Ausländerpolitik der DDR. Auswirkungen auf die Fremdenfeindlichkeit in der DDR und in den neuen Bundesländern


Hausarbeit, 2016
27 Seiten, Note: 1,0
Anonym (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wichtige Ausländergruppen in der DDR
2.1 Vertragsarbeiter
2.2 Studenten
2.3 Asylberechtigte

3 Staatliche Grundlagen für den Umgang mit Ausländern
3.1 Einfluss außenpolitischer Interessen auf Ausländerpolitik
3.2 Umgang mit der NS-Vergangenheit
3.3 Gesetzliche Regelungen/ Ausländergesetzgebung der DDR
3.4 Behördlicher Umgang mit Ausländern

4 DDR- Bevölkerung und Ausländer
4.1 Wahrnehmung und Umgang durch die Bevölkerung
4.2 Fremdenfeindlichkeit in der DDR

5 Auswirkungen der DDR-Ausländerpolitik auf die Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern
5.1 Situation in den neuen Bundesländern
5.2 Übertragbarkeit und kausale Zusammenhänge

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Besonders auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, also den neuen Bundesländern, treten 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung fremdenfeindlich motivierte Straftaten zutage[1]. In diesem Zusammenhang wird oftmals eingeworfen, die verbale und tätliche Gewalt gegen beispielsweise Ausländer sei ein ‚ostdeutsches Phänomen‘[2]. Um dieser Vermutung nachzugehen liegt es nahe in der, den neuen Bundesländern gemeinsamen, Vergangenheit nach ausschlaggebenden Faktoren zu suchen. Bei der Ursachenforschung für Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern wird oftmals auf den schwierigen Transformationsprozess der ehemaligen DDR nach der deutschen Wiedervereinigung verwiesen[3]. Darüber hinaus könnten aber auch in gesellschaftlichen Strukturen des ostdeutschen Staates und der Ausgestaltung der Ausländerpolitik nach Gründen gesucht werden. Der Begriff Ausländerpolitik schließt alle „ politischen Institutionen, Bestrebungen, Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse [ein], die darauf gerichtet sind, die rechtliche, politische und soziale Stellung der Ausländer verbindlich zu regeln.“[4] Neben den entsprechenden normativen Grundlagen und Institutionen wird in dieser Arbeit auch die konkrete behördliche Umsetzung und Ausgestaltung mit unter dem Oberbegriff betrachtet. Dies umfasst unter anderem die weitreichende Auswirkung der SED-Diktatur in alle Lebensbereiche, die Umsetzung der Ausländerpolitik durch die Verwaltung und nicht zuletzt die daraus resultierende Wahrnehmung der Ausländer durch die einheimische Bevölkerung mit ein.

War die alte Bundesrepublik von ihrer ersten Stunde an ein Zuwanderungsgebiet, so war die DDR von Anfang an von Abwanderung geprägt.“[5] fasste Karin Weiß treffend die demografische Situation der DDR zusammen. Dennoch gab es eine, wenngleich auch verhältnismäßig kleine, Gruppe Ausländer, die in dem ostdeutschen Staat Schutz vor Verfolgung suchte oder durch Ausbildung und Arbeit auf eine bessere Zukunft hoffte. Im Jahr 1989 zählte man in der DDR insgesamt 191.200 Ausländer unterschiedlicher Nationalitäten mit ständigem Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis oder mit länger befristetem Aufenthalt - das entsprach gerade einmal 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung[6]. Im Vergleich: die Bundesrepublik hatte zur gleichen Zeit einen Ausländeranteil von 7,7 Prozent zu verzeichnen[7]. Der in dieser Arbeit vielfach genutzte Begriff ‚Ausländer‘ bezeichnet als rein rechtlicher Ausdruck jede Person, die nicht über eine Staatsangehörigkeit der DDR verfügte, sondern entweder Staatsbürger eines anderen Landes oder staatenlos war[8].

Das Ziel dieser Betrachtung ist es zu untersuchen, ob ein Kausalzusammenhang zwischen Umgang mit der ausländischen Minderheit in dem sozialistischen Staat und der Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern besteht.

Zunächst werden wichtige Ausländergruppen der DDR vorgestellt, wobei auf ihre Struktur und die Rahmenbedingungen ihres Aufenthaltes eingegangen wird. Die Auswahl der Gruppen ist darauf zurückzuführen, dass besonders anhand dieser Beispiele ausländerpolitische Handlungsstränge erkennbar sind, auf die an späterer Stelle zurückgegriffen werden wird. Es folgt die Aufarbeitung verschiedener Bedingungsfaktoren für den Umgang mit Ausländern in der DDR, sowie die Erläuterung des normativen Rahmens und der behördlichen Umsetzung. Es wird dann darauf eingegangen, wie die DDR-Bevölkerung Ausländer wahrgenommen hat, wodurch diese Eindrücke bedingt worden sind und ob eine merkliche Fremdenfeindlichkeit geherrscht hat. Im letzten Abschnitt wird die Situation der neuen Bundesländer in Bezug auf fremdenfeindliche Tendenzen charakterisiert und anschließend zusammengeführt, inwieweit sich von der DDR-Vergangenheit auf heutige Gegebenheiten schließen lässt und ob ein kausaler Zusammenhang herzustellen ist.

2 Wichtige Ausländergruppen in der DDR

Die zahlenmäßig mit Abstand größte Gruppe, der sich in der DDR aufhaltenden Ausländer, stellten die 363 000 bis 380 000 dort stationierten Streitkräfte der Sowjetarmee und deren 200 000 Angehörige dar[9]. Sie sind mit ihrem Aufenthalt als Folge der Kriegsgeschehnisse seit 1945 und später im Zusammenhang mit den Beschlüssen des Warschauer Paktes, ein Spezialfall[10]. Ihre Anwesenheit unterlag anderen rechtlichen und ideologischen Grundlagen als die übrigen hier aufgeführten Ausländergruppen, weswegen sie in dieser Ausarbeit im Folgenden außen vor gelassen werden.

2.1 Vertragsarbeiter

Es herrschte in der DDR ein Arbeitskräftemangel, der sich unter anderem durch die Übersiedlung von rund 2,7 Mio. Staatsangehörigen bis in das Jahr 1961 in die Bundesrepublik Deutschland zuspitzte[11]. Um diesen Personalmangel auszugleichen und die Produktivität der Wirtschaft zu verbessern, wurden Arbeiter aus vorwiegend anderen sozialistischen Staaten, auch als ‚Vertragsarbeiter‘ oder ‚Gastarbeiter‘ betitelt, angeworben und in den Arbeitsprozess eingebunden[12]. Grundlage für diese Arbeitsverhältnisse waren bilaterale Abkommen[13]. Von diesen Verträgen sollten jeweils beide vertragsschließende Staaten gleichermaßen profitieren: ein Ausgleich der unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungsniveaus der Bruderländer sollte durch eine Qualifizierung der Arbeiter unterstützt werden, der Arbeitsmarkt der Herkunftsstaaten sollte entlastet werden und der DDR war es, wie bereits erwähnt, daran gelegen, die eigene Wirtschaft durch ausländische Arbeitskraft zu stärken[14].

Die größten Gruppen Gastarbeiter stammten aus Vietnam, Kuba und Mosambik, gefolgt von Algerien, dem einzigen nichtsozialistischen Land[15]. Bei insgesamt der Hälfte der in der DDR lebenden Ausländer, abgesehen von den sowjetischen Soldaten, handelte es sich um Gastarbeiter. Am 31. Dezember 1989 zählte man insgesamt 90.571 Arbeitskräfte, die aufgrund von Regierungsabkommen in der DDR im Einsatz waren[16]. Darüber hinaus gab es noch eine kleine Gruppe Ausländer, die aufgrund eines Beschäftigungsverhältnisses in ihrer Heimat und im Zuge von Projekten oder in den eigenen Firmen in der DDR als Facharbeiter und Spezialisten tätig waren[17]. Insgesamt zählte man 106.000 ausländische Arbeitskräfte, die 1989 in dem SED-Staat tätig waren[18]. Der Gesamtbevölkerungsanteil von ausländischen Beschäftigten war zwar im Vergleich zur Bundesrepublik vergleichsweise niedrig, jedoch in den Mitgliedsstaaten des Rats der gegenseitigen Wirtschaftshilfe, einer Organisation der Ostblockstaaten zur Abstimmung und Hilfe zwischen sozialistischen Wirtschaften, mit Abstand am höchsten[19].

Die bilateralen Regierungsabkommen regelten nicht nur den Aufenthalt selbst, sondern, gemeinsam mit besonderen ‚Rahmenrichtlinien‘, auch die maßgeblichen Modalitäten des Arbeits- und Lebensalltags[20]. Es existierten keine individuellen Arbeitsverträge, da die Staatsverträge neben jeglichen Rechten und Pflichten der Vertragsarbeiter, auch unter anderem den Arbeitseinsatz und die Unterbringung, abschließend gestalteten[21]. Der festgelegte Aufenthalt war stets für die Zeit zwischen vier und fünf Jahren befristet[22]. Die Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte erfolgte fast ausschließlich kollektiv in spartanisch eingerichteten und räumlich beengten Gemeinschaftsunterkünften ihres Einsatzbetriebes[23]. Dabei wurden die Arbeiter nach Geschlechtern voneinander getrennt, das galt auch für Ehepartner[24]. Um unerwünschten Abweichungen, durch beispielsweise unangemeldete Schlafgäste, vorzubeugen, führten einige Heimleitungen nächtliche Razzien durch[25]. Darüber hinaus wurden die ausländischen Arbeiter durch strenge Regelungen sozial von den Bürgern der DDR abgegrenzt: nähre Kontakte waren nicht nur melde- sondern sogar genehmigungspflichtig[26]. Kam es trotzdem zu unerwünschten Liebesbeziehungen zwischen Gastarbeitern und DDR-Bürgern, endete diese nicht selten mit der Rückführung in das Heimatland[27]. Noch prekärer war die Lage bei Schwangerschaften ausländischer Arbeitskräfte. Sie hatten die Auswahl zwischen Zwangsrückkehr oder alternativ der Abtreibung[28].

Statt durch die Arbeitseinsätze Qualifikationen zu erhalten, war die betriebsinterne Weiterbildung oftmals dürftig beziehungsweise wurde gänzlich durch niedere Arbeiten ersetzt[29]. Festgeschrieben wurde, dass die Vertragsarbeiter den inländischen Arbeitskräften sowohl sozial und arbeitsrechtlich, als auch in ihrem Einkommen gleichgestellt seien[30]. Tatsächlich jedoch wurden die ausländischen Gastarbeiter oftmals in der Schwer-, Maschinen- und Leichtindustrie in jenen Gebieten eingesetzt, für deren Arbeit sich kein DDR-Bürger mehr fand[31]. Auch die Arbeitslöhne betreffend lässt sich eher eine formale, aber keine tatsächliche Gleichheit festhalten, wie sich am Fall algerischer Vertragsarbeiter exemplarisch aufzeigen lässt: Während deutsche Produktionsarbeiter im Schnitt ein Monatseinkommen von 741 Mark erhielten, bekamen algerische Kollegen für gleichwertige Arbeit nur 569 Mark[32].

2.2 Studenten

Bis zum Jahr 1989 schlossen etwa 42000 ausländische Studenten ihr Studium in der DDR ab[33]. Es handelte sich dabei zumeist um junge Menschen aus ehemaligen Kolonialländern, also Entwicklungsländern, oder sozialistischen Staaten die auf Grundlage bilateraler Abkommen, anderer zwischenstaatlicher Vereinbarungen oder auf Einladung einer Organisation oder eines Verbandes den Bildungsweg in der DDR gingen[34]. Vor allem um international ein weltoffenes Image aufzubauen, wurde es darüber hinaus Studenten nahezu jedes Landes ermöglicht, sich in eine Hochschule der DDR einzuschreiben[35]. Im Jahr 1988 beispielsweise waren mehr als 13400 ausländische Studenten aus 126 Ländern, auch aus nichtkommunistischen westlichen Staaten, an einer DDR-Hochschule immatrikuliert[36]. Sie waren aufenthaltsrechtlich betrachtet Ausländer mit einer zweckgebundenen Aufenthaltsgenehmigung, denn sie endete nach erfolgreichem Studium mit der Rückführung in das jeweilige Heimatland[37].

Unter den ‚sozialistischen Bruderländern‘ wurden gegenseitig kostenlos Studien- und Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt, wogegen die Ausbildung junger Menschen aus den Entwicklungsländern und deren Aufenthalt zum größten Teil durch die DDR finanziert wurde[38]. Wie im Fall der Gastarbeiter ist eine enge Koppelung politischer Interessen der DDR-Regierung an den Aufenthalt der Studenten zu erkennen. Durch ihre Rhetorik versuchten DDR-Repräsentanten kontinuierlich die Studienaufenthalte als Ausdruck von Internationalismus und Solidarität zu vermitteln[39]. Tatsächlich wurde jedoch versucht „ […]die politischen und geistigen Eliten der Entwicklungsländer für das ‚sozialistische Lager‘ zu vereinnahmen[40] und zur „ sozialistischen ökonomischen Integration[41] beizutragen. Tatsächlich standen diplomatisches Kalkül sowie handels- und außenpolitische Handlungsmaxime im Vordergrund[42]. Internationalismus und interkulturelle Verständigung wurden nicht gefördert, sondern waren strikt untersagt. Geknüpfte Beziehungen ausländischer Studierender zu DDR- Bürgern wurden von offizieller Seite unterbunden und endeten nicht selten mit der Trennung binationaler Ehen oder gar Familien[43]. Bestehende Vereinigungen ausländischer Studenten wurden durch Beamte auf die Beachtung der Programmatik kommunistischer oder sozialistischer Parteien ihrer Entsendestaaten überprüft, was die formal erlaubte Selbstorganisation praktisch unmöglich machte[44].

2.3 Asylberechtigte

Die DDR trat der UNO- Flüchtlingskonvention von 1951 zwar erst im Sommer 1990 bei, aber war dennoch ab den 1950er Jahren Aufnahmeland für einige Flüchtige[45]. Sie bot ihnen damit Asyl, also „ die Gewährung von Schutz vor dem Zugriff ihrer Verfolger[46]. Wenn auch in erheblich geringerer Anzahl als in der Bundesrepublik Deutschland, gab es in der DDR Asylsuchende und –berechtigte sowie politische Flüchtlinge[47]. Der Art. 10 Abs. 2 der ersten Verfassung der DDR von 1949 statuierte ein Auslieferungs- und Ausweiseverbot für all jene, die im Ausland für die ideologischen Grundsätze verfolgt wurden, die in der DDR- Verfassung festgeschrieben waren[48]. Somit bot bereits diese Verfassung dem Staat formalrechtlich die Möglichkeit, politische Flüchtlinge aufzunehmen[49]. In der zweiten, der ‚sozialistischen Verfassung‘ aus dem Jahr 1968 hingegen wurde deutlich herausgestellt, dass keineswegs die Pflicht des Staates bestand Staatenlosen oder Staatsangehörigen anderer Staaten Asyl zu gewähren, sondern dass es sich um eine reine Kann-Bestimmung handelte[50]. Die Asylgewährung hing folglich vom Ermessen der Partei- und Staatsführung ab und war nicht anfechtbar[51]. Erst eine Angleichung des Asylrechts an die Bestimmungen der Bundesrepublik Deutschland führte dazu, dass Ausländer ab Juli 1990 bei einem abgelehnten Asylantrag ein Gericht anrufen konnten[52].

Es ist auffällig, dass es sich bei den Aufgenommenen nicht um einfache humanitäre Opfer der Ausschreitungen in ihrem Land oder Verfolgte von willkürlicher Gewalt handelte[53]. Bei den meisten in der DDR aufgenommenen Flüchtlingen handelte es sich um politische Flüchtlinge: es waren Kommunisten und Antifaschisten oder deren verfolgten Nachfahren, die dort unterstützt und gegebenenfalls auf die Rückkehr vorbereitet wurden[54]. Die größte Gruppe der, in der DDR untergekommenen, Asylsuchenden stellten, noch vor Griechen und Spaniern, Chilenen dar[55]. Nachdem im September 1973 Chiles sozialistische Regierung unter Allende von dem General Pinochet gestürzt und daraufhin eine Militärdiktatur errichtet wurde, mussten zahlreiche, als kommunistisch geltende, Personen unter der neuen Regierung um ihr Leben zu fürchten[56]. Um dieser Verfolgung in ihrer Heimat zu entgehen, kamen schätzungsweise 2000 politische Flüchtlinge aus Chile in die DDR[57]. Ihre soziale Struktur unterschied sich von der anderer Asylsuchender: aus dem südamerikanischen Staat flohen vor allem solche mit intellektuellen Berufen, ehemalige Angehörige des Staats- und Parteiapparates der ehemaligen Linksregierung Chiles und Studenten[58]. Laut einem Beschluss des Zentralkomitees der SED war es der DDR-Regierung besonders daran gelegen diese politischen Flüchtlinge in das Leben der DDR zu integrieren[59]. Um ihnen dies zu ermöglichen, kamen den Geflüchteten sowohl finanzielle, als auch materielle Hilfen in Form von Neubauwohnungen, Krediten, Überbrückungsgeldern und weitern Eingliederungshilfen wie beruflicher Weiterbildung und Studium zu[60].

3 Staatliche Grundlagen für den Umgang mit Ausländern

3.1 Einfluss außenpolitischer Interessen auf Ausländerpolitik

Wie exemplarisch bei den verschiedenen Ausländergruppen bereits angeklungen ist, erwiesen sich ideologische Ausrichtung, Parteiinteressen und nicht zuletzt die Außenpolitik der DDR als wichtige Aspekte, welche die Aufenthaltsbedingungen und den Umgang mit Ausländern maßgeblich beeinflussten.

Die Außen- und auch die Innenpolitik der DDR waren zunächst erheblich von dem Abhängigkeitsverhältnis zu der Sowjetunion geprägt. Dieses wurde durch mehrere Faktoren bedingt, wobei hier nur die markantesten genannt werden sollen. Die DDR ging aus der sowjetischen Besatzungszone hervor, wodurch sie einem Prozess der Sowjetisierung durchschritt, bei dem sowjetische Verhältnisse in vielen Bereichen als Maßstab behandelt wurden[61]. Durch die Einbindung in den Warschauer Pakt 1955 und dem 1964 geschlossenen Vertrag über ‚Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand‘ richtete die DDR ihre Politik stark nach der Integration in die sozialistische osteuropäische Staatengemeinschaft aus[62]. Auch das Wirtschaftssystem war maßgeblich nach Vorbild der Sowjetunion gestaltet und der Handel war primär auf den Austausch mit ihr und den von ihr beherrschten Staaten des Ostblocks gestützt[63]. Diese primäre Orientierung an osteuropäischen und sozialistischen Ländern zeigt sich unter anderem bei den zahlreichen bilateralen Verträge über die Gastarbeiter, die fast ausschließlich Staaten dieser ideologischen Ausrichtung geschlossen worden sind.

Ein weiterer, für die Außen- und Ausländerpolitik entscheidender, Faktor stellt die Westpolitik der DDR dar, die besonders durch den politischen deutsch-deutschen Wettlauf bestimmt war[64]. Es ging dabei vor allem um die gegenseitige Rechtfertigung des eigenen Staates und, wegen der Einbindung in die verschiedenen Staatensysteme, um Abgrenzung voneinander sowie das Erlangen von Anerkennung[65]. Um das eigene politische Gewicht in Europa und der Welt zu stärken, Bündnispartner um sich zu versammeln und um schließlich diplomatische Anerkennung zu erlangen, suchte die DDR schon frühzeitig Kontakt zu Entwicklungsländern und osteuropäischen Staaten[66]. Dies zeigt sich vor allem bei der Förderung von Studenten aus ehemaligen Kolonialstaaten (siehe Kapitel 2.2).

[...]


[1] gl. Reif-Spirek, Peter, Die neuen Feierabendterroristen, erschienen auf ZEIT online am 07.09.2015, online verfügbar unter: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-09/rassismus-gewalt-ostdeutsch- land-feierabendterroristen/komplettansicht?print (abgerufen am 20.05.2016).

[2] vgl. Quent, Matthias, Rechtsextremismus- ein ostdeutsches Phänomen?, in: Aus Politik und Zeitge- schichte B16-17 (2012), S. 38- 42, hier S. 38f.

[3] Poutrus, Patrice G./ Behrends, Jan C./ Kuck, Dennis, Fremd-Sein in der staatsozialistischen Diktatur. Zu historischen Ursachen von Fremdenfeindlichkeit und rassistischer Gewalt in den Neuen Bundesländern, in: Arndt, Susan (Hrsg.), AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland, 2001 Münster, S. 184- 204, hier S. 184.

[4] vgl. Schmidt, Manfred G., Wörterbuch zur Politik, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 2004, S. 57.

[5] Weiss, Karin, Migranten in der DDR und in Ostdeutschland, in: Meier-Braun, Karl-Heinz/ Weber, Rein- hold, Deutschland Einwanderungsland. Begriffe- Fakten- Kontroversen, Stuttgart 2013, S. 42- 45, hier S. 42.

[6] Stach, Andrzej, Ausländer in der DDR- ein Rückblick, in: Ausländerbeauftragte des Senats (Hrsg.), Aus- länder in der DDR. Ein Rückblick, 4. Auflage, Berlin 1994, S. 4- 25, hier S. 4, 9 ; Rother, Hans- Jürgen, Strickmaschinen und Vertragsarbeiter. Unbeabsichtigte Nebeneffekte der Beschäftigung ungarischer Ver- tragsarbeiter in der DDR, in: Deutschland Archiv 3 (2012), online verfügbar unter: http://www.bpb.de/ge- schichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/126641/ungarische-arbeiter-in-der-ddr (aufgerufen am 10.05.2016).

[7] Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft in der DDR (1949- 1990), Leipzig 1994, S. 13.

[8] Runge, Irene, Ausland DDR. Fremdenhaß, Berlin 1990, S. 119.

[9] Stach, Andrzej, Ausländer in der DDR, S. 7.

[10] Elsner, Eva- Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 11f.

[11] Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik in der DDR 1949- 1989/90, in: Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen (Hrsg.), Normalfall Migration: Deutschland im 20. und frü hen 21. Jahrhundert, Bonn 2004, S. 90.

[12] Stach, Andrzej, Ausländer in der DDR, S. 11.

[13] Hussain, Saleh, Die Situation der Ausländer vor der Wende (1989- 1990), in: Ausländerbeauftragte des Senats (Hrsg.), Ausländer in der DDR. Ein Rückblick, S. 26 – 35, hier S. 27.

[14] Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft in der DDR, S. 11; Stach, Andrzej, Ausländer in der DDR, S. 11.

[15] Zwengel, Almut, Kontrolle, Marginalität und Misstrauen? Zur DDR-Spezifik des Umgangs mit Arbeits- migranten, in: Zwengel, Almut (Hrsg.), Die „Gastarbeiter“ der DDR. Politischer Kontext und Lebens- welt, Berlin 2011, S. 3- 20, hier S. 5; Hussain, Saleh, Die Situation der Ausländer vor der Wende, S. 27.

[16] Elsner, Eva- Maria, Zur Rechtsstellung der ausländischen Arbeitskräfte in der DDR, in: Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik 4 (1990), S. 157- 162, hier S. 158.

[17] Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 22.

[18] Ebenda.

[19] Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik, S. 93; Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 6., aktual. u. erw. Aufl., Bonn 2016, online verfügbar unter: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/18095/rat-fuer-gegenseitige-wirtschaftshilfe- rgw (abgerufen am 20.04.2016).

[20] Zwengel, Almut, Zur DDR-Spezifik des Umgangs mit Arbeitsmigranten, S. 5; Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik, S. 94.

[21] Weiss, Karin, Migranten in der DDR und Ostdeutschland, S. 42.

[22] Elsner, Eva- Maria, Zur Rechtsstellung der ausländischen Arbeitskräfte in der DDR, S. 158.

[23] Poutrus, Patrice G., Die DDR als „Hort der internationalen Solidarität“. Ausländer in der DDR, in: Großbölting, Thomas (Hrsg.): Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR- Legenden auf dem Prüfstand, Berlin 2009, S. 134- 154, hier S. 145.

[24] Ebenda.

[25] Ebenda, S. 146.

[26] Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik, S. 95.

[27] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S.148.

[28] Ebenda.

[29] Stach, Andrzej, Ausländer in der DDR, S. 12.

[30] Elsner, Eva- Maria, Zur Rechtsstellung der ausländischen Arbeitskräfte in der DDR, S. 158;

[31] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 146; Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 28.

[32] Zwengel, Almut, Zur DDR-Spezifik des Umgangs mit Arbeitsmigranten, S. 10.

[33] Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 19f.

[34] Ebenda.

[35] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 140.

[36] Ebenda.

[37] Hussain, Saleh, Situation der Ausländer, S. 26.

[38] Einax, Rayk, Im Dienste außenpolitischer Interessen. Ausländische Studierende in der DDR am Beispiel Jenas, in: Die Hochschule 1 (2008), S. 162-183, hier S. 168.

[39] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 140f.

[40] Einax, Rayk, Im Dienste außenpolitischer Interessen, S. 165.

[41] Ebenda, S. 167.

[42] Ebenda; Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 141.

[43] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 141f.

[44] Einax, Rayk, Im Dienste außenpolitischer Interessen, S. 169.

[45] Rother, Hans- Jürgen, Umgang mit Minderheiten in der DDR. Sammelrezension, in: Deutschland Archiv 3 (2012), S. 1f.

[46] Nohlen, Dieter, Der Begriff ‚Asyl‘, in: Nohlen, Dieter/ Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.), Lexikon der Poli- tikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe, Band I, München 2002, S. 39.

[47] Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik , S. 95.

[48] Mampel, Siegfried, Die sozialistische Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik. Kommentar, 2. neubearbeitete und erweiterte Auflage, Frankfurt a.M. 1982, Art. 23 Abs. 3 Rn. 1.

[49] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 142.

[50] Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 14.

[51] Ebenda, S. 32.

[52] Ebenda, S. 14.

[53] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 143.

[54] Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik, S. 96.

[55] Elsner, Eva-Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 16.

[56] Ebenda; vgl. Volkery, Carsten, Dokumente des Grauens: Wie unter Pinochet gefoltert wurde, Spiegel Online 30.11.2004, online verfügbar unter: http://www.spiegel.de/politik/ausland/dokument-des-grau- ens-wie-unter-pinochet gefoltert-wurde-a-330366.html (abgerufen am: 26.04.2016).

[57] Poutrus, Patrice G., Hort der internationalen Solidarität, S. 143.

[58] Elsner, Eva- Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 16; Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik, S. 96.

[59] Elsner, Eva- Maria/ Elsner, Lothar, Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft, S. 16f.

[60] Ebenda, S. 17; Bade, Klaus J./ Oltmer, Jochen, Migration, Ausländerbeschäftigung und Asylpolitik S. 96.

[61] Wentker, Hermann, Für Frieden und Völkerfreundschaft? Die DDR als internationaler Akteur, in: Groß- bölting, Thomas (Hrsg.), Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand, Ber- lin 2009, S. 155- 176, hier S. 157.

[62] Einax, Rayk, Im Dienste außenpolitischer Interessen, S. 163.

[63] Wentker, Hermann, Für Frieden und Völkerfreundschaft?, S. 157.

[64] Einax, Rayk, Im Dienste außenpolitischer Interessen, S. 164.

[65] Ebenda.

[66] Scholtyseck, Joachim, Die Außenpolitik der DDR, in: Gall, Lothar (Hrsg.), Enzyklopädie deutscher Ge- schichte, Band 69, München 2003, S. 115; Einax, Rayk, Im Dienste außenpolitischer Anerkennung, S. 164.

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Details

Titel
Ausländerpolitik der DDR. Auswirkungen auf die Fremdenfeindlichkeit in der DDR und in den neuen Bundesländern
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V371906
ISBN (eBook)
9783668497467
ISBN (Buch)
9783668497474
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausländerpolitik, auswirkungen, fremdenfeindlichkeit, bundesländern
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2016, Ausländerpolitik der DDR. Auswirkungen auf die Fremdenfeindlichkeit in der DDR und in den neuen Bundesländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371906

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