"Der êren krône". Darstellung und Analyse verschiedenster Komponenten, die die êre Erecs in Hartmanns von Aue Erec herstellen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von „ êre “ im höfischen Roman um 1200 und ausgehend davon in Hartmanns von Aue Erec

3 Szenenanalyse
3.1 Aufenthalt und Beherbergung bei Koralus
3.1.1 Tugenden und Wesensmerkmale Erecs
3.1.2 Verhaltensmuster der auftretenden Personen zuzüglich Erecs Reaktionen .
3.2 Zwischeneinkehr bei Artus
3.2.1 Tugenden und Wesensmerkmale Erecs
3.2.2 Verhaltensmuster der auftretenden Personen zuzüglich Erecs Reaktionen .
3.3 Schlusseinkehr bei Artus und Krönungsfest Erecs
3.3.1 Tugenden und Wesensmerkmale Erecs
3.3.2 Verhaltensmuster der auftretenden Personen zuzüglich Erecs Reaktionen

4 Die Bedeutung der Szenen inklusive der Komponenten, die zur êre gereichen

5 Fazit

1 Einleitung

Diz was Êrec fil de roi Lac / der vrümekeit und sælden phlac (V.2-3)1 ; schon der Beginn des Romans verweist auf die Tapferkeit Erecs und sein Name lässt auf eine hohe gesellschaftliche Stellung schließen. Somit wird die êre Erecs direkt in den ersten Versen impliziert, woraus die Wichtigkeit der êre in den höfischen Romanen abgeleitet wird. Sogar in der heutigen Zeit ist êre eine wichtige Komponente der Gesellschaft, denn Menschen, die sich durch ehrenvolle Tugenden oder ehrenvolles Verhalten auszeichnen, erfahren ein höheres Ansehen und sind gesellschaftlich höhergestellt.

Ist die êre demnach im höfischen Roman und im Erec das höchste Gut eines Ritters? Wodurch wird sie deutlich, beziehungsweise wie wird êre erlangt? Und stimmt es, dass bei der Darstellung der êre Erecs eher die Verhaltensmuster der anderen Figuren im Zentrum stehen, oder doch Erec selbst inklusive seinen Tugenden? Diese Fragen beantwortet die nachfolgende Arbeit, wobei ich zuerst auf die Definition von êre im höfischen Roman um 1200 eingehen werde. Danach analysiere ich einerseits die Darstellung der Tugenden Erecs und anderseits die Verhaltensmuster der auftretenden Figuren, die die êre Erecs herstellen. Hierbei beschränke ich mich auf drei, von mir ausgewählte Szenen, an denen die êre Erecs am deutlichsten repräsentiert wird. Zum Schluss fasse ich meine gewonnenen Ergebnisse der drei Szenen noch einmal zusammen und ziehe daraufhin ein Fazit.

Die letzte Szene des Romans ist ein wichtiger Bestandteil dieser Ausarbeitung, da hier, basierend auf der finalen Motivation des Erecs, die Darstellung der êre Erecs am deutlichsten hervorgeht. Hierbei handelt es sich nicht um eine kausale Motivation, die sich aus einem Ziel herausbildet, sondern um eine Richtung auf ein Ziel, das den Verlauf des Romans bestimmt.2

2 Definition von „ êre “ im höfischen Roman um 1200 und ausgehend davon in Hartmanns von Aue Erec

Die êre gilt in den feudalen Gesellschaften des Mittelalters als zentrales Element der Wertschätzung, des Lobes und des öffentlichen Ansehens. Êre erlangt jemand aufgrund seiner Tugenden oder Vorzügen.3 Dementsprechend gilt die êre zudem in den höfi- schen Romanen als zentrale Komponente adliger Identität, die auf öffentliches Ansehen hindeutet. Die êre ist der Kodex und die Norm der Gesellschaft, die in Bezug zu dem wünschenswerten Handeln der Mitglieder gesetzt wird und somit gilt sie als das höchste Gut der Figur in einer edlen und adligen Gesellschaft, das die feudale Gesellschaft verbindet.4 Die höfische Literatur ist als Medium zu verstehen, in dem die Verhaltensmuster, das Herrschaftshandeln und die aristokratische Statusdarstellung der adligen Figuren im Hinblick auf ihre êre und ihr Ansehen dargestellt werden.5

Überdies ist êre die Vorstellung der anderen Menschen über die eigene Anerkennung und sie ist verknüpft mit der Bereitschaft, sein Leben für ihre Sicherung auf das Spiel zu setzen.6

In diesem Kontext der Ehrerlangung spielt gleicherweise der ideale Ritterbegriff, der in der Literatur repräsentiert wird, eine entscheidende Rolle. Aufgrund des Wandels des Rittergebriffs, der durch den vermehrten französischen Einfluss angetrieben wurde7, deutet der adlige Rittername seit der höfischen Blütezeit auf êre und Würde hin. Aus dem alten Dienstwort miles ist zu diesem Zeitpunkt ein Adelsprädikat geworden8. Der Begriff wird zum Inbegriff adligen Lebens und ist nicht mehr trennbar von der adligen Welt.9 Außerdem sind die adligen Ritter in den höfischen Romanen nicht in den Adel hinaufgestiegene, sondern stammen aus adligen Familien. 10 Der Rittertitel ist für diese Söhne aus adligem Hause ein Ehrenname, der seine gesellschaftliche Würde und sein Ansehen widerspiegelt, sodass der Ritter zu einem Repräsentant der êre wird.11

Der Ritter Erec aus Hartmanns von Aue Erec entstammt einem adligen Hause, er ist Sohn des Königs Lacs und erlangt ritterliche êre beispielsweise während seines ersten großen Turnieres, indem er guot und ere (V. 2751) tapfer erkämpft und sein Leben al- lein für die êre riskiert (vgl. V. 2840). Somit repräsentiert Erec einen typischen Vertreter des gewandelten adligen Rittertums, denn êre ist sowohl im Kampf zu erlangen, als auch an einem selbst entwickelbar, wie er verdeutlicht.12

Eine weitere Rolle für den Aufstieg des Ritterbegriffs sind die vermehrten, siegreichen, kriegerischen Fähigkeiten und die rechte Minnekonzeption, wodurch der Ritter êre erlangt und gesellschaftliches Ansehen erhält.13 Somit können der Sieg und der Besitz einer schönen Dame als zwei Voraussetzungen gesellschaftlicher êre angesehen werden. Obwohl êre aufgrund der Willkürlichkeit und der Subjektivität der Beurteilung der Voraussetzungen als „unendlich14 “ definierbar ist, gibt es einige begründete Komponenten, die auf êre schließen und mit denen sie zu erwerben ist. Die vornehme Abstammung und die virtus, nämlich die siegreiche Bewährung im Kampf sind wesentliche Bestandteile adliger Identität und Ehrerlangung. Der Einzelne strebt nach êre und höchstem Ruhm durch Siegesleistungen und muss diese durch erneute Kämpfe immer wieder legitimieren. Ergänzend werden Ruhm und êre durch vorhandenen Besitz und Reichtum gesteigert. So ist die „Vermehrung der werltlichen eren15 “ als Ziel des Einzelnen anzusehen. Weitere Tugenden, die êre zum Ausdruck bringen, sind Gerechtigkeit, Fleiß und Tapferkeit.16 Da die Ehrerlangung das höchste Gut ist, bleibt ihre Sicherung zu jeder Zeit und unter allen Umständen erstrangig.17

3 Szenenanalyse

In Hartmanns von Aue Erec sind drei zentrale Szenen, die die êre und das gesellschaftliche Ansehen Erecs essentiell, anhand seiner Tugenden und seinem Verhalten im Hinblick auf andere Personen, herausstellen. Hinzu kommen die Verhaltensmuster der Anderen, die ein Zeichen der entgegengebrachten Ehrerbietung sind und somit die gesellschaftliche Würde Erecs herausstellen. Von welchen Tugenden genau die Rede ist, und welche Rolle ihnen bei der Darstellung der êre Erecs zukommt, wird in den kommenden Abschnitten analysiert.

In dem ersten Teil wird der Aufenthalt Erecs bei dem in armen Verhältnissen lebenden Koralus, untersucht. Danach wird die Zwischeneinkehr am Artushof beleuchtet und schließlich wird die Schlusseinkehr bei Artus, inklusive des anschließenden Krönungsfestes analysiert.

3.1 Aufenthalt und Beherbergung bei Koralus

3.1.1 Tugenden und Wesensmerkmale Erecs

Die êre Erecs wird in der vorliegenden Szene anhand seiner Tugenden und Eigenschaften hergestellt. Von hoher Bedeutung ist der Name Erecs, denn die êre und das Ansehen Erecs werden durch seinen Namen dagestellt. Dieser ist Indiz seiner Herkunft, die zur êre gereicht. Zusätzlich wird sein Ansehen deutlich, indem er selbst auf seine Herkunft, seinen Vater und dessen Besitz verweist:

daz mir der sige belîbe,

sô nim ich si ze wîbe.

dar umbe endurfet irz niht lân,
si enhât an mir niht missetân,
ez mac wol mit êren sîn.
ich künde iu den vater mîn:
der ist der künec Lac genant.
beide liute unde lant,

lîp und allez daz ich hân
mache ich ir undertân,
daz si des muoz walten.»

(V. 514-524)

König Lac ist Erecs Vater, sodass Erec zum Adel dazugehört. Zudem würde bei einer folgenden Hochzeit die êre Erecs auf Enite übertragen, er würde seine êre somit vererben.

Des Weiteren ist die Darstellung der Eigenschaften Erecs als gerecht, freundlich und tapfer ein weiterer Hinweis seiner êre. Allein seine Körperhaltung lässt auf eine Zugehörigkeit zum Adel, ritterliches Standesbewusstsein und infolgedessen auf gesellschaftliches Ansehen schließen: sîn hende habete er vür sich / einem wol gezogenem manne gelich (V. 298-299).

Dadurch, dass er Iders, der kampftüchtig ist und den Sperberpreis bereits zweimal gewonnen hat, herausfordern will, wird die Tapferkeit und Mutigkeit Erecs dargestellt, die seine êre hervorheben:

dô was sîn vrümekeit dar an schîn:
er was alsô vorhtsam

daz er in mit gewalte nam.

in getorste dâ nieman bestân:

(V.213-216)

[...]


1 Alle Versangaben in dieser Arbeit beziehen sich auf folgende zugrunde liegende Textausgabe: Hartmann von Aue: Erec. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch. Hrsg., übersetzt und kommentiert von Volker Mertens. Stuttgart 2008 (= RUB 18530).

2 Vgl. Cormeau, Christoph u. Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche - Werk Wirkung. 2., neubearbeitete Aufl. München 1993 (= Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte), S. 177.

3 Vgl. Eckermann, W.: Ehre. In: Lexikon des Mittelalters. Band 3. Hrsg. von Norbert Angermann, Robert-Henri Bautier, Peter Berghaus et al. München, Zürich 1986. Sp. 1662-1663.

4 Vgl. Ehrismann, Otfried: Ehre und Mut, Âventiure und Minne. Höfische Wortgeschichten aus dem Mittelalter. München 1995, S. 66-69.

5 Vgl. Wenzel, Horst: Höfische Repräsentation. Symbolische Kommunikation und Literatur im Mittelalter. Darmstadt 2005, S. 247.

6 Vgl. Czerwinksi, Peter: Das Nibelungenlied. Widersprüche höfischer Gewaltreglementierung. In: Grundkurs Literaturgeschichte. Einführung in die deutsche Literatur des 12. bis 16. Jahrhunderts. Band 1: Adel und Hof. 12./13. Jahrhundert Hrsg. von Winfried Frey et al. Opladen 1979. S. 49-87., hier: S. 61.

7 Vgl. Bumke, Joachm: Studien zum Ritterbegriff im 12. und 13. Jahrhundert. 2. Aufl. mit e. Anh.: Zum Stand der Ritterforschung 1976. Heidelberg 1977, S. 95.

8 Vgl. Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 9. Aufl. München 1999 (= dtv, 4442), S. 68.

9 Vgl. Bumke: Ritterbegriff, S. 88.

10 Vgl. ebd., S. 94.

11 Vgl. Bumke: Höfische Kultur, S. 69.

12 Vgl. Ehrismann: Ehre und Mut, S. 66.

13 Vgl. Bumke: Ritterbegriff, S. 99.

14 Vgl. Czerwinski: Das Nibelungenlied, S. 62.

15 Vgl. Cormeau: Hartmann von Aue, S. 59.

16 Vgl. ebd., S. 58-59.

17 Vgl. Wenzel: Höfische Repräsentation, S. 253.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Der êren krône". Darstellung und Analyse verschiedenster Komponenten, die die êre Erecs in Hartmanns von Aue Erec herstellen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V371939
ISBN (eBook)
9783668498389
ISBN (Buch)
9783668498396
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erec, Ehre, Hartmann von Aue, Mittelalter, Mediävistik
Arbeit zitieren
Helena Niemann (Autor), 2016, "Der êren krône". Darstellung und Analyse verschiedenster Komponenten, die die êre Erecs in Hartmanns von Aue Erec herstellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371939

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