Der Februar gilt im allgemeinen als der Faschingsmonat - wenn nicht ein besonders früh liegender Aschermittwoch dem lustigen Treiben ein frühzeitiges Ende bereitet. Die Lage von Aschermittwoch im Kalender und damit auch die Dauer des Faschings, wird von der Lage des Osterfestes diktiert. Ostern fällt immer auf einen Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsanfang. Das kann frühestens der 22. März, spätestens der 25. April sein. Dem Osterfest ist eine Fastenzeit vorgeschalten, die ur-sprünglich 40 tage umfasst, seit Anfang des 7. Jahrhunderts jedoch mit dem Mittwoch nach Quinqua-gesima (= Aschermittwoch) beginnt.
Die Entwicklung der Münchner Fasnacht lässt sich durch reichliche Zeugnisse aus alter Zeit über 700 Jahre zurückverfolgen und macht eine beinahe lückenlose chronologische Aufreihung über die Bedeu-tungsgewinnung des Faschings in München möglich. Im Folgenden sollen einige wichtige Ereignisse kurz dargestellt werden und der Fasching in München von der Stadtgründung bis in die heutige Zeit beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frühe urkundliche Erwähnungen des Faschings
3. Erste Formen des Faschings
4. Konflikte durch Kirche, Obrigkeit, Krieg und Krankheiten
5. Erste Faschingsspektakel nach der Krisenzeit
6. Die Rückkehr des Faschings
7. Die Blütezeit des Münchner Faschings
8. Veränderungen der Faschingsbräuche
9. Fasching in der heutigen Zeit
10. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des Faschings in München von den ersten urkundlichen Erwähnungen bis zur Gegenwart, wobei der Fokus auf den prägenden gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Einflüssen liegt.
- Chronologische Aufarbeitung der Münchner Faschingsgeschichte über 700 Jahre.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen kirchlichen Verboten und weltlicher Feierlust.
- Untersuchung der Bedeutung von Zünften, Hofgesellschaft und Bürgertum für den Fasching.
- Wandel von traditionellen Brauchelementen hin zu modernen Festivitäten.
Auszug aus dem Buch
3. Erste Formen des Faschings
Wie in vielen mitteleuropäischen Städten kam es auch in München Mitte des 14. Jahrhunderts zu sozialen Unruhen zwischen Patriziat und dem gemeinen Volk. 1397 war es zur offenen Revolution gekommen. Erst Mitte des Jahres 1403 sollte es von der Landesherrschaft wie von der städtischen Bürgerschaft her zur allgemeinen Versöhnung kommen. Seltsamerweise erlangt man gerade aus diesem Zeitraum deutlichere Zeugnisse für festliche Formen der Fasnachtsbegehung.
Im Jahr 1400 liegt das Zeugnis eines Festmahls zur Fasnacht vor auf dem angesehene Gäste bewirtet wurden. Außer Gelagen und Tanz wurden zur damaligen Zeit außerdem noch Turniere gegeben. Von den Unruhen der damaligen Zeit blieb das Volk förmlich unbeeindruckt. Trotz schwerer kriegerischer Auseinadersetzungen tanzte das Volk am Fasnachtssonntag 1403 ausgelassen vor dem Rathaus während das Heer der Belagerer vor Feldmoching und Moosach lagerte.
Als wenige Monate später allerseits Frieden geschlossen wurde, sollte im darauffolgenden Jahr die Fastnachtsfeier nichts mehr überschatten. Die Bürger wurden aufgerufen ihre Häuser zu verlassen, um auch in den Gassen zu tanzen.
Ab 1406 wurde offenbar die Regelung getroffen am „Weißen Sonntag“ die Salzsender und Zöllner mit Wein und diversen Speisen zu feiern. Dieses Salzsendermahl wird in den darauffolgenden Jahren noch des öfteren erwähnt und wurde so anscheinend zu einem der ersten Faschingsbräuche. In der Folgezeit wurden an Fasching vermehrt Turniere und Festgelage abgehalten, bei denen sich immer mehr Menschen maskierten und auch die musikalische Untermahlung durch die Stadtmusikanten nicht fehlen durfte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die astronomische Abhängigkeit des Faschings vom Osterdatum und skizziert die über 700-jährige Entwicklung des Münchner Faschingstreibens.
2. Frühe urkundliche Erwähnungen des Faschings: Das Kapitel behandelt die ersten schriftlichen Belege für das Fasnachtstreiben in München ab 1295 und weist auf frühe, nicht-festliche Zusammenhänge wie Heirats- oder Marktdaten hin.
3. Erste Formen des Faschings: Hier wird aufgezeigt, wie trotz sozialer Unruhen im 14. und 15. Jahrhundert erste institutionalisierte Festformen wie das Salzsendermahl und öffentliche Tanzereien entstanden.
4. Konflikte durch Kirche, Obrigkeit, Krieg und Krankheiten: Dieses Kapitel beschreibt den Widerstand von Kirche und Obrigkeit gegen das Fasnachtstreiben sowie die Unterbrechungen durch Krisen wie Epidemien oder Kriege.
5. Erste Faschingsspektakel nach der Krisenzeit: Hier wird die Wiederaufnahme zünftischer Bräuche, das Aufkommen höfischer Mummereien und der Einfluss italienischer Komödianten thematisiert.
6. Die Rückkehr des Faschings: Der Fokus liegt auf der Förderung des Karnevals durch den kurfürstlichen Hof ab 1654, um Frömmigkeit mit weltlicher Lustbarkeit zu verbinden.
7. Die Blütezeit des Münchner Faschings: Dieses Kapitel beschreibt die Expansion des Faschingstreibens im 18. und frühen 19. Jahrhundert, geprägt durch Schlittenfahrten, Maskenbälle und die zunehmende Beteiligung des Bürgertums.
8. Veränderungen der Faschingsbräuche: Hier wird der Niedergang traditioneller Formen im 19. Jahrhundert und die Entstehung organisierter Karnevalsvereine sowie literarischer Initiativen untersucht.
9. Fasching in der heutigen Zeit: Das letzte inhaltliche Kapitel beleuchtet den modernen Fasching nach den Weltkriegen, vom Festzug bis hin zu heutigen Events wie „München narrisch“.
10. Schluss: Eine kurze Reflektion über die Vielfalt des Faschingskalenders 2003 und die Konstante der Vergänglichkeit nach dem Aschermittwoch.
Schlüsselwörter
Münchner Fasching, Fastnacht, Stadtgeschichte, Salzsendermahl, Maskentreiben, Karnevalsgesellschaft, Faschingszug, Volkskunde, Brauchtum, Narrenmeile, Schäfflertanz, Münchner Stadtgeschichte, Festkultur, Faschingsbräuche, Stadtgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung des Faschings in München von den Anfängen im Mittelalter bis ins Jahr 2003.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den gesellschaftlichen Wandel des Brauchtums, den Einfluss von Kirche und Obrigkeit sowie die Rolle von Zünften und dem Hof.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die beinahe lückenlose chronologische Entwicklung des Münchner Faschings darzustellen und wichtige Ereignisse der Stadtgeschichte in diesem Kontext aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer volkskundlichen historischen Analyse unter Verwendung von Urkunden, zeitgenössischen Chroniken und Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Epochen, von den ersten urkundlichen Erwähnungen über die höfische Ära bis hin zum modernen Fasching der Gegenwart.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Münchner Fasching, Volkskunde, Stadtgeschichte und Brauchtum charakterisieren.
Welche Rolle spielten die Jesuiten für den Münchner Fasching?
Die Jesuiten leisteten im 16. Jahrhundert unter Wilhelm V. prinzipiellen Widerstand gegen das Fasnachtstreiben, was indirekt zur Stärkung der Fronleichnamsprozessionen als Ersatzfestivität führte.
Was ist das „Salzsendermahl“?
Das Salzsendermahl war eine ab 1406 belegte Festivität am Weißen Sonntag, bei der Zöllner und Salzsender bewirtet wurden, und gilt als einer der ersten dokumentierten Faschingsbräuche Münchens.
Warum wird im Text der Begriff „München narrisch“ erwähnt?
„München narrisch“ beschreibt eine moderne Devise der Stadt zur Wiederbelebung des öffentlichen Straßentreibens im Herzen Münchens, die unter anderem die Narrenmeile in der Fußgängerzone umfasst.
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- Tim Tengler (Author), 2003, Geschichte des Münchner Faschings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37184