Gedichtanalyse von Goethes "Mächtiges Überraschen"

Eine Untersuchung von Struktur, Inhalt und Bedeutung


Hausarbeit, 2009
11 Seiten, Note: 2
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufbau des Textes (Textelemente)

3 Aussageinstanz(en)

4 Vers- Satzstruktur

Syntaktische Struktur

5 Metrum, Reimschema und Kadenzen

6 Rhetorische Techniken

6.1 Klangfiguren

6.2 Syntaktische Figuren

6.3 Wiederholungsfiguren

6.4 Substitutionsfiguren (Tropen)

7 Schlussbemerkung

8 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Gedicht „Mächtiges Überraschen“ von Johann Wolfgang Goethe ist zwischen 1807 und 1808 entstanden. Erschienen ist das Gedicht aber erst 1827.

Es entstand in der Epoche der deutschen Klassik (1786-1832).

Die deutsche Klassik war von Goethe und Schiller entscheidend geprägt worden.

Ziel der Klassik war es, den menschlichen Idealzustand durch die Herstellung eines harmonischen Gleichgewichts zwischen Vernunft und Gefühl herzustellen.

Ein wesentlicher Begriff der Klassik ist die ästhetische Erziehung. Man ging davon aus, dass der Mensch sich zum moralisch hin „guten“ erziehen ließe und die Erfahrung des „Guten“ nur durch den Einklang der Gegensätze Freiheit und Notwendigkeit zu erreichen ist.

Die Handlung des Gedichts ist die Entstehung einer Quelle oder eines Flusses zum See, durch das überraschende Auftreten eines Bergsturzes. Im ersten Quartett werden die kraftvollen und stürmischen Wellen eines Flusses beschrieben,

der auf einem Gebirge entsprungen ist und scheinbar „unaufhaltsam“ sich den Weg Richtung Meer bahnt. Mit dem Begriff „Dämonisch“ beginnt das zweite Quartett und schreibt dem darauf folgenden Ereignis gleichzeitig etwas verteufeltes, boshaftes zu. Urplötzlich und „mit einem Male“ stürzen Felsbrocken von den Bergen herab und reißen Teile des Waldes mit sich auf die Strömung des Flusses und dämmen so die dynamischen Wassermassen.

Die Stimmung hat sich parallel zur Handlung gewendet. Die anfangs abenteuerfreudige, ausgelassene Stimmung ist wie der Flussstrom bedrückt und gehemmt. Wo im ersten Quartett noch Worte wie „unaufhaltsam“ und „entrauscht“ vorkommen, wird die Stimmung von Worten wie „dämonisch“, „gehemmt“ oder „begrenzt“ bestimmt. Im ersten Terzett kommt es dann zur Konfrontation dieser beiden Naturereignisse. Die Wellen kommen nicht an den Felsbrocken vorbei und die Strömung staut sich allmählich zusammen.

Schließlich ist die anfangs starke Strömung zum ruhigen See „zurückgedeicht“, auf dessen ruhiger Oberfläche man nun die Abbilder der Sterne erkennen kann.

Mit der Entstehung des Sees entsteht gleichzeitig ein neues Lebens. Durch den Titel „Mächtiges Überraschen“ wird die überraschende Wendung im Verlauf des Gedichts angedeutet.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Handlung des Gedichts sich auf den Verlauf eines menschlichen Lebens übertragen lässt. Zielstrebig und eifrig verfolgt der Mensch seine sich gesetzten Ziele und widmet sein Leben deren Verwirklichung. Doch in einem unvorbereiteten Moment kommt es für ihn zu folgenschweren Ereignissen, die die Realisierung seiner Ziele und die Lebensführung massiv beeinflussen. Nachdem er sich allmählich mit den neuen Umständen arrangiert hat, hat sich seine Lebenseinstellung gewandelt und beginnt so sein Leben von Neuem.

2. Aufbau des Textes

Das Gedicht „Mächtiges Überraschen“ von Johann Wolfgang Goethe besteht aus vier Strophen und 14 Versen. Insgesamt bilden sich aus den 97 Wörtern vier Sätze, die in je einer Strophe sowohl beginnen als auch enden. Die ersten beiden Strophen sind Quartette, die letzten beiden sind Terzette, was aus dem Gedicht ein Sonett werden lässt. Typisch für das Sonett ist die Konfrontation der im ersten Quartett sich befindenden These mit der Antithese im zweiten Quartett. Die These hier ist das schier „unaufhaltsame“ (Z.4) Voranschreiten der Wassermassen einer Quelle.

Das plötzliche Eintreten eines Bergsturzes, da mit Oreas die Bergnymphe gemeint ist, ist die Aussage der Antithese. Nach dieser Wende verläuft in den Terzetten die Gegenüberstellung der beiden Gewalten und es kommt zur Synthese der beiden Ereignisse, nämlich der Entstehung eines Sees.

Goethe verwendete in seinem Gedicht fast ausschließlich Begriffe aus dem Wortfeld Natur. Zählt man nur die Substantive der Naturbegriffe, kommt man auf genau 14, nämlich Strom, Felsensaale, Ozean, Taale, Berg, Wald, Wirbelwinden, Oreas, Welle, See, Gestirne, Wellenschlag, Fels und Leben. Da die Anzahl der Verse eines Sonetts ebenfalls 14 betragen, würde dies den statischen Aufbau des Gedichts verstärken. Das Gedicht strahlt durch die häufige Verwendung von Verben und bestimmter Adjektive wie „eilig“ oder „unaufhaltsam“ Dynamik und Lebhaftigkeit aus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gedichtanalyse von Goethes "Mächtiges Überraschen"
Untertitel
Eine Untersuchung von Struktur, Inhalt und Bedeutung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Fachbereich Neuere Deutsche Literatur)
Veranstaltung
Neuere Deutsche Literatur
Note
2
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V371817
ISBN (eBook)
9783668499379
ISBN (Buch)
9783668499386
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann Wolfgang Goethe, Mächtiges Überraschen, Überraschen, Lyrik, Lyrikanalyse, Gedicht, Gedichtanalyse, Literatur, Deutsch, Germanistik, Neuere Deutsche Literatur, Jambus, Hebungen, Metrum, Klassik
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Gedichtanalyse von Goethes "Mächtiges Überraschen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371817

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gedichtanalyse von Goethes "Mächtiges Überraschen"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden