Nachdem ich den Begriff des Multilateralismus geklärt habe, werde ich die Ausgangslage der BRD 1949 betrachten und die weichenstellende Außenpolitik Adenauers erläutern. Dabei wird zum einen seine Intension betrachtet und zum anderen gezeigt, welche Schritte er aus dem Weg der politischen Isolation gegangen ist. Darauf folgt, durch Darlegen der Begründungsmuster der multilateralen Politik, ein Zwischenfazit zu der außenpolitischen Vorgehensweise in der jungen Bundesrepublik. Im Anschluss gehe ich knapp auf die Kontinuität dieser Handlungsweise bis zur Wiedervereinigung ein. Danach erörtere ich die weitreichende politische Veränderung, die die deutsche Einheit mit sich brachte und die Bedenken der anderen Staaten. Ich zeige dann auf, dass dieser Multilateralismus auch von der neuen Regierung bevorzugt wurde und wie sich die Anforderungen der Partner an die BRD gewandelt haben. Es folgt eine Darstellung der möglichen Gründe für die Fortführung einer multilateralen Außenpolitik und im Schluss eine zusammenführende Auswertung der diskutierten Ursachen für die außenpolitische Vorgehensweise der BRD zu den beiden unterschiedlichen Zeitpunkten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gebrauch des Multilateralismusbegriffs in der Politikwissenschaft
3 Entwicklung der multilateralen Einbindung der jungen Bundesrepublik
3.1 Ausgangslage 1949: ein besetztes Deutschland ohne Handlungsspielräume
3.2 Multilaterale Einbindung der BRD durch Konrad Adenauer: Souveränitätsgewinn durch Westbindung und Europapolitik
3.2.1 Vertrauen schaffen über gemeinsame Europapolitik
3.2.2 Einbindung in westliche Strukturen als sicherheitspolitische Notwenigkeit
3.2.3 Aufnahme in die NATO und Vertiefung der europäischen Integration
3.3 Begründungsmuster multilateralen Handelns der jungen BRD
4 Kontinuitätsmerkmal Multilateralismus: Außenpolitik zwischen Adenauer und Wiedervereinigung
5 Deutschlands Wiedervereinigung und Herausforderung einer neuen weltpolitischen Lage
5.1 Erwartungen und Befürchtungen Deutschlands Partner
5.2 Vorstellungen der Regierung Kohls über die internationale Einbindung eines wiedervereinigten Deutschlands
5.3 Neuordnung deutscher und internationaler Politik nach Deutschlands Wiedervereinigung
6 Außenpolitische Handlungsstrategien der BRD nach 1990
6.1 Vertiefung der Europäischen Integration als höchstes Ziel
6.2 Wandel multilateraler Anforderungen
6.3 Gründe der kontinuierlichen Außen- und Sicherheitspolitik als multilateral eingebundener Staat
7 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kontinuität und die Begründungsmuster der multilateralen Ausrichtung der deutschen Außenpolitik, ausgehend von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 bis zur Phase nach der Wiedervereinigung 1990. Dabei wird der Frage nachgegangen, weshalb der Multilateralismus trotz unterschiedlicher historischer Ausgangslagen und politischer Rahmenbedingungen zum prägenden Merkmal des außenpolitischen Handelns wurde.
- Multilateralismus als zentrales Element deutscher Außenpolitik
- Die Rolle der Westbindung unter Konrad Adenauer zur Souveränitätsgewinnung
- Herausforderungen und Veränderungen in der Außenpolitik nach der Wiedervereinigung 1990
- Kontinuität und Wandel von Handlungsstrategien in internationalen Organisationen
- Normative und strategische Begründungsmuster für die Einbindung in multilaterale Strukturen
Auszug aus dem Buch
3 Entwicklung der multilateralen Einbindung der jungen Bundesrepublik
„Gerade bei uns Deutschen ist das Vertrauen in den Multilateralismus tief verwurzelt. Das ist nicht nur eine Wertentscheidung, sondern auch Produkt einer historischen Erfahrung.“9. Dieser Auszug einer Rede Gernot Erlers bei der Ersten Konferenz für deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter internationaler Organisationen in Berlin 2006 bringt zweierlei wichtige Faktoren zum Ausdruck. Zum einen ist der Multilateralismus als eine Charaktereigenschaft der deutschen Außenpolitik heutzutage nicht mehr wegzudenken und bestimmt markant die Beziehungen zu vielen anderen Staaten- sei es die internationale militärische Kooperation als Mitglied der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO) oder die Einbindung in die Europäische Union, welche für außenpolitische Zielsetzung von großer Bedeutung ist. Zum zweiten bedurfte es in der Historie der Bundesrepublik, wie folgend dargestellt, an Fingerspitzengefühl und Zeit um das Vertrauen vieler Partnerstaaten nach den Zeiten des Zweiten Weltkrieges als Gipfel politischer Isolation und Alleingänge wiederzugewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Zäsuren der Staatsgründung 1949 und der Wiedervereinigung 1990 sowie die Forschungsfrage nach dem "Warum" der multilateralen Ausrichtung.
2 Gebrauch des Multilateralismusbegriffs in der Politikwissenschaft: Dieses Kapitel differenziert zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen des Multilateralismusbegriffs in der Fachliteratur.
3 Entwicklung der multilateralen Einbindung der jungen Bundesrepublik: Es wird die historische Notwendigkeit der Einbindung der jungen BRD zur Gewinnung von Souveränität und Vertrauen sowie Adenauers Strategie der Westbindung analysiert.
4 Kontinuitätsmerkmal Multilateralismus: Außenpolitik zwischen Adenauer und Wiedervereinigung: Hier wird untersucht, wie die Regierungen nach Adenauer den multilateralen Kurs durch Vernetzung und Entspannungspolitik fortsetzten.
5 Deutschlands Wiedervereinigung und Herausforderung einer neuen weltpolitischen Lage: Das Kapitel behandelt die neuen Herausforderungen und Bedenken der Partnerstaaten gegenüber dem wiedervereinigten Deutschland sowie die Reaktionen der Regierung Kohl.
6 Außenpolitische Handlungsstrategien der BRD nach 1990: Diese Sektion analysiert die Vertiefung der europäischen Integration und den Wandel der Anforderungen an Deutschland nach dem Ende des Ost-West-Konflikts.
7 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Multilateralismus aufgrund fehlender überzeugender Alternativen und historischer Erfahrungen das zentrale Identitätsmerkmal blieb.
Schlüsselwörter
Multilateralismus, deutsche Außenpolitik, Bundesrepublik Deutschland, Westbindung, Souveränität, Wiedervereinigung, europäische Integration, NATO, Sicherheitspolitik, historische Erfahrung, Handlungsspielraum, Zivilmacht, politische Identität, internationale Organisationen, Ost-West-Konflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung des Multilateralismus als prägendes Merkmal der deutschen Außenpolitik und untersucht, wie sich die Begründungsmuster hierfür von der Staatsgründung 1949 bis nach der Wiedervereinigung 1990 entwickelt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Westintegration der jungen Bundesrepublik unter Adenauer, die Rolle der NATO und der Europäischen Union sowie die außenpolitischen Anpassungsstrategien nach dem Ende der Blockkonfrontation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, warum die deutsche Außenpolitik an der multilateralen Vorgehensweise festhielt, obwohl diese oft mit komplexen Entscheidungsprozessen und Souveränitätseinschränkungen verbunden war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen und politikwissenschaftlichen Literaturanalyse, um die Begründungsmuster der politischen Akteure historisch und theoretisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der frühen Phase unter Adenauer, die Kontinuitätsphase der SPD-geführten Regierungen sowie die Neuausrichtung und die geänderten Anforderungen an das wiedervereinigte Deutschland nach 1990.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Multilateralismus, Souveränitätsgewinn, Westbindung, Zivilmacht und europäische Integration charakterisiert.
Wie bewertete die Regierung Kohl die internationale Einbindung nach 1990?
Die Regierung Kohl betrachtete die fortbestehende Mitgliedschaft in multilateralen Strukturen wie der NATO und die Vertiefung der EU als notwendige Voraussetzung, um das Vertrauen der Partner zu sichern und Deutschland machtpolitisch zu binden.
Welche Rolle spielte der "Souveränitätsgewinn durch Souveränitätsverzicht" bei Adenauer?
Diese von Adenauer angewandte Strategie erlaubte es der jungen Bundesrepublik, durch die bewusste Abgabe von Teilrechten an internationale Institutionen langfristig Vertrauen zu gewinnen und den Handlungsspielraum des Staates schrittweise zu erweitern.
- Arbeit zitieren
- Anne Werk (Autor:in), 2014, Multilateralismus als Merkmal deutscher Außenpolitik. Veränderung der Begründungsmuster nach Staatsgründung und Wiedervereinigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371883