Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Über den Hauptsatz in der Kunst des Vermutens. Die Anfänge der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie

Titel: Über den Hauptsatz in der Kunst des Vermutens. Die Anfänge der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie

Hausarbeit , 2009 , 25 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christian Hugo Hoffmann (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit behandelt Jakob Bernoullis Hauptsatz. Konkret gilt es dabei, Bernoullis Leistung der Verknüpfung von Glücksspieltheorie und Statistik (in seinem Hauptsatz) herauszuarbeiten. Allerdings wird festzuhalten sein, dass Bernoulli seinen Hauptsatz am theoretischen Modell der Urne beweist (wo sich a-priori-Wahrscheinlichkeiten identifizieren lassen) und nicht an Fällen, wo Wahrscheinlichkeiten mittels der Erfahrung bestimmt (Leibniz: geschätzt) werden müssen. Nichtsdestotrotz glaubt er, dass der Satz auch dann gelte, indem er sich die Verhältnisse (bei kontingenten Sachverhalten, die sich durch statistische Regelmäßigkeiten auszeichnen) in völliger Analogie zu einer Urne vorstellt. Dieser kritische Punkt belebt eine anschließende philosophisch motivierte Diskussion, die auch die stark durch das 18. Jh. geprägte „Induktionsproblematik“ tangiert.

Leibniz‘ Kritik an der Unterstellung von präzise angebbaren Wahrscheinlichkeiten bei der statistischen Interpretation von Naturereignissen legt es nahe, den Trittstein zwischen mathematischem Kalkül und Empirie (in dieser Hinsicht) nicht zu verlegen, er bezweifelt gerade diese Synthese, welche sich im Hauptsatz manifestiert. Doch zielt Leibniz‘ Einwand – wie sich bei genauerer Betrachtung erweisen wird – vielmehr auf eine inverse Anwendung des Hauptsatzes ab.

Ein Ausblick, inwiefern der Hauptsatz auf die statistische Praxis zugeschnitten ist, und die Andeutung neuer Probleme einer Theorie statistischen Schließens runden im letzten Abschnitt die Analyse ab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen – Jakob Bernoullis Wahrscheinlichkeitsbegriff

2.1. Der quasi-physikalische Charakter der neuen Wahrscheinlichkeit

2.2. Introduktion des Urnenmodells

3. Der Hauptsatz in der Ars conjectandi – Bernoullis schwache Formulierung des Gesetzes der großen Zahl

4. Kritische Bewertung und die Grenzen des Gesetzes der großen Zahl

4.1. Aus dem Briefwechsel zwischen Leibniz und Jakob Bernoulli

4.2. Direkte versus inverse Anwendung des Hauptsatzes

4.3. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit befasst sich mit Jakob Bernoullis Hauptsatz, der schwachen Formulierung des Gesetzes der großen Zahl, und analysiert dessen historische sowie philosophische Bedeutung. Zentral ist dabei die Untersuchung, wie Bernoulli die Verknüpfung von Glücksspieltheorie und Statistik vollzog und inwieweit sein Ansatz des Urnenmodells als Modell für kontingente Sachverhalte diente, unter Berücksichtigung der zeitgenössischen Kritik durch Gottfried Wilhelm Leibniz.

  • Historische Einordnung von Bernoullis Ars conjectandi
  • Analyse des Urnenmodells als Paradigma für statistische Erhebungen
  • Kritische Auseinandersetzung mit Leibniz bezüglich der Bestimmbarkeit von Wahrscheinlichkeiten
  • Diskussion über direkte und inverse Anwendungen des Gesetzes der großen Zahl

Auszug aus dem Buch

i. Der quasi-physikalische Charakter der neuen Wahrscheinlichkeit

Jakob Bernoulli leitet seine Wahrscheinlichkeiten nicht direkt, sondern auf dem Umweg über die „Beweiskraft“ einzelner Argumente ab. Für die Zwecke dieser Arbeit reicht es aber aus, an dem gezeichneten Bild einer Verhältniszahl zwischen den „dafürsprechenden“ Fällen und den die volle Gewissheit konstituierenden möglichen Fällen festzuhalten. Wie lassen sich aber die gleichmöglichen Fälle für und wider bestimmen? Bei den Glücksspielen sind sie wohl a priori bekannt, ergo resultiert die Angabe aus (theoretischem) Vorwissen.

So ergibt sich bei einer (fairen) Münze, dem Elementarmodell des Glücksspiels, p(Kopf) = ½ aus der Symmetrie des Geldstücks. Bei den von Bernoulli fokussierten praktischen Fragen des bürgerlichen Lebens, den vom Wirken der Natur oder von menschlichen Entscheidungen abhängigen Ereignissen, können gleichmögliche Fälle im Allgemeinen jedoch nicht bestimmt werden, sie seien „aufgrund der Komplexität der Natur und der Vielfalt der wirkenden Ursachen“ unbekannt. Tatsächlich steht aber eine andere Möglichkeit zur Verfügung. Was sich nämlich der Bestimmung a priori entzieht, lässt sich schließlich auf dem umgekehrten Weg a posteriori, d.h. über die Erfahrung ermitteln. Denn man müsse annehmen, dass jedes Ereignis künftig in so vielen Fällen eintreten (günstige Fälle) oder nicht eintreten (ungünstige Fälle) kann, wie der betreffende Tatbestand unter ähnlichen Rahmenbedingungen in der Vergangenheit eingetreten bzw. nicht eingetreten ist. Vor aller Erfahrung ist die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Regenmenge im kommenden Mai schwer ausmachbar. Auch fällt es schwer, hier von gleichmöglichen Fällen zu sprechen, im Gegensatz zu den gleichen Gewinnaussichten bei Glücksspielen. Doch bietet sich ein Vergleich mit den langjährigen Aufzeichnungen der Niederschlagsmengen zur Angabe einer Prognose an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Gesetz der großen Zahl ein, verortet es im Werk von Jakob Bernoulli und erläutert die Ambition, eine Brücke zwischen Glücksspieltheorie und Statistik zu schlagen.

2. Vorbemerkungen – Jakob Bernoullis Wahrscheinlichkeitsbegriff: Dieses Kapitel expliziert Bernoullis Verständnis von Wahrscheinlichkeit als Grad der Sicherheit, führt das Urnenmodell ein und diskutiert den Übergang von a-priori- zu a-posteriori-Bestimmungen.

2.1. Der quasi-physikalische Charakter der neuen Wahrscheinlichkeit: Hier wird der objektiv-realistische Aspekt der Wahrscheinlichkeit beleuchtet, insbesondere die Herausforderung, bei komplexen Naturphänomenen ohne a-priori-Wissen Wahrscheinlichkeiten durch empirische Beobachtungen zu schätzen.

2.2. Introduktion des Urnenmodells: Dieses Kapitel beschreibt das Urnenmodell als theoretisches Paradigma, anhand dessen Bernoulli die statistische Messbarkeit von Ereignissen und die Rolle des festen Modellparameters verdeutlicht.

3. Der Hauptsatz in der Ars conjectandi – Bernoullis schwache Formulierung des Gesetzes der großen Zahl: Hier wird Bernoullis Hauptsatz formal und inhaltlich dargestellt, wobei der Fokus auf dem Brückenschlag zwischen mathematischem Kalkül und statistischer Empirie durch das Urnenmodell liegt.

4. Kritische Bewertung und die Grenzen des Gesetzes der großen Zahl: Dieses Kapitel widmet sich der philosophischen Kritik durch Leibniz, der die Anwendbarkeit des Gesetzes auf kontingente Naturereignisse und die Sicherheit statistischer Schätzungen grundsätzlich infrage stellt.

4.1. Aus dem Briefwechsel zwischen Leibniz und Jakob Bernoulli: Die philosophische Kontroverse zwischen Leibniz und Bernoulli hinsichtlich Kontingenz, Notwendigkeit und der Gültigkeit von Wahrscheinlichkeitsschätzungen wird anhand ihres Briefwechsels analysiert.

4.2. Direkte versus inverse Anwendung des Hauptsatzes: Es wird die Frage diskutiert, ob Bernoulli mit seinem Hauptsatz eine induktive Verallgemeinerung (inverse Anwendung) intendierte oder ob er lediglich die direkte Ableitung von Häufigkeiten aus bekannten Wahrscheinlichkeiten verfolgte.

4.3. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Bedeutung des Hauptsatzes trotz der damaligen Schwierigkeiten bei der inversen Anwendung und verweist auf die spätere Weiterentwicklung durch Denker wie Bayes und Laplace.

Schlüsselwörter

Jakob Bernoulli, Ars conjectandi, Gesetz der großen Zahl, Wahrscheinlichkeitstheorie, Urnenmodell, Statistik, Gottfried Wilhelm Leibniz, Kontingenz, Induktionsproblem, a priori, a posteriori, Hauptsatz, Glücksspieltheorie, empirische Schätzung, Modellparameter

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen und philosophischen Analyse von Jakob Bernoullis Hauptsatz, bekannt als das schwache Gesetz der großen Zahl, in seinem Werk Ars conjectandi.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Wahrscheinlichkeitsrechnung als Disziplin, die Verknüpfung von Glücksspieltheorie und Statistik sowie die philosophische Auseinandersetzung über die statistische Bestimmbarkeit realweltlicher Ereignisse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Bernoullis Leistung der Verknüpfung von mathematischem Kalkül und Empirie herauszuarbeiten und zu prüfen, wie er den Hauptsatz gegenüber der Kritik von Leibniz verteidigte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine wissenschaftsgeschichtliche Analyse, die primäre Texte (Bernoulli, Leibniz) sowie einschlägige Forschungsliteratur zur Entwicklung der Wahrscheinlichkeitstheorie auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden das Urnenmodell als methodische Grundlage, die formale Herleitung des Hauptsatzes und die kritische Diskussion mit Leibniz bezüglich der Induktionsproblematik behandelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern gehören Bernoulli, Wahrscheinlichkeit, Gesetz der großen Zahl, Urnenmodell, Statistik, Kontingenz und Induktion.

Warum hält Leibniz Bernoullis Ansatz für problematisch?

Leibniz zweifelt an, dass sich aus einer begrenzten Anzahl von Beobachtungen (a posteriori) mit quantifizierbarer Sicherheit auf einen festen, "wahren" Wahrscheinlichkeitswert schließen lässt, da Naturereignisse für ihn kontingent sind.

Wie definiert Bernoulli Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu unserem heutigen Verständnis?

Bernoulli definiert Wahrscheinlichkeit als Grad der subjektiven Gewissheit, der sich jedoch im Urnenmodell an einer objektiv messbaren Verhältniszahl von Fällen orientiert, was unserem heutigen Verständnis bereits sehr nahekommt.

Was bedeutet die "inverse Anwendung" des Hauptsatzes?

Die inverse Anwendung beschreibt den Versuch, nicht von einer bekannten Wahrscheinlichkeit auf Häufigkeiten zu schließen, sondern von beobachteten statistischen Häufigkeiten auf ein zugrunde liegendes, unbekanntes Gesetz zu schließen (Induktion).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Über den Hauptsatz in der Kunst des Vermutens. Die Anfänge der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,0
Autor
Christian Hugo Hoffmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V371875
ISBN (eBook)
9783668500075
ISBN (Buch)
9783668500082
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hauptsatz Kunst des Vermutens Jakob Bernoulli Wahrscheinlichkeitstheorie Mathematik Wissenschaftstheorie Induktionsproblematik Gottfried Leibnitz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Hugo Hoffmann (Autor:in), 2009, Über den Hauptsatz in der Kunst des Vermutens. Die Anfänge der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371875
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  25  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum