauen und letztlich zum Scheitern beitragen kann.
- Arbeit zitieren
- Daniel Hemling (Autor:in), 2017, Warum scheitern Allianzen zwischen Unternehmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371742