"The Green Belt Movement". Frames einer kenianischen Bewegung


Hausarbeit, 2017
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was bezeichnet der „Framing-Ansatz“?

3. Frames von “The Green Belt Movement”
3.1 Phase I
3.2 Phase II

4. Inwiefern lässt sich bei GBM eine Entwicklung beobachten? - Eine kurze Analyse

5. Fazit und Bewertung

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Angesichts der aktuellen Thematik des Umgangs mit natürlichen Ressourcen im Spannungsfeld des globalen sozio-ökonomischen Wandels, liegt einer meiner Interessensschwerpunkte auf den Fragestellungen der Politischen Ökologie. Diese vereint Disziplinen, die Gesellschaft-Umwelt-Beziehungen erforschen (Freytag et al. 2016: 20-21). Außerdem befassen sie sich damit, welche und inwiefern Akteure Zugang zu und Kontrolle über Ressourcen haben (Freytag et al. 2016: 22). Anlass dazu gab mir die Thematisierung des genannten Feldes im Seminar „Politische Ökologie“, bei Bianca Volk. Herausforderungen wie Umweltdegradation, Bodenerosion und Wüstenbildung sind international anerkannte und ernstzunehmende Umwelt- und Entwicklungsprobleme, von denen vor allem der „globale Süden“ betroffen ist (Freytag et al. 2016: 20). Daher ist die Erforschung von Ursachen und Bewältigungsstrategien äußerst relevant.

Durch die Auseinandersetzung mit konkreten Beispielen und Erklärungsansätzen zur Bewegungsforschung, im Seminar „Theorien sozialer Bewegungen und Proteste in Afrika“ von Nina-Kathrin Wienkoop, stieß ich auf die Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) „The Green Belt Movement“ (GBM). Dabei handelt es sich um eine Graswurzelbewegung aus Kenia, die von der politischen Aktivistin Wangari Muta Maathai gegründet wurde (Muthuki 2014: 196). Wegen ihrer Leistungen ist sie auch als „Mama Miti“ bekannt, was auf Swahili „die Mutter der Bäume“ bedeutet (Muthiki 2014: 199). Laut Janet Muthoni Muthuki (2014: 196), sorgte Maathai durch das GBM für eine ökologische Revolution, das Empowerment von Frauen und einen sozialen Wandel in Kenia. Deshalb und wegen der Auszeichnung mit dem Nobelpreis im Jahr 2004, sei GBM derzeit eine der bekanntesten Umweltbewegungen in Afrika. Somit liegt hier ein spannendes Fallbeispiel vor, bei dem sich Dynamiken einer Sozialen Bewegung mit ökologischen, politischen und ökonomischen Anforderungen verbinden.

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit den Frames der Bewegungsorganisation „The Green Belt Movement“ auseinandersetzen und meinen Schwerpunkt dabei auf die Kernelemente von Framing legen (Benford & Snow 2000). Inwiefern lässt sich die Entwicklung des GBM mithilfe dieses Ansatzes beschreiben und analysieren? Wichtig ist mir dabei die Herausarbeitung der Binnenperspektive, an Stelle der Sichtweisen von externen Akteuren und Quellen. Um die spezifischen Framing-Prozesse dieser Bewegung besser erfassen zu können, übernehme ich die zeitliche Aufteilung des GBM-Wirkens nach Wangari Maathai. Angesichts ihrer bedeutsamen Rolle und Präsenz innerhalb des GBM, sehe ich sie als Sprachrohr und Vermittlerin ihrer Organisation und werde meine Ausarbeitung der Framing-Prozesse hauptsächlich auf ihre Erklärungen und Formulierungen stützen. In ihrem literarischen Werk „The Green Belt Movement: Sharing the Approach and the Experience“ aus dem Jahr 2006, teilt die Autorin die Aktivitäten der Bewegung in zwei zeitliche Phasen ein. „Phase I“ verweist auf die Zeit der Entstehung bis zum Jahr 1999, während „Phase II“ den Zeitraum von 1999 bis heute umfasst. Diese Aufteilung ist wichtig, um die Organisierung der Bewegung verstehen zu können, da es durch eine neue strategische Planung, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, zu einer Art „Wiedergeburt“ der Organisation gekommen sei (Maathai 2006: 1).

Im nächsten Kapitel werde ich zunächst den Framing-Ansatz nach Benford und Snow (2000) erklären. Im Anschluss darauf folgt eine Skizzierung der Kernelemente des GBM in Phase I und in Phase II, mit deren Hilfe ich in einem späteren Kapitel analysieren werde, inwiefern bei GBM eine Entwicklung vorliegt.

2. Was bezeichnet der „Framing-Ansatz“?

Abgeleitet vom Begriff „Frame“, erklären Benford und Snow (2000) den Ansatz nach Goffman (1974) als Herangehensweise für die Erforschung Sozialer Bewegungen. Ihnen zufolge werden bei Framing-Prozessen die Standbeine einer Sozialen Bewegung, wie z.B. Werte, Ziele, Ideologien, Botschaften, Motivationen, Lösungen etc. entwickelt, formuliert und nach außen (oder auch intern) vermittelt (Benford & Snow 2000: 629). Frames sollen dabei helfen, die Geschehnisse bedeutungsvoll zu machen, Erfahrung zu ordnen und Handeln anzuleiten (Benford & Snow 2000: 614).

Laut den Autoren von „Framing Processes and Social Movements: An Overview and Assessment” sei dieses Konzept ein aktuelles Thema, insbesondere in den Sozialwissenschaften und auch anderen Bereichen wie der Psychologie, Linguistik und den Medien- und Politikwissenschaften, das einen wichtigen Zugang zum Verständnis von größeren Zusammenhängen der Bewegungsorganisation darstelle. Ebenso wichtig sei auch die Einbeziehung von „Collective Action Frames“ für die Analyse der Framing-Prozesse.

„Collective Action Frames“ seien dabei bezeichnend für ein handlungsorientiertes Zusammenspiel von Überzeugungen und Werten, die die Aktivitäten und Kampagnen von Social Movement Organizations (SMO’s) inspirieren und legitimieren (Benford & Snow 2000: 614). Akteure werden zudem als bedeutsame „agents“ gesehen, die aktiv an der Bedeutungsherstellung und -erhaltung für Mitglieder, Gegner und Beobachter beteiligt seien. Collective Action Frames können Aspekte der „Welt da draußen“ bündeln und vereinfachen - aber in einer Art und Weise, die mögliche Anhänger und Mitglieder mobilisieren oder aber Gegner demobilisieren soll.

Basierend auf Wilson’s Arbeit (1973 zit. n. Benford & Snow 2000: 615) lassen sich „Diagnostic Framing“, „Prognostic Framing“ und „Motivational Framing“ als drei Kernelemente nennen. Diagnostic Framing bezeichne dabei, welche Probleme bzw. Situationen, die einen Wandel erfordern, identifiziert und vermittelt werden. Zu diesem Thema seien mehrere Fallstudien existent, deren Fokus auf der Entwicklung und Artikulierung von „Injustice Frames“ liege. Eine Vielzahl von Studien, zu dem Thema „Victimization“, ziehe die Aufmerksamkeit darauf, wie Bewegungen die „Opfer“ einer gegebenen Ungerechtigkeit identifizieren und ihre Opferrolle sogar verstärken. Viele SMO’s begründen ihre Motivation auf einer ungerechten Situation. Solche Injustice Frames seien allerdings nicht bei jeder Sozialen Bewegung der Fall, wie man es beispielsweise bei vielen Religions-, Selbsthilfe- oder Identitätsbewegungen beobachten könne (Benford & Snow 2000: 615). Den Autoren zufolge seien Injustice Frames dennoch häufig in Sozialen Bewegungen zu finden, da sie danach streben, problematische Situationen zu lösen, zu bewältigen oder zu verändern. Daraus ergebe sich, dass gezieltes Handeln davon abhängig sei, die Ursachen und den verantwortlichen oder schuldigen Akteur zu finden. Beim Diagnostic Framing fokussiere man sich also auf Beschuldigung und/oder Verantwortlichkeit.

Das Prognostic Framing liefere darauf aber die Formulierung der entsprechenden Lösung oder Strategie, die für notwendig gehalten wird und meistens beinhalte dies auch die Wiederlegung von Lösungsvorschlägen des Gegners. Dies wird auch „Counterframing“ genannt (Benford & Snow 2000: 617).

Der Aspekt des Motivational Framing hingegen beziehe sich auf die, seitens der Bewegung oder Organisation, genannten Gründe für eine Teilnahme an verbesserndem, kollektivem Handeln. Dabei werde auch die Konstruktion von passendem Vokabular vorgestellt. (Benford & Snow 2000: 617)

Angesichts dieser Aufgaben widmen sich Akteure den Problemen von „Consensus Mobilization“ und „Action Mobilization“. Consensus Mobilization fördere Zustimmung und Legitimierung, während Action Mobilization Handeln („action“) hervorrufe und Menschen dazu bewege, „auf die Barrikaden zu steigen“. Bis heute haben diverse Wissenschaftler ihre Aufmerksamkeit darauf gerichtet, diese verschiedenen Typen zu identifizieren und zu analysieren. (Klandermans 1984 zit. n. Benford & Snow 2000: 615)

Im nachfolgenden Kapitel werde ich aufführen, inwiefern sich die genannten drei Kerntypen des Framings bei GBM identifizieren lassen. Dabei werde ich jeweils auf die Diagnostic Frames, die Prognostic Frames und die Motivational Frames des GBM in Phase I und in Phase II eingehen.

3. Frames von “The Green Belt Movement”

3.1 Phase I

“Phase I” beschränkt sich auf den Zeitraum von der Entstehung des GBM bis etwa zum Jahr 1999.

3.1 a) Diagnostic Frames in Phase I

Kenia befindet sich an der östlichen Küste Afrikas und hat eine Größe von 582.644 Quadratkilometern, wovon weniger als 2 Prozent das gesamte Forstgebiet darstellen. Das Land besitzt eine Bevölkerungszahl von schätzungsweise 30 Millionen Menschen, die jeweils zu einer von 42 „Communities“ gehören. Obwohl viele Ähnlichkeiten zwischen diesen Gemeinden existieren, hat jede ihre einzigartige Kultur. (Maathai 2006: 1-3)

Die Grenze zu den Nachbarländern Sudan, Äthiopien, Uganda, Tansania und Somalia wurden während der Kolonialzeit gezogen, die in vielen afrikanischen Ländern vom späten 19. Jahrhundert bis zu den 1960er Jahren andauerte. Kenia wurde von den Briten beherrscht und erlangte 1963 seine Unabhängigkeit nach dem bewaffneten Kampf der Mau-Mau-Bewegung. Das britische Regierungssystem wurde nach der Erlangung der Unabhängigkeit weiterhin in vielen Bereichen verwendet. Man hatte Kenia in Regionen aufgeteilt, um die lokale Bevölkerung besser kontrollieren zu können und nach der Kolonialzeit wurden diese „administrativen Einheiten“ weiterhin von der Regierung aufrechterhalten (Maathai 2006: 3). Als die Grenzen für diese Einteilung von den britischen Kolonialisten gezogen wurden, hatten sie sich nicht mit der lokalen Bevölkerung beraten, sodass viele Menschen in benachbarten Provinzen meistens unterschiedlichen Communities angehörten (Maathai 2006: 4). GBM erkenne dieses Problem an, aber mache dennoch Gebrauch vom gegenwärtigen administrativen System für seine Arbeit. Die Infrastruktur und andere wichtige Entwicklungsdienstleistungen seien dafür nämlich eine wichtige Basis. Abhängig vom Entwicklungsstand, sei das Land außerdem in „rurale“ und „urbane“ Gebiete unterteilt. Derzeit lebe eine große Mehrheit der Kenianer in ländlichen Gebieten, die Maathai zufolge nach wie vor viel Entwicklung erfordern (2006: 5). In mehreren Regionen herrsche Mangelernährung und bei den Menschen, die Subsistenzwirtschaft betreiben, gebe es diverse Gesundheitsprobleme (Maathai 2006: 18). Auf Grund des schlechten Managements der Regierung werden viele Landwirte nicht bzw. kaum bezahlt. Dies sei einer der Gründe, weshalb Landwirte nicht für die ausgewogene Ernährung ihrer Familien sorgen können. Dazu komme, dass das schlechte Haushalten des Ackerbaus zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Behörden und den Landwirten führe. Außerdem, so Maathai, neigen kenianische Landwirte mit moderatem Einkommen dazu, die traditionellen, unverarbeiteten Nahrungsmittel wie Süßkartoffel, Yams, Maniok und grünes Gemüse zu ignorieren. Diese können aber, unter anderem, eine gute Vitaminversorgung bieten (Rehm & Espig 1991: 41). Stattdessen passen sie ihre Ernährung den Gewohnheiten der Stadtbewohner an. Da etwa 90 Prozent der Menschen, die in den ländlichen Gebieten leben, Holz als Brennstoff zum Kochen und zum Beheizen ihrer Häuser verwenden, sei es bei der hohen Nachfrage zu einer Holzknappheit gekommen. Dies führe dazu, dass viele Familien Nahrungsmittel auswählen, die weniger Brennstoff zum Kochen benötigen, unabhängig ihres Nährwerts (Maathai 2006: 19). Diese Faktoren sind laut Wangari Maathai begünstigend für Mangelernährung. Mit Blick auf die soziale Situation erklärt sie, dass die Knappheit der ausgeschöpften Holzressourcen nicht nur die Biodiversität bedrohe, sondern auch eine Herausforderung für Frauen darstelle. Diese müssen nämlich weite Strecken zurücklegen, um Holz sammeln zu können (Maathai 2006: 34). Generell, merkt Maathai an, gebe es nur Beschäftigungen mit geringem Einkommen (2006: 37). Als eine der wichtigsten Ressourcen Kenias nennt sie die Ländereien.

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Details

Titel
"The Green Belt Movement". Frames einer kenianischen Bewegung
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V371889
ISBN (eBook)
9783668498174
ISBN (Buch)
9783668498181
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
framing, frames, bewegung, green, belt, movement
Arbeit zitieren
Marie Thomalla Arellano (Autor), 2017, "The Green Belt Movement". Frames einer kenianischen Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371889

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